(Invokavit Teil 3)
Warum der Mensch nicht vom Brot allein lebt
Der Name des Sonntags Invokavit leitet sich ab von Psalm 91,15: "Er ruft mich an (invocabit me), darum will ich ihn erhören (et exaudiam eum), ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen." Das Evangelium dieses Sonntags, die Geschichte von der Versuchung Jesu, illustriert die Bedeutung des Psalmverses am Anfang der Passionszeit, an deren Ende das Kreuz von Golgatha steht.
Jesu Versuchung - Matthäus 4,1-11
1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« 5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« 8 Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.
Die Versuchung Jesu in der Wüste ist kein einsames Duell im luftleeren Raum. Grundsätzlich gilt, wer Matthäus verstehen will, sollte sich im Ersten Testament auskennen. Denn Matthäus wendet sich in der Zeit zwischen 80 und 90 n.Chr. im syrischen Raum Antiochia an Christen, die zuvor zur jüdischen Synagoge gehörten. Modern ausgedrückt: Diese Menschen befanden sich in einer tiefen Identitätskrise.
Nach der Zerstörung des Tempels (70 n. Chr.) formierte sich das Judentum unter der Leitung der Pharisäer neu. Wenn Christen bis dahin den Kontakt zur Synagoge halten konnten, wurden sie jetzt oft als Ketzer ausgeschlossen. Die Frage drängte sich auf: "Gilt der Bund Gottes noch für uns, wenn wir Jesus folgen?" Matthäus antwortet seinen Christen im Grunde genommen so: "Ja, ihr seid sogar die 'echteren' Juden." Deshalb zitiert er immer wieder das Erste Testament („auf dass erfüllt würde, was gesagt ist...“), um zu belegen, dass Jesus die Erfüllung der gesamten jüdischen Geschichte ist.
Auch die Versuchungsgeschichte muss in diesem Licht gesehen werden. Der Neutestamentler Eduard Schweizer sieht eine enge Beziehung der Versuchung Jesu zur Zeit der Wanderung Israels durch die Wüste. In seinem Kommentar zum Matthäusevangelium zieht er insbesondere des 5. Buch Mose heran. Treffend analysiert ist Jesus hier der „Sohn“, der dort besteht, wo das Volk Israel einst versagte.
Israel - der Weg durch die Wüste - 5. Mose 8,2-6
2 Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. 3 Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht. 4 Deine Kleider sind nicht zerrissen an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese vierzig Jahre. 5 So erkennst du ja in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht. 6 So halte nun die Gebote des HERRN, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest.
Wenn wir jetzt die Versuchungsgeschichte Schritt für Schritt entdecken, dann muss zunächst festgestellt werden, wer oder was der Teufel ist bzw. was er nicht ist! Ich hatte das schon in der am vergangenen Sonntag veröffentlichte Predigt gesagt: Der Teufel ist nicht die Gestalt mit Hörnern und Bocksfüßen! Diese Gestalt ist im Mittelalter erfunden worden und prägt unser Bild bis heute. Die Bibel nimmt es einfach hin, dass es den Teufel, den Widersacher Gottes, gibt. Die Urgeschichte verwendet noch das Bild der sprechenden Schlage. Im Buch Hiob heißt es einfach: “Es begab sich aber eines Tages, als die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, da kam auch der Satan mit ihnen. Der HERR aber sprach zu dem Satan …” - “Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.”
Wer ist nun der Teufel? Im Griechischen steht das Wort διάβολος diábolos. Das kann zunächst mit "Verleumder" übersetzt werden. Das Nomen leitet sich vom Verb διαβάλλειν ab. Und das bedeutet so viel wie "durcheinanderwerfen", "auseinanderwerfen" oder "hinüberwerfen". Der Teufel ist also einer, der die Verhältnisse durcheinanderwirft, der Unordnung schafft. Er stellt uns auf die Probe, er will uns von Gott weglocken. Und es ist einer, der uns das Wort im Munde umdreht. Genesis: Ihr werdet sein wie Gott! Hiob: Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht fluchen! So hatte ich es am letzten Sonntag ausgedrückt.
Im nächsten Schritt müssen wir festgehalten, dass der Teufel die Gottessohnschaft von Jesus keinen Moment anzweifelt. Es ist ganz klar: Er hat den Sohn Gottes vor sich und weiß das auch. Zweimal redet er Jesus mit diesem Titel an: "Bist du Gottes Sohn ..."
1. Hunger und Manna: Das Brot der Abhängigkeit
„Er demütigte dich und ließ dich hungern ... auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein“ (5. Mose 8,3).
Israel murrte in der Wüste. Als der Magen knurrte, sollte die Freiheit von der Sklaverei in Ägypten plötzlich gegen die Fleischtöpfe der Sklaverei eingetauscht. Israel forderte Beweise: Ist Gott bei uns oder nicht?
Jesus hingegen nimmt den Hunger an. Er weigert sich, seine göttliche Vollmacht zu nutzen, um Steine in Brot zu verwandeln. Warum? Weil er weiß: Wahres Leben speist sich nicht aus der Verfügbarkeit von Ressourcen, sondern aus dem Vertrauen auf Gottes Wort. Jesus macht Gott nicht zum Erfüller seiner Bedürfnisse, sondern bleibt Empfangender.
2. Die Tempelzinne: Gott wird nicht experimentell geprüft
In der Wüste, der Ort wird später "Massa und Meriba" genannt, forderte Israel Zeichen . Sie stellten Gott auf die Probe: „Wenn er Gott ist, dann soll er jetzt Wasser geben!“ (vgl. 2.Mose 17,1-7)
Massa (מַסָּה) kommt vom hebräischen Verb nissah = „versuchen, prüfen, auf die Probe stellen“.
→ Darum: „Massa“ = „Versuchung/Prüfung“, weil Israel den HERRN „versucht“ hat (im Sinn von: misstrauisch prüfen, ob er wirklich da ist).
Meriba (מְרִיבָה) kommt vom hebräischen Wort riv = „streiten, hadern, Rechtsstreit führen“.
→ Darum: „Meriba“ = „Hader/Streit“, weil das Volk mit Mose (und damit letztlich mit Gott) stritt.
Letztendlich
Der Teufel fordert von Jesus genau das: Ein spektakuläres Zeichen, den Sprung von der Tempelzinne. „Wenn du Gottes Sohn bist, muss er dich doch auffangen!“
Doch es geht um mehr als private Frömmigkeit. Der Theologe Eduard Schweizer sieht hier die fundamentale Absage an den politischen Messianismus. Wenn Schweizer auf rabbinische Quellen verweist: "Unsere Lehrer haben uns gelehrt: wenn sich der König, der Messias offenbart, dann kommt er und steht auf dem Dach des Heiligtums.", dann bietet der Teufel Jesus die Rolle des populistischen Volkshelden an. Doch Jesus weiß: Ein Glaube, der auf Sensationen und politischem Triumph gründet, ist kein Bund mit Gott, sondern ein Missbrauch Gottes. Wie beim Einzug auf dem Esel in Jerusalem widersteht er der Versuchung, die Massen durch ein religiöses Spektakel zu instrumentalisieren.
Jesus verzichtet auf die Zwangsbeglückung durch das Wunder. Vertrauen heißt für ihn, dass Gott Wege aufzeigt, wenn Gott es will – nicht, wenn wir ihn durch eine Mutprobe dazu zwingen. Jesus weigert sich, Gott zum Objekt eines Experiments zu machen.
3. Das Land und die Macht: Geschenk statt Raubzug
Auf dem hohen Berg – denken wir an den Berg der Verklärung zum Ende der Epiphaniaszeit – erreicht die Versuchung ihren Gipfel – und ihre größte Absurdität. Der Teufel bietet Jesus „alle Reiche der Welt“ an.
- Die Ironie der Macht: Es ist im Grunde ein schlechter Witz: Der Teufel bietet dem Schöpfer die Schöpfung an. Er nennt Jesus „Sohn Gottes“ und versucht gleichzeitig, ihm das Erbe seines Vaters als Diebesgut zu verkaufen. Es ist die Hybris des Bösen, so zu tun, als sei die Welt sein Privateigentum, das er nach Belieben verteilen könne.
- Zwei Arten von Herrschaft: Der Teufel denkt bei „Herrschaft“ an das, was wir heute noch kennen: Kontrolle, Unterdrückung, Grenzen und Tribut. Jesus aber hat diese Herrschaft bereits – allerdings völlig anders. Seine Macht ist nicht die des Cäsars, sondern die des Schöpfers, die auf Liebe und Freiheit basiert. Er muss sich die Welt nicht „schenken“ lassen, denn er ist bereits ihr Herr; er muss sie nur zurückgewinnen, und zwar nicht durch Anbetung des Bösen, sondern durch den Gehorsam gegenüber dem Vater.
- Das unverfügbare Geschenk: Hier schließt sich der Kreis zu Mose auf dem Berg Nebo (5. Mose 34). Gott zeigt Mose vor seinem Tod das Land Kanaan. Mose darf es sehen, aber er kann seine Hand nicht darauf legen. Es bleibt für das Volk Israel, dass dann weiterzieht, ein unverfügbares Geschenk Gottes. Wahre Herrschaft im biblischen Sinne ist immer an den Bund gekoppelt. Man „besitzt“ das Land nicht, man empfängt es als Lebensraum unter Gottes Gebot.
- Das Sch'ma Israel (hebräisch שְׁמַע יִשְׂרָאֵל šma‘ yiśra’el, deutsch ‚Höre, Israel!‘) gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums. Jesus antwortet auf das dreiste Angebot des Teufels mit dem Fundament des jüdischen Bekenntnisses: „Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen.“ So, wie es im 5. Buch Mose schon geschrieben stand: "Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht." (5. Mose 8,3) Damit stellt er klar: Wirkliche Macht über die Welt erwächst nicht aus politischem Deal oder Unterwerfung, sondern aus der exklusiven Bindung an Gott. Nur wer Gott allein anbetet, ist wirklich frei von der Tyrannei der Weltreiche.
4. Die letzte Versuchung Jesu ...
Wenn man die parallele Versuchungsgeschichte von Lukas betrachtet, kann man noch einen Schritt weitergehen. Im großen ganzen erzählt Lukas die Begebenheit in der Wüste wie Matthäus. Nur im Schlusssatz weicht er ab: "Und als der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich er von ihm bis zur bestimmten Zeit." (Lk 4,14)
Bis zur bestimmten Zeit wich der Teufel, d.h. er kam noch einmal wieder. Der kundige Bibelleser weiß, dass im Zusammenhang mit der ersten Leidensankündigung Jesus seinen Jünger Petrus als "Satan" bezeichnet, als der versucht, den Leidensweg zu verhindern. Das sind die Schriftstellen Matthäus 16,23 und Markus 8,33.
Bei Lukas wird der Teufel im Verlauf des Evangeliums an zwei, drei Stellen erwähnt, die aber für unsere Betrachtung nicht relevant sind. Jedoch Lukas 22,3 lesen wir dann: "Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte." Und Lukas 22,31f heißt es: "Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder." Ganz offensichtlich sind die Ereignisse in der Karwoche der Zeitpunkt, an dem der Teufel nach dem Verständnis von Lukas wieder aktiv wurde.
Nachdem man Jesus ans Kreuz geschlagen hatte, liest man dann Lukas 23 weiter: "Die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! ... Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!" (Lk 23 35-39)
Bei Matthäus lesen wir: Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz! (Mt 27,39f)
Und Markus beschrieb als erster Evangelist die Szene so: Die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch. (Mk 15,29-32)
Nikos Kazantzakis, Die letzte Versuchung (1955)
Ich musste an den Roman von Nikos Kazantzakis denken. Dieses literarische Werk beschreibt Jesus als einen Mann, der innerlich zerrissen ist zwischen seiner göttlichen Bestimmung und seinem menschlichen Verlangen nach einem normalen Leben mit Familie und weltlichen Freuden.
Der Kern des Romans dreht sich um die titelgebende "letzte Versuchung" Jesu am Kreuz. In einer Vision erlebt er, wie er vom Kreuz herabsteigt und ein normales Leben führt. Er heiratet Maria Magdalena, zeugt Kinder und lebt ein erfülltes, bürgerliches Leben.
Diese Vision thematisiert die Schmähungen der Menschen unter dem Kreuz. Die von Matthäus überlieferte Aufforderung "Wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!" stellt die ultimative Versuchung dar. Gäbe der Sohn Gottes dem nach, wäre die ganz göttliche Mission zunichte.
In dem Roman von Nikos Kazantzakis erkennt Jesus am Ende, dass er die Qualen des Kreuzes ertragen und seine göttliche Bestimmung erfüllen muss, um die Menschheit zu erlösen. Wir können es so sagen, dass er auch im "dunklen Tal" Gott vertraut, selbst wenn er dessen Nähe nicht mehr spürt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen." (Ps 22, zitiert bei Markus 15,34. Die "letzte Versuchung" unterstreicht die Bedeutung der freien Entscheidung Jesu für das Leiden und den Tod am Kreuz. Es geht darum, dass seine Liebe zur Menschheit und sein Gehorsam gegenüber Gott stärker sind als sein menschliches Verlangen nach einem einfachen Leben.
5. Die wahre Erhöhung: Das Kreuz als Thron
Zum Schluss weitet sich der Blick über die synoptischen Evangelisten hinaus hin zu Johannes. Dort spricht Jesus davon, dass der Menschensohn „erhöht“ werden muss (Joh 3,14; 12,32).
- Die Ironie der Erhöhung: Der Teufel wollte Jesus auf die Zinne des Tempels und auf einen hohen Berg führen, um ihn dort „zu erhöhen“ – durch Bewunderung, durch Macht, durch den Sieg über die Feinde - sichtbar, triumphal, bezwingend.
- Die johanneische Antwort: Jesus aber weiß, dass seine wahre Erhöhung anders aussieht. Er wird am Kreuz erhöht. Was für die Welt wie der tiefste Punkt der Schande aussieht, ist bei Johannes der Moment der höchsten Verherrlichung. Warum? Weil hier die „Werke des Teufels“ (Hass, Gewalt, Selbsterhaltung) endgültig ins Leere laufen.
- Der Sieg der Liebe: Indem Jesus am Kreuz erhöht wird, statt vom Kreuz herabzusteigen (wie es die Spötter forderten), beweist er seine wahre Sohnschaft. Er lässt sich nicht erhöhen, um zu herrschen, sondern er wird erhöht, um „alle zu sich zu ziehen“ (Joh 12,32).
Fazit: Das „Dennoch“ Jesu
Gottes Herrschaft wird nicht durch das „Herabsteigen“ (den billigen Ausweg) oder das „Hinaufspringen“ (das Spektakel) sichtbar. Sie wird dort sichtbar, wo ein Mensch in der Treue zu Gott stehen bleibt – selbst wenn dieser Ort ein Kreuz ist.
Jesus besiegt den Teufel nicht durch überlegene Zauberkraft, sondern durch Erinnerung. Er zitiert die Schrift, er erinnert an die Geschichte Israels.
- Wo Israel murrte, schweigt er und vertraut.
- Wo Israel forderte, wartet er ab.
- Wo Israel fremde Götter suchte, bleibt er beim „Höre Israel“.
Dazu ist der Sohn Gottes erschienen: Nicht um uns die Wüste zu ersparen, sondern um uns zu zeigen, dass man in der Wüste – und sogar am Kreuz – ein freies, geliebtes Kind Gottes bleiben kann. Das ist die Erhöhung, gegen die kein Teufel ankommt.
Für uns heute bedeutet das:
Versuchung ist oft der Versuch, Gott „verfügbar“ zu machen. Wir wollen das Brot jetzt, das Wunder sofort und auch die Macht. Invokavit lehrt uns mit Eduard Schweizer: Gottes Kind sein heißt, ein Beschenkter zu bleiben. Das Leben bleibt unverfügbar – und genau darin liegt seine Heiligkeit.
Ein Gedanke für den Alltag:
In welchen Momenten versuche ich, Gott durch meine Forderungen zu „prüfen“, anstatt darauf zu vertrauen, dass er Wege zeigt, wo ich noch keine sehe?
In der Passionszeit möchte ich der Frage nach Gottes Gerechtigkeit nachgehen. Wenn ich dazu etwas veröffentliche, kann ich noch nicht sagen.
Sicherlich werde ich zum Sonntag Judika (22.03.) eine Predigt zu einem Text aus dem Buch Hiob veröffentlichen. Da brennt die Frage nach Gottes Gerechtigkeit natürlich unter den Nägeln.

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