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Sonntag, 22. März 2026

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt

Zum diesjährigen Sonntag Judika (22.03.2026) will ich an dieser Stelle noch einmal den Gottesdienst zu eben diesem Sonntag aus dem Jahr 2021 veröffentlichen. Es geht im Rahmen der Passionszeit um die Fragen, die sich um die Begriffe "Gerechtigkeit" und "Gerechtigkeit Gottes" (vgl. den vorhergehenden Blogbeitrag) drehen. 

Wenn wir auf die Geschichte Hiobs schauen, drängen sich schon Fragen auf. "Was habe ich verbrochen, dass ich dieses Unheil erleben muss?", das wurde ich nicht nur einmal in meiner aktiven Zeit als Pastor gefragt. Und auch die Frage "Wie kann Gott das zulassen?" drängte und drängt sich immer wieder auf. Mit der Auslegung von Hiob 19 versuche ich, auf diese Fragen einzugehen. 

Wo ist Gott in diesem Chaos zu finden?

Einen ganz besonderen Schwerpunkt werden sicherlich die Überlegungen zu Judas Iskariot bilden, die ich zum Sonntag Palmarum in einer Woche hier an dieser Stelle veröffentliche. 

Der Name des Sonntags Judika

leitet sich vom lateinischen Psalmvers ab: 

Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta. (Ps 43, 1)

Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 

In der Predigt wird dieser Gedanke wieder auftauchen. 

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Judika unter der Nummer 954.27. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. (Mt 20, 28)

Wochenlied:

  • O Mensch, bewein dein Sünde groß (EG 76)
  • Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

Lieder und Psalm

♫ O Mensch, bewein dein Sünde groß (EG 76)
Psalm 43 Schaffe mir Recht, Gott ... (Judika me, Deus ...)
♫ Sende dein Licht und deine Wahrheit ... (EG 172; beschließt den Psalm und umrahmt das Evangelium)
♫ Holz auf Jesu Schulter (EG 97)
♫ Jesus lebt, mit ihm auch ich (EG 115)
♫ In dir ist Freude in allem Leide (EG 398)
 

Psalm 43

1 Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk 
und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 
2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: 
Warum hast du mich verstoßen? 
Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, 
dass sie mich leiten und 
bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 
4 dass ich hineingehe zum Altar Gottes, 
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, 
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. 
5 Was betrübst du dich, meine Seele,
 und bist so unruhig in mir? 
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, 
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. 
 

Evangelium Mk 10, 35-45

Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden. 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, das ich für euch tue? 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Predigt zu Hiob 19 (in Auswahl)

Hiob ist der Gerechte, der unschuldig leidet. Seine Geschichte wird am Sonntag Judika erzählt, um an das Leiden Jesu am Kreuz von Golgatha zu erinnern. Allerdings findet auch so mancher von uns sein Leben und sein Leiden in der Geschichte Hiobs wieder. 

Betrachten wir zunächst die Rahmenerzählung. Sie beginnt mit einer bekannten Szene im Himmel. Der göttliche Hofstaat ist vor Gott versammelt. Auch Satan ist dabei. Hören wir einige Verse aus dem 1. Kapitel: 

6 Es begab sich aber eines Tages, als die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, kam auch der Satan mit ihnen. 7 Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. 8 Der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse. 9 Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? … Strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: Was gilt's, er wird dir ins Angesicht fluchen! (Hiob 1)

Satan zweifelt Hiobs Glaubensfestigkeit und seine Uneigennützigkeit an: Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hiob hat doch etwas von seiner Frömmigkeit - nämlich seinen Besitz, seine Familie, sein Ansehen bei den Mitmenschen. Hiob geht es gut! Kein Wunder, dass Hiob fromm ist. 

Die Wette … Was gilt's ...

Gott erlaubt Satan, Hiobs ganzen Besitz anzutasten.

Hiob verliert Vieh und Kinder, aber er lehnt sich nicht gegen Gott auf.

Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!

Gott und Satan treffen sich wieder: Satan bezweifelt erneut Hiobs Frömmigkeit und wettet noch einmal mit Gott. Der erlaubt ihm, Hiob mit Krankheit zu schlagen, ohne ihn zu töten.

Hiob wird mit Geschwüren geschlagen. Seine Frau fordert ihn auf, Gott zu verfluchen.

Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Fluche Gott und stirb!

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? 

In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen. 

Hiob hält an seiner Frömmigkeit fest.

Drei Freunde besuchen Hiob, um ihn zu trösten. Sie nehmen sich Zeit. Sie “saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war”. (Hiob 2,13)

Letztendlich halten die Freunde das Schweigen aber nicht aus. Ganz menschlich versuchen sie, Hiob davon zu überzeugen, dass die Ursache für seine Leiden in seinem eigenen Leben zu suchen sei. Es muss sich in Hiobs Leben ein Punkt finden lassen, ein Ereignis oder etwas anderes, warum Gott Hiob so straft, ihm so zusetzt. - Was habe ich verbrochen? - Allerdings, Hiob lässt sich nicht auf diese Argumentationsweise ein. Eine seiner Antworten finden wir im 19. Kapitel des Hiobbuches. 

1 Hiob antwortete und sprach: 2 Wie lange plagt ihr meine Seele und peinigt mich mit Worten? 3 Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so zuzusetzen. 4 Habe ich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst. 5 Wollt ihr euch wirklich über mich erheben und wollt mir meine Schande beweisen? 

Was gut gemeint war, kehrt sich ins Gegenteil um. Hiob kann die Ratschläge seiner Freunde nicht hören. In ihm bäumt sich alles auf, die Schuld bei sich selbst zu suchen. Der Leser des Buches weiß, dass dies keine menschliche Überheblichkeit ist. Gott selbst hatte doch über Hiob gesagt: ... es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.

6 So merkt doch endlich, dass Gott mir unrecht getan hat und mich mit seinem Jagdnetz umgeben hat. 7 Siehe, ich schreie »Gewalt!« und werde doch nicht gehört; ich rufe, aber kein Recht ist da. 

Das ist schon ein ungeheuerlicher Vorwurf! Gott tut unrecht! Gott übt Gewalt! Da ist keine Gerechtigkeit!

Manchmal aber müssen solch ungeheuerlichen Sätze ausgesprochen werden. Sonst liegen die Gedanken wie Mühlsteine auf der Seele. 

Nicht allein Hiob ist betroffen. Die ganze Familie ist zerbrochen. 

19 Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. 20 Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. 21 Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? …

Gott setzt Hiob zu mit Krankheit und Unglück, die Freunde mit drängenden Fragen, mit Lösungsversuchen, die die Ursache bei Hiob suchen. 

Was dann kommt, ist ein Lösungsversuch von Hiob selbst, mit dem ich an dieser Stelle nicht gerechnet hätte. 

25 Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. 26 Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. 27 Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

    • Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
    • Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? 

Wenn wir diese Gedanken aushielten, könnten wir vielleicht zur Ruhe kommen. Gott gegen Gott suchen! An dem, was wir bisher geglaubt haben festhalten. Gegen alle Vernunft weiterhin mit Gott rechnen. Aber dann meldet sich der menschliche Verstand wieder, der für alles eine Erklärung haben will. Nur diese Antwort gibt es nicht immer. Manchmal müssen wir das Schweigen aushalten und darauf hoffen, dass sich unser Vertrauen bewahrheitet: 

    • Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.
    • Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
    • Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? 

Es dauert noch lange, bis Hiob seinen Frieden mit Gott finden kann. Der wendet sich in den Kapiteln 38 bis 41 aus einem Gewitter heraus an Hiob. In zwei Reden betont Gott seine Macht und die Herrlichkeit seiner Schöpfungswerke, Gott lenkt Hiobs Blick auf die von ihm erschaffenen Tiere und Naturgewalten. 

In zwei kurzen Antworten (40,4–5; 42,2–6) stellt Hiob seine Klagen ein. 

4 Siehe, ich bin zu gering, was soll ich dir antworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. 5 Einmal hab ich geredet und will nicht mehr antworten, ein zweites Mal geredet und will's nicht wieder tun.

2 Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. 3 »Wer ist der, der den Ratschluss verhüllt mit Worten ohne Verstand?« Darum hab ich ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. 4 »So höre nun, lass mich reden; ich will dich fragen, lehre mich!« 5 Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. 6 Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.

Hiob kann diese Worte aussprechen, weil sie ihm aus dem Herzen kommen. Er hat mit Gott gerungen - und in diesem Ringen hat Hiob für sich eine Antwort gefunden. Leiden und Unglück gehören offensichtlich zum menschlichen Leben dazu. Gottes Allmacht und seine Liebe müssen wir deswegen nicht in Frage stellen, auch wenn wir Gottes Weg nicht verstehen. 

Gott wiederum stellt Hiobs Unschuld nicht in Frage wie das die Freunde getan haben. Also gibt Gott Hiob und nicht seinen Freunden recht. 

Als nun der HERR diese Worte mit Hiob geredet hatte, sprach er zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine beiden Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.

Judica me, Deus … Schaffe mir Recht, Gott …

Ob es immer so sagenhaft, fast märchenhaft ausgeht wie bei Hiob - er bekam alles, was er verloren hatte, doppelt wieder - , das weiß ich nicht und das glaube ich auch nicht. Aber das hoffe ich und darauf vertraue ich, dass wir am Ende unseres Lebens, auch wenn wir mit Gott gerungen haben, dass wir alt und lebenssatt die Augen schließen könne, so, wie es von Hiob erzählt wird. 

Fürbitte - Psalm 22

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
4 Du aber bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
5 Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
6 Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volke.
8 Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
9 »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;
du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
20 Aber du, HERR, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!
23 Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern,
ich will dich in der Gemeinde rühmen:
24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet;
ehret ihn, ihr alle vom Hause Jakob,
und vor ihm scheuet euch,
ihr alle vom Hause Israel!
25 Denn er hat nicht verachtet 
noch verschmäht das Elend des Armen
und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen;
und als er zu ihm schrie, hörte er’s.
29 Denn des HERRN ist das Reich,
und er herrscht unter den Heiden.
30 Ihn allein werden anbeten alle,
die in der Erde schlafen;
vor ihm werden die Knie beugen alle, /
die zum Staube hinabfuhren
und ihr Leben nicht konnten erhalten.
31 Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen;
vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind.
32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen
dem Volk, das geboren wird. Denn er hat’s getan.

Samstag, 21. Februar 2026

Die Wüste als Schule des Vertrauens

(Invokavit Teil 3)

Warum der Mensch nicht vom Brot allein lebt

Der Name des Sonntags Invokavit leitet sich ab von Psalm 91,15: "Er ruft mich an (invocabit me), darum will ich ihn erhören (et exaudiam eum), ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen." Das Evangelium dieses Sonntags, die Geschichte von der Versuchung Jesu, illustriert die Bedeutung des Psalmverses am Anfang der Passionszeit, an deren Ende das Kreuz von Golgatha steht.  

Jesu Versuchung - Matthäus 4,1-11

1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« 5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« 8 Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.

Die Versuchung Jesu in der Wüste ist kein einsames Duell im luftleeren Raum. Grundsätzlich gilt, wer Matthäus verstehen will, sollte sich im Ersten Testament auskennen. Denn Matthäus wendet sich in der Zeit zwischen 80 und 90 n.Chr. im syrischen Raum Antiochia an Christen, die zuvor zur jüdischen Synagoge gehörten. Modern ausgedrückt: Diese Menschen befanden sich in einer tiefen Identitätskrise. 

Nach der Zerstörung des Tempels (70 n. Chr.) formierte sich das Judentum unter der Leitung der Pharisäer neu. Wenn Christen bis dahin den Kontakt zur Synagoge halten konnten, wurden sie jetzt oft als Ketzer ausgeschlossen. Die Frage drängte sich auf: "Gilt der Bund Gottes noch für uns, wenn wir Jesus folgen?" Matthäus antwortet seinen Christen im Grunde genommen so: "Ja, ihr seid sogar die 'echteren' Juden." Deshalb zitiert er immer wieder das Erste Testament („auf dass erfüllt würde, was gesagt ist...“), um zu belegen, dass Jesus die Erfüllung der gesamten jüdischen Geschichte ist.

Auch die Versuchungsgeschichte muss in diesem Licht gesehen werden. Der Neutestamentler Eduard Schweizer sieht eine enge Beziehung der Versuchung Jesu zur Zeit der Wanderung Israels durch die Wüste. In seinem Kommentar zum Matthäusevangelium zieht er insbesondere des 5. Buch Mose heran. Treffend analysiert ist Jesus hier der „Sohn“, der dort besteht, wo das Volk Israel einst versagte.

Israel - der Weg durch die Wüste - 5. Mose 8,2-6

2 Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. 3 Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht. 4 Deine Kleider sind nicht zerrissen an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese vierzig Jahre. 5 So erkennst du ja in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht. 6 So halte nun die Gebote des HERRN, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest.

Wenn wir jetzt die Versuchungsgeschichte Schritt für Schritt entdecken, dann muss zunächst festgestellt werden, wer oder was der Teufel ist bzw. was er nicht ist! Ich hatte das schon in der am vergangenen Sonntag veröffentlichte Predigt gesagt: Der Teufel ist nicht die Gestalt mit Hörnern und Bocksfüßen! Diese Gestalt ist im Mittelalter erfunden worden und prägt unser Bild bis heute. Die Bibel nimmt es einfach hin, dass es den Teufel, den Widersacher Gottes, gibt. Die Urgeschichte verwendet noch das Bild der sprechenden Schlage. Im Buch Hiob heißt es einfach: “Es begab sich aber eines Tages, als die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, da kam auch der Satan mit ihnen. Der HERR aber sprach zu dem Satan …” - “Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.”

Wer ist nun der Teufel? Im Griechischen steht das Wort διάβολος diábolos. Das kann zunächst mit "Verleumder" übersetzt werden. Das Nomen leitet sich vom Verb διαβάλλειν ab. Und das bedeutet so viel wie "durcheinanderwerfen", "auseinanderwerfen" oder "hinüberwerfen". Der Teufel ist also einer, der die Verhältnisse durcheinanderwirft, der Unordnung schafft. Er stellt uns auf die Probe, er will uns von Gott weglocken. Und es ist einer, der uns das Wort im Munde umdreht. Genesis: Ihr werdet sein wie Gott! Hiob: Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht fluchen! So hatte ich es am letzten Sonntag ausgedrückt.

Im nächsten Schritt müssen wir festgehalten, dass der Teufel die Gottessohnschaft von Jesus keinen Moment anzweifelt. Es ist ganz klar: Er hat den Sohn Gottes vor sich und weiß das auch. Zweimal redet er Jesus mit diesem Titel an: "Bist du Gottes Sohn ..."

1. Hunger und Manna: Das Brot der Abhängigkeit

„Er demütigte dich und ließ dich hungern ... auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein“ (5. Mose 8,3).

Israel murrte in der Wüste. Als der Magen knurrte, sollte die Freiheit von der Sklaverei in Ägypten plötzlich gegen die Fleischtöpfe der Sklaverei eingetauscht. Israel forderte Beweise: Ist Gott bei uns oder nicht?

Jesus hingegen nimmt den Hunger an. Er weigert sich, seine göttliche Vollmacht zu nutzen, um Steine in Brot zu verwandeln. Warum? Weil er weiß: Wahres Leben speist sich nicht aus der Verfügbarkeit von Ressourcen, sondern aus dem Vertrauen auf Gottes Wort. Jesus macht Gott nicht zum Erfüller seiner Bedürfnisse, sondern bleibt Empfangender.

2. Die Tempelzinne: Gott wird nicht experimentell geprüft

In der Wüste, der Ort wird später "Massa und Meriba" genannt, forderte Israel Zeichen . Sie stellten Gott auf die Probe: „Wenn er Gott ist, dann soll er jetzt Wasser geben!“ (vgl. 2.Mose 17,1-7)

Massa (מַסָּה) kommt vom hebräischen Verb nissah = „versuchen, prüfen, auf die Probe stellen“.

→ Darum: „Massa“ = „Versuchung/Prüfung“, weil Israel den HERRN „versucht“ hat (im Sinn von: misstrauisch prüfen, ob er wirklich da ist).

Meriba (מְרִיבָה) kommt vom hebräischen Wort riv = „streiten, hadern, Rechtsstreit führen“.

→ Darum: „Meriba“ = „Hader/Streit“, weil das Volk mit Mose (und damit letztlich mit Gott) stritt.

Letztendlich 

Der Teufel fordert von Jesus genau das: Ein spektakuläres Zeichen, den Sprung von der Tempelzinne. „Wenn du Gottes Sohn bist, muss er dich doch auffangen!“

Doch es geht um mehr als private Frömmigkeit. Der Theologe Eduard Schweizer sieht hier die fundamentale Absage an den politischen Messianismus. Wenn Schweizer auf rabbinische Quellen verweist: "Unsere Lehrer haben uns gelehrt: wenn sich der König, der Messias offenbart, dann kommt er und steht auf dem Dach des Heiligtums.", dann bietet der Teufel Jesus die Rolle des populistischen Volkshelden an. Doch Jesus weiß: Ein Glaube, der auf Sensationen und politischem Triumph gründet, ist kein Bund mit Gott, sondern ein Missbrauch Gottes. Wie beim Einzug auf dem Esel in Jerusalem widersteht er der Versuchung, die Massen durch ein religiöses Spektakel zu instrumentalisieren.

Jesus verzichtet auf die Zwangsbeglückung durch das Wunder. Vertrauen heißt für ihn, dass Gott Wege aufzeigt, wenn Gott es will – nicht, wenn wir ihn durch eine Mutprobe dazu zwingen. Jesus weigert sich, Gott zum Objekt eines Experiments zu machen.

3. Das Land und die Macht: Geschenk statt Raubzug

Auf dem hohen Berg – denken wir an den Berg der Verklärung zum Ende der Epiphaniaszeit – erreicht die Versuchung ihren Gipfel – und ihre größte Absurdität. Der Teufel bietet Jesus „alle Reiche der Welt“ an.

  • Die Ironie der Macht: Es ist im Grunde ein schlechter Witz: Der Teufel bietet dem Schöpfer die Schöpfung an. Er nennt Jesus „Sohn Gottes“ und versucht gleichzeitig, ihm das Erbe seines Vaters als Diebesgut zu verkaufen. Es ist die Hybris des Bösen, so zu tun, als sei die Welt sein Privateigentum, das er nach Belieben verteilen könne.

  • Zwei Arten von Herrschaft: Der Teufel denkt bei „Herrschaft“ an das, was wir heute noch kennen: Kontrolle, Unterdrückung, Grenzen und Tribut. Jesus aber hat diese Herrschaft bereits – allerdings völlig anders. Seine Macht ist nicht die des Cäsars, sondern die des Schöpfers, die auf Liebe und Freiheit basiert. Er muss sich die Welt nicht „schenken“ lassen, denn er ist bereits ihr Herr; er muss sie nur zurückgewinnen, und zwar nicht durch Anbetung des Bösen, sondern durch den Gehorsam gegenüber dem Vater.

  • Das unverfügbare Geschenk: Hier schließt sich der Kreis zu Mose auf dem Berg Nebo (5. Mose 34). Gott zeigt Mose vor seinem Tod das Land Kanaan. Mose darf es sehen, aber er kann seine Hand nicht darauf legen. Es bleibt für das Volk Israel, dass dann weiterzieht, ein unverfügbares Geschenk Gottes. Wahre Herrschaft im biblischen Sinne ist immer an den Bund gekoppelt. Man „besitzt“ das Land nicht, man empfängt es als Lebensraum unter Gottes Gebot.

  • Das Sch'ma Israel (hebräisch שְׁמַע יִשְׂרָאֵל šma‘ yiśra’el, deutsch ‚Höre, Israel!‘) gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums. Jesus antwortet auf das dreiste Angebot des Teufels mit dem Fundament des jüdischen Bekenntnisses: „Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen.“ So, wie es im 5. Buch Mose schon geschrieben stand: "Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht." (5. Mose 8,3) Damit stellt er klar: Wirkliche Macht über die Welt erwächst nicht aus politischem Deal oder Unterwerfung, sondern aus der exklusiven Bindung an Gott. Nur wer Gott allein anbetet, ist wirklich frei von der Tyrannei der Weltreiche.

4. Die letzte Versuchung Jesu ...

Wenn man die parallele Versuchungsgeschichte von Lukas betrachtet, kann man noch einen Schritt weitergehen. Im großen ganzen erzählt Lukas die Begebenheit in der Wüste wie Matthäus. Nur im Schlusssatz weicht er ab: "Und als der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich er von ihm bis zur bestimmten Zeit." (Lk 4,14)

Bis zur bestimmten Zeit wich der Teufel, d.h. er kam noch einmal wieder. Der kundige Bibelleser weiß, dass im Zusammenhang mit der ersten Leidensankündigung Jesus seinen Jünger Petrus als "Satan" bezeichnet, als der versucht, den Leidensweg zu verhindern. Das sind die Schriftstellen Matthäus 16,23 und Markus 8,33. 

Bei Lukas wird der Teufel im Verlauf des Evangeliums an zwei, drei Stellen erwähnt, die aber für unsere Betrachtung nicht relevant sind. Jedoch Lukas 22,3 lesen wir dann: "Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte." Und Lukas 22,31f heißt es: "Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder." Ganz offensichtlich sind die Ereignisse in der Karwoche der Zeitpunkt, an dem der Teufel nach dem Verständnis von Lukas wieder aktiv wurde. 

Nachdem man Jesus ans Kreuz geschlagen hatte, liest man dann Lukas 23 weiter: "Die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! ... Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!" (Lk 23 35-39)

Bei Matthäus lesen wir: Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz! (Mt 27,39f)

Und Markus beschrieb als erster Evangelist die Szene so: Die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch. (Mk 15,29-32)

Nikos Kazantzakis, Die letzte Versuchung (1955)

Ich musste an den Roman von Nikos Kazantzakis denken. Dieses literarische Werk beschreibt Jesus als einen Mann, der innerlich zerrissen ist zwischen seiner göttlichen Bestimmung und seinem menschlichen Verlangen nach einem normalen Leben mit Familie und weltlichen Freuden.

Der Kern des Romans dreht sich um die titelgebende "letzte Versuchung" Jesu am Kreuz. In einer Vision erlebt er, wie er vom Kreuz herabsteigt und ein normales Leben führt. Er heiratet Maria Magdalena, zeugt Kinder und lebt ein erfülltes, bürgerliches Leben. 

Diese Vision thematisiert die Schmähungen der Menschen unter dem Kreuz. Die von Matthäus überlieferte Aufforderung "Wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!" stellt die ultimative Versuchung dar. Gäbe der Sohn Gottes dem nach, wäre die ganz göttliche Mission zunichte.

In dem Roman von Nikos Kazantzakis erkennt Jesus am Ende, dass er die Qualen des Kreuzes ertragen und seine göttliche Bestimmung erfüllen muss, um die Menschheit zu erlösen. Wir können es so sagen, dass er auch im "dunklen Tal" Gott vertraut, selbst wenn er dessen Nähe nicht mehr spürt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen." (Ps 22, zitiert bei Markus 15,34. Die "letzte Versuchung" unterstreicht die Bedeutung der freien Entscheidung Jesu für das Leiden und den Tod am Kreuz. Es geht darum, dass seine Liebe zur Menschheit und sein Gehorsam gegenüber Gott stärker sind als sein menschliches Verlangen nach einem einfachen Leben.

5. Die wahre Erhöhung: Das Kreuz als Thron

Zum Schluss weitet sich der Blick über die synoptischen Evangelisten hinaus hin zu Johannes. Dort spricht Jesus davon, dass der Menschensohn „erhöht“ werden muss (Joh 3,14; 12,32).

  • Die Ironie der Erhöhung: Der Teufel wollte Jesus auf die Zinne des Tempels und auf einen hohen Berg führen, um ihn dort „zu erhöhen“ – durch Bewunderung, durch Macht, durch den Sieg über die Feinde - sichtbar, triumphal, bezwingend.

  • Die johanneische Antwort: Jesus aber weiß, dass seine wahre Erhöhung anders aussieht. Er wird am Kreuz erhöht. Was für die Welt wie der tiefste Punkt der Schande aussieht, ist bei Johannes der Moment der höchsten Verherrlichung. Warum? Weil hier die „Werke des Teufels“ (Hass, Gewalt, Selbsterhaltung) endgültig ins Leere laufen.

  • Der Sieg der Liebe: Indem Jesus am Kreuz erhöht wird, statt vom Kreuz herabzusteigen (wie es die Spötter forderten), beweist er seine wahre Sohnschaft. Er lässt sich nicht erhöhen, um zu herrschen, sondern er wird erhöht, um „alle zu sich zu ziehen“ (Joh 12,32).

Fazit: Das „Dennoch“ Jesu

Gottes Herrschaft wird nicht durch das „Herabsteigen“ (den billigen Ausweg) oder das „Hinaufspringen“ (das Spektakel) sichtbar. Sie wird dort sichtbar, wo ein Mensch in der Treue zu Gott stehen bleibt – selbst wenn dieser Ort ein Kreuz ist.

Jesus besiegt den Teufel nicht durch überlegene Zauberkraft, sondern durch Erinnerung. Er zitiert die Schrift, er erinnert an die Geschichte Israels.

  • Wo Israel murrte, schweigt er und vertraut.
  • Wo Israel forderte, wartet er ab.
  • Wo Israel fremde Götter suchte, bleibt er beim „Höre Israel“.

Dazu ist der Sohn Gottes erschienen: Nicht um uns die Wüste zu ersparen, sondern um uns zu zeigen, dass man in der Wüste – und sogar am Kreuz – ein freies, geliebtes Kind Gottes bleiben kann. Das ist die Erhöhung, gegen die kein Teufel ankommt.

Für uns heute bedeutet das:

Versuchung ist oft der Versuch, Gott „verfügbar“ zu machen. Wir wollen das Brot jetzt, das Wunder sofort und auch die Macht. Invokavit lehrt uns mit Eduard Schweizer: Gottes Kind sein heißt, ein Beschenkter zu bleiben. Das Leben bleibt unverfügbar – und genau darin liegt seine Heiligkeit.

Ein Gedanke für den Alltag:

In welchen Momenten versuche ich, Gott durch meine Forderungen zu „prüfen“, anstatt darauf zu vertrauen, dass er Wege zeigt, wo ich noch keine sehe?


In der Passionszeit möchte ich der Frage nach Gottes Gerechtigkeit nachgehen. Wenn ich dazu etwas veröffentliche, kann ich noch nicht sagen. 

Sicherlich werde ich zum Sonntag Judika (22.03.) eine Predigt zu einem Text aus dem Buch Hiob veröffentlichen. Da brennt die Frage nach Gottes Gerechtigkeit natürlich unter den Nägeln.