Sonntag, 24. Mai 2026

Rückblick - Pfingsten 2025

Kirche und Kunst in geistlicher Wechselwirkung 

Rückblick - Gedenktafel-Enthüllung an der Gustav-Adolf-Kirche Meppen

Am Pfingstsonntag 2025, es war der 8. Juni, wurde an der Evangelisch-lutherischen Gustav-Adolf-Kirche in Meppen eine besondere Bronzetafel enthüllt, die die bewegte Baugeschichte der Kirche sowie das künstlerische Schaffen von Hans Ohlms (Fenster 1967) und Jo Klose (Altarraum 1994/2017) würdigt. Die Werke dieser beiden Künstler prägen das Gotteshaus maßgeblich.

Der Tag begann um 10:00 Uhr mit einem Festgottesdienst. Im Anschluss daran beleuchtete Dr. Guido Dahl aus Nordhorn in seinem Vortrag "Verflechtung zwischen Himmel und Erde" das Wirken der beiden Künstler Hans Ohlms und Jo Klose. Gegen 12:00 Uhr, im strömenden Regen, erfolgte die Enthüllung der Bronzetafel.

Der Enkel des verstorbenen Künstlers Hans Ohlms,
Parviz Farhoudi (links), und der Künstler Jo Klose
enthüllen die Plakette.

Neben den Namen der Künstler gibt die neu angebrachte Tafel Auskunft über die Baujahre der Kirche: 1858 im neugotischen Stil errichtet und 1967 neu konzipiert und gebaut, weil eine Instandsetzung wegen immer wieder aufgetretene Kriegsschäden letztendlich nicht rentabel war. 

v.l.n.r.: Reinhold Hilbers (Nordhorn, MdL), Pastor Ralf Krüger,
Reinhardt Ohlms, Jo Klose,
Marc-André Burgdorf (Landrat), Gerd Gels (stellv. Bürgermeister)

Predigt 2025

Schrifttext: Apostelgeschichte 2 | 1. Korinther 12

Liebe Gemeinde,

die Botschaft des heutigen Gottesdienstes ist eigentlich ganz einfach. Wir müssen dafür zunächst einmal nur auf das zurückgreifen, was der Apostel Petrus in der allerersten Pfingstpredigt verkündet hat. Seine Worte waren damals glasklar: 

„Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen... diesen Mann habt ihr durch die Hand der Ungerechten ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen.“

Hier stehen wir vor dem absoluten Fundament des christlichen Glaubens: Es ist die Auferstehung Jesu von den Toten, wie sie Petrus und die Apostel bezeugen. Ohne diese Auferstehung gibt es kein Christentum. Sie ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt unserer Hoffnung.

Als die Menschen damals diese Botschaft hörten, so berichtet die Apostelgeschichte, ging es ihnen durchs Herz. Sie spürten, dass diese Nachricht sie ganz persönlich anging, und fragten: „Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?“ Und Petrus antwortete ihnen: „Tut Buße ..."

 „Tut Buße“ – das heißt übersetzt schlicht und ergreifend: „Kehrt um!“ Und wenn wir ehrlich sind, gibt es in unserer heutigen Welt wahrlich Grund genug, dass wir umkehren und uns neu orientieren. Die Stichworte dazu hat jeder von uns sofort präsent: Wir sehen den verheerenden Krieg in der Ukraine, wir sehen das Leid und den Krieg im Gazastreifen. Wir erleben, wie sich Lügen ungehindert ausbreiten, wie Verträge und Zusagen plötzlich nichts mehr gelten und immer öfter nur noch das Recht des Stärkeren triumphiert. Man ist auf den schnellen „Deal“ aus – nur noch das zählt, was im Moment nützlich erscheint. Das alles, und noch viel mehr, macht unsere Welt und das zwischenmenschliche Beisammensein kaputt. Genau in diese Wunde hinein sagt Petrus auch zu uns: Tut Buße. Kehrt um.

"... und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden ..."

Dazu gehört auch, dass wir wieder neu lernen müssen, von der „Sünde“ zu reden. Im biblischen Kontext meint Sünde eben nicht primär die kleinen, alltäglichen Verfehlungen eines Einzelnen. Es geht um einen tiefer liegenden Zustand, um eine Haltung, die den Menschen von Gott und von seiner eigentlichen Bestimmung trennt. Die Bibel beschreibt dies im mythischen Bild des Sündenfalls im Buch Genesis : „Ihr werdet sein wie Gott!“ Der Mensch will sein eigener Gott sein. Er duldet keinen Gott neben sich. Und weil das so ist, zählt eben am Ende auch all das nicht mehr, was früher einmal das Fundament des menschlichen und staatlichen Miteinanders war.

Doch Gott antwortet auf diese Sünde nicht mit Vernichtung oder Strafe. Seine Antwort ist die Vergebung. Allerdings bedeutet das nicht einfach: „Schwamm drüber, war nicht so schlimm.“ Gott verharmlost nichts. Mit den Geboten benennt er unsere Verfehlungen sehr klar, und auch Petrus spricht die Kreuzigung und die menschliche Verantwortung dafür ungeschminkt an.

Wie echte Vergebung aussieht, zeigt uns Jesus selbst. Denken wir an die Geschichte der Ehebrecherin. Zu der Szene gehörte damals natürlich auch ein Mann – doch der konnte entweder entkommen oder die anklagenden Männer ließen ihn einfach laufen. Aber diesem geflohenen Mann und allen anderen Beteiligten gilt Jesu Wort ganz genauso. Er fragt die Frau: „Hat dich niemand verurteilt?“ Sie antwortet: „Niemand.“ Und Jesus spricht: „Dann tue ich es auch nicht. Geh nach Hause und tu es nie wieder.“ Das ist christliche Vergebung: Sie deckt die Schuld nicht zu, aber sie befreit den Menschen von ihrer Last und eröffnet eine völlig neue Zukunft.

... so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“

Und genau hier schließt sich der Kreis zu Pfingsten: Der Heilige Geist schließt uns als diese begnadigten Sünder zu einer Gemeinde zusammen. Er befreit uns von unserem Egoismus, sodass wir wieder offen und vertrauensvoll auf den anderen zugehen können.

Denn Gemeinde Jesu Christi kann niemals eine One-Man- oder One-Woman-Show sein. Sie ist ein Gemeinschaftswerk. Das wird an einem Festgottesdienst wie dem heutigen besonders deutlich: Der Dienst des Predigers und der Musiker ergänzt sich zum Lob Gottes. Die Kirchenvorsteher übernehmen die Lesung. Der Küster hat im Hintergrund alles liebevoll vorbereitet, und der Hausmeister hat die Anlage um die Kirche herum herausgeputzt. Aber machen wir uns klar: Ohne die Gemeinde, ohne Sie alle, die sie heute gekommen sind, kann kein Gottesdienst gefeiert werden. Und ohne das engagierte Vorbereitungsteam im Hintergrund könnten wir uns später auch nicht so unbeschwert zum Kirchenkaffee zusammensetzen.

Wir dürfen uns heute an unserer wunderschönen Kirche erfreuen, die einst von einem Architekten klug geplant wurde. Wenn Sie heute durch die Kirchentür gehen, können Sie dort eine Plakette sehen. Auf ihr stehen zwei Namen: Hans Ohlms und Jo Klose. Hans Ohlms machte sich tiefe Gedanken über die spirituelle Gestaltung der Fenster. Jo Klose entwarf das Altarbild und gestaltete später den gesamten Altarraum. Jo Klose heute ist zusammen mit seiner Frau hier bei uns, Hans Ohlms ist mittlerweile verstorben, dafür ist sein Sohn Reinhardt zusammen mit seiner Frau und weiteren Familienangehörigen da. 

Wenn wir uns dann weiter in unserer Kirche umsehen, dann fällt der Blick auf unsere wunderschöne Orgel, die von Orgelbauern speziell für unsere Kirche gefertigt wurde. Heizungsbauer, Fliesenleger und Tischler arbeiteten bei der Renovierung 2017 mit dem Amt für Bau- und Kunstpflege und den Verantwortlichen in der Gemeinde zusammen. Das alles ist nicht selbstverständlich. Es ereignet sich in einem Landkreis und in einer Stadt, die immer noch christlich geprägt sind und sich für die Belange der Kirchen durchaus einsetzen. Landrat Burgdorf und unser stellvertretender Bürgermeister Gels sind heute bei uns. 

Der Apostel Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: 

„Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist.
Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr.
Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.

In einem jeden von uns offenbart sich dieser Geist zum Nutzen aller.“

Er teilt jedem das Seine zu, wie er will – dem Künstler die Kreativität, dem Handwerker das Geschick, den Helfern die Tatkraft und uns allen die Fähigkeit, einander im Vertrauen zu begegnen.

All das geschieht, damit auch in unserer Gegenwart Menschen das lebenspendende Wort Gottes hören und sich danach ausrichten können : Jesus Christus, Gottes Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit, gestorben und auferstanden von den Toten – uns zur Hoffnung und zum Leben.

Amen.

Pressebericht

Kirche und Kunst in geistlicher Wechselwirkung

Gedenktafel-Enthüllung an der Gustav-Adolf-Kirche Meppen

(eb) Im Anschluss des musikalisch-festlichen Pfingstgottesdienstes ist neben der Kirchentür der Gustav-Adolf-Kirche eine Gedenktafel enthüllt worden, die auf die künstlerisch bedeutsamen Besonderheiten der Kirche hinweist.

Die Gustav-Adolf-Kirchengemeinde feierte einen Gottesdienst  ganz besonderer Art, in dem sich die auf Pfingsten ausgerichtete Predigt und der sich anschließende Festakt gedanklich immer wieder aufeinander bezogen und Gottesdienst, Vortrag und die Enthüllung der Gedenktafel ineinander übergingen. In seiner Predigt stellte Pastor Krüger Pfingsten als Voraussetzung  für das Miteinander in einer Gemeinde heraus; nur wo alle mit ihren Begabungen in dem einen von Gott gegebenen Geist zusammenarbeiteten und man sich unabhängig von Sprache und Herkunft verstehe, könne man etwas bewirken und sei die Basis für Frieden gegeben - im Großen wie im Kleinen.

Daran knüpfte Dr. Guido Dahl, ehemaliger Geschäftsführer des Kulturforums Ochtrup, mehrfach in seinem Vortrag an, in dem er die Kirchenfenster aus der Hand des Künstlers Hans Ohlms (1967) und die künstlerischen Reliefs der Altar- und Wandbilder von Jo Klose (1994 und 2017) deutend würdigte, welche die Ausstrahlung des sakralen Raumes maßgeblich prägen. Sein Vortrag zog wortwörtlich mit, denn die Anwesenden folgten ihm an die einzelnen Orte der Betrachtung.

"Figürlich wie abstrakt" symbolisiere und enthülle diese kirchliche Kunst im Dienste der Verkündigung "religiöse Spannung" eines beständigen "Unterwegsseins zu einem Ziel" - so zu sehen in den 6 mal 4 geometrischen Einzelbildern der Turmfenster, deren Linien als Strahlen in einem "energetischem Zentrum" zusammenliefen bzw. von dort zu den Rändern führten. Das Spiel mit dem Licht zeige im Hell-Dunkel die Glaubensbewegung vom Zweifel zur Glaubensgewissheit. Die Vertikalfenster an der rechten Kirchenwand nähmen die Unruhe auf; in Wellenlinien verwandelt, zeigten sie das Auf und Ab "in der eschatologischen Spanne von 'Schon und noch nicht' gemäß der Offenbarung des Johannes". Im Seitenschiff reflektiere das Fenster die "geordnete Unruhe" und vermittle fühlbare Transzendenz. Schließlich lasse die Dreiergruppe der kleinen schmalen Fenster oben in der Altarwand in ihrer spezifischen Farbgestaltung die Dreifaltigkeit aufleuchten.

Auch den Holzarbeiten des Nordhorner Künstlers Jo Klose sei die Perfektion der Linienführung zu eigen, hier jedoch in expressionistischen Reliefschraffuren, die sich über die Werke legten. Die beiden Tafeln an der Eingangswand mit den auf das Wesentlich reduzierten Kreuzmodellen - deren unterschiedliche Farbgebung jeweils für die nördliche und die südliche Erdhälfte stehen - zeigten einen sich bereits vom Kreuz lösenden Christus. Die "Quintessenz des Kreuzmittelpunkts" offenbare über die irdischen Elemente hinausgehende spirituelle Wesenheit.

Beim Betreten der Kirche wird der Blick hineingezogen in die Abendmahlszene des kreuzförmigen Altarbildes, in dessen Mittelpunkt Jesus Brot und Wein zum Mahl bereitet. In den Königsfarben Rot und Blau heben sich er und die ihn umgebenden 12 Jünger plastisch vom hellen Untergrundholz ab. Mit dem sich aus Augen- und Nasenlinien ergebenden "T" stehe allen bereits die bevorstehende Kreuzigung ins Gesicht geschrieben. Ganz im Sinn von Pfingsten werde auf diesem Altarbild die babylonische Sprachverwirrung aufgehoben, da Jesu Einsetzungsworte auf Griechisch, Lateinisch, Kyrillisch, Englisch, Deutsch und Swahili weltumfassend zum Mahl einlüden, während der hebräische Text im unteren Bildteil auf die Verbindung zum jüdischen Pessachfest verweise.

Im Anschluss wurde die auf Initiative von Reinhardt Ohlms, Sohn des verstorbenen Künstlers, aus Bronze gefertigte Gedenktafel für Kirche und Künstler im Beisein der beiden Künstlerfamilien enthüllt. "Verflechtung zwischen Himmel und Erde", so der Titel, hatte alle Sinne angesprochen - Sehen und Hören, (Be)Greifen und beim anschließenden Imbiss auch das Schmecken.

Petra Heidemann

Für die größere Ansicht können die Collagen angeklickt werden. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen