Samstag, 14. Februar 2026

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes (Teil 2)

Rückblick auf Invokavit 2025

Nachdem ich mich dem Thema des Sonntags Invokavit am vergangenen Sonntag mit einer Predigt aus einem Konfirmationsgottesdienst genähert habe, folgt jetzt eine Predigt aus dem letzten Jahr vom 09.03.2025. Das war tatsächlich der Sonntag Invokavit. Dieses Mal steht Matthäus 4 - die Versuchung Jesu - im Vordergrund. Ich gebe hier den ganzen Gottesdienstablauf wieder.

Orgelvorspiel


Begrüßung

EG 445,1.2.4.5.7 Gott des Himmels und der Erden 

736 Psalm 91 - Unter Gottes Schutz

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem HERRN: /
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der HERR ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Über Löwen und Ottern wirst du gehen
und junge Löwen und Drachen niedertreten.
»Er liebt mich, darum will ich ihn erretten;
er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.
Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; /
ich bin bei ihm in der Not,
ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.
Ich will ihn sättigen mit langem Leben
und will ihm zeigen mein Heil.«
 

Gloria Patri


Kyrie


Salutatio


Gebet


Gen 3,1-13

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zur Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! 4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. 8 Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten. 9 Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? 10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. 11 Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? 12 Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. 13 Da sprach Gott der Herr zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, so dass ich aß.

EG 362,1-3 Ein feste Burg ist unser Gott


Mt 4,1-11 JESU VERSUCHUNG 

1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Ps 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 

11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Glaubensbekenntnis


EG 71,1.5.6 O König aller Ehren


Predigt

Martin Senftleben: Der Sonntag Invokavit hat die Geschichte der Versuchung Jesu zum Thema. 

Versuchung ist inzwischen zu einem altertümlichen Begriff geworden, vor allem deshalb, weil die Frage nach dem Versuchenden - statt des substantivierten Partizip Präsens nehmen wir einfach: Versucher - immer deutlicher gestellt wurde und wird. Gibt es ihn überhaupt? Entspringt die Versuchung nicht ausschließlich in einem selbst? Diese Entwicklung muss auf jeden Fall berücksichtigt werden, wenn wir von Versuchung sprechen. Die Vorstellung eines leibhaftigen Versuchers als des Teufels ruft höchstens noch ein müdes Lächeln hervor; das Arbeiten mit solchen Bildern in der Predigt ist heutzutage ausgesprochen schwierig, wenn nicht gar unmöglich. 

Von der Sünde

Warum eigentlich? Wir haben es uns in der Kirche abgewöhnt, vom Teufel zu reden. Das kann man doch keinem mehr zumuten. Wir haben uns abgewöhnt, von der Sünde zu reden. Das passt nicht zum aufgeklärten Menschenbild, wonach der Mensch als vernunftbegabtes, selbstbestimmtes und freies Wesen betrachtet wird, das durch Bildung und Toleranz zu einem besseren Leben und einer besseren Gesellschaft beitragen kann.

Hoimar von Ditfurth (1921 - 1989; Psychiater und Neurologe, Fernsehmoderator und populärwissenschaftlicher Autor) sieht in der Erbsünde „jene unserer kardinalen Schwächen, auf die auch die evolutionäre Betrachtung des heutigen Menschen uns hat stoßen lassen: unsere prinzipielle, aus unserer ‚Natur‘ entspringende Unfähigkeit, das, was wir als richtig erkannt haben, auch zu tun“.

Solange wir “Erbsünde” - womöglich auch noch verbunden mit dem “sündhaften” sexuellen Akt der Zeugung - als eine moralische Kategorie verstehen, ist der Begriff weder zutreffend noch aktuell. Wenn wir aber Erbsünde als etwas verstehen, was zum Menschsein gehört, was in jedem Menschen angelegt ist, was sich Bahn bricht, wenn es nicht in Schranken gewiesen wird, wenn es sich nicht an einen zuvor vereinbarten Rahmen hält, an eine Übereinkunft, dann ist der Begriff Erbsünde aktueller als je zuvor. Noch einmal von Ditfurth … Die Erbsünde ist “unsere prinzipielle, aus unserer ‚Natur‘ entspringende Unfähigkeit, das, was wir als richtig erkannt haben, auch zu tun“. 

Charta der Vereinten Nationen - Artikel 2 Absatz 4

Eine Verabredung kommt gerade unter die Räder. Charta der Vereinten Nationen - USA, die Sowjetunion, Großbritannien und China - Artikel 2 Absatz 4: Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt. 

Matthäus 5 - Bergpredigt - Vom Töten

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist 2. Mose 20,13: »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig. 

Was für ein Ton hat sich in unserer Gesellschaft und in der Politik breit gemacht? Nicht nur jenseits des Atlantiks, auch bei uns, auch bei den etablierten Parteien der politischen Mitte. 

Matthäus 5 - Bergpredigt - Vom Schwören

Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist 3. Mose 19,12: »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.« Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt … Eure Rede … sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes ...

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Und dann ist es eben auch die Frage, ob diese Sünde nicht auch von außen angestoßen wird, ob die Rede vom Teufel, vom Satan, vom Widerpart Gottes nicht doch sinnvoll ist? Was oder wer ist der Teufel? Und wie begegnet Jesus ihm?

Wer oder was ist der Teufel?

Was ist der Teufel nicht! Die Gestalt mit Hörnern und Bocksfüßen! Diese Gestalt ist im Mittelalter erfunden worden und prägt unser Bild bis heute. Die Bibel nimmt es einfach hin, dass es den Teufel, den Widersacher Gottes, gibt. Die Urgeschichte verwendet noch das Bild der sprechenden Schlage. Im Buch Hiob heißt es einfach: “Es begab sich aber eines Tages, als die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, da kam auch der Satan mit ihnen. Der HERR aber sprach zu dem Satan …” - “Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.”

Wer ist nun der Teufel? Er ist einer, der uns auf die Probe stellt, der uns von Gott weglocken will. Und es ist einer, der uns das Wort im Munde umdreht. Genesis: Ihr werdet sein wie Gott! Hiob: Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht fluchen! 

Steine zu Brot

Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

Gottes Engel

Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Ps 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

Alle Reiche dieser Welt

Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. …

Und nun?

Ein Witz, dass der Teufel dem Sohn Gottes, der in seiner göttlichen Person in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist ja selbst Himmel und Erde erschaffen hat, dass der Teufel Jesus hier alle Reiche der Welt anbietet. Aber was passiert heute?

Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.

Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Da verließ ihn der Teufel.

Wenn wir nicht endlich wieder anfangen, genau dieses zu predigen und zu leben, kann die Kirche ihren Laden zumachen!  Wir müssen uns nicht gegen die Feststellung von Hoimar von Ditfurth abzugrenzen, dass die Erbsünde “… unsere prinzipielle, aus unserer ‚Natur‘ entspringende Unfähigkeit, das, was wir als richtig erkannt haben, auch zu tun“. Wir müssen nicht wie die Menschen der Urgeschichte die Schuld auf die anderen abschieben: Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. 13 Da sprach Gott der Herr zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, so dass ich aß. 

Weil der Teufel seine letzte Macht verloren hat durch die Zurückweisung von Jesus, aber auch schon bei Hiob, der fest in seinem Glauben blieb - will wir glauben, das wir erlöst sind durch Tod und Auferstehung Jesu, können wir zu unserer sündhaften Natur stehen und gleichzeitig deutlich machen, dass wir mit Gottes Hilfe versuchen, andere Wege zu gehen. Wir haben es nicht mehr nötig, dem Teufel, dem Satan solch einen Raum zu geben, wie er es sich im Augenblick herausnimmt.

Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Gott hat tatsächlich seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Johann Sebastian Bach - Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ


Abkündigungen


426 Es wird sein in den letzten Tagen


Fürbitte


Vater unser


Entlassung und Segen


Orgelnachspiel


Den nächsten Abschnitt zum Sonntag Invokavit veröffentliche ich zum 22. Februar. Das ist dann tatsächlich der Sonntag Invokavit selbst.

Samstag, 7. Februar 2026

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes (Teil 1)

..., dass er die Werke des Teufels zerstöre! (1. Johannes 3, 8b)

Das ist der Wochenspruch für den ersten Sonntag in der Passionszeit, für den Sonntag Invokavit (in diesem Jahr der 22.02.). Ursprünglich hatte ich ja gedacht, dass ich dazu etwas zum Sonntag selbst veröffentliche. Nachdem ich mich jetzt aber eingelesen habe, habe ich diese Überlegungen verworfen. Wie die Überschrift schon andeutet, wird es mehrere Abschnitte zu diesem Thema geben. 

Den Anfang macht eine Einheit im Konfirmandenunterricht, aus der sich dann tatsächlich eine Dialogpredigt für einem der Konfirmationsgottesdienste entwickelte. 

Konfiunterricht

Im Konfirmandenunterricht las ich mit den Jugendlichen zunächst die Geschichte von der Versuchung Jesu aus Matthäus 4 und dann die Urgeschichte Genesis 1 bis 11. Die biblischen Geschichten bereitete ich für die Jugendlichen immer mit Comicbildern von Jim Padgett auf, veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license auf der Plattform https://unfoldingword.org/sweet-publishing/. Die Bilder sind http://sweetpublishing.com zuzuordnen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese einfachen Zeichnungen die biblischen Geschichten bei den Jugendlichen so illustrieren, dass doch das eine oder andere hängen bleibt, wie ich es dann in der Vorbereitung zum Konfirmantionsgottesdienst erleben konnte. 

Ihr werdet sein wie Gott ... (Gen 3)

Wenn man mit Jugendlichen oder Erwachsenen über die Urgeschichte Genesis 1-11 sprechen will, muss zunächst deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um einen historischen Bericht handelt, sondern um eine Erzählung über das Menschsein an sich. Diese Erzählung verwendet mythische Bilder aus der orientalischen Umwelt. Wird dann der "Sündenfall" Genesis 3 thematisiert, ist noch vorauszuschicken, dass diese Geschichte nichts mit Moral im landläufigen Sinn zu tun hat, sondern dass sie eine "Disposition" des Menschen in Form einer Erzählung beschreibt. 

Die Jugendlichen haben noch sehr gut in Erinnerung, was typisch ist, wenn Erwachsene sagen: Tu das nicht! Man macht das Gegenteil. Und wenn es um das Nacktsein geht, können die Jugendlichen nach einigem Hin und Her auch benennen, dass kleine Kinder bis zu einem bestimmten Punkt kein Problem haben, nackig herumzulaufen. Erst in dem Augenblick, in dem die Kinder sich und andere Menschen unterscheiden können und sich damit ihrer selbst bewusst werden, wird das Nacktsein zu einem "Problem". Eva und Adam verhalten sich im Paradies im Grunde genommen wie kleine Kinder. 

Der entscheidende Punkt ist allerdings nicht die Übertretung des göttlichen Gebotes - "Esst nicht davon!" -, sondern die Verlockung, die im Raum steht: "Ihr werdet sein wie Gott ..." Wenn das kein Angebot ist!

Im Unterrichtsgespräch ist es dann überhaupt kein Problem, mit den Jugendlichen diese Intention zu erarbeiten. Der Blick in die Gegenwart macht deutlich: Genau das dürfte bis heute unser Problem sein - sein wie Gott, die Geschichte in die eigene Hand nehmen ...

Nebenbei bemerkt: Die Schlange hat Eva und Adam nicht betrogen. Denn Gott stellt am Ende der Erzählung fest: Nun ist der Mensch geworden wie unsereiner und weiß um Gut und Böse ... Das Problem ist nur - auch bis heute: Wir Menschen können mit diesem Wissen nicht umgehen. 

Das lässt sich dann sehr einfach mit der Geschichte von Kain und Abel weitererzählen, wo ein Bruder den anderen aus Neid und Eifersucht erschlägt. Menschlich gesprochen: Kain ist so bockig, dass er überhaupt nicht wahrnimmt, dass Gott ihn vor (!) der Tat anspricht, um den Mord zu verhindern. "... die Sünde lauert vor der Tür deines Herzens ... Du musst Herr über sie sein!"

Gott ist schuld ...

Als es dann um die "Aufarbeitung" der Vorgänge geht, reagieren sowohl Eva und Adam als auch Kain typisch menschlich:  

  • Adam: Die Frau, die du, Gott, mir gabst ...
  • Eva: Die Schlange betrog mich ...
  • Kain: Bin ich meines Bruders Hüter ...

Typisch - keiner ist bereit, für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen. 

Trotzdem, Gott hält zu seinen Menschen

In diesem Duktus kann man die weiteren Stationen der Urgesichte besprechen. In Kapitel 6 fällt dann vor der Sintflut das verheerende Urteil: Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es den HERRN, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden ...

Jedoch ändert sich auch nach der Sintflut nichts an der Situation. Noah hatte wieder festen Grund unter den Füßen und brachte Gott ein Opfer dar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Aber genau wie bei Eva und Adam und bei Kain macht Gott hier endgültig Schluss. Vielmehr verspricht er: "Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." Der Turmbau zu Babel macht dann leider noch einmal deutlich, dass die Menschheit nichts begriffen hat - bis heute?!

Der Konfirmationsgottesdienst

Wenn irgend möglich bereitete ich die Konfirmationsgottesdienste mit Jugendlichen vor. Was ist hängengeblieben? Was können wir euren Familien noch erzählen? Was ist euch wichtig? Welche Lieder würdet ihr gern singen? 

Bei der Vorbereitung dieses Konfirmationsgottesdienstes kam von einer Konfirmandin dieser Impuls: 

Mit Adam und Eva und der Schöpfungsgeschichte (und wie sie mit der Wissenschaft zusammenhängt) haben wir uns auch beschäftigt. 

Dieses erste Votum wurde dann in einem zweiten Anlauf noch weiter ausgeführt. Das aber kann gleich in der Dialogpredigt nachgelesen werden.

Dialogpredigt - Konfis und Pastor

Aus den Notizen der Jugendlichen entwickelten wir gemeinsam die nachfolgende Dialogpredigt. An dem Dialog waren fünf bis sieben Konfirmanden beteiligt.  

Nach dem Gottesdienst kam ein Großvater auf mich zu und meinte, dass er so viel Theologie lange nicht in einem Gottesdienst wahrgenommen habe. 

Moin! Mann, habt ihr euch chic gemacht!

Mit deinem Anzug kannst du dich aber auch sehen lassen.

Naja, Konfirmation ist ja auch schon was. Ich finde, da kann man sich schon mal besonders anziehen. - Schaut mal, unsere Familien haben sich doch auch fein gemacht.

Eigentlich war die Konferzeit doch gar nicht schlecht, oder?

Im ersten Jahr trafen wir uns fast jeden Dienstag im Gemeindehaus und haben über verschiedene Themen gesprochen. Dazu bekamen wir Arbeitsblätter, die wir gemeinsam bearbeitet haben.

Das war nicht immer ganz spannend. Aber als wir uns mit Jesus beschäftigt haben, habe ich mir gemerkt, dass Jesus auch Geschwister hatte; 4 Brüder und mindestens zwei Schwestern. Fand ich interessant. Das wusste ich bis dahin nicht.

Mit Adam und Eva und der Schöpfungsgeschichte - und wie sie mit der Wissenschaft zusammenhängt - haben wir uns auch beschäftigt.

Außerdem haben wir uns mit der Geschichte der Gustav Adolf Kirche befasst. Das war vielleicht nicht die tollste Zeit meines Lebens, aber es hat durchaus Spaß gemacht!

Eine wirklich schöne Zeit hatten wir im zweiten Jahr mit der Konfirmandengruppe. Wir hatten insgesamt 4 Freizeiten! Zwei waren hier in Meppen und die beiden anderen in einer Jugendherberge in Papenburg, wo wir uns ein Zimmer mit Freunden geteilt haben. Morgens wurden wir von - sagen wir mal - interessanter Musik geweckt und haben danach gefrühstückt. Im Laufe des Vor- und Nachmittags haben wir zum jeweiligen Thema der Freizeit gearbeitet. Am Abend haben wir uns nochmal getroffen, ein eigenes kurzes Friedensgebet organisiert und danach oft etwas gespielt.

Manchmal war es wirklich nicht einfach herauszufinden, wer beim Spiel “Werwolf” die Wölfe waren. Es hat aber immer Spaß gemacht. Unsere Teamer waren auch auf jeder Freizeit dabei und haben unsere Gruppen übernommen, wenn wir gearbeitet haben. Habt ihr echt gut gemacht!!! 👏👏👏

Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich vorher nicht immer Lust auf die Freizeiten - aber wir haben uns dann als Gruppe immer besser kennengelernt, und es war jedes Mal die richtige Entscheidung, dabei zu sein!

Zurück in Meppen gestalteten wir auch unseren Vorstellungsgottesdienst, bei dem wir der Gemeinde​ erzählt haben, was wir in der Konferzeit so gemacht hatten.

Sag mal, du hast vorhin was von Adam und Eva erzählt. Hab ich total verdrängt das Thema. Was war da eigentlich?

Ich erzähl erst mal die Geschichte:

Die Schlange war das kühnste Tier des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie fragte Eva: "Hat Gott wirklich gesagt: ‘Ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen?'" - “Natürlich dürfen wir sie essen", erwiderte die Frau, nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt: ‘Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben!’” - “Nein, nein," sagt die Schlange, “ihr werdet bestimmt nicht sterben! Aber Gott weiß: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.”

Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ist das der entscheidende Punkt. Eva vertraut der Schlange mehr als Gott. Und die Schlage sagt ihr, dass die Menschen wie Gott werden, wenn sie vom Baum essen.

Wenn die Menschen so sein wollen wie Gott, das ist Sünde. Adam und Eva fehlte das Vertrauen zu Gott. Habe ich mir das richtig gemerkt, Pastor Krüger?

Krüger: Ja, das ist genau der entscheidende Punkt. Wenn ihr euch heute in der Welt umschaut, scheint es doch immer noch so zu sein: Wir Menschen tun so, als ob wir Gott wären, wir denken, dass wir mit unserer Erde und mit allem, was darauf ist, so verfügen können, wie wir das denken.

Ich erzähl die Geschichte mal weiter, ja?!

Die Frau sah den Baum an: Seine Früchte mussten köstlich schmecken, sie anzusehen, war eine Augenweide, und es war verlockend, dass man davon klug werden sollte! So nahm die Frau nahm von der Frucht und aß. Dann gab es sie auch ihrem Mann davon und er aß ebenso.

Da gingen den beiden die Augen auf und sie merkten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze.

Ich fand das witzig, dass Pastor Krüger sagte, dass die Schlange die Frau Eva erst überreden musste, vom Baum zu essen. Der Mann Adam dachte nicht viel nach und nahm die Frucht gleich.

Adam und Eva hatten auch zwei Söhne, Kain und Abel. Kain war ein Ackerbauer und Abel ein Hirte. Eines Tages brachten beide Brüder Gott ein Opfer. Kain meinte, dass Gott seine Opfergaben ablehnen und die von Abel annehmen würde. Daher war Kain eifersüchtig und tötete seinen Bruder Abel.

Krüger: Wisst ihr noch, dass die Schlange Eva gesagt hatte, dass die Menschen sterben würden, wenn sie vom Baum der Erkenntnis essen. Hier bei diesem ersten Mord da passiert es. Die Menschen können mit dem Wissen um Gut und Böse nicht umgehen. Sie bringen sich gegenseitig um - so kommt der Tod ins Leben der Menschen.

Auch heute in unserer Gesellschaft gibt es Neid, Eifersucht, Missgunst und Betrug. Diese vier negativen menschlichen Eigenschaften findet man sowohl in der Geschichte von Adam und Eva, bei Kain und Abel als auch im heutigen Leben.

Da kann ich noch mal mit dem Thema unserer ersten Freizeit hier in Meppen einsteigen: Taufe.

Wir alle wurden doch einmal getauft. Einige als Kinder, andere als Jugendliche oder manche vielleicht auch als Erwachsene. Auch Jesus wurde getauft. Mit der Taufe werden wir in die christliche Gemeinde aufgenommen und sind ab da Mitglieder der Gemeinde. Bei der Taufe wird vom Pastor Wasser über die Stirn gegossen. Meistens sind die Paten und Verwandte bei der Taufe in der Kirche dabei.

Die Taufe ist eines der wichtigsten Feste eines Christen, denn, so habe ich mir das gemerkt, Pastor Krüger: Bei der Taufe stirbt der Wille, sich wie Gott zu fühlen.

Krüger: Richtig, stellt euch eben mal die alte Taufform vor, wo die Menschen ganz untergetaucht wurden. Paulus sagt, dass in der Taufe die Sünde stirbt, der Wille, so sein zu wollen wie Gott. Und dann habe ich euch erklärt: Wir Christen haben es nicht nötig, gegen Gottes Gebot zu handeln, wir können freiwillig das Gute tun.

Also, weil wir getauft sind, können wir so leben, wie Gott es will, richtig?! Und wir können auf die Zehn Gebote vertrauen. Ohne Gott handeln wir oft nicht richtig, mit Gott können wir versuchen, das Richtige für uns und die Welt zu tun.

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre - Also, weil wir getauft sind, können wir so leben, wie Gott es will, richtig?! Und wir können auf die Zehn Gebote vertrauen. Ohne Gott handeln wir oft nicht richtig, mit Gott können wir versuchen, das Richtige für uns und die Welt zu tun. 

Mehr musste doch tatsächlich gesagt werden, oder?

Zugegeben, das war schon eine Sternstunde im Konfirmandenunterricht. Wenn ich die Reaktionen von Jugendlichen bei meiner Verabschiedung vor Augen habe, dann ist aber wohl auch sonst das eine oder andere hängengeblieben. Der Konfirmandenunterricht ist und bleibt eines der wichtigsten pastoralen Arbeitsfelder. 


Der nächste Beitrag erscheint in einer Woche zum 14./15.02.

Samstag, 31. Januar 2026

Scheitern trotz Licht

Warum die Herrlichkeit allein nicht rettet

Die Zeit zwischen dem Erscheinen der Weisen aus dem Morgenland am 6. Januar und dem Fest der Verklärung Jesu am Ende der Epiphaniaszeit bildet einen großen Spannungsbogen. Es ist ein Weg, der uns vom dunklen Stall in Bethlehem auf die lichte Höhe eines Berges führt und von dort aus doch wieder ins “finstere Tal”. Theologisch betrachtet geht es dabei um nichts Geringeres als die Frage: Wer ist dieser Jesus, von dem wir bekennen: “wahrer Mensch” und “wahrer Gott” von Ewigkeit zu Ewigkeit?

Predigt zum letzten Sonntag nach Epiphanias.

Aus den Gedenken, die ich mir hier im Block zum letzten Sonntag nach Epiphanias gemacht habe, ist die Predigt entstanden, die ich heute in der baptistischen Freikirche hier in Meppen gehalten habe.

Das Video startet mit dem Beginn der Predigt. Wer den ganzen Gottesdienst verfolgen will, schiebt den Regler einfach ganz nach vorn.

Nun folgen die Gedanken, die ich mir vorab zum Letzten Sonntag der Epiphaniaszeit gemacht habe.

Epiphanias – Mehr als eine idyllische Krippenszene

Wenn die Weisen aus dem Morgenland vor dem Kind in der Krippe niederknien, bringen sie Geschenke, die weit über eine nette Geste hinausgehen. In diesen Gaben steckt schon die ganze Biografie Jesu:

  • Gold: Für den König (den Messias).

  • Weihrauch: Für den Gott (göttliche Verehrung).

  • Myrrhe – eine bittere Heilpflanze, die auch zur Einbalsamierung genutzt wurde – als Vorverweis auf das Leiden und die Folter des Kreuzes.

Nach der Anbetung verschwinden die Weisen. Sie tauchen im Evangelium nicht mehr auf. Ihr Dienst ist getan: Sie haben die Weltöffentlichkeit repräsentiert, die zum göttlichen Kind kommt. Ob sie ihren wahren Heiland gefunden haben, wissen wir nicht. 

Taufe und Verklärung

Zwei Ereignisse rahmen die Epiphaniaszeit ein und werden durch ein fast identisches Wort Gottes wie durch eine Klammer verbunden. Bei der Taufe im Jordan hört Jesus – und mit ihm die Leser der Evangelien – den Zuspruch: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Wochen später, auf dem Berg der Verklärung, wiederholt sich dieser Satz fast wortgleich, doch diesmal ist er an die Zeugen gerichtet: „Dies ist mein lieber Sohn … den sollt ihr hören!“ Was am Jordan als persönliche Berufung begann, wird auf dem Berg zur öffentlichen Proklamation. Es ist eine „Epiphanie“, ein Aufleuchten der göttlichen Dimension in der menschlichen Gestalt Jesu.

Der Berg als Ort der Gottesnähe

Dass sich dieses Geschehen auf einem Berg abspielt, steht in einer langen biblischen Tradition. In der religiösen Geographie der Bibel ist der Berg kein bloßer Ort, sondern ein Symbol: Er ist der Berührungspunkt zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch.

Hier wird die Verbindung zu den beiden Gestalten deutlich, die plötzlich neben Jesus erscheinen: Mose und Elia.

  • Mose begegnete Gott auf dem Sinai im dichten Gewölk. Dort empfing er die Zehn Gebote, Gottes Weisung für das Leben. (2. Mose 20,1-21)

  • Elia erlebte am Berg Gottes, dem Horeb, wie der Sinai auch genannt wird, das Vorüberziehen Gottes im sanften Säuseln des Windes (1.Könige 19,11-13; übrigens wird dies von Mose auch erzählt). Durch diese Begegnung fand Elia, der zuvor verzweifelt war, wieder zu Gott und damit zu sich selbst und seinem Auftrag.

Mose und Elia sind Männer des Berges und Männer der Offenbarung. Wenn sie nun mit Jesus im Lichtglanz erscheinen, bedeutet das: Die Geschichte Gottes mit den Menschen bricht nicht ab. In Jesus tritt das „Gesetz“ (Mose) und die „Prophetie“ (Elia) in einen Dialog mit der Gegenwart. Jesus wird als derjenige beglaubigt, der diese Traditionen nicht nur fortsetzt, sondern in sich vereint und erfüllt.

Die Vorwegnahme des Osterlichts: Warum wir schweigen müssen

Ein theologisch entscheidender Punkt bleibt oft im Schatten des strahlenden Lichts: Das Schweigegebot beim Abstieg. Jesus untersagt den Jüngern, über das Erlebte zu sprechen, „bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist“.

Warum diese Zurückhaltung? Es drängt sich doch geradezu auf, von einer solch wunderbaren Erscheinung und Begegnung zu erzählen. Jesus weiß es, und die Erfahrung zeigt es bis heute: Ein Glaube, der sich nur an der Herrlichkeit auf dem Gipfel berauscht, wird am Kreuz scheitern. Die Verklärung ist kein vorzeitiges Happy End der Heilsgeschichte. Sie ist vielmehr ein „Osterlicht vor der Zeit“ – ein kurzer Durchblick auf das Ziel, um den schweren Weg durch die Passion auszuhalten.

Wenn alles zusammenbricht: Vom Berggipfel in den Hof des Hohepriesters

Der Fortgang der Geschichte macht deutlich, was gemeint ist. Auf dem Berg der Verklärung erleben die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes den absoluten Höhepunkt. Doch diese Klarheit hält dem Sturm der Realität nicht stand. Nur wenig später, im Garten Gethsemane und im Hof des Hohenpriesters, ist die Herrlichkeit vom Berg wie weggeblasen.

  • Die Jünger, die eben noch im Licht standen, fliehen in die Dunkelheit.

  • Petrus, der Jesus vollmundig versprach, mit in den Tod zu gehen, verleugnet seinen Herrn.

Alles bricht zusammen. Die Erfahrung des Berges scheint wertlos, wenn die nackte Angst regiert. An dieser Stelle wird deutlich, was bis heute gilt: Der Glaube ist keine stetige Gewissheit, sondern er kennt auch die totale Katastrophe des Karfreitags.

Der Dreh- und Angelpunkt: Die Kraft der neuen Realität

„Tot ist doch eigentlich tot.“ Dieser nüchterne Satz beschreibt die Realität, in der die Jünger nach der Kreuzigung verharren. Ohne das Ereignis der Auferstehung wäre die Geschichte Jesu eine Tragödie unter vielen geblieben – und der christliche Glaube, wie Paulus später an die Korinther schreibt, „umsonst und nichtig“ (1. Kor 15).

Theologisch gesprochen: Die Herrlichkeit Gottes ist in der Welt nur durch die Linse der Auferstehung recht zu verstehen. Es geht um eine persönliche Begegnung mit Jesus, um ein Zulassen der Auferstehung. 

Der Jünger Thomas glaubte den anderen ja nicht, dass sie den Auferstandenen gesehen hatten. Er wollte handfeste Beweise sehen. Aber in dem Moment, als der Auferstandene ihn dann anredet, kann er bekennen: Mein Herr und mein Gott. Der Brief an die Hebräer drückt dies im 11. Kapitel so aus: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Vers 1)

Ohne dieses Bekenntnis bliebe die Verklärung Jesu auf dem Berg eine bloße Legende. Erst im Licht der Auferstehung wird die Verklärung von einer rätselhaften Erscheinung zu einer verlässlichen Realität: der leidende Mensch Jesus und der verklärte Gottessohn sind derselbe.

Und jetzt ordnen sich die Puzzleteile neu:

  1. Die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland: Gold, Weihrauch und Myrrhe. 

  2. Gottes Wort bei der Taufe: Du bist mein geliebter Sohn …

  3. Die Begegnung mit Mose und Elia und dann Gottes Wort auf dem Berg der Verklärung Dies ist mein geliebter Sohn, auf den sollt ihr hören.

Diese neue Erfahrung gibt den Jüngern die Kraft, die sie vorher nicht hatten: Sie werden von Flüchtigen zu Boten der Vergebung. Sie tragen die Botschaft weiter – nicht weil sie so stark waren, sondern weil sie erfahren haben, dass Gottes „Ja“ zum Leben stärker ist als ihr eigenes Versagen.

Haben die Weisen aus dem Morgenland ihren Heiland gefunden, so hatte ich eingangs gefragt. Die Jünger, die dem Auferstandenen begegneten, die haben ihren Heiland tatsächlich gefunden.

Fazit: Glaube im Rückspiegel

Die Verklärung Jesu ist keine isolierte Episode. Sie ist ein „Osterleuchten“, das uns zeigt: Gott offenbart sich - bildlich gesprochen - auf Bergen, aber der Glaube bewährt sich - wiederum bildlich - in den Tälern. Die Botschaft von Epiphanias bis Ostern ist die Einladung, Jesus Christus nicht nur als das Kind oder den strahlenden Helden zu sehen, sondern als den, der durch das Dunkel hindurchgegangen ist, um uns dort abzuholen und zum Leben zu führen.


Nächster Blogbeitrag zum Sonntag Invokavit - Wenn das Licht der Verklärung auf die Wüste trifft

Diesen Beitrag habe ich für den 21. Februar zum Sonntag Invokavit geplant. Ob ich mir zwischendurch noch Gedanken für die beiden Sonntag vor der Passionszeit mache, muss ich mal schauen.

Der Wochenspruch für Invokavit lautet:

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannes 3,8b )

Nachdem wir in der Epiphaniaszeit auf den Glanz von Weihnachten zurückgeblickt haben, hält in drei Wochen der erste Sonntag in der Passionszeit, der Sonntag Invokavit, einen neuen Schwerpunkt für uns bereit. Ich widme mich einem Thema, das wir in der modernen Kirche oft lieber totschweigen: Der Versuchung und dem Teufel.

Dabei begegnen wir einer Gestalt, die wir oft nur noch als mittelalterliches Klischee belächeln. Doch wie lässt Goethe seinen Mephistopheles so treffend sagen?

„Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.“ 

In meinem kommenden Beitrag übertragen wir die biblischen Versuchungen auf unsere heutige Zeit:

Steine zu Brot: Die Versuchung, alle Nöte rein technokratisch lösen zu wollen, statt aus Gottes Wort zu leben.

Der Sprung von der Zinne: Die Gefahr der religiösen Selbstinszenierung, die Gott herausfordert, statt ihm zu vertrauen.

Die Reiche der Welt: Der fatale Glaube, Macht und Kontrolle durch die Preisgabe von Werten gewinnen zu können – ein Hohn angesichts heutiger Brüche des Völkerrechts.

Wir werden sehen: Der bloße Wille oder moralische Vorhaben reichen nicht aus. Wie Eva und Adam erliegen wir oft der Illusion, wir könnten es allein schaffen. Doch echter Widerstand gelingt nur, wenn wir von Ostern her auf die Wüste blicken. Nur weil Christus die Werke des Teufels bereits zerstört hat, müssen wir die Schuld nicht mehr von uns wegschieben.

Seien Sie gespannt auf eine Auseinandersetzung mit unserer „sündhaften Natur“ und der befreienden Gewissheit, dass Gott seinen Engeln befohlen hat, uns zu behüten.

Samstag, 17. Januar 2026

Wenn der Himmel die Erde berührt

Fülle in Kana und Weite in Kapernaum

In meinem ersten Beitrag zur Epiphaniaszeit haben wir gesehen, dass die Erscheinung Jesu Christi erst im Licht der Auferstehung ihre volle Tiefe gewinnt. Doch bevor Jesus den Weg zum Kreuz geht, hinterlässt er Spuren. Er setzt Zeichen. In der Epiphaniaszeit begegnen uns zwei Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Eine ausgelassene Hochzeit (2. Sonntag nach Epiphanias) und das Sorgenhaus eines römischen Soldaten (3. Sonntag nach Epiphanias). Beide erzählen davon, wie Gottes Gegenwart hier auf Erden aufscheint – und dass sie keine Grenzen kennt.

Nach diesem Beitrag folgt eine Predigt zur biblischen Geschichte der Hochzeit zu Kana aus dem letzten Jahr. 

I. Das Fest der Fülle: Das Weinwunder von Kana

Die Geschichte von der Hochzeit zu Kana (Johannes 2) wirkt auf den ersten Blick fast profan. Da geht einer Partygesellschaft der Wein aus – ein gesellschaftliches Desaster, aber keine lebensbedrohliche Notlage. Doch für den Evangelisten Johannes ist dies das „erste der Zeichen“. Die Forschung vermutet hier den Rückgriff auf eine sehr alte Sammlung von Wundergeschichten, die sogenannte Semeiaquelle (von griechisch semeion = Zeichen).

Doch Johannes übernimmt diese Geschichten nicht als bloße Berichte über magische Taten. Für ihn ist ein „Zeichen“ ein Wegweiser. Wer am Wegweiser stehen bleibt und nur das Holz bewundert, kommt nie ans Ziel. Das Zeichen will uns nicht nur staunen lassen, sondern uns zeigen, wer dieser Jesus wirklich ist: wahrer Mensch und wahrer Gott.

Die Verwandlung der Tradition

Im Haus standen sechs steinerne Wasserkrüge, gedacht für die jüdische Reinigungssitte. Diese Krüge symbolisieren das religiöse System der Zeit: Mühsame rituelle Waschungen, um vor Gott „rein“ zu werden. Es war ein System des Wassers – notwendig, aber ohne Geschmack und ohne die Kraft, das Herz wirklich zu erfreuen.

Jesus nimmt genau diese Gefäße des Gesetzes und füllt sie bis zum Rand. Doch was er daraus schöpfen lässt, ist Wein. Damit transformiert er die Religion:

  • Aus der rituellen Pflicht wird festliche Freiheit.

  • Aus dem Wasser der Reinigung wird der Wein der Gemeinschaft.
Deshalb dürfen wir nicht beim Wein stehen bleiben. Es gilt: Schau auf den, der diesen Wein gibt. Der ist nur das Gefäß für die eigentliche Botschaft: Hier ist der, der die Schöpfung erneuert. Wo der Mensch an seine Grenzen stößt (wenn der Wein ausgeht), fängt Gott neu an. 

Ein Echo der Propheten

Wer die Bibel kennt, hört in Kana die alten Verheißungen mitschwingen. Wenn Jesus ca. 700 Liter besten Wein schenkt, ist das kein Zufall, sondern göttliche „Verschwendung“. Es ist die Antwort auf die Träume der Propheten:

  • Amos (9,13) und Joel (3,18) träumten von einer Zeit, in der die Berge von Wein „triefen“.

  • Jesaja (25,6) sah ein Festmahl für alle Völker voraus, bei dem Gott den Tod verschlingt und besten Wein ausschenkt.

In Kana wird klar: Das Reich Gottes ist kein Ort des Mangels. Es ist das himmlische Freudenmahl, das hier und jetzt auf Erden aufblitzt. Gott will nicht nur unser Überleben, er will auch unsere Freude.

II. Die Weite des Glaubens: Der Hauptmann von Kapernaum

Nachdem am 2. Sonntag der Epiphaniaszeit das himmlische Freudenmahl auf Erden aufblitzt, weitet das Thema des 3. Sonntags in dieser Reihe den Blick. Wir verlassen die jüdische Hochzeitsgesellschaft und begegnen einem „Außenseiter“: einem römischen Hauptmann in Kapernaum. Er ist ein Heide, ein Vertreter der Besatzungsmacht – und doch wird er zum Vorbild des Glaubens (Matthäus 8).

Obwohl der Text aus einem anderen Evangelium stammt, nimmt er einen spannender Zug von Johannes auf. Wie wir gesehen haben, griff dieser wohl auf eine alte Sammlung von Wundergeschichten (Semeiaquelle) zurück. Jedoch setzt Johannes oft einen kritischen Akzent gegenüber Menschen, die Jesus nur wegen seiner Wunder hinterherlaufen. „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht“ (Joh 4,48). Jesus und mit ihm Johannes möchte, dass wir nicht an den Wundern hängen bleiben, sondern auf seine Person schauen, wahrer Mensch und wahrer Gott.

Genau diesen Aspekt bringt Matthäus mit seiner Wunderschichte zum Ausdruck. 

Die Macht des Wortes

Der Hauptmann bittet um Heilung für seinen Knecht, doch er verlangt kein sichtbares Wunder. Er sagt: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Er erkennt die Vollmacht Jesu an, die wir bereits bei seiner Taufe thematisiert haben. Während andere nach Zeichen dürsten, reicht ihm das schiere Wort Jesu.

Eine Versöhnung ohne Grenzen

Jesus ist erschüttert über diesen Glauben und proklamiert: „Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.“

Hier wird der Bezug zum Epiphaniasfest deutlich, an dem die Drei Weisen aus dem Morgenland, Magier, Sterndeuter, Heiden, dem göttlichen Kind huldigen:

  1. Gottes Gegenwart gilt allen: Die Versöhnung ist nicht das Privileg einer kleinen Gruppe. Sie gilt dem jüdischen Brautpaar ebenso wie dem römischen Soldaten.

  2. Die Überwindung der Schranken: So wie Jesus in Kana die Grenze zwischen Reinigungswasser und Festwein aufhob, hebt er in Kapernaum die Grenze zwischen „reinem Volk“ und „unreinen Heiden“ auf.

Fazit: Gottes Gegenwart als Einladung

Was sagen uns diese beiden Geschichten für unser Leben heute?

Die Epiphaniaszeit zeigt uns einen Gott, der sich nicht in Tempeln versteckt. Er zeigt sich im Alltag – im Feiern und im Sorgen. In Kana schenkt er uns die Fülle des Lebens, in Kapernaum schenkt er uns die Weite seines Herzens.

Die "Erscheinung der Gottheit", seine "Epiphanie" bedeutet: Gott ist da, wo Menschen an ihre Grenzen stoßen – wenn der Wein ausgeht oder die Kraft am Ende ist. Er lädt uns ein, an seinem Reich teilzuhaben. Es ist ein Reich der Versöhnung, das keine Mauern kennt und dessen Freude bereits jetzt, mitten in unserer Welt, aufleuchtet.


Im nächsten und letzten Teil unserer Reihe werden wir auf den Berg der Verklärung steigen. Dort sehen wir das strahlende Licht der Gottheit Jesu – und verstehen, warum dieses Licht nur über den Weg des Leidens zu uns kommen konnte.

Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias 2025

Die nachfolgenden Notizen hatte ich mir für den Gottesdienst am 22. Januar 2025 gemacht. Damals hatte ich meine Arbeit am Predigtblog noch nicht wieder aufgenommen. Deshalb füge ich die Notizen jetzt zum 2. Sonntag der Epiphaniaszeit 2026 ein. Die letzte Ausformulierung der Predigt geschah im Vollzug des Gottesdienstes. 

In der Gustav-Adolf-Kirche gibt es in diesem Jahr einen Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten. Auch wenn es da wahrscheinlich nicht um die Hochzeit von Kana geht: Herzlich willkommen! 

Das Weinwunder in Kana (Joh 2,1-11)

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. 11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Auslegung

Das Weinwunder in Kana ist eine der bekanntesten Geschichten im Johannesevangelium und birgt eine tiefe theologische Bedeutung. Es handelt sich um das erste öffentliche Zeichen (oder Wunder), das Jesus wirkt, und es offenbart seine Herrlichkeit und seinen Auftrag auf symbolische Weise. Hier sind einige wichtige Aspekte, wie man diese Geschichte verstehen kann:

Die wörtliche Ebene:

Der Kontext: Die Geschichte spielt auf einer Hochzeit in Kana in Galiläa. Maria, die Mutter Jesu, ist anwesend, ebenso wie Jesus und seine Jünger. Als der Wein ausgeht, was in der damaligen Zeit eine große Peinlichkeit für die Gastgeber bedeutet hätte, bittet Maria Jesus um Hilfe.

Das Wunder: Jesus weist die Diener an, sechs steinerne Wasserkrüge, die für rituelle Waschungen bestimmt waren, mit Wasser zu füllen. Dann verwandelt er auf wundersame Weise das Wasser in Wein, und zwar in eine beträchtliche Menge und von ausgezeichneter Qualität.

Die Reaktion: Der verantwortliche Diener (Speisemeister) ist überrascht von der Qualität des Weins, da er den besten Wein normalerweise zuerst serviert. Johannes betont, dass dieses Zeichen Jesu Herrlichkeit offenbarte und seine Jünger zum Glauben an ihn brachte.

Die symbolische und theologische Ebene:

Der „Anfang der Zeichen“: Johannes bezeichnet dieses Wunder ausdrücklich als den „Anfang der Zeichen“ Jesu (Johannes 2,11). Es markiert den Beginn seines öffentlichen Wirkens und deutet auf seine messianische Identität hin.

Bezug zum Alten Testament: Das Wunder erinnert an alttestamentliche Verheißungen von einem messianischen Zeitalter des Überflusses (z.B. Jesaja 25,6). Es zeigt, dass sich diese Verheißungen in Jesus erfüllen.

Das große Freudenmahl

6 Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. 7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. 8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. 

Überfluss und Fülle: Das Übermaß an Wein (sechs Krüge à ca. 100 Liter) symbolisiert den Überfluss und die Fülle des Reiches Gottes, das durch Jesus angebrochen ist. Es ist ein Zeichen der Gnade und des Segens Gottes.

Verwandlung und Neuschöpfung: Die Verwandlung von Wasser in Wein kann als Symbol für die Verwandlung und Neuschöpfung durch Jesus interpretiert werden. Altes wird neu, Gewöhnliches wird außergewöhnlich. Man könnte vielleicht so weit gehen und sagen: Es verweist auch auf die spätere Einsetzung des Abendmahls, bei dem Wein zum Symbol für Jesu Blut wird.

Die Rolle Marias: Marias Rolle ist interessant. Sie erkennt die Notlage und wendet sich an Jesus. Ihre Worte „Sie haben keinen Wein mehr“ können als Bitte um Hilfe und als Ausdruck ihres Vertrauens in Jesus verstanden werden.

Die Reaktion Jesu: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Eine Feststellung der eigenen Zuständigkeit (vgl. Jürgen Becker, Das Evangelium des Johannes, Kommentar z.St.): Jesus betont, dass seine Handlungen von seinem göttlichen Auftrag bestimmt sind und nicht von menschlichen Erwartungen oder Wünschen, selbst nicht von denen seiner Mutter. Es geht um die göttliche „Stunde“, die noch nicht gekommen ist.

Eine (nötige) Zurückweisung: Es ist eine höfliche, aber durch die Anrede auch distanzierte Art zu sagen, dass Maria sich in eine Angelegenheit einmischt, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Es ist keine harsche Zurechtweisung, sondern eher eine Klärung der Rollen.

Eine Andeutung auf die neue Beziehung: Mit seinem öffentlichen Auftreten beginnt für Jesus eine neue Phase, in der die familiären Bindungen hinter seiner messianischen Aufgabe zurücktreten. Er etabliert eine neue Art von Beziehung, die auf dem Glauben an ihn basiert.

Hochzeitssymbolik: Die Hochzeit selbst kann als Bild für die Verbindung Gottes mit seinem Volk interpretiert werden. 

Erstes Testament - Israel wird Gott untreu

Hosea: Das Buch Hosea ist ein besonders eindringliches Beispiel für die Verwendung der Ehemetapher. Der Prophet Hosea wird von Gott aufgefordert, eine untreue Frau zu heiraten, um die Untreue Israels gegenüber Gott zu symbolisieren. Gott wird als der liebende Ehemann dargestellt, der von seinem Volk verlassen wird, das anderen Göttern nachläuft. Trotz dieser Untreue sehnt sich Gott nach einer Versöhnung mit seinem Volk und verspricht, es wieder zu seiner Braut zu machen.

Jezreel: Er war der Erstgeborene und symbolisierte das Gericht Gottes über das Haus Jehu. Der Name erinnert an eine Ebene in Israel, auf der ein Blutbad stattgefunden hatte (siehe Hosea 1,4).

Lo-Ruhama: Sie war eine Tochter und ihr Name bedeutet so viel wie "Nicht-Erbarmen". Er deutete auf Gottes Zurückziehung der Barmherzigkeit von Israel (siehe Hosea 1,6).

Lo-Ammi: Er war ein weiterer Sohn und sein Name bedeutet "Nicht-mein-Volk". Er symbolisierte den Bruch der Beziehung zwischen Gott und Israel (siehe Hosea 1,9).

Jeremia: Auch der Prophet Jeremia verwendet die Ehemetapher, um die Beziehung zwischen Gott und Israel zu beschreiben. In Jeremia 2,2 heißt es: "So spricht der HERR: Ich gedenke an dich, an die Liebe deiner Jugend, als du mir nachfolgest in der Wüste, in einem Lande, da man nicht sät." Gott erinnert sich an die Zeiten, in denen Israel ihm treu war und ihm in der Wüste folgte. Doch Israel hat sich von Gott abgewandt und ist anderen Göttern nachgegangen. Jeremia ruft das Volk zur Umkehr auf und erinnert es an die Treue Gottes.

Zweites Testament - Ehe als Bild für die gelungene Beziehung zu Gott

Jesus als der Bräutigam bringt den neuen Bund und die Fülle des Heils.

Offenbarung: In der Offenbarung wird die Ehemetapher ebenfalls verwendet, um die endgültige Vereinigung zwischen Christus und der Gemeinde im Himmel zu beschreiben. In Offenbarung 19,7 heißt es: "Lasst uns fröhlich und jubeln und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich zubereitet." Die Gemeinde wird hier als die Braut des Lammes bezeichnet, die sich für die Hochzeit vorbereitet hat. In Offenbarung 21,2 wird das neue Jerusalem, das himmlische Reich Gottes, als eine "Braut, die für ihren Mann geschmückt ist", beschrieben.

Paulusbriefe: In seinen Briefen verwendet Paulus die Ehemetapher, um die enge Verbindung zwischen Christus und der Gemeinde zu verdeutlichen. In Epheser 5,25-27 heißt es: "Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei." Christus wird hier als der liebende Ehemann dargestellt, der sich selbst für seine Braut, die Gemeinde, geopfert hat. Die Gemeinde wird aufgefordert, sich von Sünde und Unreinheit zu reinigen, um eine würdige Braut für Christus zu sein.   

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Weinwunder in Kana ist mehr als nur eine wundersame Begebenheit. Es ist ein tiefgründiges theologisches Statement über Jesus als den Messias, der die Fülle des Reiches Gottes bringt, Verwandlung und Neuschöpfung wirkt und die Verbindung zwischen Gott und den Menschen erneuert. Es ist ein Zeichen der Hoffnung und der Freude, das bis heute relevant ist. Deshalb glauben seine Jünger an ihn. Dieses Wunder lädt uns ein, über die Fülle und Freude nachzudenken, die Jesus in unser Leben bringen kann.

Dienstag, 6. Januar 2026

Epiphanie und Taufe im Schein der Auferstehung

Das Licht tritt in die Welt ...

Die Weihnachtszeit ist vorbei, aber das Licht brennt weiter. Vom 6. Januar an beginnt mit Epiphanias, dem Erscheinungsfest, eine neue Phase des Kirchenjahres, die uns auf die Passion und Ostern vorbereitet. Epiphanias, wörtlich die „Erscheinung“ oder „Offenbarung“, feiert, dass Gott sich in der Person Jesu Christi der Welt gezeigt hat.

Doch wer ist dieser Mensch wirklich? Die alten Kirchenväter haben uns gelehrt, dass er wahrer Mensch und wahrer Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit ist. Dieses Geheimnis müssen wir nicht in ein logisches System pressen. Es reicht, es als Glaubenswahrheit anzunehmen. Aber um dieses Geheimnis zu verstehen, müssen wir uns an den hellsten Punkt des Glaubens halten: die Auferstehung. Nur im Licht von Ostern erklären sich die Erscheinungen von Epiphanie und Taufe.

I. Die Erscheinung bei den Heiden: Eine königliche Vorahnung


Epiphanias - 6. Januar

Das bekannteste Bild von Epiphanias ist die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland. Diese Gelehrten, keine Juden, sondern Repräsentanten der gesamten heidnischen Welt, folgen einem Stern und erkennen in einem Kind den neugeborenen König der Welt.

Ihre Gaben sind ein Bekenntnis, dessen Tragweite sie in diesem Moment kaum erfassen können:

  • Gold: Für den König (den Messias).

  • Weihrauch: Für den Gott (göttliche Verehrung).

  • Myrrhe: Ein bitterer Vorgeschmack auf den Tod (einbalsamierendes Mittel).

Die Weisen knien vor einem kleinen Kind nieder und erweisen ihm göttliche Ehre. Ist das nicht töricht? Nur aus menschlicher Sicht. Im Licht der Auferstehung wird diese Anbetung zur Wahrheit. Das Kind, dem sie huldigten, ist der Auferstandene. Die Geschenke erweisen sich als prophetisch: Der König stirbt (Myrrhe), aber er ist auch der Gott, dessen Macht durch den Tod nicht gebrochen wird. Die Epiphanie bezeugt: Die Herrschaft Jesu Christi gilt allen Völkern – die frohe Botschaft ist universell.

II. Die Erscheinung am Jordan: Der Weg der Stellvertretung 


Der 1. Sonntag nach Epiphanias

Die Taufe Jesu markiert den Wendepunkt vom privaten Leben des Zimmermanns zum öffentlichen Wirken des Messias. Hier verdichtet sich das Geheimnis seiner Person:

Die Stimme vom Himmel spricht: "Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen." (Mk 1,11).

Die Taufe ist für Jesus in erster Linie ein Berufungs- und Ermächtigungserlebnis. Hier, am Jordan, wird seine Identität als Sohn Gottes ihm persönlich bestätigt und der Heilige Geist rüstet ihn für seine Sendung aus.

Doch warum unterwirft sich der Sündlose der Bußtaufe des Johannes?

Das menschliche Dilemma: Sterblichkeit und Hybris

Wie so oft müssen wir zurückgehen an den Anfang, beginnen wortwörtlich bei Adam und Eva. Der Mensch ist bereits im Paradies sterblich. Die Existenz des Baumes des Lebens bezeugt, dass ewiges Leben ein Geschenk und keine natürliche Eigenschaft der Schöpfung ist.

Der Sündenfall selbst ist das Begehren, so sein zu wollen wie Gott, selbst Gott sein. Das ist die menschliche Hybris – die Anmaßung, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Die Folge ist die Vertreibung: Der Mensch muss das Paradies verlassen, damit er nicht in seinem selbstgewählten, gefallenen Zustand auch noch vom Baum des Lebens isst und dieses verdorbene Leben ewig fixiert.

Die Menschheit trägt seitdem das Erbe Kains: Sie hat durch die Erkenntnis die Wahl zwischen Gut und Böse, aber sie besitzt nicht die Kraft, dem Bösen zu widerstehen. Das Wissen ist da, der Wille ist schwach. Dieses Unvermögen zieht sich als roter Faden durch die gesamte Geschichte: Es ist der universelle Fluch, der die Menschheit in die Ohnmacht vor der Sünde zwingt.

Jesu Antwort: Solidarität und Stellvertretung

Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, stellt sich aus vollkommener Solidarität in die Reihe der Sünder. Er nimmt das menschliche Schicksal, das durch die Sünde gezeichnet ist, vollends an. Die Taufe ist die bewusste Annahme des Weges, der ihn – stellvertretend für die ganze Menschheit – durch Versuchung, Leid und schließlich an das Kreuz führen wird.

Er geht den Weg, den wir angesichts unseres Kain-Erbes nicht gehen können, um uns vor Gott zu repräsentieren und die Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen.

III. Im Schein des Osterlichts: Die Offenbarung wird zur Gewissheit

Die volle Bedeutung der Erscheinungen von Epiphanie und Taufe wird erst an Ostern enthüllt. Ohne die Auferstehung blieben sie rätselhafte Wunder:

  1. Die göttliche Legitimation: Die Auferstehung ist für den Glaubenden der unwiderlegbare Beleg dafür, dass die Stimme am Jordan wahr gesprochen hat. Jesus ist "kraftvoll als Sohn Gottes erwiesen seit der Auferstehung von den Toten" (Römer 1,4). Die göttliche Herrlichkeit, die am 6. Januar den Weisen aufleuchtete und am Jordan auf Jesus herabkam, siegt über das menschliche Ende.

  2. Die Macht der Versöhnung: Die Auferstehung bezeugt, dass Jesus unseren Tod gestorben und die Macht des Todes gebrochen hat. Wir müssen uns nicht länger vor einem zornigen Gott fürchten, der erst versöhnt werden muss.

  3. Der Ruf zur Umkehr und Kraft: Gott ist bereits versöhnt. Die Erscheinung Jesu Christi mündet deshalb in den Ruf des Apostels Paulus: "So bitten wir denn an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott." (2 Kor 5,20).

Wer diese Versöhnung zulässt, wer Gott an seiner Seite weiß, dem wird die Macht geschenkt, der Versuchung des Bösen zu widerstehen. Die Epiphanie ist die frohe Botschaft: Das Licht ist da, die Befreiung hat begonnen, und sie gilt uns allen.


Der nächste Beitrag wird am 18. Januar veröffentlich: 

"Wenn der Himmel die Erde berührt - Fülle in Kana und Weite in Kapernaum"

Ich mache mir Gedanken zum Weinwunder in Kana und der Geschichte vom Hauptmann in Kapernaum, der Jesus bittet, seinen Knecht zu heilen.