Sonntag, 19. Juli 2026

Vom Taufbecken an den Tisch des Herrn - 7. Sonntag nach Trinitatis

Am vergangenen Sonntag stand die Taufe im Zentrum des Gottesdienstes – das Sakrament des Anfangs, das einmalige Ja Gottes zu unserem Leben. Logisch und konsequent weitet sich der Blick nun am 7. Sonntag nach Trinitatis hin zum zweiten großen Sakrament: dem Abendmahl. Es ist das Sakrament des Weges, der wiederholbaren Gemeinschaft. Doch wenn wir heute im Gottesdienst Brot und Wein bzw. Traubensaft empfangen, feiern wir oft mit einer Selbstverständlichkeit, die den Blick auf die tiefen, beinahe dramatischen Wurzeln dieses Mahls verstellt. Woher kommt das Abendmahl eigentlich?

Abendmahlstisch in der 
Ev.-luth. Gustav-Adolf-Kirche Meppen
am Gründonnerstag

Die Wurzeln im Wandel: Ein Blick in die Kirchengeschichte

Wer in eine theologische Enzyklopädie wie beispielsweise die “Religion in Geschichte und Gegenwart” (RGG 4) schaut, merkt schnell: Das, was wir heute als Abendmahl feiern, ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen, bewegten Deutungsgeschichte.

Im Mittelalter entwickelte sich die Feier zu einem priesterlichen Opfergeschehen. Die Hostie wurde als der „wahre, historische Leib“ Christi verstanden, der Gott zur Besänftigung dargebracht und vom Volk voller Scheu am Ende nur noch bestaunt statt gegessen wurde. Aus Furcht, das “wahre Blut Christi" im Kelch zu verschütten, wurde den Laien der Kelch ganz entzogen. 

Die Reformation räumte mit diesem „Messopfer“-Verständnis radikal auf. Martin Luther stritt leidenschaftlich für die leibliche Realpräsenz Christi als reines Gnadengeschenk Gottes („für euch gegeben“), während Huldrych Zwingli im Mahl eher ein reines Gedächtnis- und Bekenntnismahl der Gemeinde sah.

Doch so unterschiedlich die Epochen das Mahl deuteten – sie alle beriefen sich auf dieselben biblischen Texte. Und genau dort beginnt ein faszinierender biblischer Kriminalfall.

Das liturgische Puzzle und das große Schweigen

Wenn wir sonntags in unseren Kirchen die Einsetzungsworte hören, lauschen wir einer harmonisierten Kombination der biblischen Berichte. Das Neue Testament überliefert uns nämlich zwei deutlich voneinander unterscheidbare Textfamilien:

  • Die Paulus/Lukas-Gruppe: Paulus liefert uns im 1. Korintherbrief (Kapitel 11) den historisch ältesten Bericht überhaupt. Lukas folgt ihm im Wesentlichen. Bei beiden liegt der Fokus beim Kelchwort auf dem Becher selbst und dem Bund: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ Lukas baut dabei noch eine feine theologische Brücke, indem er personalisiert: „...das für euch vergossen wird.“

  • Die Markus/Matthäus-Gruppe: Sie wählen eine andere, symmetrische Parallelisierung: „Das ist mein Leib“ - „Das ist mein Blut“.

Matthäus 26,26-29 Markus 14,22-25 Lukas 22,18-29 1. Korinther 11,23–26
Denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt
Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Und als sie aßen, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und sprach:
Nehmet, esset; Nehmet; - -
das ist mein Leib. das ist mein Leib. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; Das ist mein Leib für euch;
- - das tut zu meinem Gedächtnis. das tut zu meinem Gedächtnis.
Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: --
Trinket alle daraus; - - -
- - Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,
das ist mein Blut des Bundes, Das ist mein Blut des Bundes, - -
das vergossen wird für viele das vergossen wird für viele das für euch vergossen wird. -
zur Vergebung der Sünden. - - -
- - - das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich's neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag, an dem ich's neu trinke im Reich Gottes. s.o. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Synopse der Einsetzungsworte zum Abendmahl

Aus diesen Texten mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten wurden dann die Einsetzungsworte zusammengestellt. Sie folgen dem ältesten Text von Paulus, beziehen aber Elemente von Matthäus mit ein.

1. Korinther 11,23–26 Einsetzungsworte im Gottesdienst Matthäus 26,26-29

Der Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis.

Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.


So weit, so harmonisch. Unsere Liturgie hat aus diesen Puzzleteilen ein stimmiges Ganzes gefügt.

Das große Schweigen: Johannes und Paulus

Doch der Schein trügt. Sobald wir die Lupe anlegen, stolpern wir über zwei massive, theologische Stolpersteine.

Da ist zum einen Johannes. An der Stelle, an der die anderen drei Evangelisten ausführlich schildern, wie Jesus mit seinen Jüngern das jüdische Passahmahl vorbereitet und feiert, lässt Johannes diesen entscheidenden Punkt völlig weg. Bei ihm feiert Jesus zwar ein Abschiedsmahl, aber es gibt kein Einsetzungswort, kein Brotbrechen, keinen Kelch. Stattdessen wäscht Jesus den Jüngern die Füße. Warum verschweigt der vierte Evangelist das sakramentale Herzstück?  

Noch erstaunlicher ist der Befund bei Paulus. Er überliefert uns den ältesten Bericht und betont ausdrücklich, dass er diese Tradition direkt „vom Herrn empfangen“ hat. Doch wer seinen Text genau liest, sucht das Wort „Passah“ oder „Osterlamm“ im Zusammenhang mit jener Nacht vergeblich. Er spricht schlicht vom Brot und vom Kelch „nach dem Mahl“.

Wenn der älteste Zeuge (Paulus) und der theologisch tiefgründigste Evangelist (Johannes) das Passahfest an jenem Donnerstagabend mit keinem Wort erwähnen, während die anderen drei es vehement betonen – dann lässt dieser Befund nur eine Vermutung zu: Irgendetwas stimmt hier nicht.

Der jüdische Kalender und die Logik des Feiertags

Sortieren wir zunächst einmal die Tage und folgen wir dem jüdischen Tages- und Festablauf. Nach jüdischer Vorstellung beginnt ein neuer Tag nicht um Mitternacht, sondern mit dem Anbruch des Abends, sobald die ersten Sterne zu sehen sind. Das passt theoretisch noch zu unserer Tradition: Am Gründonnerstagabend feiert Jesus mit seinen Jüngern. Das Passahlamm hätte folglich am Donnerstagnachmittag im Tempel geschlachtet werden müssen, um für das abendliche Festmahl bereit zu sein. Damit würde die offizielle Passahfeier am Donnerstagabend beginnen und am Freitagabend enden.

Doch genau ab diesem Moment wird es historisch, rechtlich und kulturgeschichtlich völlig unplausibel. 

Denn das Passahfest ist dem Sabbat gleichgestellt. Es ist ein heiliger Ruhetag. Es darf absolut nicht gearbeitet werden – die einzige Ausnahme ist die Zubereitung des Festessens selbst. Wenn wir nun die Berichte von Matthäus, Markus und Lukas beim Wort nehmen, ergibt sich eine Kette von Ereignissen, die der jüdischen Alltagswelt und dem Gesetz radikal widersprechen:

  • Der Spaziergang: Jesus wäre an einem hochheiligen Festtag spätnachts mit seinen Jüngern draußen unterwegs gewesen, um zum Ölberg zu gehen?

  • Die Verhaftung: Die Häscher der Hohenpriester hätten ausgerechnet in der heiligen Festnacht eine bewaffnete Verhaftung durchgeführt?

  • Der Prozess: Der Hohe Rat – die religiöse Elite des Landes – wäre am Hauptfeiertag zu einer nächtlichen Gerichtsverhandlung zusammengetreten, um Zeugen zu verhören und ein Todesurteil zu fällen?

  • Die Diplomatie: Die jüdische Führung hätte am Festtag Kontakt mit dem heidnischen Statthalter Pontius Pilatus aufgenommen, um über eine Hinrichtung zu verhandeln, und damit eine massive rituelle Unreinheit riskiert?

  • Die Kreuzigung: Das Todesurteil an einem bekannten und populären Prediger wäre am Feiertag selbst öffentlich vollstreckt worden?

  • Das Publikum: Eine gottesfürchtige Menschenmenge hätte am Ruhetag ihre Häuser verlassen, um vor die Stadt zu ziehen und die Kreuzigung zu verfolgen?

  • Die Bestattung: Josef von Arimathäa wäre am Festtag zu Pilatus gegangen und über die Freigabe des Leichnams verhandelt, er hätte ein Leinentuch in einem Geschäft gekauft, den Toten vom Kreuz genommen, ihn transportiert und ins Grab gelegt?

Das alles passt hinten und vorne nicht. Es ist in der jüdischen Alltagswelt jener Zeit schlicht undenkbar.

Das Licht im Dunkeln: Die Chronologie des Johannes

Folgt man hingegen der Darstellung des Johannesevangeliums, kommt schlagartig Licht ins Dunkel. Johannes entwirrt den Knoten, indem er die Uhr um exakt 24 Stunden zurückdreht.

Bei Johannes feiert Jesus am Donnerstagabend eben nicht das jüdische Passahfest. Ja, sie essen gemeinsam, aber es steht kein Passahlamm auf dem Tisch. Es ist ein feierliches Abschiedsmahl am Abend vor dem Fest (dem 14. Nisan, dem Rüsttag, der dann von Donnerstagabend bis Freitagabend dauert).

Dadurch wird die Passionsgeschichte historisch plausibel: Jesus wird an einem normalen Werktag verhaftet, verhört und am Freitagmorgen verurteilt und das Urteil sofort vollstreckt. Er stirbt am Freitagnachmittag – und hier setzt Johannes einen genialen theologischen Akzent: Jesus stirbt am Kreuz exakt in jenen Stunden, in denen im Jerusalemer Tempel die Passahlämmer für das am Abend beginnende Fest geschlachtet werden.

Weil nun aber drei Stunden später, mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend, der große Festtag beginnt, bricht ein immenser Zeitdruck los. Genau deshalb muss Josef von Arimathäa die Bestattung in allerhöchster Eile und nur notdürftig durchführen, bevor das absolute Arbeitsverbot des Ruhetags in Kraft tritt. Als die Sterne aufgehen und das jüdische Passahfest beginnt, liegt Jesus bereits im Grab.

Was feiern wir also eigentlich?

Wenn wir das Passah-Korsett abstreifen, weitet sich der Blick auf eine viel größere, lebendigere Wirklichkeit. Wie der Neutestamentler Ferdinand Hahn in der “Religion in Geschichte und Gegenwart” (RGG 4) darlegt, speist sich das Abendmahl der Urkirche nicht aus einer einzigen historischen Wurzel, sondern aus einer dreifachen Bewegung: den Mahlgemeinschaften des irdischen Jesus, seinem Abschiedsmahl und den Erscheinungsmahlen nach der Auferstehung.

1. Die Mahle des irdischen Jesus: Gottes neue Welt am Küchentisch

Jesus war dafür bekannt, dass er aß und trank – und zwar auch mit den “richtigen” und den „falschen“ Leuten. Seine Mahlgemeinschaften mit seinen Jüngern, mit den Geschwistern Maria, Martha und Lazarus, auch mit Pharisäern, mit Zöllnern, Sündern und gesellschaftlichen Außenseitern waren kein gemütliches Beisammensein. Sie waren pure Prophetie. Weil Jesus den Anbruch der Gottesherrschaft in naher Zukunft erwartete, inszenierte er an diesen Tischen die kommende Welt Gottes. Wo Menschen miteinander das Brot teilten, die sonst nie an einem Tisch gesessen hätten, wurde die grenzenlose Gemeinschaft mit Gott im Hier und Jetzt vorweggenommen.

2. Die Ostermahle: Das Erkennungszeichen des Lebendigen

Nach der Katastrophe von Golgatha bricht diese Gemeinschaft nicht ab. Im Gegenteil: Der Auferstandene begegnet seinen Jüngern – den Zweiflern auf dem Weg nach Emmaus oder den frustrierten Fischern am See von Tiberias. Und was tut er dort? Er tut das, was er immer getan hat: Er nimmt das Brot, spricht den Segen und bricht es. In diesem Moment öffnen sich den Jüngern die Augen. Das Brotbrechen wird zum ultimativen Erkennungszeichen des lebendigen Christus. Wenn die Urgemeinde danach zusammenkam, feierte sie kein Trauermahl für einen Toten, sondern ein jubelndes Freudenmahl im Bewusstsein: Er ist mitten unter uns, wenn wir das Brot brechen.

3. Das Abschiedsmahl bei Paulus: Die Tiefe des Kreuzes

Es ist schließlich der Apostel Paulus, der dieser gottesdienstlichen Praxis ihre theologische Tiefenschärfe verleiht, indem er das Abschiedsmahl der Passionsnacht ins Zentrum rückt. Paulus bringt den Tod Jesu ins Spiel und deutet ihn radikal um:

  • Der gebrochene Leib: Wenn das Brot gebrochen wird, ist das nicht mehr nur Nahrung, sondern Verweis auf den leidenden Gottesknecht aus Jesaja 53, der seinen Leib für uns dahingibt.

  • Der Becher des Bundes: Das gemeinsame Trinken aus dem Kelch besiegelt – ganz ohne alttestamentliche Opferrituale – den von Jeremia verheißenen „neuen Bund“ der Versöhnung. Ein Bund, der allein durch die bedingungslose Hingabe Jesu am Kreuz gestiftet ist.

Und weil auch Paulus in der glühenden Naherwartung lebt, dass Gott diese Welt bald vollenden wird, spannt er den Bogen vom Kreuz direkt in die Zukunft. Er gibt uns jenen eschatologischen Ausblick mit auf den Weg, den wir bis heute in der Liturgie sprechen:

„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ (1. Korinther 11,26)

Die große Transformation: Wie das Passahfest abgelöst wurde

Das theologische Nachdenken der Urgemeinde blieb hier jedoch nicht stehen. Wenn Jesus tatsächlich genau in jenen Tagen starb und auferstand, in denen ganz Israel das Passahfest beging, dann drängte sich eine fundamentale Parallelisierung förmlich auf. Das alte Fest der Befreiung aus Ägypten und der Kreuzestod Jesu verschmolzen im Glauben der ersten Christen zu einer neuen Wirklichkeit: Die Ablösung des alten Passahopfers durch den Kreuzestod Jesu war vollzogen.

Paulus ist auch hier der Erste, der diese theologische Weiche stellt, indem er Jesus kühn als das wahre Opferlamm bezeichnet, das die Sünden der Menschen trägt und uns durch seinen Tod mit Gott versöhnt.

Johannes greift diesen Faden auf und setzt ihn – wie wir gesehen haben – historisch-chronologisch in Szene, indem er Jesus exakt in der Minute sterben lässt, in der die Opferlämmer im Tempel geschlachtet werden. Die Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) wiederum gehen den umgekehrten Weg: Sie setzen das Abschiedsmahl direkt mit dem Passahmahl gleich und verbinden das Brot unlösbar mit Jesu Leib. Bei der Deutung des Kelches sehen wir dann das theologische Ringen der Urkirche in Echtzeit:

  • Lukas folgt der Auslegung des Paulus: Es geht um den Kelch, der den neuen Bund besiegelt, den Gott durch Jesu Blut am Kreuz mit den Menschen schließt.

  • Markus und Matthäus gehen einen Schritt weiter und parallelisieren Brot und Wein ästhetisch: So wie das Brot der Leib ist, so wird nun der Wein direkt mit dem Blut Jesu verbunden, das für die Vielen vergossen wird.

Die Feier der Gegenwart: Keine Wiederholung, sondern Vergegenwärtigung

Als die jungen Christengemeinden begannen, dieses Mahl regelmäßig zu feiern, taten sie deshalb etwas völlig Revolutionäres. Sie wiederholten nicht das blutige Opfer, das Jesus ein für alle Mal am Kreuz gebracht hatte. Sie inszenierten kein neues Tempelritual.

Sie taten das, was wir im Griechischen Anamnese nennen – ein Wort, das wir im Deutschen oft zu schwach mit „Erinnerung“ übersetzen. Es meint eine reale Vergegenwärtigung.

Wenn wir heute Abendmahl feiern, blicken wir nicht wehmütig zurück auf ein historisches Ereignis vor 2000 Jahren. Sondern in Brot und Wein wird die bleibende Gemeinschaft mit dem Auferstandenen im Hier und Jetzt erfahrbar. Das Kreuz ist das historische Fundament, aber der Tisch ist der Ort der lebendigen Gegenwart Christi.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen