Sonntag, 25. Oktober 2026

Suchet der Stadt Bestes

Gottesdienst am 21. Sonntag nach Trinitatis

Martin-Luther-Kirche in Sottrum im Harzvorland 

25.10.2026

Foto von der Kirche - Jörg Küster
Foto von Ralf Krüger - Petra Heidemann

Rückblick: Ein besonderer Sonntag in meiner ersten Gemeinde

Es gibt Sonntage, die schlagen eine Brücke über Jahrzehnte. Einen solchen Tag durfte ich heute erleben.

Schon im Sommer hatte die evangelische Gemeinde in Sottrum das 500-jährige Jubiläum ihrer Glocke „Maria“ gefeiert – jener Glocke, die seit 1526 im Kirchturm hängt, unermüdlich die Menschen zum Gottesdienst ruft, zum Gebet einlädt und Taufen, Trauungen und Beerdigungen im Dorf begleitet. Damals, bei diesem Jubiläumsgottesdienst, hatte ich meine alte Wirkungsstätte besucht, in der ich von 1989 bis 1996 als Pastor tätig war. Bei dieser Gelegenheit verabredeten wir, dass ich als ehemaliger Pastor einmal einen Gottesdienst gestalten sollte. Heute war es so weit.

Zwischen Glockenklang und Zeitdiagnose

Als Predigttext hatte ich den Brief des Propheten Jeremia an die deportierte jüdische Gemeinde in Babylon gewählt (Jeremia 29). Dieser Text hat für mich zwei ganz persönliche Resonanzräume. Zum einen begleitet mich der Kernsatz „Suchet der Stadt Bestes“ seit dem Jahr 2005, als wir damals in Meppen – angeregt durch den damaligen Bürgermeister Heinz Jansen – das große Stadtjubiläum „1225 Jahre christliche Spuren“ feierten und dieser Vers über der gesamten Zusammenarbeit von Kirche, Kommune und Landkreis stand. Zum anderen weist die historische Situation der Israeliten im Exil frappierende Parallelen zu unserer Gegenwart auf. Damals wie heute ist der Gottesbezug immer weiter in den Hintergrund getreten. Man feierte zwar noch den Kult, aber im Alltag, in der Politik und in der Wirtschaft spielte Gott kaum noch eine Rolle. Nach einem schmerzvollen Prozess des theologischen Ringens begriffen die Israeliten im Nachhinein, dass diese Krise kein blinder Zufall war – sie sprachen von der Strafe Gottes, ich spreche lieber von der konsequenten Folge eines Lebens ohne Gott.

Lieder als Wegweiser

Die Liedauswahl für diesen Gottesdienst ergab sich fast wie von selbst und begleitete unsere Gedanken von der Klage bis zur Verantwortung.

  • „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“ holte uns in der gegenwärtigen weltpolitischen Situation ab und bereitete uns innerlich auf die Predigtgedanken vor.

  • „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ – ein echter Klassiker aus jungen Jahren – beschreibt treffend die heutige Lage, in der die evangelische Kirche Gefahr läuft, ihren Kompass Jesus Christus zu verlieren, wenn sie zu stark nach politischem Zeitgeist oder rein wirtschaftlichen Maßstäben steuert.

  • „Herr, wir stehen Hand in Hand“ nahm die Epistel (die geistliche Waffenrüstung aus dem Epheserbrief) auf und führte uns als Christengemeinschaft zusammen.

  • Als Schlusslied machte „Die Erde ist des Herrn“ deutlich, dass wir nicht die Besitzer oder Herren dieser Welt sind. Wir haben sie empfangen, um sie unseren Kindern und Kindeskindern lebenswert weiterzugeben. Genau darin liegt unsere christliche Verantwortung.

Begegnungen und ein herzliches Dankeschön

Im Anschluss an den Gottesdienst setzten wir das Beisammensein im Lutherhaus fort, wo Cornelia Gewecke alles so liebevoll für das Kaffeetrinken vorbereitet hatte. Der Austausch dort war einfach wunderbar. Nach 30 Jahren sind viele der damaligen Gemeindeglieder inzwischen verstorben, aber einige waren erfreulicherweise auch gekommen – und es war ein berührendes Gefühl, sich mit ihnen und allen anderen Gästen so gut und vertraut austauschen zu können.

Ein herzliches Dankeschön auch an alle anderen, die diesen Tag mitgestaltet haben. Henning Bleckmann begleitet den Gottesdienst an der Orgel, Ute Koll und Milena Busch-Krumfuß waren als Vertreterinnen des Kirchenvorstands zusammen mit Cornelia Gewecke im gottesdienstlichen Einsatz.

Es war ein rundum gesegneter Sonntag – ein Wiedersehen in tiefer Verbundenheit und ein gemeinsames Hinhören auf das Wort Gottes, das uns auch durch veränderte Zeiten hindurch Zukunft und Hoffnung schenkt.

Der Gottesdienst


706 Psalm 13

HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele /
und mich ängsten in meinem Herzen täglich?
Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?

Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott!
Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,

dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden, /
und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.

Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist; /
mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.
Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.

Eingangsgebet

Gott, unser Vater im Himmel, 
Schöpfer der Welt und Quelle unserer Hoffnung.

Wir kommen vor dich in einer Zeit, in der die Welt oft schlimmen Lauf nimmt. Wir sehen die Machtkämpfe, die Verunsicherung und die Furcht, die um sich greift. Manchmal wissen wir nicht, wohin mit unseren Sorgen, und spüren, wie schnell unser Vertrauen ins Wanken gerät. Wie der Psalmbeter rufen auch wir zu dir: Herr, wie lange?

Doch du lässt uns in unserer Furcht nicht allein. Du bist der Gott, der Gedanken des Friedens über uns hat und nicht des Leides.

Wir bitten dich:

  • Erleuchte die Augen unseres Herzens.

  • Lass uns nicht dem Bösen weichen und nicht in einfachen Antworten oder Resignation Zuflucht suchen.

  • Schenke uns die Kraft, das Böse mit Gutem zu überwinden – da, wo du uns hingestellt hast, mitten im Alltag unseres Lebens.

  • Öffne uns in dieser Stunde das Ohr und das Herz für dein Wort.

  • Lass deinen Geist unter uns wirken, damit wir getrost werden, Mut zum Händereichen bekommen und ein Zeichen deiner Hoffnung in dieser Welt sein können.

Durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem 1. Testament, 

gleichzeitig Predigttext 

Jer 29,1.4–7(8–9)10–14 - Jeremias Brief an die Weggeführten in Babel

1Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte:

4So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: 5Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; 6nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. 7Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

8Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Lasst euch durch die Propheten, die bei euch sind, und durch die Wahrsager nicht betrügen, und hört nicht auf die Träume, die sie träumen! 9Denn sie weissagen euch Lüge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der Herr.

10Denn so spricht der Herr: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe. 11Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. 12Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. 13Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 14so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Lesung aus dem 2. Testament

Epistel - Epheser 6,10–17 - Die geistliche Waffenrüstung

10Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. 11Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. 12Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. 13Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.

14So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit 15und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens. 16Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, 17und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

Glaubensbekenntnis


Predigt


I. Einleitung: Glaubensgeschichte ist Weltgeschichte

Kanzelgruß

Liebe Gemeinde,

“Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte.“ (Jeremia 29,1)

Wenn wir in der Bibel lesen, droht manch einer zu vergessen, dass wir hier keine Märchen vor uns haben. Es beginnt eben nicht mit: „Es war einmal vor langer Zeit in einem fernen Land…“

Nein, der Text, den wir eben gehört haben, steht mitten in der harten Weltgeschichte. Wir schreiben das Jahr 597 vor Christus. Der babylonische König Nebukadnezar II. hat Jerusalem belagert, den jungen judäischen König Jojachin abgesetzt und die Führungsschicht, die Priester, Handwerker und Gelehrten des Landes nach Babylonien deportiert. Zehn Jahre später, im Jahr 587 vor Christus, sollte die endgültige Katastrophe folgen, die Zerstörung Jerusalems und des Tempels.

Die Menschen im babylonischen Exil gerieten dadurch in eine zutiefst schmerzhafte Glaubenskrise. Es war ein verzweifeltes Ringen um und mit Gott. Wie konnte Gott das nur zulassen?

Bisher war man felsenfest davon überzeugt gewesen, dass Jerusalem als die Stadt Gottes und der Tempel als seine Wohnung absolut uneinnehmbar seien. „Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben“, so sang man es voller Stolz in den Psalmen. Und nun? Der Tempel zerstört, das Land besetzt, das Volk verschleppt.

Brennende Fragen standen im Raum. War Gott etwa zu schwach gewesen? Hatte der Gott Israels den Machtkampf gegen die babylonischen Götter, gegen Marduk und Ischtar, verloren? War er am Ende gar nicht der Herr der Weltgeschichte?

In diesem Trümmerfeld des Glaubens geschieht etwas Erstaunliches. Israel hat diese Niederlage und die Deportation nicht als bloßes „Schicksal“ abgetan und auch nicht den babylonischen Göttern Recht gegeben. Es war die Botschaft der Propheten – allen voran Jeremia, aber auch seiner Vorgänger –, die den Hintergrund bildete, auf dem die Israeliten zu einer völlig neuen, tiefen Erkenntnis durchbrechen konnten:

Unser Gott ist nicht schwach! Er hat nicht verloren. Er selbst ist es, der hier handelt.

Über Jahrzehnte hinweg hatte man den „lieben Gott“ einen „guten Mann“ sein lassen. Man wiegte sich in Wohlstand, trieb Bündnis- und Machtpolitik und ignorierte die Mahnungen der Propheten. Man lebte, als brauche man Gott nicht. Die Katastrophe war – theologisch verstanden – kein blinder Zufall, sondern die bitter schmerzhafte Konsequenz des eigenen gottlosen Weges. Gott hat dieses Exil zugelassen, ja er hat sein Volk in die Fremde geführt, um es aus seinen Illusionen aufzuwecken. Damit sie lernen, woher das Leben wirklich kommt, und damit sie in der Fremde wieder neu zu ihm finden.

Genau deshalb schreibt Jeremia am Ende seines Briefes dieses große Versprechen Gottes. „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen!“

II. Unsere Gegenwart: Die Grenzen des eigenen Ermessens

Wenn wir aus der Geschichte des alten Israel in unsere Gegenwart blicken, ist der Abstand gar nicht so fern.

Auch in unserer westlichen Gesellschaft rückt der christliche Glaube seit Jahren immer weiter an den Rand. An die Stelle des Vertrauens auf Gott ist der Glaube an den unendlichen menschlichen Fortschritt getreten – allen voran das stetige wirtschaftliche Wachstum. Wohlstand und Konsum wurden zum Maßstab des gelingenden Lebens.

Gleich in den ersten Kapiteln der Bibel wird uns in einer vielschichtigen, mythischen Erzählung ein Grundzug von uns Menschen vor Augen geführt, den wir nur zu gerne verdrängen, der unser Denken und Handeln aber bis heute zutiefst prägt.

Im Garten Eden leben die Menschen in tiefem Frieden – mit sich selbst, mit der Natur und mit Gott. Doch dann schleicht sich die Verführung ein. Die Schlange flüstert ihnen ins Ohr: „Wenn ihr von der Frucht esst, werden eure Augen aufgetan und ihr werdet sein wie Gott!“

„Sein wie Gott…“ – nichts anderes treibt die Menschheit im Kern bis heute um. Es ist der Versuch, sich selbst auf den Thron des Universums zu setzen. Der Gedanke: Wir brauchen keinen Schöpfer mehr. Gott, Glauben und Gebet – das ist allenfalls etwas für romantische Träumer oder für Kinder. Wir Erwachsenen können doch alles selber! Wir haben die Naturwissenschaft, die Technologie, das Kapital, die Marktgesetze. Wir ziehen uns am eigenen Zopf aus dem Sumpf!

Doch heute erleben wir an allen Ecken und Enden, wie diese Illusion zerbricht. Was sich da in unserer Welt zusammenbraut, ist keine willkürliche „Strafe Gottes“ von oben. Es ist die direkte, bitter schmerzhafte Konsequenz unseres eigenen, egozentrischen Handelns.

Die Wirtschaft stagniert seit Jahren, während die Ressourcen der Erde jedes Jahr früher im Kalender aufgebraucht sind. Die Sorge vor einem ökologischen Kollaps zeigt uns brutal die Grenzen unseres „Gott-Spielens“ auf.

Die Macht und das Kapital konzentrieren sich bei einigen wenigen Akteuren – den Giganten der Tech-Branche –, die über mehr Ressourcen verfügen als ganze Staaten und sich zu neuen Weltenlenkern aufschwingen.

Gleichzeitig bedrohen autokratische Herrscher und Machtpolitiker weltweit die Friedensordnung, weil sie meinen, ihr eigener Wille sei das höchste Gesetz.

Wenn der Mensch meint, er brauche keinen Gott mehr und könne alles selbst im Griff behalten, führt das nicht in die Freiheit, sondern ins Chaos. Wir stoßen an die Grenzen unserer eigenen Macht.

III. Kein Hauruckverfahren: Widerstehen gegen den Zeitgeist

Wie begegnen wir dieser Lage? In unserer Neutestamentlichen Lesung haben wir vorhin die Worte aus dem Epheserbrief gehört. Von der „geistlichen Waffenrüstung“ ist da die Rede und davon, die „feurigen Pfeile des Bösen“ auszulöschen (Eph 6,16).

Das klingt zunächst martialisch. Aber wenn man genauer hinsieht, meint auch der Briefeschreiber im Neuen Testament kein Hauruckverfahren. Er ruft nicht zum militärischen Feldzug auf, sondern zum Standhalten, zum Widerstehen und Feststehen im Alltagsleben.

Die „feurigen Pfeile des Bösen“ treffen uns nämlich oft in Form jener schleichenden Verführung, der Einstellung, dass der Mensch sich wie Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen könne. Dem Irrglauben: „Ihr seid doch Gott, ihr schafft das alleine!“

Diesem Zeitgeist widersteht der Prophet Jeremia im Alten Testament auf ganz ähnliche, nüchterne Weise. Er warnt seine Hörerschaft ausdrücklich vor den Verführern seiner Zeit.

„Lasst euch nicht täuschen von den Propheten und Wahrsagern, die bei euch sind … Sie weissagen euch Lüge in meinem Namen.“ (Jeremia 29,8–9)

Damals wie heute haben diejenigen Konjunktur, die einfache Lösungen versprechen. Menschen, die Schwarz-Weiß malen, Sündenböcke benennen und so tun, als gäbe es für komplexe Krisen schnelle Hauruck-Lösungen. Das erleben wir heute in der Politik genauso wie in religiösen Gruppierungen.

Jeremia erteilt diesen einfachen Scheinlösungen eine Absage und mutet den Menschen die anstrengende Realität zu. Er schreibt ihnen in seinem Brief aus Jerusalem:

„Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte! Nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter … Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum HERRN; denn in ihrem Frieden liegt euer Frieden.“ (Jeremia 29,5–7)

Das ist der Panzer der Gerechtigkeit und die Bereitschaft für das Evangelium des Friedens, von der der Epheserbrief spricht. Übernehmt Verantwortung. Richtet euch ein. Lebt euren Glauben genau dort, wo ihr hingestellt seid – mitten in der Welt.

Wir Christen werden die riesigen Krisen dieser Welt nicht im Alleingang lösen. Aber wir müssen auch nicht gelähmt aufgeben. Wir können und dürfen an unserem Ort Salzdienst und Licht sein.

Als ich 1996 mit meiner Familie nach Meppen ins Emsland zog, durfte ich dieses Prinzip noch einmal auf ganz neue Weise erfahren.

Das Emsland ist bis heute stark christlich geprägt – sicher bestimmt durch die katholische Mehrheit, aber eben auch durch uns Evangelische, die wir in der Diaspora unsere christliche Identität und Prägung sehr bewusst spüren. Dort gibt es ein wunderbares, tiefes ökumenisches Miteinander. Die Konfessionen gestehen sich ganz selbstverständlich zu, dass jeder auf seine Weise Gott lobt und den Glauben verkündigt.

Anfang der 2000er Jahre wurde bei uns in Meppen auf Initiative des Bürgermeisters ein großes Stadtjubiläum gefeiert. „1225 Jahre christliche Spuren“. Ein ganzes Jahr lang prägte dieses Jubiläum das Miteinander von Kirche, Kommune und Landkreis. Und es war kein Zufall, dass genau dieser Vers aus Jeremia 29 über diesen Feierlichkeiten und über der täglichen Zusammenarbeit stand: „Suchet der Stadt Bestes … und betet für sie zum HERRN.“

Das ist eine hochaktuelle Haltung für uns alle, ganz egal, wo wir leben.

  • Wir pflanzen Gärten, wo andere nur Ödland sehen.

  • Wir engagieren uns in unseren Kommunen, Dörfern und Landkreisen für das Gemeinwohl.

  • Und wir beten für unsere Städte und Dörfer. Beten ist keine Flucht aus der Wirklichkeit, sondern verbindet unser Tun mit Gott. Das Gebet des Gerechten vermag viel,  wenn es ernst gemeint ist. 

IV. Hoffnung für die Generationen nach uns

Woher nehmen wir die Kraft für diesen langen Atem?

Hier steht das berühmte Verheißungswort in Vers 11.

„Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11)

Dieser Vers wurde oft als schneller Trostspruch auf Konfirmationskarten gedruckt. Doch seine wahre Kraft entfaltet er, wenn man weiß, an wen er gerichtet war. Er galt Menschen, die 70 Jahre im Exil vor sich hatten! Das ist kein Pflaster für ein schnelles Wohlbefinden im Hier und Jetzt, sondern eine Verheißung, die durch lange Krisen hindurchträgt.

Die Generation, die Jeremias Brief damals 597 v. Chr. hörte, hat die Rückkehr nach Jerusalem selbst nicht mehr erlebt. Sie haben Häuser gebaut, Gärten gepflanzt und gebetet – für ihre Kinder und Kindeskinder.

Genau das ist auch unsere Perspektive! Wir bauen an einer Zukunft, von der die nachfolgenden Generationen hoffentlich einmal rückblickend sagen können: „Es war am Anfang sehr schwierig, aber miteinander und mit Gottes Hilfe haben wir es geschafft.“ Wir pflanzen Bäume, unter deren Schatten vielleicht erst unsere Enkel sitzen werden.

V. Schluss: Ein Segen sein für die Welt

Dabei begleitet uns die Zusage, die Gott schon ganz am Anfang der Bibel zu Abraham gesprochen hat:

„Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. … In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (Genesis 12,2–3)

Das ist unsere Bestimmung als Gemeinde Jesu Christi. Wir ziehen uns nicht ängstlich zurück. Wir verurteilen die Welt nicht. Sondern wir leben unter Gottes Segen – und werden genau dadurch zu einem Segen für die Menschen um uns herum.

Egal, wie rau die Zeiten werden, wir bleiben getrost. Wir ergreifen den Schild des Glaubens und die Bereitschaft zum Frieden. Wir packen an, pflanzen unsere Gärten, suchen das Beste für unsere Städte und Gemeinden und beten für unser Land.

Denn wir vertrauen darauf: Gottes Gedanken über uns sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides – er gibt uns Zukunft und Hoffnung.

Amen.

Fürbitte, Vaterunser

Gott unseres Lebens,

wir danken dir, dass wir vor dich treten dürfen mit all dem, was uns bewegt: mit unseren Sorgen, unseren Fragen, aber auch mit unserer Hoffnung.

Wir rufen zu dir für unsere Welt in dieser unruhigen Zeit:

Wir bitten dich für die Krisen- und Kriegsgebiete unserer Erde, für alle, die unter Gewalt, Vertreibung und Angst leiden.

Wir bitten für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft: Schenke ihnen Weitblick, Sinn für Gerechtigkeit und den Mut zu Schritten des Friedens.

Lass uns nicht blind sein für die Nöte der Menschen um uns herum.

Wir beten für unsere Städte, unsere Dörfer und Kommunen, in denen wir leben:

Segne das Zusammenleben der Menschen. Schenke gutes Miteinander, gegenseitigen Respekt und ein wachsames Auge füreinander.

Gib uns die Kraft, dort, wo du uns hingestellt hast, Verantwortung zu übernehmen: Gärten zu pflanzen, für das Gemeinwohl einzutreten und den Frieden unseres Umfelds zu suchen.

Wir beten für unsere Kirchen und Gemeinden:

Lass uns in aller Vielfalt ein Zeugnis deiner Liebe sein. Bewahre uns vor Ängstlichkeit und Resignation, und stärke uns in der Ökumenischen Gemeinschaft, damit wir einmütig deinen Namen loben.

Wir beten für die Generationen, die nach uns kommen:

Segne unsere Kinder und Enkelkinder. Schenke ihnen eine lebenswerte Welt, feste Wurzeln im Glauben und die Erfahrung, dass sie bei dir geborgen sind. Lass sie einmal auf unsere Zeit zurückschauen und sagen können: Es war schwer, aber miteinander und mit Gottes Hilfe haben wir es geschafft.

Wir bringen vor dich, was jede und jeder von uns heute in der Stille im Herzen trägt:

(Kurze Stille)

Gott, wir wissen uns geborgen in deinen Händen.

Du kennst unsere Gedanken des Friedens und der Hoffnung. Dir befehlen wir uns an, heute und an allen Tagen unseres Lebens.

Gemeinde: Amen.

Vater unser im Himmel ...

Segen

Lasst uns leben mit der Gewissheit,
dass Jesus Christus uns bei unserem Namen gerufen hat
und wir zu ihm gehören.

Lasst uns leben mit der Absicht,
Gott unseren Dank zu sagen - in Worten und in Taten.

Und lasst uns leben mit der Zusage,
dass Jesus Christus bei uns sein wird alle Tage,
bis ans Ende der Welt. 

Gott, der Herr, segne und behüte euch!

Gott, der Herr, lasse leuchten sein Antlitz über euch und sei euch gnädig!

Gott, der Herr, erhebe sein Antlitz auf euch und schenke euch seinen Frieden! Amen.


Birnenkompott aus dem Pfarrgarten


Wir werden es uns schmecken lassen!

Sonntag, 18. Oktober 2026

Motorradfahrer lassen sich nicht abschrecken

Eigentlich sah die Prognose kurz nach 7.00 Uhr doch gar nicht so schlecht aus ...

Müsste es um 10.00 Uhr nicht trocken sein? Naja, von einer Fachfrau habe ich dann erfahren, dass der Regenradar die feinen Nieseltropfen in der Luft nicht erfassen kann. Und die waren halt da. 

Aber wie heißt es so schön: Vom Wetter lassen wir uns nicht abschrecken! Und im Vergleich zu 6:30 Uhr war es richtig trocken. So standen dann zu Beginn des Gottesdienstes um die 80 Bikes auf dem Parkplatz ... SUPER! Der Gottesdienst konnte beginnen. 

Einstieg

Der Ton der Glocken war verhallt, die letzten Gespräche im Kirchenschiff verklungen – und plötzlich füllte ein unverkennbarer, wuchtiger Klang den Raum: James Bond - GoldenEye. Spätestens jetzt wusste jeder in den Bänken: Julia Uhlenwinkel saß an der Orgel und hieß die Biker auf ihre ganz eigene Art willkommen.

Für die Liedbegleitung hatte sie sich mit Sonja Leipe verabredet. Gleich beim ersten Lied "Gott gab uns Atem" wurde deutlich, wie gut die beiden mit Keyboard, Gitarre und Gesang harmonierten. Es dauerte zwar einen kleinen Augenblick bis die Musikerin mit dem Gemeindegesang zufrieden war - aber dann klappte alles wunderbar. 

Fotos vom Gottesdienst im Frühjahr

Zum Einstieg gab es einige Bilder aus der zu Ende gehenden Saison, bevor im Wechsel Psalm 1 gebetet wurde. "... Wie glücklich ist ein Mensch, der Freude findet an den Weisungen des HERRN ... Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht ...", so heißt es in der Übertragung der Guten Nachricht. 

Psalm 1 - Leben mit Gott

Wie glücklich ist ein Mensch, 
der sich nicht verführen lässt von denen, 
die Gottes Gebote missachten, der nicht dem Beispiel gewissenloser Sünder folgt und nicht zusammensitzt mit Leuten, denen nichts heilig ist. 
Wie glücklich ist ein Mensch, 
der Freude findet an den Weisungen des HERRN, 
der Tag und Nacht in seinem Gesetz liest und darüber nachdenkt. 
Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht;
Jahr für Jahr trägt er Frucht, 
sein Laub bleibt grün und frisch. 
Was immer ein solcher Mensch unternimmt, 
es gelingt ihm gut. 
Der HERR kennt die Taten der Menschen, 
die auf ihn hören und behält sie im Gedächtnis. Amen.
 

Wer Gottes Wort hört …

Dieses Lied, gedichtet nach dem eben gebeteten Psalm, war zwar für uns neu, aber der Funke sprang sofort über. Nach den ersten, noch etwas verhaltenen Zeilen hatte die Gemeinde den Bogen raus und fand ins richtige Tempo. Schließlich saßen Biker in der Kirche – die lassen sich auch musikalisch nicht lange bitten, wenn es etwas flotter werden darf. 

Lesung aus dem Ersten Testament - Micha 6,6-8

Die Lesung für den heutigen Gottesdienst steht beim Propheten Micha. Die Israeliten fragen den Propheten, wie sich sich vor Gott verhalten sollen. 

»Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem Gott in der Höhe? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen, mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?«

Und der Prophet antwortet dann: 

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Glaubensbekenntnis

Das nächste Lied machte klar: Wo Menschen sich vergessen ... sich verschenken ... und vor allem: sich verbünden, den Hass überwinden ...

Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Predigt

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Um gemeinsam mit euch dieses Wort aus dem Buch des Propheten Micha zu bedenken, nehme ich einen kleinen Anlauf.

Ich erzähle euch ein bisschen aus unserem Urlaub auf Malta, von dem wir vor Kurzem zurückgekommen sind. Das ist kein Ablenkungsmanöver, sondern hier sind die Grundgedanken für diese Predigt entstanden.

Wir haben auf Malta unter anderem die beeindruckende Tempelanlage von Ħaġar Qim besucht. Vier gewaltige Megalith-Tempel stehen dort, erbaut in der Zeit von 3600 bis 2500 vor Christus – lange vor den Pyramiden von Gizeh oder Stonehenge. Mich beeindruckt immer wieder, mit welch einfachen Hilfsmitteln die Menschen damals tonnenschwere Steine bewegt und aufgerichtet haben. 

Und wie durchdacht diese Bauten waren. Sie wurden exakt nach den Sonnenwenden ausgerichtet. Das nötigt mir großen Respekt ab. Schon an dieser Stelle können wir von Demut sprechen. Es war kein primitives Bauen, sondern Ausdruck hoher Kunstfertigkeit und feinen Wissens um die Rhythmen der Natur. Die Menschen damals erkannten ihr Vermögen – und wussten sich zugleich eingebunden in eine Schöpfung, die größer war als sie selbst.

Solche antiken Tempel verweisen immer auf eine gewisse Gottesnähe. 

Das bringt mich zum Heiligtum, das der Prophet Micha kannte, zum Jerusalemer Tempel, zunächst erbaut von Salomo im 10. Jahrhundert v.Chr. - dieses Bauwerk hatte Micha im 8. Jh v.Chr. vor Augen. 586 v. Chr. wurde der Tempel durch die Babylonier zerstört. Die Israeliten hatten gegen die Großmacht den Aufstand gewagt - und sie waren vernichtend geschlagen worden. Der Stolz Jerusalems, die Hoffnung der Einwohner, das Haus Gottes lag in Schutt und Asche. Nach dem Exil bauten die Rückkehrer den Tempel wieder auf, Herodes der Großen erweiterte ihn vor der Zeitenwende zu einem der prachtvollsten Tempelbauten des gesamten Mittelmeerraums. Und dann, im Jahr 70 n.Chr., schlugen die Römer den jüdischen Aufstand nieder und legten den Prachtbau gründlich in Schutt und Asche. Danach gab es keinen Tempel mehr.

Aber das Volk Israel hatte etwas, das keinen Stein brauchte. Sie hatten ihre Heilige Schrift. Sie hatten das geschriebene und gelebte Wort Gottes – voller Erfahrungen, die zeigen, wie Leben vor Gott gelingt und wie Krisen bewältigt werden können.

In einer solchen Krise und in einer Epoche des Umbruchs hatte Israel auch gelebt, als der Prophet Micha im 8. Jahrhundert v.Chr. auftrat. Das Volk war hin- und hergerissen zwischen der akuten Angst vor der assyrischen Weltmacht, die äußerst aggressiv expandierte, und einer inneren Zerrüttung durch soziale Ungerechtigkeit und den Zerfall traditioneller religiöser Werte. In dieser Situation fragten die Menschen verzweifelt: „Was sollen wir tun? Womit sollen wir vor Gott treten?“

Michas Antwort war klar und schnörkellos: Gottes Wort halten! Damit sind die Probleme noch nicht gelöst, aber es ist die Grundlage, das Fundament genannt, auf dem aufgebaut werden kann. 

Wie glücklich ist ein Mensch, der Freude findet an den Weisungen des HERRN, der Tag und Nacht in seinem Gesetz liest und darüber nachdenkt.

Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht; Jahr für Jahr trägt er Frucht, sein Laub bleibt grün und frisch. Was immer ein solcher Mensch unternimmt, es gelingt ihm gut.

Nichts anderes ist die Antwort für uns heute. Um dieses Wort zu hören, kommen wir regelmäßig zusammen – in unseren Gottesdiensten, aber auch ganz besonders hier bei unseren Motorradgottesdiensten zu Beginn und zum Ende der Saison. Gottes Wort hören, es halten, danach leben – und, ganz praktisch gesprochen: danach fahren! Das ist die Grundlage, noch nicht die Lösung.

Deshalb blicken wir noch einmal nach Malta. Die Geschichte dieser Insel ist insbesondere seit dem 16. Jahrhundert zutiefst von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt.

Der Johanniter- und Malteserorden machte die Insel ab 1530 zum „Pfortenwächter Europas“ – eine hochgerüstete Festung gegen das Osmanische Reich und den muslimischen Glauben. In der Großen Belagerung von 1565 verteidigten die Ritter die Insel in monatelangen, extrem blutigen Kämpfen. Noch heute sieht man auf Malta überall gigantische Festungsmauern, Basteien und Kanonen. 

In der Präsentation seht ihr den riesigen Waffensaal im Großmeisterpalast. Das Bedrückende daran ist, dass diese Rüstungen und Waffen ursprünglich nicht in einer Vitrine standen. Sie waren im harten Einsatz. Jeder Panzer, jede Pistole, jedes Schwert erinnert daran, dass hier Menschen andere Menschen getötet haben oder selbst getötet wurden.

Später machten die Briten die Insel zum strategischen Flottenstützpunkt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Malta zu einer der am schwersten bombardierten Regionen der Welt. Winston Churchill nannte Malta einen “unsinkbaren Flugzeugträger“. Die Alliierten nutzten die geografischen Lage der Insel, um die Nachschublinien der Achsenmächte nach Nordafrika zu bombardieren und zu blockieren. Diese wiederum griffen Malta unerbittlich an. Somit zeigt uns die Geschichte unmissverständlich, dass am Ende von Aufrüstung, Machtstreben und Krieg immer Tod, Zerstörung und Elend stehen.

Dem setzt der Prophet Micha einen klaren Auftrag entgegen:

Liebe üben! Wir können sicherlich nicht jeden Menschen auf der Welt aktiv lieben. Aber wir können rücksichtsvoll miteinander umgehen, sodass dem anderen kein Schaden zugefügt wird. Das gilt für die große Weltpolitik, das gilt für unser alltägliches Zusammenleben – und das gilt ganz konkret für unser Verhalten im Straßenverkehr und auf dem Motorrad.

Dass das Michawort erschreckend aktuell ist, zeigte sich während unseres Urlaubs in den Nachrichten. Der US-Außenminister Marco Rubio hielt in Athen vor der Kulisse der imposanten Akropolis eine Rede, in der er Europa dazu aufrief, seinen „Dornröschenschlaf“ zu beenden und zu alter Stärke, Stolz und Machtentfaltung zurückzufinden. Er forderte, dass wir das alte „Feuer“ - auch der Griechen - wieder entfachen müssen. Doch wer sich in Athen auf die Antike beruft, übersieht wohl eine der wichtigsten historischen Lektionen, das Schicksal Athens im Peloponnesischen Krieg.

Athen verfiel damals dem Machtrausch und der Selbstüberschätzung. Die Führung Athens erklärte zynisch: „Der Starke tut, was er kann, und der Schwache erleidet, was er muss.“ Das Ergebnis dieser Maßlosigkeit war die Katastrophe, der totale Zusammenbruch Athens, der Verlust der Flotte und das Ende seiner Vormachtstellung.

Die Lehre der Geschichte lautet: Das Feuer bloßen Machtstrebens und stolzer Überhebung verbrennt am Ende diejenigen, die es schüren.

Auch die Welt von heute ruft nach Härte, Aufrüstung und Macht. Gott aber stellt dieser Machtdemonstration keinen noch größeren Panzer entgegen. Gott fordert eine Haltung des Herzens: Demut, Barmherzigkeit und Treue.

Echte Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch das Aufplustern geopolitischer Machtfantasien, sondern durch die Einsicht in unsere eigene Begrenztheit. Um die großen Krisen unserer Zeit gemeinsam zu bewältigen, braucht es keine überbordene Stärke, sondern die Bereitschaft, einander in Demut zu begegnen und Gott die Ehre zu geben. 

Vielleicht ist das auch der tiefere Grund, warum aus dem kriegerischen Johanniter- und Malteserorden über die Jahrhunderte eine weltweite Hilfsorganisation und Sanitätsdienst geworden ist – weil am Ende nicht das Schwert heilt, sondern der Dienst am Nächsten. Das allerdings den machtbesessenen und machtbereiten Despoten unserer Zeit zu vermitteln, dürfte ein ganz schwieriges Unterfangen sein.

In der Krise des 8. Jh. v.Chr fragten die Israeliten den Propheten Micha: “Was sollen wir tun?” Micha antwortet ganz schlicht: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist!" - Wir wissen es längst. Wir können uns nicht herausreden. Auch in unserer heutigen säkularen Welt ist das Wissen um das, was gut ist und was Gott von uns fordert, nicht verschwunden – wir tragen es aus dem Religionsunterricht, dem Konfirmanden- oder Firmunterricht in uns:

  • Gottes Wort halten – Orientierung suchen bei dem, der das Leben schenkt.

  • Liebe üben – Rücksicht nehmen, Frieden stiften, Wunden heilen.

  • Demütig sein vor deinem Gott – Wissen, dass wir nicht die Herren der Welt sind, sondern Werkzeuge seines Friedens.

Es ist dir gesagt, Mensch. Lasst es uns ganz einfach tun – auf der Straße, im Alltag und im Miteinander.

Am Ende der Saison kommt der Moment, der jedes Mal aufs Neue schwerfällt: der Blick zurück auf die Bikerfreunde, die wir in diesem Jahr verloren haben. Sieben von ihnen waren tödlich verunglückt. Für jede und jeden Einzelnen wurde eine Kerze entzündet. Julia Uhlenwinkel und Sonja Leipe trugen dazu sehr gefühlvoll Eric Claptons „Tears in Heaven“ vor. So schmerzlich diese Erinnerung ist – die letzten Zeilen des Songs bringen es auf den Punkt:

„I must be strong and carry on, cause I know: I don't belong here in heaven.“

Wir gehören noch nicht in den Himmel, unser Platz ist auf der Erde – und das Leben muss für uns weitergehen. Doch wie wir mit dieser Trauer umgehen, welchen Weg jeder Einzelne dafür findet, bleibt eine ganz persönliche Reise.

Nach diesem Innehalten richtete sich im Rahmen der Abkündigungen der Blick nach vorn:

Auch im kommenden Jahr stellen wir uns zu Beginn der Saison 2027 wieder unter Gottes Wort und Segen – um behütet und gestärkt in die neue Motorradsaison zu starten.

Dann hieß es wie üblich ...

... und die Kollekte für unsere Partner in Tansania wurde eingesammelt: 

367,98 €

Herzlichen Dank!

Fürbitte und Vaterunser

Gott, du hast uns in deinem Wort gesagt, was gut ist: Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor dir. Mit all den Sorgen, Ängsten und Hoffnungen für unsere Welt, für unsere Gemeinschaft und für unser eigenes Leben kommen wir zu dir und bitten dich:

Für die Welt und den Frieden:

Wir bitten dich für die Mächtigen und Verantwortlichen in der Politik. Bewahre sie vor der Anmaßung und dem Rausch der Macht. Gib ihnen die Einsicht, dass echter Friede nicht durch Aufrüstung und Härte entsteht, sondern durch Demut, Dialog und das gemeinsame Suchen nach Gerechtigkeit.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für ein gutes Miteinander & Rücksicht

Wir bitten dich für unser tägliches Zusammenleben und ganz besonders für die Gemeinschaft auf unseren Straßen. Schenke uns Achtsamkeit, Rücksicht und Geduld. Lass uns „Liebe üben“, indem wir aufeinander aufpassen, Leben bewahren und einander sicher an unser Ziel gelangen lassen.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für Verunsicherte und Suchende

Wir bitten dich für alle Menschen, die in den Krisen unserer Zeit den Halt verloren haben und nach Orientierung suchen. Hilf uns, deinen Worten zu vertrauen und in deinem Wort eine verlässliche Richtschnur für unser Handeln zu finden.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für die Verwundeten und Helfer

Wir bitten dich für die Opfer von Krieg, Gewalt und Unfällen. Stärke alle Menschen, die Wunden heilen, Leben retten und ihren Nächsten dienen – wie die Helferinnen und Helfer in den Sanitätsdiensten und Hilfsorganisationen. Mach uns selbst zu Werkzeugen deiner Barmherzigkeit.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für die Gemeinde / Biker-Gemeinschaft

Wir bitten dich für unsere Gemeinde und für uns alle, die wir heute zusammengekommen sind. Lass uns das Wissen um deine Liebe nicht nur im Herzen tragen, sondern spürbar in unseren Alltag mitnehmen. Segne unsere Wege und behüte uns bei allen Fahrten.

Wir bitten dich, erhöre uns.

Treuer Gott, du kennst auch die Bitten, die wir ungesagt in unseren Herzen tragen. Alles, was uns bewegt, legen wir voll Vertrauen in das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel...


Segen

Lasst uns leben mit der Gewissheit,
dass Jesus Christus uns bei unserem Namen gerufen hat
und wir zu ihm gehören.

Lasst uns leben mit der Absicht,
Gott unseren Dank zu sagen - in Worten und in Taten.

Und lasst uns leben mit der Zusage,
dass Jesus Christus bei uns sein wird alle Tage,
bis ans Ende der Welt. 

Gott, der Herr, segne und behüte euch!

Gott, der Herr, lasse leuchten sein Antlitz über euch und sei euch gnädig!

Gott, der Herr, erhebe sein Antlitz auf euch und schenke euch seinen Frieden! Amen.

Ausklang

Wie das Musikstück zum Schluss ankam, das lassen wir am besten Frank sagen:

Abba in der Kirche. Ein Hoch auf unsere Orgelexpertin Julia Uhlenwinkel!

ABBA - Lay all your love on me

Der Regen hatte fast ganz aufgehört. So konnten wir mit Ruhe zum Bikertreff Werpeloher Hof fahren.

Leider sind nicht alle mit aufs Foto gekommen. Da der Parkraum beschränkt war, mussten sieben Biker etwas weiter ab parken und kamen in dem Augenblick um die Ecke, als sich alles aufgelöst hatte.