Rückblick auf Invokavit 2025
Nachdem ich mich dem Thema des Sonntags Invokavit am vergangenen Sonntag mit einer Predigt aus einem Konfirmationsgottesdienst genähert habe, folgt jetzt eine Predigt aus dem letzten Jahr vom 09.03.2025. Das war tatsächlich der Sonntag Invokavit. Dieses Mal steht Matthäus 4 - die Versuchung Jesu - im Vordergrund. Ich gebe hier den ganzen Gottesdienstablauf wieder.
Orgelvorspiel
Begrüßung
EG 445,1.2.4.5.7 Gott des Himmels und der Erden
736 Psalm 91 - Unter Gottes Schutz
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitztund unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,der spricht zu dem HERRN: /
Meine Zuversicht und meine Burg,mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägersund von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,vor der Pest, die im Finstern schleicht,vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der HERR ist deine Zuversicht,der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragenund du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Über Löwen und Ottern wirst du gehenund junge Löwen und Drachen niedertreten.
»Er liebt mich, darum will ich ihn erretten;er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.
Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; /ich bin bei ihm in der Not,
ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.
Ich will ihn sättigen mit langem Lebenund will ihm zeigen mein Heil.«
Gloria Patri
Kyrie
Salutatio
Gebet
Gen 3,1-13
Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zur Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! 4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. 8 Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten. 9 Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? 10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. 11 Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? 12 Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. 13 Da sprach Gott der Herr zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, so dass ich aß.
EG 362,1-3 Ein feste Burg ist unser Gott
Mt 4,1-11 JESU VERSUCHUNG
1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Ps 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.
Glaubensbekenntnis
EG 71,1.5.6 O König aller Ehren
Predigt
Martin Senftleben: Der Sonntag Invokavit hat die Geschichte der Versuchung Jesu zum Thema.
Versuchung ist inzwischen zu einem altertümlichen Begriff geworden, vor allem deshalb, weil die Frage nach dem Versuchenden - statt des substantivierten Partizip Präsens nehmen wir einfach: Versucher - immer deutlicher gestellt wurde und wird. Gibt es ihn überhaupt? Entspringt die Versuchung nicht ausschließlich in einem selbst? Diese Entwicklung muss auf jeden Fall berücksichtigt werden, wenn wir von Versuchung sprechen. Die Vorstellung eines leibhaftigen Versuchers als des Teufels ruft höchstens noch ein müdes Lächeln hervor; das Arbeiten mit solchen Bildern in der Predigt ist heutzutage ausgesprochen schwierig, wenn nicht gar unmöglich.
Von der Sünde
Warum eigentlich? Wir haben es uns in der Kirche abgewöhnt, vom Teufel zu reden. Das kann man doch keinem mehr zumuten. Wir haben uns abgewöhnt, von der Sünde zu reden. Das passt nicht zum aufgeklärten Menschenbild, wonach der Mensch als vernunftbegabtes, selbstbestimmtes und freies Wesen betrachtet wird, das durch Bildung und Toleranz zu einem besseren Leben und einer besseren Gesellschaft beitragen kann.
Hoimar von Ditfurth (1921 - 1989; Psychiater und Neurologe, Fernsehmoderator und populärwissenschaftlicher Autor) sieht in der Erbsünde „jene unserer kardinalen Schwächen, auf die auch die evolutionäre Betrachtung des heutigen Menschen uns hat stoßen lassen: unsere prinzipielle, aus unserer ‚Natur‘ entspringende Unfähigkeit, das, was wir als richtig erkannt haben, auch zu tun“.
Solange wir “Erbsünde” - womöglich auch noch verbunden mit dem “sündhaften” sexuellen Akt der Zeugung - als eine moralische Kategorie verstehen, ist der Begriff weder zutreffend noch aktuell. Wenn wir aber Erbsünde als etwas verstehen, was zum Menschsein gehört, was in jedem Menschen angelegt ist, was sich Bahn bricht, wenn es nicht in Schranken gewiesen wird, wenn es sich nicht an einen zuvor vereinbarten Rahmen hält, an eine Übereinkunft, dann ist der Begriff Erbsünde aktueller als je zuvor. Noch einmal von Ditfurth … Die Erbsünde ist “unsere prinzipielle, aus unserer ‚Natur‘ entspringende Unfähigkeit, das, was wir als richtig erkannt haben, auch zu tun“.
Charta der Vereinten Nationen - Artikel 2 Absatz 4
Eine Verabredung kommt gerade unter die Räder. Charta der Vereinten Nationen - USA, die Sowjetunion, Großbritannien und China - Artikel 2 Absatz 4: Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.
Matthäus 5 - Bergpredigt - Vom Töten
Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist 2. Mose 20,13: »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.
Was für ein Ton hat sich in unserer Gesellschaft und in der Politik breit gemacht? Nicht nur jenseits des Atlantiks, auch bei uns, auch bei den etablierten Parteien der politischen Mitte.
Matthäus 5 - Bergpredigt - Vom Schwören
Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist 3. Mose 19,12: »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.« Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt … Eure Rede … sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Dazu ist erschienen der Sohn Gottes ...
Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Und dann ist es eben auch die Frage, ob diese Sünde nicht auch von außen angestoßen wird, ob die Rede vom Teufel, vom Satan, vom Widerpart Gottes nicht doch sinnvoll ist? Was oder wer ist der Teufel? Und wie begegnet Jesus ihm?
Wer oder was ist der Teufel?
Was ist der Teufel nicht! Die Gestalt mit Hörnern und Bocksfüßen! Diese Gestalt ist im Mittelalter erfunden worden und prägt unser Bild bis heute. Die Bibel nimmt es einfach hin, dass es den Teufel, den Widersacher Gottes, gibt. Die Urgeschichte verwendet noch das Bild der sprechenden Schlage. Im Buch Hiob heißt es einfach: “Es begab sich aber eines Tages, als die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, da kam auch der Satan mit ihnen. Der HERR aber sprach zu dem Satan …” - “Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.”
Wer ist nun der Teufel? Er ist einer, der uns auf die Probe stellt, der uns von Gott weglocken will. Und es ist einer, der uns das Wort im Munde umdreht. Genesis: Ihr werdet sein wie Gott! Hiob: Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht fluchen!
Steine zu Brot
Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Gottes Engel
Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Ps 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
Alle Reiche dieser Welt
Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. …
Und nun?
Ein Witz, dass der Teufel dem Sohn Gottes, der in seiner göttlichen Person in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist ja selbst Himmel und Erde erschaffen hat, dass der Teufel Jesus hier alle Reiche der Welt anbietet. Aber was passiert heute?
Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.
Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Da verließ ihn der Teufel.
Wenn wir nicht endlich wieder anfangen, genau dieses zu predigen und zu leben, kann die Kirche ihren Laden zumachen! Wir müssen uns nicht gegen die Feststellung von Hoimar von Ditfurth abzugrenzen, dass die Erbsünde “… unsere prinzipielle, aus unserer ‚Natur‘ entspringende Unfähigkeit, das, was wir als richtig erkannt haben, auch zu tun“. Wir müssen nicht wie die Menschen der Urgeschichte die Schuld auf die anderen abschieben: Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. 13 Da sprach Gott der Herr zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, so dass ich aß.
Weil der Teufel seine letzte Macht verloren hat durch die Zurückweisung von Jesus, aber auch schon bei Hiob, der fest in seinem Glauben blieb - will wir glauben, das wir erlöst sind durch Tod und Auferstehung Jesu, können wir zu unserer sündhaften Natur stehen und gleichzeitig deutlich machen, dass wir mit Gottes Hilfe versuchen, andere Wege zu gehen. Wir haben es nicht mehr nötig, dem Teufel, dem Satan solch einen Raum zu geben, wie er es sich im Augenblick herausnimmt.
Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.
Gott hat tatsächlich seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
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