..., dass er die Werke des Teufels zerstöre! (1. Johannes 3, 8b)
Das ist der Wochenspruch für den ersten Sonntag in der Passionszeit, für den Sonntag Invokavit (in diesem Jahr der 22.02.). Ursprünglich hatte ich ja gedacht, dass ich dazu etwas zum Sonntag selbst veröffentliche. Nachdem ich mich jetzt aber eingelesen habe, habe ich diese Überlegungen verworfen. Wie die Überschrift schon andeutet, wird es mehrere Abschnitte zu diesem Thema geben.
Den Anfang macht eine Einheit im Konfirmandenunterricht, aus der sich dann tatsächlich eine Dialogpredigt für einem der Konfirmationsgottesdienste entwickelte.
Konfiunterricht
Im Konfirmandenunterricht las ich mit den Jugendlichen zunächst die Geschichte von der Versuchung Jesu aus Matthäus 4 und dann die Urgeschichte Genesis 1 bis 11. Die biblischen Geschichten bereitete ich für die Jugendlichen immer mit Comicbildern von Jim Padgett auf, veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license auf der Plattform https://unfoldingword.org/sweet-publishing/. Die Bilder sind http://sweetpublishing.com zuzuordnen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese einfachen Zeichnungen die biblischen Geschichten bei den Jugendlichen so illustrieren, dass doch das eine oder andere hängen bleibt, wie ich es dann in der Vorbereitung zum Konfirmantionsgottesdienst erleben konnte.
Ihr werdet sein wie Gott ... (Gen 3)
Wenn man mit Jugendlichen oder Erwachsenen über die Urgeschichte Genesis 1-11 sprechen will, muss zunächst deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um einen historischen Bericht handelt, sondern um eine Erzählung über das Menschsein an sich. Diese Erzählung verwendet mythische Bilder aus der orientalischen Umwelt. Wird dann der "Sündenfall" Genesis 3 thematisiert, ist noch vorauszuschicken, dass diese Geschichte nichts mit Moral im landläufigen Sinn zu tun hat, sondern dass sie eine "Disposition" des Menschen in Form einer Erzählung beschreibt.
Die Jugendlichen haben noch sehr gut in Erinnerung, was typisch ist, wenn Erwachsene sagen: Tu das nicht! Man macht das Gegenteil. Und wenn es um das Nacktsein geht, können die Jugendlichen nach einigem Hin und Her auch benennen, dass kleine Kinder bis zu einem bestimmten Punkt kein Problem haben, nackig herumzulaufen. Erst in dem Augenblick, in dem die Kinder sich und andere Menschen unterscheiden können und sich damit ihrer selbst bewusst werden, wird das Nacktsein zu einem "Problem". Eva und Adam verhalten sich im Paradies im Grunde genommen wie kleine Kinder.
Der entscheidende Punkt ist allerdings nicht die Übertretung des göttlichen Gebotes - "Esst nicht davon!" -, sondern die Verlockung, die im Raum steht: "Ihr werdet sein wie Gott ..." Wenn das kein Angebot ist!
Im Unterrichtsgespräch ist es dann überhaupt kein Problem, mit den Jugendlichen diese Intention zu erarbeiten. Der Blick in die Gegenwart macht deutlich: Genau das dürfte bis heute unser Problem sein - sein wie Gott, die Geschichte in die eigene Hand nehmen ...
Nebenbei bemerkt: Die Schlange hat Eva und Adam nicht betrogen. Denn Gott stellt am Ende der Erzählung fest: Nun ist der Mensch geworden wie unsereiner und weiß um Gut und Böse ... Das Problem ist nur - auch bis heute: Wir Menschen können mit diesem Wissen nicht umgehen.
Das lässt sich dann sehr einfach mit der Geschichte von Kain und Abel weitererzählen, wo ein Bruder den anderen aus Neid und Eifersucht erschlägt. Menschlich gesprochen: Kain ist so bockig, dass er überhaupt nicht wahrnimmt, dass Gott ihn vor (!) der Tat anspricht, um den Mord zu verhindern. "... die Sünde lauert vor der Tür deines Herzens ... Du musst Herr über sie sein!"
Gott ist schuld ...
Als es dann um die "Aufarbeitung" der Vorgänge geht, reagieren sowohl Eva und Adam als auch Kain typisch menschlich:
- Adam: Die Frau, die du, Gott, mir gabst ...
- Eva: Die Schlange betrog mich ...
- Kain: Bin ich meines Bruders Hüter ...
Typisch - keiner ist bereit, für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen.
Trotzdem, Gott hält zu seinen Menschen
In diesem Duktus kann man die weiteren Stationen der Urgesichte besprechen. In Kapitel 6 fällt dann vor der Sintflut das verheerende Urteil: Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es den HERRN, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden ...
Jedoch ändert sich auch nach der Sintflut nichts an der Situation. Noah hatte wieder festen Grund unter den Füßen und brachte Gott ein Opfer dar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Aber genau wie bei Eva und Adam und bei Kain macht Gott hier endgültig Schluss. Vielmehr verspricht er: "Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." Der Turmbau zu Babel macht dann leider noch einmal deutlich, dass die Menschheit nichts begriffen hat - bis heute?!
Der Konfirmationsgottesdienst
Wenn irgend möglich bereitete ich die Konfirmationsgottesdienste mit Jugendlichen vor. Was ist hängengeblieben? Was können wir euren Familien noch erzählen? Was ist euch wichtig? Welche Lieder würdet ihr gern singen?
Bei der Vorbereitung dieses Konfirmationsgottesdienstes kam von einer Konfirmandin dieser Impuls:
Mit Adam und Eva und der Schöpfungsgeschichte (und wie sie mit der Wissenschaft zusammenhängt) haben wir uns auch beschäftigt.
Dieses erste Votum wurde dann in einem zweiten Anlauf noch weiter ausgeführt. Das aber kann gleich in der Dialogpredigt nachgelesen werden.
Dialogpredigt - Konfis und Pastor
Aus den Notizen der Jugendlichen entwickelten wir gemeinsam die nachfolgende Dialogpredigt. An dem Dialog waren fünf bis sieben Konfirmanden beteiligt.
Nach dem Gottesdienst kam ein Großvater auf mich zu und meinte, dass er so viel Theologie lange nicht in einem Gottesdienst wahrgenommen habe.
Moin! Mann, habt ihr euch chic gemacht! |
Mit deinem Anzug kannst du dich aber auch sehen lassen. |
Naja, Konfirmation ist ja auch schon was. Ich finde, da kann man sich schon mal besonders anziehen. - Schaut mal, unsere Familien haben sich doch auch fein gemacht. Eigentlich war die Konferzeit doch gar nicht schlecht, oder? |
Im ersten Jahr trafen wir uns fast jeden Dienstag im Gemeindehaus und haben über verschiedene Themen gesprochen. Dazu bekamen wir Arbeitsblätter, die wir gemeinsam bearbeitet haben. Das war nicht immer ganz spannend. Aber als wir uns mit Jesus beschäftigt haben, habe ich mir gemerkt, dass Jesus auch Geschwister hatte; 4 Brüder und mindestens zwei Schwestern. Fand ich interessant. Das wusste ich bis dahin nicht. |
Mit Adam und Eva und der Schöpfungsgeschichte - und wie sie mit der Wissenschaft zusammenhängt - haben wir uns auch beschäftigt. |
Außerdem haben wir uns mit der Geschichte der Gustav Adolf Kirche befasst. Das war vielleicht nicht die tollste Zeit meines Lebens, aber es hat durchaus Spaß gemacht! |
Eine wirklich schöne Zeit hatten wir im zweiten Jahr mit der Konfirmandengruppe. Wir hatten insgesamt 4 Freizeiten! Zwei waren hier in Meppen und die beiden anderen in einer Jugendherberge in Papenburg, wo wir uns ein Zimmer mit Freunden geteilt haben. Morgens wurden wir von - sagen wir mal - interessanter Musik geweckt und haben danach gefrühstückt. Im Laufe des Vor- und Nachmittags haben wir zum jeweiligen Thema der Freizeit gearbeitet. Am Abend haben wir uns nochmal getroffen, ein eigenes kurzes Friedensgebet organisiert und danach oft etwas gespielt. |
Manchmal war es wirklich nicht einfach herauszufinden, wer beim Spiel “Werwolf” die Wölfe waren. Es hat aber immer Spaß gemacht. Unsere Teamer waren auch auf jeder Freizeit dabei und haben unsere Gruppen übernommen, wenn wir gearbeitet haben. Habt ihr echt gut gemacht!!! 👏👏👏 |
Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich vorher nicht immer Lust auf die Freizeiten - aber wir haben uns dann als Gruppe immer besser kennengelernt, und es war jedes Mal die richtige Entscheidung, dabei zu sein! |
Zurück in Meppen gestalteten wir auch unseren Vorstellungsgottesdienst, bei dem wir der Gemeinde erzählt haben, was wir in der Konferzeit so gemacht hatten. |
Sag mal, du hast vorhin was von Adam und Eva erzählt. Hab ich total verdrängt das Thema. Was war da eigentlich? |
Ich erzähl erst mal die Geschichte: Die Schlange war das kühnste Tier des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie fragte Eva: "Hat Gott wirklich gesagt: ‘Ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen?'" - “Natürlich dürfen wir sie essen", erwiderte die Frau, nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt: ‘Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben!’” - “Nein, nein," sagt die Schlange, “ihr werdet bestimmt nicht sterben! Aber Gott weiß: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.” Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ist das der entscheidende Punkt. Eva vertraut der Schlange mehr als Gott. Und die Schlage sagt ihr, dass die Menschen wie Gott werden, wenn sie vom Baum essen. Wenn die Menschen so sein wollen wie Gott, das ist Sünde. Adam und Eva fehlte das Vertrauen zu Gott. Habe ich mir das richtig gemerkt, Pastor Krüger? |
Krüger: Ja, das ist genau der entscheidende Punkt. Wenn ihr euch heute in der Welt umschaut, scheint es doch immer noch so zu sein: Wir Menschen tun so, als ob wir Gott wären, wir denken, dass wir mit unserer Erde und mit allem, was darauf ist, so verfügen können, wie wir das denken. |
Ich erzähl die Geschichte mal weiter, ja?! Die Frau sah den Baum an: Seine Früchte mussten köstlich schmecken, sie anzusehen, war eine Augenweide, und es war verlockend, dass man davon klug werden sollte! So nahm die Frau nahm von der Frucht und aß. Dann gab es sie auch ihrem Mann davon und er aß ebenso. Da gingen den beiden die Augen auf und sie merkten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze. Ich fand das witzig, dass Pastor Krüger sagte, dass die Schlange die Frau Eva erst überreden musste, vom Baum zu essen. Der Mann Adam dachte nicht viel nach und nahm die Frucht gleich. Adam und Eva hatten auch zwei Söhne, Kain und Abel. Kain war ein Ackerbauer und Abel ein Hirte. Eines Tages brachten beide Brüder Gott ein Opfer. Kain meinte, dass Gott seine Opfergaben ablehnen und die von Abel annehmen würde. Daher war Kain eifersüchtig und tötete seinen Bruder Abel. |
Krüger: Wisst ihr noch, dass die Schlange Eva gesagt hatte, dass die Menschen sterben würden, wenn sie vom Baum der Erkenntnis essen. Hier bei diesem ersten Mord da passiert es. Die Menschen können mit dem Wissen um Gut und Böse nicht umgehen. Sie bringen sich gegenseitig um - so kommt der Tod ins Leben der Menschen. |
Auch heute in unserer Gesellschaft gibt es Neid, Eifersucht, Missgunst und Betrug. Diese vier negativen menschlichen Eigenschaften findet man sowohl in der Geschichte von Adam und Eva, bei Kain und Abel als auch im heutigen Leben. |
Da kann ich noch mal mit dem Thema unserer ersten Freizeit hier in Meppen einsteigen: Taufe. Wir alle wurden doch einmal getauft. Einige als Kinder, andere als Jugendliche oder manche vielleicht auch als Erwachsene. Auch Jesus wurde getauft. Mit der Taufe werden wir in die christliche Gemeinde aufgenommen und sind ab da Mitglieder der Gemeinde. Bei der Taufe wird vom Pastor Wasser über die Stirn gegossen. Meistens sind die Paten und Verwandte bei der Taufe in der Kirche dabei. Die Taufe ist eines der wichtigsten Feste eines Christen, denn, so habe ich mir das gemerkt, Pastor Krüger: Bei der Taufe stirbt der Wille, sich wie Gott zu fühlen. |
Krüger: Richtig, stellt euch eben mal die alte Taufform vor, wo die Menschen ganz untergetaucht wurden. Paulus sagt, dass in der Taufe die Sünde stirbt, der Wille, so sein zu wollen wie Gott. Und dann habe ich euch erklärt: Wir Christen haben es nicht nötig, gegen Gottes Gebot zu handeln, wir können freiwillig das Gute tun. |
Also, weil wir getauft sind, können wir so leben, wie Gott es will, richtig?! Und wir können auf die Zehn Gebote vertrauen. Ohne Gott handeln wir oft nicht richtig, mit Gott können wir versuchen, das Richtige für uns und die Welt zu tun. |
Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre - Also, weil wir getauft sind, können wir so leben, wie Gott es will, richtig?! Und wir können auf die Zehn Gebote vertrauen. Ohne Gott handeln wir oft nicht richtig, mit Gott können wir versuchen, das Richtige für uns und die Welt zu tun.
Mehr musste doch tatsächlich gesagt werden, oder?
Zugegeben, das war schon eine Sternstunde im Konfirmandenunterricht. Wenn ich die Reaktionen von Jugendlichen bei meiner Verabschiedung vor Augen habe, dann ist aber wohl auch sonst das eine oder andere hängengeblieben. Der Konfirmandenunterricht ist und bleibt eines der wichtigsten pastoralen Arbeitsfelder.
Der nächste Beitrag erscheint in einer Woche zum 14./15.02.

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