Samstag, 17. Januar 2026

Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias 2025

Die nachfolgenden Notizen hatte ich mir für den Gottesdienst am 22. Januar 2025 gemacht. Damals hatte ich meine Arbeit am Predigtblog noch nicht wieder aufgenommen. Deshalb füge ich die Notizen jetzt zum 2. Sonntag der Epiphaniaszeit 2026 ein. Die letzte Ausformulierung der Predigt geschah im Vollzug des Gottesdienstes. 

In der Gustav-Adolf-Kirche gibt es in diesem Jahr einen Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten. Auch wenn es da wahrscheinlich nicht um die Hochzeit von Kana geht: Herzlich willkommen! 

Das Weinwunder in Kana (Joh 2,1-11)

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. 11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Auslegung

Das Weinwunder in Kana ist eine der bekanntesten Geschichten im Johannesevangelium und birgt eine tiefe theologische Bedeutung. Es handelt sich um das erste öffentliche Zeichen (oder Wunder), das Jesus wirkt, und es offenbart seine Herrlichkeit und seinen Auftrag auf symbolische Weise. Hier sind einige wichtige Aspekte, wie man diese Geschichte verstehen kann:

Die wörtliche Ebene:

Der Kontext: Die Geschichte spielt auf einer Hochzeit in Kana in Galiläa. Maria, die Mutter Jesu, ist anwesend, ebenso wie Jesus und seine Jünger. Als der Wein ausgeht, was in der damaligen Zeit eine große Peinlichkeit für die Gastgeber bedeutet hätte, bittet Maria Jesus um Hilfe.

Das Wunder: Jesus weist die Diener an, sechs steinerne Wasserkrüge, die für rituelle Waschungen bestimmt waren, mit Wasser zu füllen. Dann verwandelt er auf wundersame Weise das Wasser in Wein, und zwar in eine beträchtliche Menge und von ausgezeichneter Qualität.

Die Reaktion: Der verantwortliche Diener (Speisemeister) ist überrascht von der Qualität des Weins, da er den besten Wein normalerweise zuerst serviert. Johannes betont, dass dieses Zeichen Jesu Herrlichkeit offenbarte und seine Jünger zum Glauben an ihn brachte.

Die symbolische und theologische Ebene:

Der „Anfang der Zeichen“: Johannes bezeichnet dieses Wunder ausdrücklich als den „Anfang der Zeichen“ Jesu (Johannes 2,11). Es markiert den Beginn seines öffentlichen Wirkens und deutet auf seine messianische Identität hin.

Bezug zum Alten Testament: Das Wunder erinnert an alttestamentliche Verheißungen von einem messianischen Zeitalter des Überflusses (z.B. Jesaja 25,6). Es zeigt, dass sich diese Verheißungen in Jesus erfüllen.

Das große Freudenmahl

6 Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. 7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. 8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. 

Überfluss und Fülle: Das Übermaß an Wein (sechs Krüge à ca. 100 Liter) symbolisiert den Überfluss und die Fülle des Reiches Gottes, das durch Jesus angebrochen ist. Es ist ein Zeichen der Gnade und des Segens Gottes.

Verwandlung und Neuschöpfung: Die Verwandlung von Wasser in Wein kann als Symbol für die Verwandlung und Neuschöpfung durch Jesus interpretiert werden. Altes wird neu, Gewöhnliches wird außergewöhnlich. Man könnte vielleicht so weit gehen und sagen: Es verweist auch auf die spätere Einsetzung des Abendmahls, bei dem Wein zum Symbol für Jesu Blut wird.

Die Rolle Marias: Marias Rolle ist interessant. Sie erkennt die Notlage und wendet sich an Jesus. Ihre Worte „Sie haben keinen Wein mehr“ können als Bitte um Hilfe und als Ausdruck ihres Vertrauens in Jesus verstanden werden.

Die Reaktion Jesu: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Eine Feststellung der eigenen Zuständigkeit (vgl. Jürgen Becker, Das Evangelium des Johannes, Kommentar z.St.): Jesus betont, dass seine Handlungen von seinem göttlichen Auftrag bestimmt sind und nicht von menschlichen Erwartungen oder Wünschen, selbst nicht von denen seiner Mutter. Es geht um die göttliche „Stunde“, die noch nicht gekommen ist.

Eine (nötige) Zurückweisung: Es ist eine höfliche, aber durch die Anrede auch distanzierte Art zu sagen, dass Maria sich in eine Angelegenheit einmischt, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Es ist keine harsche Zurechtweisung, sondern eher eine Klärung der Rollen.

Eine Andeutung auf die neue Beziehung: Mit seinem öffentlichen Auftreten beginnt für Jesus eine neue Phase, in der die familiären Bindungen hinter seiner messianischen Aufgabe zurücktreten. Er etabliert eine neue Art von Beziehung, die auf dem Glauben an ihn basiert.

Hochzeitssymbolik: Die Hochzeit selbst kann als Bild für die Verbindung Gottes mit seinem Volk interpretiert werden. 

Erstes Testament - Israel wird Gott untreu

Hosea: Das Buch Hosea ist ein besonders eindringliches Beispiel für die Verwendung der Ehemetapher. Der Prophet Hosea wird von Gott aufgefordert, eine untreue Frau zu heiraten, um die Untreue Israels gegenüber Gott zu symbolisieren. Gott wird als der liebende Ehemann dargestellt, der von seinem Volk verlassen wird, das anderen Göttern nachläuft. Trotz dieser Untreue sehnt sich Gott nach einer Versöhnung mit seinem Volk und verspricht, es wieder zu seiner Braut zu machen.

Jezreel: Er war der Erstgeborene und symbolisierte das Gericht Gottes über das Haus Jehu. Der Name erinnert an eine Ebene in Israel, auf der ein Blutbad stattgefunden hatte (siehe Hosea 1,4).

Lo-Ruhama: Sie war eine Tochter und ihr Name bedeutet so viel wie "Nicht-Erbarmen". Er deutete auf Gottes Zurückziehung der Barmherzigkeit von Israel (siehe Hosea 1,6).

Lo-Ammi: Er war ein weiterer Sohn und sein Name bedeutet "Nicht-mein-Volk". Er symbolisierte den Bruch der Beziehung zwischen Gott und Israel (siehe Hosea 1,9).

Jeremia: Auch der Prophet Jeremia verwendet die Ehemetapher, um die Beziehung zwischen Gott und Israel zu beschreiben. In Jeremia 2,2 heißt es: "So spricht der HERR: Ich gedenke an dich, an die Liebe deiner Jugend, als du mir nachfolgest in der Wüste, in einem Lande, da man nicht sät." Gott erinnert sich an die Zeiten, in denen Israel ihm treu war und ihm in der Wüste folgte. Doch Israel hat sich von Gott abgewandt und ist anderen Göttern nachgegangen. Jeremia ruft das Volk zur Umkehr auf und erinnert es an die Treue Gottes.

Zweites Testament - Ehe als Bild für die gelungene Beziehung zu Gott

Jesus als der Bräutigam bringt den neuen Bund und die Fülle des Heils.

Offenbarung: In der Offenbarung wird die Ehemetapher ebenfalls verwendet, um die endgültige Vereinigung zwischen Christus und der Gemeinde im Himmel zu beschreiben. In Offenbarung 19,7 heißt es: "Lasst uns fröhlich und jubeln und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich zubereitet." Die Gemeinde wird hier als die Braut des Lammes bezeichnet, die sich für die Hochzeit vorbereitet hat. In Offenbarung 21,2 wird das neue Jerusalem, das himmlische Reich Gottes, als eine "Braut, die für ihren Mann geschmückt ist", beschrieben.

Paulusbriefe: In seinen Briefen verwendet Paulus die Ehemetapher, um die enge Verbindung zwischen Christus und der Gemeinde zu verdeutlichen. In Epheser 5,25-27 heißt es: "Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei." Christus wird hier als der liebende Ehemann dargestellt, der sich selbst für seine Braut, die Gemeinde, geopfert hat. Die Gemeinde wird aufgefordert, sich von Sünde und Unreinheit zu reinigen, um eine würdige Braut für Christus zu sein.   

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Weinwunder in Kana ist mehr als nur eine wundersame Begebenheit. Es ist ein tiefgründiges theologisches Statement über Jesus als den Messias, der die Fülle des Reiches Gottes bringt, Verwandlung und Neuschöpfung wirkt und die Verbindung zwischen Gott und den Menschen erneuert. Es ist ein Zeichen der Hoffnung und der Freude, das bis heute relevant ist. Deshalb glauben seine Jünger an ihn. Dieses Wunder lädt uns ein, über die Fülle und Freude nachzudenken, die Jesus in unser Leben bringen kann.

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