Sonntag, 25. Oktober 2026

Suchet der Stadt Bestes

Gottesdienst am 21. Sonntag nach Trinitatis

Martin-Luther-Kirche in Sottrum im Harzvorland 

25.10.2026

Foto von der Kirche - Jörg Küster
Foto von Ralf Krüger - Petra Heidemann

Rückblick: Ein besonderer Sonntag in meiner ersten Gemeinde

Es gibt Sonntage, die schlagen eine Brücke über Jahrzehnte. Einen solchen Tag durfte ich heute erleben.

Schon im Sommer hatte die evangelische Gemeinde in Sottrum das 500-jährige Jubiläum ihrer Glocke „Maria“ gefeiert – jener Glocke, die seit 1526 im Kirchturm hängt, unermüdlich die Menschen zum Gottesdienst ruft, zum Gebet einlädt und Taufen, Trauungen und Beerdigungen im Dorf begleitet. Damals, bei diesem Jubiläumsgottesdienst, hatte ich meine alte Wirkungsstätte besucht, in der ich von 1989 bis 1996 als Pastor tätig war. Bei dieser Gelegenheit verabredeten wir, dass ich als ehemaliger Pastor einmal einen Gottesdienst gestalten sollte. Heute war es so weit.

Zwischen Glockenklang und Zeitdiagnose

Als Predigttext hatte ich den Brief des Propheten Jeremia an die deportierte jüdische Gemeinde in Babylon gewählt (Jeremia 29). Dieser Text hat für mich zwei ganz persönliche Resonanzräume. Zum einen begleitet mich der Kernsatz „Suchet der Stadt Bestes“ seit dem Jahr 2005, als wir damals in Meppen – angeregt durch den damaligen Bürgermeister Heinz Jansen – das große Stadtjubiläum „1225 Jahre christliche Spuren“ feierten und dieser Vers über der gesamten Zusammenarbeit von Kirche, Kommune und Landkreis stand. Zum anderen weist die historische Situation der Israeliten im Exil frappierende Parallelen zu unserer Gegenwart auf. Damals wie heute ist der Gottesbezug immer weiter in den Hintergrund getreten. Man feierte zwar noch den Kult, aber im Alltag, in der Politik und in der Wirtschaft spielte Gott kaum noch eine Rolle. Nach einem schmerzvollen Prozess des theologischen Ringens begriffen die Israeliten im Nachhinein, dass diese Krise kein blinder Zufall war – sie sprachen von der Strafe Gottes, ich spreche lieber von der konsequenten Folge eines Lebens ohne Gott.

Lieder als Wegweiser

Die Liedauswahl für diesen Gottesdienst ergab sich fast wie von selbst und begleitete unsere Gedanken von der Klage bis zur Verantwortung.

  • „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“ holte uns in der gegenwärtigen weltpolitischen Situation ab und bereitete uns innerlich auf die Predigtgedanken vor.

  • „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ – ein echter Klassiker aus jungen Jahren – beschreibt treffend die heutige Lage, in der die evangelische Kirche Gefahr läuft, ihren Kompass Jesus Christus zu verlieren, wenn sie zu stark nach politischem Zeitgeist oder rein wirtschaftlichen Maßstäben steuert.

  • „Herr, wir stehen Hand in Hand“ nahm die Epistel (die geistliche Waffenrüstung aus dem Epheserbrief) auf und führte uns als Christengemeinschaft zusammen.

  • Als Schlusslied machte „Die Erde ist des Herrn“ deutlich, dass wir nicht die Besitzer oder Herren dieser Welt sind. Wir haben sie empfangen, um sie unseren Kindern und Kindeskindern lebenswert weiterzugeben. Genau darin liegt unsere christliche Verantwortung.

Begegnungen und ein herzliches Dankeschön

Im Anschluss an den Gottesdienst setzten wir das Beisammensein im Lutherhaus fort, wo Cornelia Gewecke alles so liebevoll für das Kaffeetrinken vorbereitet hatte. Der Austausch dort war einfach wunderbar. Nach 30 Jahren sind viele der damaligen Gemeindeglieder inzwischen verstorben, aber einige waren erfreulicherweise auch gekommen – und es war ein berührendes Gefühl, sich mit ihnen und allen anderen Gästen so gut und vertraut austauschen zu können.

Ein herzliches Dankeschön auch an alle anderen, die diesen Tag mitgestaltet haben. Henning Bleckmann begleitet den Gottesdienst an der Orgel, Ute Koll und Milena Busch-Krumfuß waren als Vertreterinnen des Kirchenvorstands zusammen mit Cornelia Gewecke im gottesdienstlichen Einsatz.

Es war ein rundum gesegneter Sonntag – ein Wiedersehen in tiefer Verbundenheit und ein gemeinsames Hinhören auf das Wort Gottes, das uns auch durch veränderte Zeiten hindurch Zukunft und Hoffnung schenkt.

Der Gottesdienst


706 Psalm 13

HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele /
und mich ängsten in meinem Herzen täglich?
Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?

Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott!
Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,

dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden, /
und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.

Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist; /
mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.
Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.

Eingangsgebet

Gott, unser Vater im Himmel, 
Schöpfer der Welt und Quelle unserer Hoffnung.

Wir kommen vor dich in einer Zeit, in der die Welt oft schlimmen Lauf nimmt. Wir sehen die Machtkämpfe, die Verunsicherung und die Furcht, die um sich greift. Manchmal wissen wir nicht, wohin mit unseren Sorgen, und spüren, wie schnell unser Vertrauen ins Wanken gerät. Wie der Psalmbeter rufen auch wir zu dir: Herr, wie lange?

Doch du lässt uns in unserer Furcht nicht allein. Du bist der Gott, der Gedanken des Friedens über uns hat und nicht des Leides.

Wir bitten dich:

  • Erleuchte die Augen unseres Herzens.

  • Lass uns nicht dem Bösen weichen und nicht in einfachen Antworten oder Resignation Zuflucht suchen.

  • Schenke uns die Kraft, das Böse mit Gutem zu überwinden – da, wo du uns hingestellt hast, mitten im Alltag unseres Lebens.

  • Öffne uns in dieser Stunde das Ohr und das Herz für dein Wort.

  • Lass deinen Geist unter uns wirken, damit wir getrost werden, Mut zum Händereichen bekommen und ein Zeichen deiner Hoffnung in dieser Welt sein können.

Durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem 1. Testament, 

gleichzeitig Predigttext 

Jer 29,1.4–7(8–9)10–14 - Jeremias Brief an die Weggeführten in Babel

1Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte:

4So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: 5Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; 6nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. 7Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

8Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Lasst euch durch die Propheten, die bei euch sind, und durch die Wahrsager nicht betrügen, und hört nicht auf die Träume, die sie träumen! 9Denn sie weissagen euch Lüge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der Herr.

10Denn so spricht der Herr: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe. 11Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. 12Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. 13Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 14so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Lesung aus dem 2. Testament

Epistel - Epheser 6,10–17 - Die geistliche Waffenrüstung

10Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. 11Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. 12Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. 13Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.

14So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit 15und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens. 16Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, 17und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

Glaubensbekenntnis


Predigt


I. Einleitung: Glaubensgeschichte ist Weltgeschichte

Kanzelgruß

Liebe Gemeinde,

“Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte.“ (Jeremia 29,1)

Wenn wir in der Bibel lesen, droht manch einer zu vergessen, dass wir hier keine Märchen vor uns haben. Es beginnt eben nicht mit: „Es war einmal vor langer Zeit in einem fernen Land…“

Nein, der Text, den wir eben gehört haben, steht mitten in der harten Weltgeschichte. Wir schreiben das Jahr 597 vor Christus. Der babylonische König Nebukadnezar II. hat Jerusalem belagert, den jungen judäischen König Jojachin abgesetzt und die Führungsschicht, die Priester, Handwerker und Gelehrten des Landes nach Babylonien deportiert. Zehn Jahre später, im Jahr 587 vor Christus, sollte die endgültige Katastrophe folgen, die Zerstörung Jerusalems und des Tempels.

Die Menschen im babylonischen Exil gerieten dadurch in eine zutiefst schmerzhafte Glaubenskrise. Es war ein verzweifeltes Ringen um und mit Gott. Wie konnte Gott das nur zulassen?

Bisher war man felsenfest davon überzeugt gewesen, dass Jerusalem als die Stadt Gottes und der Tempel als seine Wohnung absolut uneinnehmbar seien. „Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben“, so sang man es voller Stolz in den Psalmen. Und nun? Der Tempel zerstört, das Land besetzt, das Volk verschleppt.

Brennende Fragen standen im Raum. War Gott etwa zu schwach gewesen? Hatte der Gott Israels den Machtkampf gegen die babylonischen Götter, gegen Marduk und Ischtar, verloren? War er am Ende gar nicht der Herr der Weltgeschichte?

In diesem Trümmerfeld des Glaubens geschieht etwas Erstaunliches. Israel hat diese Niederlage und die Deportation nicht als bloßes „Schicksal“ abgetan und auch nicht den babylonischen Göttern Recht gegeben. Es war die Botschaft der Propheten – allen voran Jeremia, aber auch seiner Vorgänger –, die den Hintergrund bildete, auf dem die Israeliten zu einer völlig neuen, tiefen Erkenntnis durchbrechen konnten:

Unser Gott ist nicht schwach! Er hat nicht verloren. Er selbst ist es, der hier handelt.

Über Jahrzehnte hinweg hatte man den „lieben Gott“ einen „guten Mann“ sein lassen. Man wiegte sich in Wohlstand, trieb Bündnis- und Machtpolitik und ignorierte die Mahnungen der Propheten. Man lebte, als brauche man Gott nicht. Die Katastrophe war – theologisch verstanden – kein blinder Zufall, sondern die bitter schmerzhafte Konsequenz des eigenen gottlosen Weges. Gott hat dieses Exil zugelassen, ja er hat sein Volk in die Fremde geführt, um es aus seinen Illusionen aufzuwecken. Damit sie lernen, woher das Leben wirklich kommt, und damit sie in der Fremde wieder neu zu ihm finden.

Genau deshalb schreibt Jeremia am Ende seines Briefes dieses große Versprechen Gottes. „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen!“

II. Unsere Gegenwart: Die Grenzen des eigenen Ermessens

Wenn wir aus der Geschichte des alten Israel in unsere Gegenwart blicken, ist der Abstand gar nicht so fern.

Auch in unserer westlichen Gesellschaft rückt der christliche Glaube seit Jahren immer weiter an den Rand. An die Stelle des Vertrauens auf Gott ist der Glaube an den unendlichen menschlichen Fortschritt getreten – allen voran das stetige wirtschaftliche Wachstum. Wohlstand und Konsum wurden zum Maßstab des gelingenden Lebens.

Gleich in den ersten Kapiteln der Bibel wird uns in einer vielschichtigen, mythischen Erzählung ein Grundzug von uns Menschen vor Augen geführt, den wir nur zu gerne verdrängen, der unser Denken und Handeln aber bis heute zutiefst prägt.

Im Garten Eden leben die Menschen in tiefem Frieden – mit sich selbst, mit der Natur und mit Gott. Doch dann schleicht sich die Verführung ein. Die Schlange flüstert ihnen ins Ohr: „Wenn ihr von der Frucht esst, werden eure Augen aufgetan und ihr werdet sein wie Gott!“

„Sein wie Gott…“ – nichts anderes treibt die Menschheit im Kern bis heute um. Es ist der Versuch, sich selbst auf den Thron des Universums zu setzen. Der Gedanke: Wir brauchen keinen Schöpfer mehr. Gott, Glauben und Gebet – das ist allenfalls etwas für romantische Träumer oder für Kinder. Wir Erwachsenen können doch alles selber! Wir haben die Naturwissenschaft, die Technologie, das Kapital, die Marktgesetze. Wir ziehen uns am eigenen Zopf aus dem Sumpf!

Doch heute erleben wir an allen Ecken und Enden, wie diese Illusion zerbricht. Was sich da in unserer Welt zusammenbraut, ist keine willkürliche „Strafe Gottes“ von oben. Es ist die direkte, bitter schmerzhafte Konsequenz unseres eigenen, egozentrischen Handelns.

Die Wirtschaft stagniert seit Jahren, während die Ressourcen der Erde jedes Jahr früher im Kalender aufgebraucht sind. Die Sorge vor einem ökologischen Kollaps zeigt uns brutal die Grenzen unseres „Gott-Spielens“ auf.

Die Macht und das Kapital konzentrieren sich bei einigen wenigen Akteuren – den Giganten der Tech-Branche –, die über mehr Ressourcen verfügen als ganze Staaten und sich zu neuen Weltenlenkern aufschwingen.

Gleichzeitig bedrohen autokratische Herrscher und Machtpolitiker weltweit die Friedensordnung, weil sie meinen, ihr eigener Wille sei das höchste Gesetz.

Wenn der Mensch meint, er brauche keinen Gott mehr und könne alles selbst im Griff behalten, führt das nicht in die Freiheit, sondern ins Chaos. Wir stoßen an die Grenzen unserer eigenen Macht.

III. Kein Hauruckverfahren: Widerstehen gegen den Zeitgeist

Wie begegnen wir dieser Lage? In unserer Neutestamentlichen Lesung haben wir vorhin die Worte aus dem Epheserbrief gehört. Von der „geistlichen Waffenrüstung“ ist da die Rede und davon, die „feurigen Pfeile des Bösen“ auszulöschen (Eph 6,16).

Das klingt zunächst martialisch. Aber wenn man genauer hinsieht, meint auch der Briefeschreiber im Neuen Testament kein Hauruckverfahren. Er ruft nicht zum militärischen Feldzug auf, sondern zum Standhalten, zum Widerstehen und Feststehen im Alltagsleben.

Die „feurigen Pfeile des Bösen“ treffen uns nämlich oft in Form jener schleichenden Verführung, der Einstellung, dass der Mensch sich wie Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen könne. Dem Irrglauben: „Ihr seid doch Gott, ihr schafft das alleine!“

Diesem Zeitgeist widersteht der Prophet Jeremia im Alten Testament auf ganz ähnliche, nüchterne Weise. Er warnt seine Hörerschaft ausdrücklich vor den Verführern seiner Zeit.

„Lasst euch nicht täuschen von den Propheten und Wahrsagern, die bei euch sind … Sie weissagen euch Lüge in meinem Namen.“ (Jeremia 29,8–9)

Damals wie heute haben diejenigen Konjunktur, die einfache Lösungen versprechen. Menschen, die Schwarz-Weiß malen, Sündenböcke benennen und so tun, als gäbe es für komplexe Krisen schnelle Hauruck-Lösungen. Das erleben wir heute in der Politik genauso wie in religiösen Gruppierungen.

Jeremia erteilt diesen einfachen Scheinlösungen eine Absage und mutet den Menschen die anstrengende Realität zu. Er schreibt ihnen in seinem Brief aus Jerusalem:

„Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte! Nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter … Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum HERRN; denn in ihrem Frieden liegt euer Frieden.“ (Jeremia 29,5–7)

Das ist der Panzer der Gerechtigkeit und die Bereitschaft für das Evangelium des Friedens, von der der Epheserbrief spricht. Übernehmt Verantwortung. Richtet euch ein. Lebt euren Glauben genau dort, wo ihr hingestellt seid – mitten in der Welt.

Wir Christen werden die riesigen Krisen dieser Welt nicht im Alleingang lösen. Aber wir müssen auch nicht gelähmt aufgeben. Wir können und dürfen an unserem Ort Salzdienst und Licht sein.

Als ich 1996 mit meiner Familie nach Meppen ins Emsland zog, durfte ich dieses Prinzip noch einmal auf ganz neue Weise erfahren.

Das Emsland ist bis heute stark christlich geprägt – sicher bestimmt durch die katholische Mehrheit, aber eben auch durch uns Evangelische, die wir in der Diaspora unsere christliche Identität und Prägung sehr bewusst spüren. Dort gibt es ein wunderbares, tiefes ökumenisches Miteinander. Die Konfessionen gestehen sich ganz selbstverständlich zu, dass jeder auf seine Weise Gott lobt und den Glauben verkündigt.

Anfang der 2000er Jahre wurde bei uns in Meppen auf Initiative des Bürgermeisters ein großes Stadtjubiläum gefeiert. „1225 Jahre christliche Spuren“. Ein ganzes Jahr lang prägte dieses Jubiläum das Miteinander von Kirche, Kommune und Landkreis. Und es war kein Zufall, dass genau dieser Vers aus Jeremia 29 über diesen Feierlichkeiten und über der täglichen Zusammenarbeit stand: „Suchet der Stadt Bestes … und betet für sie zum HERRN.“

Das ist eine hochaktuelle Haltung für uns alle, ganz egal, wo wir leben.

  • Wir pflanzen Gärten, wo andere nur Ödland sehen.

  • Wir engagieren uns in unseren Kommunen, Dörfern und Landkreisen für das Gemeinwohl.

  • Und wir beten für unsere Städte und Dörfer. Beten ist keine Flucht aus der Wirklichkeit, sondern verbindet unser Tun mit Gott. Das Gebet des Gerechten vermag viel,  wenn es ernst gemeint ist. 

IV. Hoffnung für die Generationen nach uns

Woher nehmen wir die Kraft für diesen langen Atem?

Hier steht das berühmte Verheißungswort in Vers 11.

„Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11)

Dieser Vers wurde oft als schneller Trostspruch auf Konfirmationskarten gedruckt. Doch seine wahre Kraft entfaltet er, wenn man weiß, an wen er gerichtet war. Er galt Menschen, die 70 Jahre im Exil vor sich hatten! Das ist kein Pflaster für ein schnelles Wohlbefinden im Hier und Jetzt, sondern eine Verheißung, die durch lange Krisen hindurchträgt.

Die Generation, die Jeremias Brief damals 597 v. Chr. hörte, hat die Rückkehr nach Jerusalem selbst nicht mehr erlebt. Sie haben Häuser gebaut, Gärten gepflanzt und gebetet – für ihre Kinder und Kindeskinder.

Genau das ist auch unsere Perspektive! Wir bauen an einer Zukunft, von der die nachfolgenden Generationen hoffentlich einmal rückblickend sagen können: „Es war am Anfang sehr schwierig, aber miteinander und mit Gottes Hilfe haben wir es geschafft.“ Wir pflanzen Bäume, unter deren Schatten vielleicht erst unsere Enkel sitzen werden.

V. Schluss: Ein Segen sein für die Welt

Dabei begleitet uns die Zusage, die Gott schon ganz am Anfang der Bibel zu Abraham gesprochen hat:

„Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. … In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (Genesis 12,2–3)

Das ist unsere Bestimmung als Gemeinde Jesu Christi. Wir ziehen uns nicht ängstlich zurück. Wir verurteilen die Welt nicht. Sondern wir leben unter Gottes Segen – und werden genau dadurch zu einem Segen für die Menschen um uns herum.

Egal, wie rau die Zeiten werden, wir bleiben getrost. Wir ergreifen den Schild des Glaubens und die Bereitschaft zum Frieden. Wir packen an, pflanzen unsere Gärten, suchen das Beste für unsere Städte und Gemeinden und beten für unser Land.

Denn wir vertrauen darauf: Gottes Gedanken über uns sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides – er gibt uns Zukunft und Hoffnung.

Amen.

Fürbitte, Vaterunser

Gott unseres Lebens,

wir danken dir, dass wir vor dich treten dürfen mit all dem, was uns bewegt: mit unseren Sorgen, unseren Fragen, aber auch mit unserer Hoffnung.

Wir rufen zu dir für unsere Welt in dieser unruhigen Zeit:

Wir bitten dich für die Krisen- und Kriegsgebiete unserer Erde, für alle, die unter Gewalt, Vertreibung und Angst leiden.

Wir bitten für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft: Schenke ihnen Weitblick, Sinn für Gerechtigkeit und den Mut zu Schritten des Friedens.

Lass uns nicht blind sein für die Nöte der Menschen um uns herum.

Wir beten für unsere Städte, unsere Dörfer und Kommunen, in denen wir leben:

Segne das Zusammenleben der Menschen. Schenke gutes Miteinander, gegenseitigen Respekt und ein wachsames Auge füreinander.

Gib uns die Kraft, dort, wo du uns hingestellt hast, Verantwortung zu übernehmen: Gärten zu pflanzen, für das Gemeinwohl einzutreten und den Frieden unseres Umfelds zu suchen.

Wir beten für unsere Kirchen und Gemeinden:

Lass uns in aller Vielfalt ein Zeugnis deiner Liebe sein. Bewahre uns vor Ängstlichkeit und Resignation, und stärke uns in der Ökumenischen Gemeinschaft, damit wir einmütig deinen Namen loben.

Wir beten für die Generationen, die nach uns kommen:

Segne unsere Kinder und Enkelkinder. Schenke ihnen eine lebenswerte Welt, feste Wurzeln im Glauben und die Erfahrung, dass sie bei dir geborgen sind. Lass sie einmal auf unsere Zeit zurückschauen und sagen können: Es war schwer, aber miteinander und mit Gottes Hilfe haben wir es geschafft.

Wir bringen vor dich, was jede und jeder von uns heute in der Stille im Herzen trägt:

(Kurze Stille)

Gott, wir wissen uns geborgen in deinen Händen.

Du kennst unsere Gedanken des Friedens und der Hoffnung. Dir befehlen wir uns an, heute und an allen Tagen unseres Lebens.

Gemeinde: Amen.

Vater unser im Himmel ...

Segen

Lasst uns leben mit der Gewissheit,
dass Jesus Christus uns bei unserem Namen gerufen hat
und wir zu ihm gehören.

Lasst uns leben mit der Absicht,
Gott unseren Dank zu sagen - in Worten und in Taten.

Und lasst uns leben mit der Zusage,
dass Jesus Christus bei uns sein wird alle Tage,
bis ans Ende der Welt. 

Gott, der Herr, segne und behüte euch!

Gott, der Herr, lasse leuchten sein Antlitz über euch und sei euch gnädig!

Gott, der Herr, erhebe sein Antlitz auf euch und schenke euch seinen Frieden! Amen.


Birnenkompott aus dem Pfarrgarten


Wir werden es uns schmecken lassen!

Sonntag, 18. Oktober 2026

Motorradfahrer lassen sich nicht abschrecken

Eigentlich sah die Prognose kurz nach 7.00 Uhr doch gar nicht so schlecht aus ...

Müsste es um 10.00 Uhr nicht trocken sein? Naja, von einer Fachfrau habe ich dann erfahren, dass der Regenradar die feinen Nieseltropfen in der Luft nicht erfassen kann. Und die waren halt da. 

Aber wie heißt es so schön: Vom Wetter lassen wir uns nicht abschrecken! Und im Vergleich zu 6:30 Uhr war es richtig trocken. So standen dann zu Beginn des Gottesdienstes um die 80 Bikes auf dem Parkplatz ... SUPER! Der Gottesdienst konnte beginnen. 

Einstieg

Der Ton der Glocken war verhallt, die letzten Gespräche im Kirchenschiff verklungen – und plötzlich füllte ein unverkennbarer, wuchtiger Klang den Raum: James Bond - GoldenEye. Spätestens jetzt wusste jeder in den Bänken: Julia Uhlenwinkel saß an der Orgel und hieß die Biker auf ihre ganz eigene Art willkommen.

Für die Liedbegleitung hatte sie sich mit Sonja Leipe verabredet. Gleich beim ersten Lied "Gott gab uns Atem" wurde deutlich, wie gut die beiden mit Keyboard, Gitarre und Gesang harmonierten. Es dauerte zwar einen kleinen Augenblick bis die Musikerin mit dem Gemeindegesang zufrieden war - aber dann klappte alles wunderbar. 

Fotos vom Gottesdienst im Frühjahr

Zum Einstieg gab es einige Bilder aus der zu Ende gehenden Saison, bevor im Wechsel Psalm 1 gebetet wurde. "... Wie glücklich ist ein Mensch, der Freude findet an den Weisungen des HERRN ... Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht ...", so heißt es in der Übertragung der Guten Nachricht. 

Psalm 1 - Leben mit Gott

Wie glücklich ist ein Mensch, 
der sich nicht verführen lässt von denen, 
die Gottes Gebote missachten, der nicht dem Beispiel gewissenloser Sünder folgt und nicht zusammensitzt mit Leuten, denen nichts heilig ist. 
Wie glücklich ist ein Mensch, 
der Freude findet an den Weisungen des HERRN, 
der Tag und Nacht in seinem Gesetz liest und darüber nachdenkt. 
Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht;
Jahr für Jahr trägt er Frucht, 
sein Laub bleibt grün und frisch. 
Was immer ein solcher Mensch unternimmt, 
es gelingt ihm gut. 
Der HERR kennt die Taten der Menschen, 
die auf ihn hören und behält sie im Gedächtnis. Amen.
 

Wer Gottes Wort hört …

Dieses Lied, gedichtet nach dem eben gebeteten Psalm, war zwar für uns neu, aber der Funke sprang sofort über. Nach den ersten, noch etwas verhaltenen Zeilen hatte die Gemeinde den Bogen raus und fand ins richtige Tempo. Schließlich saßen Biker in der Kirche – die lassen sich auch musikalisch nicht lange bitten, wenn es etwas flotter werden darf. 

Lesung aus dem Ersten Testament - Micha 6,6-8

Die Lesung für den heutigen Gottesdienst steht beim Propheten Micha. Die Israeliten fragen den Propheten, wie sich sich vor Gott verhalten sollen. 

»Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem Gott in der Höhe? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen, mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?«

Und der Prophet antwortet dann: 

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Glaubensbekenntnis

Das nächste Lied machte klar: Wo Menschen sich vergessen ... sich verschenken ... und vor allem: sich verbünden, den Hass überwinden ...

Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Predigt

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Um gemeinsam mit euch dieses Wort aus dem Buch des Propheten Micha zu bedenken, nehme ich einen kleinen Anlauf.

Ich erzähle euch ein bisschen aus unserem Urlaub auf Malta, von dem wir vor Kurzem zurückgekommen sind. Das ist kein Ablenkungsmanöver, sondern hier sind die Grundgedanken für diese Predigt entstanden.

Wir haben auf Malta unter anderem die beeindruckende Tempelanlage von Ħaġar Qim besucht. Vier gewaltige Megalith-Tempel stehen dort, erbaut in der Zeit von 3600 bis 2500 vor Christus – lange vor den Pyramiden von Gizeh oder Stonehenge. Mich beeindruckt immer wieder, mit welch einfachen Hilfsmitteln die Menschen damals tonnenschwere Steine bewegt und aufgerichtet haben. 

Und wie durchdacht diese Bauten waren. Sie wurden exakt nach den Sonnenwenden ausgerichtet. Das nötigt mir großen Respekt ab. Schon an dieser Stelle können wir von Demut sprechen. Es war kein primitives Bauen, sondern Ausdruck hoher Kunstfertigkeit und feinen Wissens um die Rhythmen der Natur. Die Menschen damals erkannten ihr Vermögen – und wussten sich zugleich eingebunden in eine Schöpfung, die größer war als sie selbst.

Solche antiken Tempel verweisen immer auf eine gewisse Gottesnähe. 

Das bringt mich zum Heiligtum, das der Prophet Micha kannte, zum Jerusalemer Tempel, zunächst erbaut von Salomo im 10. Jahrhundert v.Chr. - dieses Bauwerk hatte Micha im 8. Jh v.Chr. vor Augen. 586 v. Chr. wurde der Tempel durch die Babylonier zerstört. Die Israeliten hatten gegen die Großmacht den Aufstand gewagt - und sie waren vernichtend geschlagen worden. Der Stolz Jerusalems, die Hoffnung der Einwohner, das Haus Gottes lag in Schutt und Asche. Nach dem Exil bauten die Rückkehrer den Tempel wieder auf, Herodes der Großen erweiterte ihn vor der Zeitenwende zu einem der prachtvollsten Tempelbauten des gesamten Mittelmeerraums. Und dann, im Jahr 70 n.Chr., schlugen die Römer den jüdischen Aufstand nieder und legten den Prachtbau gründlich in Schutt und Asche. Danach gab es keinen Tempel mehr.

Aber das Volk Israel hatte etwas, das keinen Stein brauchte. Sie hatten ihre Heilige Schrift. Sie hatten das geschriebene und gelebte Wort Gottes – voller Erfahrungen, die zeigen, wie Leben vor Gott gelingt und wie Krisen bewältigt werden können.

In einer solchen Krise und in einer Epoche des Umbruchs hatte Israel auch gelebt, als der Prophet Micha im 8. Jahrhundert v.Chr. auftrat. Das Volk war hin- und hergerissen zwischen der akuten Angst vor der assyrischen Weltmacht, die äußerst aggressiv expandierte, und einer inneren Zerrüttung durch soziale Ungerechtigkeit und den Zerfall traditioneller religiöser Werte. In dieser Situation fragten die Menschen verzweifelt: „Was sollen wir tun? Womit sollen wir vor Gott treten?“

Michas Antwort war klar und schnörkellos: Gottes Wort halten! Damit sind die Probleme noch nicht gelöst, aber es ist die Grundlage, das Fundament genannt, auf dem aufgebaut werden kann. 

Wie glücklich ist ein Mensch, der Freude findet an den Weisungen des HERRN, der Tag und Nacht in seinem Gesetz liest und darüber nachdenkt.

Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht; Jahr für Jahr trägt er Frucht, sein Laub bleibt grün und frisch. Was immer ein solcher Mensch unternimmt, es gelingt ihm gut.

Nichts anderes ist die Antwort für uns heute. Um dieses Wort zu hören, kommen wir regelmäßig zusammen – in unseren Gottesdiensten, aber auch ganz besonders hier bei unseren Motorradgottesdiensten zu Beginn und zum Ende der Saison. Gottes Wort hören, es halten, danach leben – und, ganz praktisch gesprochen: danach fahren! Das ist die Grundlage, noch nicht die Lösung.

Deshalb blicken wir noch einmal nach Malta. Die Geschichte dieser Insel ist insbesondere seit dem 16. Jahrhundert zutiefst von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt.

Der Johanniter- und Malteserorden machte die Insel ab 1530 zum „Pfortenwächter Europas“ – eine hochgerüstete Festung gegen das Osmanische Reich und den muslimischen Glauben. In der Großen Belagerung von 1565 verteidigten die Ritter die Insel in monatelangen, extrem blutigen Kämpfen. Noch heute sieht man auf Malta überall gigantische Festungsmauern, Basteien und Kanonen. 

In der Präsentation seht ihr den riesigen Waffensaal im Großmeisterpalast. Das Bedrückende daran ist, dass diese Rüstungen und Waffen ursprünglich nicht in einer Vitrine standen. Sie waren im harten Einsatz. Jeder Panzer, jede Pistole, jedes Schwert erinnert daran, dass hier Menschen andere Menschen getötet haben oder selbst getötet wurden.

Später machten die Briten die Insel zum strategischen Flottenstützpunkt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Malta zu einer der am schwersten bombardierten Regionen der Welt. Winston Churchill nannte Malta einen “unsinkbaren Flugzeugträger“. Die Alliierten nutzten die geografischen Lage der Insel, um die Nachschublinien der Achsenmächte nach Nordafrika zu bombardieren und zu blockieren. Diese wiederum griffen Malta unerbittlich an. Somit zeigt uns die Geschichte unmissverständlich, dass am Ende von Aufrüstung, Machtstreben und Krieg immer Tod, Zerstörung und Elend stehen.

Dem setzt der Prophet Micha einen klaren Auftrag entgegen:

Liebe üben! Wir können sicherlich nicht jeden Menschen auf der Welt aktiv lieben. Aber wir können rücksichtsvoll miteinander umgehen, sodass dem anderen kein Schaden zugefügt wird. Das gilt für die große Weltpolitik, das gilt für unser alltägliches Zusammenleben – und das gilt ganz konkret für unser Verhalten im Straßenverkehr und auf dem Motorrad.

Dass das Michawort erschreckend aktuell ist, zeigte sich während unseres Urlaubs in den Nachrichten. Der US-Außenminister Marco Rubio hielt in Athen vor der Kulisse der imposanten Akropolis eine Rede, in der er Europa dazu aufrief, seinen „Dornröschenschlaf“ zu beenden und zu alter Stärke, Stolz und Machtentfaltung zurückzufinden. Er forderte, dass wir das alte „Feuer“ - auch der Griechen - wieder entfachen müssen. Doch wer sich in Athen auf die Antike beruft, übersieht wohl eine der wichtigsten historischen Lektionen, das Schicksal Athens im Peloponnesischen Krieg.

Athen verfiel damals dem Machtrausch und der Selbstüberschätzung. Die Führung Athens erklärte zynisch: „Der Starke tut, was er kann, und der Schwache erleidet, was er muss.“ Das Ergebnis dieser Maßlosigkeit war die Katastrophe, der totale Zusammenbruch Athens, der Verlust der Flotte und das Ende seiner Vormachtstellung.

Die Lehre der Geschichte lautet: Das Feuer bloßen Machtstrebens und stolzer Überhebung verbrennt am Ende diejenigen, die es schüren.

Auch die Welt von heute ruft nach Härte, Aufrüstung und Macht. Gott aber stellt dieser Machtdemonstration keinen noch größeren Panzer entgegen. Gott fordert eine Haltung des Herzens: Demut, Barmherzigkeit und Treue.

Echte Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch das Aufplustern geopolitischer Machtfantasien, sondern durch die Einsicht in unsere eigene Begrenztheit. Um die großen Krisen unserer Zeit gemeinsam zu bewältigen, braucht es keine überbordene Stärke, sondern die Bereitschaft, einander in Demut zu begegnen und Gott die Ehre zu geben. 

Vielleicht ist das auch der tiefere Grund, warum aus dem kriegerischen Johanniter- und Malteserorden über die Jahrhunderte eine weltweite Hilfsorganisation und Sanitätsdienst geworden ist – weil am Ende nicht das Schwert heilt, sondern der Dienst am Nächsten. Das allerdings den machtbesessenen und machtbereiten Despoten unserer Zeit zu vermitteln, dürfte ein ganz schwieriges Unterfangen sein.

In der Krise des 8. Jh. v.Chr fragten die Israeliten den Propheten Micha: “Was sollen wir tun?” Micha antwortet ganz schlicht: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist!" - Wir wissen es längst. Wir können uns nicht herausreden. Auch in unserer heutigen säkularen Welt ist das Wissen um das, was gut ist und was Gott von uns fordert, nicht verschwunden – wir tragen es aus dem Religionsunterricht, dem Konfirmanden- oder Firmunterricht in uns:

  • Gottes Wort halten – Orientierung suchen bei dem, der das Leben schenkt.

  • Liebe üben – Rücksicht nehmen, Frieden stiften, Wunden heilen.

  • Demütig sein vor deinem Gott – Wissen, dass wir nicht die Herren der Welt sind, sondern Werkzeuge seines Friedens.

Es ist dir gesagt, Mensch. Lasst es uns ganz einfach tun – auf der Straße, im Alltag und im Miteinander.

Am Ende der Saison kommt der Moment, der jedes Mal aufs Neue schwerfällt: der Blick zurück auf die Bikerfreunde, die wir in diesem Jahr verloren haben. Sieben von ihnen waren tödlich verunglückt. Für jede und jeden Einzelnen wurde eine Kerze entzündet. Julia Uhlenwinkel und Sonja Leipe trugen dazu sehr gefühlvoll Eric Claptons „Tears in Heaven“ vor. So schmerzlich diese Erinnerung ist – die letzten Zeilen des Songs bringen es auf den Punkt:

„I must be strong and carry on, cause I know: I don't belong here in heaven.“

Wir gehören noch nicht in den Himmel, unser Platz ist auf der Erde – und das Leben muss für uns weitergehen. Doch wie wir mit dieser Trauer umgehen, welchen Weg jeder Einzelne dafür findet, bleibt eine ganz persönliche Reise.

Nach diesem Innehalten richtete sich im Rahmen der Abkündigungen der Blick nach vorn:

Auch im kommenden Jahr stellen wir uns zu Beginn der Saison 2027 wieder unter Gottes Wort und Segen – um behütet und gestärkt in die neue Motorradsaison zu starten.

Dann hieß es wie üblich ...

... und die Kollekte für unsere Partner in Tansania wurde eingesammelt: 

367,98 €

Herzlichen Dank!

Fürbitte und Vaterunser

Gott, du hast uns in deinem Wort gesagt, was gut ist: Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor dir. Mit all den Sorgen, Ängsten und Hoffnungen für unsere Welt, für unsere Gemeinschaft und für unser eigenes Leben kommen wir zu dir und bitten dich:

Für die Welt und den Frieden:

Wir bitten dich für die Mächtigen und Verantwortlichen in der Politik. Bewahre sie vor der Anmaßung und dem Rausch der Macht. Gib ihnen die Einsicht, dass echter Friede nicht durch Aufrüstung und Härte entsteht, sondern durch Demut, Dialog und das gemeinsame Suchen nach Gerechtigkeit.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für ein gutes Miteinander & Rücksicht

Wir bitten dich für unser tägliches Zusammenleben und ganz besonders für die Gemeinschaft auf unseren Straßen. Schenke uns Achtsamkeit, Rücksicht und Geduld. Lass uns „Liebe üben“, indem wir aufeinander aufpassen, Leben bewahren und einander sicher an unser Ziel gelangen lassen.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für Verunsicherte und Suchende

Wir bitten dich für alle Menschen, die in den Krisen unserer Zeit den Halt verloren haben und nach Orientierung suchen. Hilf uns, deinen Worten zu vertrauen und in deinem Wort eine verlässliche Richtschnur für unser Handeln zu finden.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für die Verwundeten und Helfer

Wir bitten dich für die Opfer von Krieg, Gewalt und Unfällen. Stärke alle Menschen, die Wunden heilen, Leben retten und ihren Nächsten dienen – wie die Helferinnen und Helfer in den Sanitätsdiensten und Hilfsorganisationen. Mach uns selbst zu Werkzeugen deiner Barmherzigkeit.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für die Gemeinde / Biker-Gemeinschaft

Wir bitten dich für unsere Gemeinde und für uns alle, die wir heute zusammengekommen sind. Lass uns das Wissen um deine Liebe nicht nur im Herzen tragen, sondern spürbar in unseren Alltag mitnehmen. Segne unsere Wege und behüte uns bei allen Fahrten.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Treuer Gott, du kennst auch die Bitten, die wir ungesagt in unseren Herzen tragen. Alles, was uns bewegt, legen wir voll Vertrauen in das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel...


Segen

Lasst uns leben mit der Gewissheit,
dass Jesus Christus uns bei unserem Namen gerufen hat
und wir zu ihm gehören.

Lasst uns leben mit der Absicht,
Gott unseren Dank zu sagen - in Worten und in Taten.

Und lasst uns leben mit der Zusage,
dass Jesus Christus bei uns sein wird alle Tage,
bis ans Ende der Welt. 

Gott, der Herr, segne und behüte euch!

Gott, der Herr, lasse leuchten sein Antlitz über euch und sei euch gnädig!

Gott, der Herr, erhebe sein Antlitz auf euch und schenke euch seinen Frieden! Amen.

Ausklang

Wie das Musikstück zum Schluss ankam, das lassen wir am besten Frank sagen:

Abba in der Kirche. Ein Hoch auf unsere Orgelexpertin Julia Uhlenwinkel!

ABBA - Lay all your love on me

Der Regen hatte fast ganz aufgehört. So konnten wir mit Ruhe zum Bikertreff Werpeloher Hof fahren.

Leider sind nicht alle mit aufs Foto gekommen. Da der Parkraum beschränkt war, mussten sieben Biker etwas weiter ab parken und kamen in dem Augenblick um die Ecke, als sich alles aufgelöst hatte. 

Sonntag, 6. September 2026

Bwana asifiwe! Gott sei mit Euch!

Besuch der Tansania-Delegation im Kirchenkreis

Die Partnerschaft mit dem Missionskreis Kondoa in Tansania, für die Gustav-Adolf-Kirchengemeinde insbesondere mit dem Ort Chemchem, ist ein wichtiger Aspekt der Gemeindearbeit vor Ort. In diesen Tagen ist eine Delegation aus Afrika zu Besuch im Emsland. Die zu führenden Gespräche dienen der Evaluierung der 40-jährigen Partnerschaft des Ev.-luth. Kirchenkreises Emsland-Bentheim mit dem Missionskreis Kondoa (Tansania). Vieles hat sich in den Jahren verändert und muss neu überdacht werden.

Gern veröffentliche ich den Ablauf des Gottesdienstes mit den Gedanken von Stanley Tabulu, Assistent des Bischofs, und unserer Partnerschaftsbeauftragten Marga Pradel hier in meinem Predigtblog. Marga Pradel hat mir die Unterlagen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Möge Gott seinen Segen zu den Gesprächen und der Zusammenarbeit mit unseren Partner geben. 

Visit by the Tanzania Delegation to the Church District

The partnership with the Kondoa Mission District in Tanzania—specifically involving the village of Chemchem for the Gustav Adolf Congregation—is a vital part of local church life. A delegation from Africa is currently visiting the Emsland region. The discussions taking place are intended to evaluate the 40-year partnership between the Evangelical Lutheran Church District of Emsland-Bentheim and the Kondoa Mission District (Tanzania). Much has changed over the years, and aspects of the partnership need to be re-examined.

I am pleased to share the order of service here on my sermon blog, along with reflections from Stanley Tabulu (Assistant to the Bishop) and our partnership coordinator, Marga Pradel. Marga Pradel provided the materials—many thanks to her!

May God bless the discussions and the ongoing collaboration with our partners.

(Translation using Google Translate) 


Gottesdienst am Sonntag, 06. September 2026

Nach dem Gottesdienst ist Zeit für Begegnungen, Fragen und Informationen im Gemeindesaal eingeplant.

Gottesdienstordnung

Einzug

mit dem Chor Just for Fun und allen Mitwirkenden

Begrüßung

Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.

Lied EG 302, 1.2.8 - Du meine Seele, singe


Gebet


Psalm 118, 24-29 (EG 747)


Dies ist der Tag den der Herr macht,
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Siku hii ndiyo aliyoifanya BWANA,
Tutashangilia na kuifurahia.

Oh Herr hilf!
O Herr, Lass wohlgelingen.

Ee BWANA, utuokoe, twakusihi! 
Ee BWANA, utufanikishe, twakusihi.

Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn! 
Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Na abarikiwe yeye ajaye kwa jina la BWANA! 
Tumewabarikia toka nymbani mwa BWANA.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. 
Schmückt das Fest mit Maien
bis an die Hörner des Altars.

BWANA ndiye aliye Mungu. 
naye ndiye aliyetupa nuru
Ifungeni dhabihu kwa kamba Pembeni mwa madhabahu.

Du bist mein Gott, und ich danke dir, 
mein Gott, ich will dich preisen.

Ndiwe Mungu wangu, nami nitakushukuru, 
Ndiwe Mungu wangu, nami nitakutukuza.

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich 
und seine Güte währet ewiglich!

Mshukuruni BWANA kwa kuwa ni mwema 
Kwa maana fadhili Zake ni za milele.

Amen.

Chor Just for Fun

So walk in the Light

Gebetsruf zum Kyrie

Upendo na amani - Die Liebe und der Friede

Evangelium und Predigttext

1. Johannes Kapitel 4, Verse 16b-21

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Mungu ni upendo: na yeye anayekaa katika upendo hukaa ndani ya Mungu, na Mungu ndani yake. Katika hili upendo wetu umekamilika, ili tupate kuwa na ujasiri siku ya hukumu; kwani kama alivyo, ndivyo tulivyo pia katika ulimwengu huu. Hofu haiko katika upendo, lakini upendo mkamilifu huondoa hofu, kwa maana hofu huhesabiwa na adhabu. Lakini anayeogopa si mkamilifu katika upendo. Tupende, kwa maana alitupenda kwanza. Mtu akisema, 'Nampenda Mungu,' na kumchukia ndugu yake au dada yake, yeye ni mwongo. Kwa maana yeye asiyempendi ndugu yake au dada yake anayemwona, anawezaje kumpenda Mungu asiyemwona? Na amri hii tunayo kutoka kwake, ili kila mtu anayempenda Mungu ampende pia ndugu yake.

 Glaubensbekenntnis


Chor Just for Fun

Wo ein Mensch Vertrauen gibt

Predigt

Stanley Tabulu, Assistant to the Bishop 

SERMON  FROM  1 JOHN 4:16- 21

In  this  text  we  find  a  beautiful  reminder  of  what  life  with  God  is  like. John  shows  that,  God  is Love  because  he  loved   the   world  that  he  gave  his  one  only  Son,  that  whoever  believes  in  him  shall  not  perish  but  have  eternal  life.  God  loves  all  people,  sent  Jesus  to  save  them,  and  offers  life  forever  to  anyone  who  trusts  in  Him.

That  means  God  has  loved  us,  and  since   we  have  been  loved   by  God  we  ought  to  do  good    to  those  around  us. Here  Jesus  sums  the  greatest  commandment  by  telling  us  that,  we  must  love  God  completely  and  love  our  neighbors  completely.

If  anyone  says“ I   love   God“  yet  hates  his  brother,  he  is  a  liar.God´s  Love  is  pure is  not  disengaged, bitter, resentful,  passive,  gossiping  each  other, there  is  no  selfishness,  but  there  is  compassionate,  Careness,  loveness  and   sharing  talents  for  God´s  work.  God´s  love  brings  people  friendly.  Good  friends  are  like  this;  -welcoming,  eager  to  know  how  you  are  doing,  giving  undivided  attention.  A  good  friend  reminds  us  who  we  are,  they  listen  to  everything  the  good,  the  bad  with  compassion  and  love. God  is  a  friend  like  this.

Now how  do you practice  the  Love  of  God  to  others?  Do  you   treat  others  as  God´s  Will  or  viceversa? .God  gave  us  a  command  that,  whoever  loves  God,  must  also  love  his  brother.

Wherever  God´s  Love  exists  there is  peace,  there  is  pleasure,  there  is  unity  then  development,  not  only  those  mentioned  but  also  God´s  blessings  takes  place  overthere.

Two  things  which  are  more  important    than  anything  else  are:

Love  your  Lord   God  with  all  your  heart  and  love  your  neighbor  as  Yourself. AMEN 

Predigt über 1. Johannes 4,16–21

Übersetzung durch Google Translate 

In diesem Text finden wir eine wunderbare Erinnerung daran, wie das Leben mit Gott aussieht. Johannes zeigt uns, dass Gott die Liebe ist; denn er hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Gott liebt alle Menschen, sandte Jesus, um sie zu retten, und bietet jedem, der ihm vertraut, das ewige Leben an.

Das bedeutet: Gott hat uns geliebt, und da wir von Gott geliebt sind, sollen wir unseren Mitmenschen Gutes tun. Hier fasst Jesus das höchste Gebot zusammen: Wir sollen Gott von ganzem Herzen lieben und ebenso unseren Nächsten.

Wer sagt: „Ich liebe Gott“, aber seinen Bruder hasst, der ist ein Lügner. Gottes Liebe ist rein; sie ist nicht gleichgültig, verbittert, voller Groll oder passiv, sie nährt kein Gerede übereinander und kennt keinen Egoismus. Stattdessen ist sie geprägt von Mitgefühl, Fürsorge, Liebe und dem Einbringen der eigenen Gaben für Gottes Werk. Gottes Liebe verbindet Menschen auf freundschaftliche Weise. Gute Freunde zeichnen sich dadurch aus, dass sie offen und herzlich sind, sich aufrichtig dafür interessieren, wie es einem geht, und einem ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Ein guter Freund erinnert uns daran, wer wir sind; er hört uns zu – ob bei Gutem oder Schlechtem –, und zwar mit Mitgefühl und Liebe. Gott ist genau so ein Freund.

Wie aber leben wir Gottes Liebe im Umgang mit anderen? Behandeln wir andere so, wie es Gottes Willen entspricht? Gott hat uns das Gebot gegeben: Wer Gott liebt, muss auch seinen Bruder lieben.

Wo Gottes Liebe herrscht, da gibt es Frieden, Freude, Einheit und Wachstum; dort finden sich nicht nur diese Dinge, sondern auch Gottes Segen.

Zwei Dinge sind wichtiger als alles andere:

Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen und liebe deinen Nächsten wie dich selbst. AMEN.

Stanley Tabulu, Assistent des Bischofs, ELCT Dodoma, Tansania

Die Partnerschaftsbeauftragte der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde, Marga Pradel, sagt zum Predigttext: 

Liebe Gemeinde,

warum haben wir heute die Lesung in 2 Sprachen , Kisuaheli und Deutsch , gelesen? Wir haben Ihnen zugemutet, dass Sie sich beim Zuhören mehr anstrengen mussten und Sie haben wahrscheinlich auch befürchtet, den Text dann gar nicht richtig verstehen zu können.

Und?  Haben Sie den Text verstanden?

Trotz des anderen Sprachgemurmels?

War Ihre Angst oder Befürchtung begründet?

Ich hoffe, oder nehme an, Sie haben alles verstanden – weil Sie den Text in Ihrer Sprache raus gehört haben.  Wenn Herr Kirumbi unter uns säße,  dann würde er die Ohren nach dem Suaheli Text gespritzt haben. 

Und doch, wenn Sie nachher den Ostafrikaner fragen würden: “Was hat den dein Text bedeutet?“ Dann würden Sie verblüfft feststellen, das ist ja dasselbe.

Und so stelle ich mir, ganz vereinfacht dargestellt, Pfingsten vor - und Pfingsten findet für mich jeden Tag statt. Der Heilige Geist wird in uns allen wirken, wo immer wir uns befinden, damit wir Menschen uns verstehen, welche Sprache wir auch sprechen. Das wir dieselben Bedürfnisse haben, nach Frieden lechzen, und die gegenseitige Liebe spüren und weitergeben können.

Heute feiern wir einen besonderen Gottesdienst, mit Gästen, Freunden, Partnern aus Tansania. Das Wetter ist herrlich – ganz so wie in Chemchem – im Missionskreis Kondoa, Tansania. Die Saat ist aufgegangen und die Menschen hoffen auf eine gute Ernte. 

Partnerschaftssonntag. Wie Sie wissen haben wir als eine Säule unserer Partnerschaft: den Glauben teilen. Wir feiern also jedes Jahr, fast zeitgleich, einen Gottesdienst mit demselben Predigttext. Wir sind uns ganz nah, wie sonst nur im Gebet. Unser gemeinsamer Predigttext steht im 1. Johannes, Kapitel 4:

Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts: denn wir er ist, so sind auch wir in dieser Welt.

Furcht ist nicht in der Liebe,  sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus: denn die Furcht rechnet mit Strafe. 

Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott und hasst seine Brüder und Schwestern, der ist ein Lügner. Denn wer seine Geschwister nicht liebt, die er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?

Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass er auch seine Geschwister liebt. 

Liebe Gemeinde,

für mich ist dieser Bibeltext einer der schönsten in der ganzen Bibel.

Johannes versichert uns noch einmal, wer in der Liebe bleibt uns nicht wankt, der hat einen sicheren Stand der Welt an Gottes Seite.

Wenn das nur so einfach wäre, Johannes. Das Gegenteil von Liebe ist Hass, Neid, Gewalt, Gleichgültigkeit, Missachtung – und uns fiele noch viel mehr ein, was uns von der vollkommenen Liebe trennt. 

In unserem Predigttext ist Furcht der Gegensatz der Liebe. Der Schreiber sagt: 

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.

Nun ja, wen ich an meinen ersten Besuch in Tansania zurückdenke, dann ist da schon eine gewisse Furcht gewesen. Ich komme in eine mir unbekannte Welt mit mir unbekannten Farben und Geräuschen. Tiere bewegen sich, oder stehen ganz still und machen ganz unvermutet Bewegungen oder Krach. Die Erde grummelt unter meinen Füssen.

Diese unbekannten Dinge kann ich noch nicht einordnen. 

Ich bin unsicher und es kommt mir so vor, als ob ich auf schwankendem Grund stehe.

Das alles ist dazu angetan, mir große Angst zu machen. 

Es kommt mir vor wie das Chaos, doch mitten in diesem Chaos stehen unsere Tansanischen Partner. Mit ihnen und durch sie lernen wir mit den unbekannten Dingen, dem Chaos umzugehen. Ihre freundlichen Worte und Gebärden, das gemeinsame Singen und miteinander Reden und die freundliche Umarmung verdrängen die Furcht. Ich erlebe, wie sich langsam ein Vertrauen dem Fremden gegenüber aufbaut, ich merke wie heiß und grell die Sonne scheint, wo unsere Grenzen sind und wo die fremden Dinge einen Sinn haben und ihre Ordnung bekommen.

So eine ähnliche Situation können wir uns auch für ein neugeborenes Kind vorstellen. Es wird in eine ihm unbekannte Welt hinein geboren und vieles kann es nicht einordnen. Es weiß nichts davon, wie Menschen und Dinge sich bewegen, und alles wirkt für es erst einmal wie ein Chaos. Für die Kinder stehen die Eltern zwischen Chaos und Geborgenheit. Später kommen dann andere vertraute Personen dazu und auch die vertrauten Gegenstände, mit denen das Kind umgehen kann.

Die Liebe steht hier gegen die Angst. Die Liebe nimmt dem Kind die Furcht vor dem Fremden, vor der unbegreiflichen und bedrohlichen Welt. Da wo die Liebe ist, wo Wärme und Geborgenheit herrscht , da ist die Angst weg. 

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. 

Aber irgendwann kommt der Punkt, wo die Kinder größer geworden sind und begreifen: Auch die Eltern können nicht alles.

Es gibt in der Welt Bedrohungen, gegen die die Eltern nichts ausrichten können. 

Es gibt Ängste, die bleiben. Und deshalb hat es keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen. Es gibt Krieg, es gibt Gewalt, es gibt andere Kinder, die einen hänseln und drangsalieren, es gibt Erwachsene, die einen kalt und unfreundlich behandeln.

Da können sich die Eltern nicht immer vor das Chaos stellen. Sie sind nicht immer dabei, eines Tages sind sie gar nicht mehr – und sie haben auch die Kraft nicht. Sie haben wohl die Liebe – aber manchmal eine verzweifelte, hilflose Liebe angesichts der Übermacht des Chaos.

Und doch ist es wichtig, wenn Kinder einmal etwas von der Macht der Liebe erlebt haben. Sie haben als Babys erfahren, dass da jemand war, der das Chaos vertreiben konnte. Sie haben Vertrauen gefasst zum Leben.

Kinder, die diese Erfahrung nicht gemacht haben, haben es schwer im Leben. Ihnen wird die Angst eher kommen, die Bedrohungen größer erscheinen. Sie werden Wege gegen die Verzweiflung finden müssen. 

Und wie ist das mit uns selbst – den Erwachsenen?

Was steht zwischen uns und unserer Angst? Wir haben uns mehr oder weniger im Leben eingerichtet. Wir haben Wege gefunden unser Leben soweit des geht ohne Angst zu leben – oder doch die Angst so weit beiseite zu schieben, dass wir leben können. Aber wir kennen das Chaos auch. Wir leben auf einer glatten Oberfläche, die wir uns geschaffen haben. Aber darunter das Chaos – und es kann hervorbrechen.

Als Krankheit, als Unfall, als Schicksal. Und dann kann es weder werden wie damals: das wir nichts mehr einordnen können, nichts hat mehr Sinn noch Gestalt.

Und wird mit einem Mal klar, dass all unsere Hilfsmaßnahmen gegen die Angst sich als zu schwach erweisen: das bisschen Sinn, dass bisschen Ordnung, das wir in unser Leben gebracht haben.

Wo ist die vollkommene Liebe?  Unsere Liebe?   Die, die wir den Kindern geben können?    -  So viel Liebe, wie wir geben können?

Aber, wie viel Liebe können wir geben?

Die vollkommene Liebe? Ob es das überhaupt gibt? 

Was rettet uns vor dem Chaos?

Vollkommene Liebe jedenfalls kann nicht von uns kommen. Wenn es sie gibt, muss sie von anderswo kommen. Vom Zentrum aller Liebe, von da, wo die Liebe zu Hause ist. Von Gott. Und nur diese Liebe ist es, die sich der Zerstörung und der Angst entgegenstellt. 

Christen früherer Zeit haben sich das so vorgestellt. Gott hat in der Schöpfung Chaos, das Wüste und Ungeordnete, beiseitegeschoben und Platz zum Leben geschaffen. Indem er sagt: „Es werde Licht“ weicht die Dunkelheit zurück und es entsteht Raum, in dem die weiteren Schritte der Schöpfung bis hin zum Menschen folgen können. Aber das ist noch nicht alles. Immer noch, in jedem Augenblick hält die Liebe Gottes die Dunkelheit zurück. Und lässt die Liebe nur eine Sekunde nach, würde wieder die Dunkelheit zurückkommen, das Chaos, in dem alles wieder wüst und leer wird. 

Auch unsere Partnerschaft mit unseren Brüdern und Schwestern in Chemchem wird von dieser Liebe Gottes getragen, Auch wenn wir so viele tausend Kilometer voneinander  getrennt auf verschiedenen Kontinenten leben, so verbindet uns der Glaube an Gott. Und doch vergessen wir das immer wieder.

Wie schnell sind wir enttäuscht, wenn keine Post kommt – auch in Tansania machen sie sich Gedanken, wenn wir nicht schreiben. Endlich kommt dann ein Brief – mit einem Gebet – für uns und unsere Freundschaft.

Wir lernen mit unseren Gaben des Gebens und Nehmens umzugehen. Wir machen uns Gedanken und es bedrückt uns wenn wir die Lebensmittelknappheit auf der einen Seite und unseren Überfluss auf der anderen Seite sehen. 

Manchmal hat auch die Partnerschaft Züge vom Chaos und die Furcht macht sich breit, wie der nächste Schritt denn aussehen wird – doch dann ist da die Liebe, die uns alle verbindet. Es ist die Erfahrung, da ist jemand, dem kann ich vertrauen, an den kann ich mich im Gebet wenden. ER wird mich die nötige Geduld und Standfestigkeit geben auszuharren.

Da, wo Gottes Liebe sich zwischen uns und die Angst stellt, werden wir erst wirklich frei. Frei, nun auch unsererseits Liebe weiterzugeben. Wer Angst hat, sieht nur sich selbst. Die Angst verstellt uns den Blick. Da ist in unserem Kopf nur Platz für das, was wir fürchten. Wo uns die Angst genommen wird, werde wir frei, auch andere zu sehen. Frei, den Mitmenschen zu lieben, die anderen Brüder und Schwestern zu sehen. So heißt es im Predigttext: Dies Gebot haben wir von Gott, dass, wer Gott liebt, auch seine Brüder und Schwestern lieben soll.

Die Quelle unserer Liebe liegt tiefer in uns als wir es ahnen. ES ist Gottes Liebe  die wir weitergeben. Und wie unvollkommen wir auch immer die Liebe weitergeben,  - ob an unsere Kinder , oder an die Menschen, die uns in unserer Partnerschaft begegnen, -  unsere Liebe wird gehalten und getragen von der vollkommenen Liebe, aus der unsere Liebe entspringt. 

Darum geschieht immer wieder das Wunder, das unsere kleine unvollkommene Liebe doch die Angst vertreiben kann.

Translation of the sermon after the explanations of the animation. 

 
Partnerschaftsdreieck aus der
Gustav-Adolf-Kirche
GIF-Animation

Zur Erklärung der Animation

Das Dreieck steht für: Trinität – Dreifaltigkeit – Gott, Jesus, Heiliger Geist

Die AMANI-Kirchengemeinde in ChemChem liegt an dem Fluss Mto-Bubu, der in der Regenzeit über die Ufer tritt, meist jedoch ausgetrocknet ist.

Die Gustav-Adolf-Kirchengemeinde in Meppen liegt an der Ems, die immer genügend Wasser hat.

Im oberen Teil des Dreiecks sind beide „Flüsse“ miteinander verwoben – so wie wir in unserem Glauben an Gott, an Jesus und an den Heiligen Geist miteinander verwoben sind – und bilden somit den Stamm des Kreuzes.

Der Querbalken des Kreuzes – dem Zeichen, das uns im Glauben vereint – symbolisiert mit Schwarz und Weiß unsere Hautfarben.

Den Rahmen unseres Partnerschafts-Dreiecks zieren afrikanische zwei Weisheiten:

  • Itakuwaje? 

Was wird sein? 

  • Kila ampendaye mwenzake ametimiza sheria zu Mungu! 

Liebst Du Deinen Nächsten, dann hast Du Gottes Gesetz erfüllt!

Diese Weisheit ist schon als Antwort auf die Frage zu sehen: Lasst uns alle mit der Liebe Gottes leben, so wie Jesus auf die Frage nach dem höchsten Gebot antwortete (Mk 12,29-31): Das höchste Gebot ist das: Du sollst Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all Deiner Kraft. Das andre ist dies: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Amen.

Explanation of the animation

The triangle represents the Trinity—God, Jesus, and the Holy Spirit.

The AMANI congregation in ChemChem is located by the Mto-Bubu River, which bursts its banks during the rainy season but is usually dry.

The Gustav-Adolf congregation in Meppen is situated on the Ems River, which always has sufficient water.

In the upper part of the triangle, the two "rivers" are intertwined—just as we are intertwined in our faith in God, Jesus, and the Holy Spirit—thereby forming the upright beam of the cross.

The crossbar—the symbol that unites us in faith—uses black and white to represent our respective skin colors.

The frame of our partnership triangle is adorned with two African words of wisdom:

    • Itakuwaje?

What will come to pass?

    • Kila ampendaye mwenzake ametimiza sheria ya Mungu!

If you love your neighbor, you have fulfilled God’s law!

This wisdom serves as an answer to the question: Let us all live in God’s love—just as Jesus answered when asked about the greatest commandment (Mark 12:29–31): "The greatest commandment is this: You shall love God with all your heart, with all your soul, with all your mind, and with all your strength. The second is this: You shall love your neighbor as yourself." Amen.


The sermon by Marga Pradel, translated using Google Translate

Dear Brothers and sisters in Christ,

Why did we have the reading in two languages ​​today—Swahili and German? We asked you to make a greater effort while listening, and you likely feared you might not fully grasp the text at all.

So? Did you understand the text?

Despite the murmur of a different language?

Was your fear or apprehension justified?

I hope—or rather, I assume—that you understood everything, because you were able to pick out the text in your own language. If Mr. Kirumbi were sitting among us, he would have pricked up his ears at the Swahili text.

And yet, if you were to ask that East African afterwards, "What did your text mean?" you would be amazed to discover that it is the very same thing.

That is how I picture Pentecost—in very simple terms—and for me, Pentecost happens every day. The Holy Spirit works within us all, wherever we may be, so that we human beings can understand one another, regardless of the language we speak. It allows us to recognize that we share the same needs, that we yearn for peace, and that we can feel and share mutual love.

Today, we are celebrating a special service with guests, friends, and partners from Tanzania. The weather is glorious—just like in Chemchem, in the Kondoa Mission District of Tanzania. The seeds have sprouted, and the people are hoping for a good harvest.

Partnership Sunday. As you know, sharing our faith is a cornerstone of our partnership. Every year, at roughly the same time, we celebrate a service featuring the same sermon text. We feel a closeness to one another that is otherwise found only in prayer. Our shared sermon text comes from 1 John, chapter 4:

God is love, and whoever abides in love abides in God, and God abides in him. In this way, love is perfected among us, so that we may have confidence on the day of judgment: for as He is, so are we in this world. There is no fear in love, but perfect love casts out fear; for fear has to do with punishment.

But whoever fears is not perfect in love.

Let us love, for he loved us first.

If anyone says, "I love God," and hates his brothers and sisters, he is a liar. For whoever does not love his siblings whom he sees, how can he love God whom he does not see?

And we have this commandment from him: that whoever loves God must also love his siblings.

Dear Brothers and sisters,

For me, this biblical text is one of the most beautiful in the entire Bible.

John assures us once again: whoever remains in love and does not waver has a secure footing in the world at God’s side.

If only it were that simple, John. The opposite of love is hatred, envy, violence, indifference, disregard—and we could think of so much more that separates us from perfect love.

In our sermon text, fear is the opposite of love. The writer says:

There is no fear in love, but perfect love casts out fear.

Well, when I think back to my first visit to Tanzania, there certainly was a certain amount of fear. I was entering a world unknown to me, with unfamiliar colors and sounds. Animals moved about, or stood perfectly still, only to make sudden movements or noises quite unexpectedly. The earth rumbled beneath my feet.

I could not yet make sense of these unfamiliar things.

I felt insecure, and it seemed as though I were standing on unstable ground.

All of this was enough to make me very afraid.

It felt like chaos—yet right in the midst of that chaos stood our Tanzanian partners. With them, and through them, we learned how to deal with the unknown and with the chaos. Their kind words and gestures, the singing and talking together, and the friendly embrace dispel fear. I witness trust in the stranger slowly taking root; I notice the sun’s hot, glaring light, where our boundaries lie, and where unfamiliar things begin to make sense and fall into order.

We can imagine a similar situation for a newborn child. It is born into a world unknown to it, and there is much it cannot yet make sense of. It knows nothing of how people and things move, and at first, everything seems like chaos. For children, parents stand between chaos and a sense of security. Later, other familiar people enter the picture, as do the familiar objects the child learns to handle.

Here, love stands in opposition to fear. Love relieves the child of its fear of the unknown—of a world that seems unfathomable and threatening. Where love exists, where warmth and security prevail, fear vanishes.

There is no fear in love; rather, perfect love drives out fear.

There are threats in the world against which parents are powerless.

There are fears that persist. And so, there is no point in turning a blind eye to them. There is war, there is violence; there are other children who tease and bully, and adults who treat one coldly and unkindly.

Parents cannot always stand as a shield against this chaos. They are not always present—and one day, they will no longer be there at all—nor do they always have the strength. They certainly possess love—but sometimes it is a desperate, helpless love in the face of the overwhelming power of chaos.

And yet, it matters that children have, at some point, experienced the power of love. As babies, they learned that there was someone there who could banish the chaos. They came to trust in life.

Children who have not had this experience face a harder path in life. Fear comes more easily to them; threats loom larger. They must find their own ways to cope with despair.

And what of us—the adults?

What stands between us and our fear? We have settled into our lives, more or less. We have found ways to live—as much as possible—without fear, or at least to push it aside enough to go on living. Yet we, too, know chaos. We live on a smooth surface of our own making, but beneath it lies chaos—and it can break through.

As illness, as accident, as a twist of fate. And then, things can no longer be as they once were: we can make no sense of anything; nothing retains its meaning or form.

Suddenly, it becomes clear that all our defenses against fear prove too weak—that small measure of meaning, that bit of order we brought into our lives.

Where is perfect love? Our love? The love we can give to our children? — As much love as we are capable of giving?

But how much love *can* we give?

Perfect love? Does such a thing even exist? What saves us from chaos?

Perfect love, at any rate, cannot originate with us. If it exists, it must come from elsewhere—from the center of all love, from the place where love makes its home: from God. And it is this love alone that stands firm against destruction and fear.

Christians of times past envisioned it this way: in the act of creation, God pushed aside chaos—that desolate, disordered void—and made room for life. When He says, "Let there be light," the darkness recedes, creating a space where the subsequent stages of creation—culminating in humanity—can unfold. Yet that is not all. Even now, in every single moment, God’s love holds back the darkness. Should that love falter for even a second, the darkness would return—that chaos in which all things become desolate and void once more.

Our partnership with our brothers and sisters in Chemchem is likewise sustained by this love of God. Though we live thousands of kilometers apart on different continents, faith in God unites us. And yet, time and again, we forget this.

How quickly we feel disappointed when no mail arrives—just as our friends in Tanzania worry when we fail to write. Then, finally, a letter arrives—bearing a prayer—for us and for our friendship.

We are learning how to navigate the dynamics of giving and receiving. We reflect deeply—and feel a sense of distress—when we witness food shortages on one side and our own abundance on the other.

At times, our partnership takes on chaotic traits, and fear creeps in regarding what the next step might hold—yet there remains the love that binds us all together. It is the realization that there is Someone I can trust, Someone to whom I can turn in prayer. He will grant me the patience and steadfastness needed to persevere. It is when God’s love places itself between us and our fear that we truly become free—free, in turn, to pass that love on to others. Those gripped by fear see only themselves; fear clouds our vision, leaving room in our minds for nothing but what we dread. Yet, when fear is taken from us, we become free to see others as well—free to love our fellow human beings and to recognize our brothers and sisters. As the sermon text declares: We have this commandment from God—that whoever loves God must also love their brothers and sisters.

The source of our love lies deeper within us than we realize. It is God’s love that we pass on. And however imperfectly we share that love—whether with our children or with the partners who share our lives—our love is upheld and sustained by the perfect love from which it springs.

Yet there comes a time when children grow older and realize: even parents cannot do everything.

That is why the miracle happens again and again: our small, imperfect love is nonetheless able to drive out fear. 

 

Orgelzwischenspiel


Grußwort

von Rev. Stanley Tabulu und Walter Schulz (Dalum)

Kollektenrundgang mit dem Chor Just for Fun


Dankgebet für die Kollekte


Lied EG 420, 1-5 Brich mit den Hungrigen dein Brot


Abendmahl


Segen


Orgelnachspiel


Nach dem Gottesdienst waren alle herzlich zum Austausch bei Kirchenkaffee und Mittagessen im Gemeindesaal eingeladen.