Montag, 23. November 2015

1. Advent

29. November 2015

Mit dem 1. Advent beginnt eine neues Kirchenjahr. Nachdem wir am letzten Sonntag an die Menschen gedacht haben, die wir in den vergangenen Monaten beerdigen mussten, nehmen wir jetzt die neue Zeit in den Blick: In seinem Sohn Jesus Christus kommt Gott zu uns Menschen. Das ist ein Geschenk und eine Gabe und zugleich auch eine Aufgabe, die sich nicht allein auf unser eigenes Lebens bezieht, sondern die auch den Nächsten mit in den Blick nimmt.

Deshalb ist es folgerichtig, dass mit dem 1. Advent auch die evangelische Aktion "Brot für die Welt" beginnt. Das Motto für die 56. bis 58. Aktion lautet "Satt ist nicht genug".

In diesem Jahr macht sich der Kirchenkreis Emsland-Bentheim ein Projekt in Peru zu eigen:

Die Wiederentdeckung des Wunderkorns

Die Menschen in Peru mussten sich schon immer die Frage stellen: "Wie lebt man auf 3.300 Metern Höhe nur von dem, was die steinige Erde hergibt?" Schon die Inkas wussten darauf eine Antwort. Sie bauten auf den steilen Abhängen Terrassen und Bewässerungskanäle, züchteten Lamas und Meerschweinchen und verfeinerten durch gezielte Auswahl des Saatguts das Andengras zu Quinoa. Die spanischen Eroberer verboten den Anbau einheimischer Pflanzen und zwangen die unterworfenen Bauernfamilien dazu, Kühe zu halten und Weizen anzubauen. Das empfindliche Ökosystem der Anden hielt dem nicht stand, die Böden erodierten und die Andenbauern versanken in Armut. Mit Hilfe der örtlichen Partner "Diaconia" - das ist das Sozialwerk der Ev.-luth. Kirche in Peru - will Brot für die Welt die Bauern in die Lage versetzen, an die alten, für die Menschen ertragreichen Traditionen, wieder anzuknüpfen.

Wer sich einen ersten Überblick auch über das Thema des Gottesdienstes verschaffen will, erreicht mit diesem Link die Projektbeschreibung. Wenn man sich durch die Bilder klickt, erhält man weitere Informationen, die auch im Gottesdienst eine Rolle spielen werden.

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 1. Advent unter der Nummer 954.01. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Nett animiert ist der liturgische Kalender auf der Seite der bayrischen Landeskirche.

Nach dem Gottesdienst sind alle zum Kirchenkaffee eingeladen, wo es zu Kaffee und Tee auch Kuchen gibt. Danach endet in diesem Jahr der 1. Advent in der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde.

Wochenspruch:

Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sach 9, 9b)

Wochenlied:

Nun komm der Heiden Heiland (EG 4) oder
Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16)

Posaunenchor

In diesem Jahr wird wieder der Posaunenchor im Gottesdienst spielen. Insbesondere auch im Blick auf die Jungbläser wurden diese Lieder ausgesucht:

  • EG 1 - Macht hoch die Tür
  • EG 4 - Nun komm der Heiden Heiland
  • EG 7 - O Heiland, reiß die Himmel auf
  • EG 10 - Mit Ernst, o Menschenkinder
  • EG 13 - Tochter Zion

Evangelium -  Mt 21, 1-11

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! 3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. 4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): "5 Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers." 6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der? 11 Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Predigt über die Epistel - Röm 13, 8-12

Zunächst einmal werden wir über die Situation in Peru informieren. Am Beispiel von zwei Familien, die in Zusammenarbeit mit dem Projektträger DIACONÍA, sehen wir, welche Erfolge Projekte zeigen, die auf die Situation und die Gegebenheiten vor Ort eingehen und die nicht westliche Wirtschaftsmaßstäbe anlegen. 

Auf der Seite von Brot für die Welt können wir Folgendes lesen: "Diaconía ist das Sozialwerk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Peru. Durch ihre Arbeit will die Organisation zur Bekämpfung der Armut und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, insbesondere in ländlichen Regionen. Das von Brot für die Welt unterstützte Projekt richtet sich an 700 Kleinbauernfamilien in 9 Gemeinden des Departements Huánuco. In jeder Gemeinde sind jährlich unter anderem 8 Workshops geplant, in denen der Anbau von Quinoa und 5 weiteren alten Kulturpflanzen gelehrt wird.

Der Spendenbedarf für dieses Projekt beläuft sich auf 183.000 Euro.

Zum Ansatz von Brot für die Welt passt m.E. sehr gut die Epistel für den 1. Advent. Der Apostel Paulus schrieb diese Zeilen an seine Gemeinde in Rom: 

Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn was da gesagt ist (2. Mose 20,13- 17): "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren", und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefaßt (3. Mose 19,18): "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.

11 Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.

Mit dem Satz, der den ersten Abschnitt zusammenfasst "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.", legt uns Paulus den Nächsten ans Herz. Wenn wir auf dessen Lebensbedingungen achten, dann verbietet es sich irgendwann einmal von selbst, dass wir immer wieder unsere westlichen Wertmaßstäbe an Wirtschaftlichkeit, Produktion, Ertrag etc. legen. Diese Vorgehensweise ist bei den spanischen Eroberern gescheitert, in den Kolonien, die Europa bis ins 20. Jahrhundert hinein sein Eigen nannte, und diese Wirtschafts- und Denkweise scheitert gerade in wieder in der Gegenwart und ruft Terror und Flüchtlingsströme auf den Plan.

Paulus schreibt: "Die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf … Die Nacht ist vorgerückt, der Tag nahe herbeigekommen." Wenn ich diesen Satz heute lese und höre, dann geht mir durch den Sinn, dass es auch Zeit ist, endlich aufzustehen, endlich nachhaltig zu wirtschaften, endlich allen Brot und Leben zu geben. Die Zeit läuft uns davon. Es ist schon nicht mehr 5 vor 12, die Zeit ist schon viel weiter.

Paulus fordert uns auf: "So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts." Was Paulus damit konkret meint, schreibt er im folgenden Satz: “Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht …” - Fressen, Saufen, Unzucht, Ausschweifung, Hader, Eifersucht - genau diese Laster unserer Zeit schüren es doch immer wieder, dass Menschen aufeinander losgehen, dass sich sie bekriegen und terrorisieren. Einer traut dem anderen nicht mehr über den Weg und spricht es ihm ab, das Leben in dieser Welt gestalten zu können.

Wenn es nicht immer wieder Projekte gäbe, wo das Miteinander der Kulturen und der Menschen gelingt, könnte man schier verzweifeln. Auch wir vor Ort können auf kleinere Erfolge sehen. Für die letztjährige Aktion Brot für die Welt "Ruanda - Drei Farben für ein besseres Leben" konnten wir folgende Bilanz ziehen:

Kollekten in den Gottesdiensten 2014

  • 1. Advent - 429,63 €
  • Heilig Abend - 3.281,83 €
  • 1. Weihnachtstag - 220,26 €
  • Silvester - 225,74 €

Kollektensumme gesamt 4.157,46 €

Hinzu kam die Kindergartenaktion und die Sammelaktion mit den Tüten. Und bei der Adventsfeier gaben auch die Senioren der Gemeinde ihre Spende, so dass am Ende die
Gesamtsumme von 4.840,22 € stand.

Die Gustav-Adolf-Kirchengemeinde hat noch ein zweites Standbein, wenn es um das Engagement für den "fernen Nächsten" (Brot für die Welt) geht. Engagierte Menschen setzen sich dafür an, dass wir unseren Partnern in Chemchem (Tansania) helfen können. Hier sieht die diesjährige Bilanz so aus:

  • Schulgeld für 2015 - ca 8.000 €
  • Wasserpumpe - gemeinsam mit der luth. Bethlehem-Gemeinde in Meppen - 1.000 € 
  • Reparaturen von Solaranlage und Motorrad - 500 € 
  • Medikamente und Ausstattung für die Embeko Krankenstation Kondoa - 4.500 €
  • Kirchenbau mit Kreuz in Kibong'oto - wieder gemeinsam mit der luth. Bethlehem-Gemeinde in Meppen - 500 €
  • Lebensmittelhilfe - 1.000 €
Hilfe gesamt - 15.500 € - allen Spendern sei herzlich gedankt!!!

Das ist und bleibt zwar ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist etwas, wo wir Menschen eine Perspektive eröffnen. Im Kleinen machen wir genau das, was die Politiker immer wieder sagen: Wir bekämpfen die Fluchtursachen vor Ort, damit die Menschen bleiben, in ihrem Land eine Perspektive haben und dort die Gesellschaft aufbauen.

Gott begleite uns und unsere Partner - in Tansania und in Peru - weiterhin mit seinem reichen Segen. Amen.

Ewigkeits- oder Totensonntag

22. November 2015

Am Ewigkeits- oder Totensonntag - auch Gedenktag der Entschlafenen genannt - steht im Zentrum des Gottesdienstes das Gedenken an die Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres. Die Namen werden noch einmal verlesen und für jeden Verstorbene wird eine Osterkerze entzündet, Symbol der Auferstehung von den Toten. Die biblischen Texte und die Predigt sprechen von der christlichen Hoffnung, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern Gott, der seinen Sohn von den Toten auferweckt hat und der auch uns und unsere verstorbenen Angehörigen vom Tode zum ewigen Leben erweckt. 

(P.S. Die Veröffentlichung dieser Notizen erfolgt erst heute, weil am Wochenende mein Internetzugang ausgefallen war.)

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Ewigkeits- oder Totensonntag unter den Nummern 954.73 und 74. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr"; entweder man wählt "Letzter Sonntag im Kirchenjahr" oder "Gedenktag der Entschlafenen"

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Nett animiert ist der liturgische Kalender auf der Seite der bayrischen Landeskirche.

Wochensprüche:

  • Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. (Lk 12, 35 - Ewigkeitssonntag)
  • Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Ps 90, 12 - Totensonntag)

Wochenlieder:

  • Wachet auf, ruft uns die Stimme (EG 147) Ewigkeitssonntag
  • Warum soll ich mich denn grämen (EG 370) Totensonntag

Lieder für den Gottesdienst

  • EG 450 Morgenglanz der Ewigkeit 
  • Psalm EG 750 Der HERR erlöst seine Gefangenen
  • EG 382,1-3 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
  • EG 99 Christ ist erstanden
  • EG 526 Jesus, meine Zuversicht
  • EG 369 Wer nur den lieben Gott lässt walten
  • EG 216 Du hast uns Leib und Seel gespeist

Epistel - 1. Thessalonicher 4,13-18 - Von der Auferstehung der Toten

Den Text der Epistellesung für den heutigen Ewigkeitssonntag haben viele von Ihnen schon auf dem Friedhof am Grab eines Angehörigen gehört, wenn Sie Abschied nehmen mussten von Ihren Lieben. Der Text steht im 1. Brief des Apostel Paulus an die Thessalonicher im 4. Kapitel. 

13 Wir wollen euch aber, liebe Schwestern und Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. 14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen. 15 Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind. 16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. 17 Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. 18 So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

Predigtnotizen zu 1. Kor 15, 35-38.42-44a

49 Namen haben wir gehört - 49mal sind wir hinter einem Sarg oder einer Urne gegangen - mancher starb alt und lebenssatt - mancher viel zu früh

Immer haben wir den Trost der Heiligen Schrift von der Auferstehung der Toten gehört. “Wir wollen euch, liebe Schwestern und Brüder nicht im ungewissen lassen über die, die entschlafen sind …” 

Oft kommt die Frage, wie wir uns das vorstellen können, dass wir auferstehen und wir uns wiedersehen werden. Das hat auch schon die ersten Christen beschäftigt. Der Apostel Paulus antwortet im Brief an die Korinther auf diese Frage. 

Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. 37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. 38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. 42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.

Paulus greift auf die Erfahrungen der Menschen in der Bestellung ihrer Gärten zurück. “Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt.” So ähnlich hatte es auch schon Jesus gesagt: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.” (Joh 12,24)
  • Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 
  • 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. 
  • Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 
  • 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.
Wenn das unsere Hoffnung ist, dann spüren wir nach wie vor den Schmerz über den Verlust eines liegen Menschen - diesen Schmerz kann nichts in der Welt auslöschen - aber wir wissen unsere Lieben bei Gott geborgen. 

Und wir vertrauen darauf, dass auch wir einst bei Gott geborgen sein werden. 

Wenn das unser Lebensweg ist, dann dürfen wir jeden Tag als ein Geschenk aus Gottes Hand empfangen. Dieses Geschenk aber auch gestalten. 

Dienstag, 17. November 2015

Buß- und Bettag

18. November 2015

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Buß- und Bettag unter der Nummer 954.72. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Nett animiert ist der liturgische Kalender auf der Seite der bayrischen Landeskirche.

Wochenspruch:

Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben. (Spr 14, 34)

Wochenlied:

Aus tiefer Not lasst uns zu Gott (EG 144) oder
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (EG 146)

Lieder für den Gottesdienst

EG 76,1-2 O Mensch bewein dein Sünde groß
EG 382,1-3 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
Psalmgebet - EG 727
EG 355,1.2.5 Mir ist Erbarmung widerfahren
Da wohnt ein Sehnen tief in uns
Wenn das Brot, das wir teilen

Epistel: Röm 2, 1-11 - wird nicht gelesen

Darum, oh Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest. 2 Wir wissen aber, dass Gottes Urteil recht ist über die, die solches tun. 3 Denkst du aber, oh Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst? 4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? 5 Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, 6 der einem jeden geben wird nach seinen Werken: 7 ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; 8 Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit; 9 Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die Böses tun, zuerst der Juden und ebenso der Griechen; 10 Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden allen denen, die Gutes tun, zuerst den Juden und ebenso den Griechen. 11 Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.

Evangelium und Predigttext: Lk 13, (1-5) 6-9

Warum?

Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. 2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? 3 Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen. 4 Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? 5 Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.

Das Gleichnis vom Feigenbaum 

6 Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. 7 Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum, und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft? 8 Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; 9 vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.

Predigtidee

Spätestens seit Samstagvormittag sind wir im Schockzustand. Wir sind entsetzt über die Terroranschläge von Paris. 

Das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden ist abgesagt worden. Das teilte am Dienstagabend die Polizei in Hannover mit, nannte aber zunächst keine weiteren Gründe. 

... wenn ihr nicht Buße tut

ἐὰν μὴ μετανοῆτε - Metanoia
Der Duden (http://www.duden.de/rechtschreibung/Metanoia) bietet folgende Bedeutungen:

  • (Religion) innere Umkehr, Buße
  • (Philosophie) Änderung der eigenen Lebensauffassung, Gewinnung einer neuen Weltsicht
  • in der orthodoxen Kirche Kniebeugung mit Verneigung bis zur Erde
Bei Wikipedia lesen wir: https://de.wikipedia.org/wiki/Bu%C3%9Fe_(Religion)

Die Wörter, die in verschiedenen Sprachen für diesen Begriff gebraucht werden, haben in der jeweiligen Alltagssprache sehr unterschiedliche Bedeutungen, was leicht zu Missverständnissen führen kann.

  • Das griechische Wort, das im Neuen Testament mit Buße übersetzt wird, ist μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ oder „nach“, wörtlich also etwa: „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“.
  • Der hebräische Begriff שוב schub, der in der Septuaginta mit metanoia übersetzt wird, umfasst eine Umkehr zu Gott nicht nur im Denken, sondern in der ganzen Existenz, was die Veränderung des Verhaltens, vor allem aber auch Gehorsam gegenüber Gott, neues Vertrauen zu ihm ebenso einschließt wie die Abkehr von allen bösen und widergöttlichen menschlichen Neigungen und Schwächen.
  • Ins Lateinische wurde metanoia mit paenitentia, „Reue, Buße“, übersetzt, häufig abgeschliffen zu poenitentia und unzutreffend abgeleitet von poena, „Strafe“.
  • Im Deutschen wurde das Wort Buße verwendet, das sprachlich mit baß, „besser“, verwandt ist und ursprünglich „Nutzen, Vorteil“ bedeutet. Es bezeichnete also die Genugtuung des Sünders gegenüber Gott, woraus sich die jetzige (untheologische) Bedeutung „von außen auferlegte Strafe oder Wiedergutmachung, die unabhängig von der inneren Einstellung ist“ entwickelt. Luther betonte wieder mehr den „Schrecken und gläubige Reue“.

Frucht der Buße

Gal 5,22: Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Besonnenheit (Keuschheit).

Wie viel Zeit haben wir noch?

Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.

Sonntag, 8. November 2015

Drittletzer Sonntag im Kirchenjahr

8. November 2015

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr unter der Nummer 954.70. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Nett animiert ist der liturgische Kalender auf der Seite der bayrischen Landeskirche.

Wochenspruch:

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2. Kor 6, 2b)

Wochenlied:

Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152) oder
Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518)

Lieder für den Gottesdienst

Meine Zeit steht in deinen Händen
736 Psalm 91 Der Herr ist meine Zuversicht
382,1-3 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
152,1-4 Wir warten dein, o Gottessohn, und lieben dein Erscheinen
Wenn das Brot das wir teilen
593,1-2 Harre, meine Seele

Epistel: Röm 14, 7-9

Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. 8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.

Evangelium: Lk 17, 20-24 (25-30)

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; 21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. 23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! 24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. 25 Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. 26 Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: 27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. 28 Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. 30 Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.


Predigtidee

Wann kommt das Reich Gottes - Jesus hatte gepredigt: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Jetzt wollten sie es sehen - ganz konkret.

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; 21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Die Pharisäer werden gefragt haben: Ja, wo denn? Wir können es nicht sehen! - Denen ging es wie allen anderen: Von außen betrachtet, quasi neutral, kann man mit Gott nichts anfangen.

1961 umkreiste Juri Gagarin als erster Mensch im All die Erde. Der sowjetische Kosmonaut war 108 Minuten lang durch den Weltraum geflogen. Auf die Frage, ob er denn im Weltall Gott begegnet sei, antwortete Gagarin, er habe gesucht und gesucht, aber Gott nicht gefunden.

Gibt man die Frage der Pharisäer bei Google ein, so verweisen zahlreiche Links auf gerade diese Bibelstelle. Man kommt eben nicht zu Zahlenberechnungen.

Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Lk 11,20 Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. In dem, was Jesus tat, konnten die Menschen Gott entdecken. Krankenheilungen - Totenerweckungen - Speisewunder - Zöllner Zachäus: Gott hatte ihn besucht - Zuhörer bei den Predigten

Wann und wo erleben wir das Reich Gottes heute? Wenn wir unseren Glauben leben - im Gebet - im Hören auf Gottes Wort - durchaus auch bei Heilung und Bewahrung in Krankheit - wenn beim Konfirmandenunterricht mir etwas klar wird - wenn ich eine gute Gemeinschaft spüren - wenn ich merke, die Teamer und der Pastor stehen zu dem, was sie sagen

22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. 23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! 24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

Wann begehrt man etwas, wann sehnt man sich aus tiefstem Herzen nach etwas? Wenn es nicht da ist, wenn das Gegenteil Herrschaft, wenn Chaos ist, wenn die Welt mit ihren Problemen einem über dem Kopf zusammenschlägt. Dann kommen immer wieder die auf den Plan, die einfache Lösungen anbieten, schwarz weiß malen, die in gut und Böse aufteilen. “Lauft ihnen nicht nach”, sagt Jesus.

Wenn er dann das Reich Gottes mit einem Blitz vergleicht, der von einem zum anderen Horizont aufzuckt, dann macht er deutlich, dass das Reich Gottes auch nicht nur einfach Friede und Freude ist. Und wie ein Blitz unseren Augen auch wieder entschwindet, so verfügen wir über unseren Glauben auch nicht als einen festen Besitz. Wie bei einem Gewitter gibt es auch Erstaunen, Bewunderung und Furcht parallel zueinander.

25 Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. 26 Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: 27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. 28 Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. 30 Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.

Keine Drohung - kein Angstmachen oder den anderen klein halten - Konfirmanden erinnern sich an Johannes den Täufer. Die, die im Reich Gottes Leben, müssen die Drohung nicht hören. Die anderen nehmen entweder überhaupt nichts wahr. Oder sie sind wie Goethes Faust, der Ostern die Engelsbotschaft von der Auferstehung wohl noch hört:

(Chor der Engel:)
Christ ist erstanden!
Selig der Liebende,
Der die betrübende,
Heilsam und übende
Prüfung bestanden.

Faust:

Was sucht ihr, mächtig und gelind,
Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt ...

Jesus beschreibt, was auf die, die an ihn glauben, zukommt. Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.

Und Jesus ist ein Realist. Eigentlich ist es seine und unserer tiefste Hoffnung, dass irgendwann alle Menschen an Gott glauben, dass es Friede sein wird auf Erden - so, wie wir die Engel auf dem Feld von Bethlehem verstehen - jeder kapiert es irgendwann früher oder später. 26 Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: 27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. 28 Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. 30 Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.

Pred 3, 12 Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. 13 Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

“... fröhlich sein und sich gütlich tun  - essen und trinken” - nach mir die Sintflut
oder: guten Mut haben bei allen Mühen - auf Gott vertrauen - so leben, als sei Gottes Reich mitten unter uns - das ist eine Gabe Gottes.

Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. - Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2. Kor 6, 2b)

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Reformationstag

31. Oktober 2015

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Reformartionstag unter der Nummer 954.68. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Nett animiert ist der liturgische Kalender auf der Seite der bayrischen Landeskirche.

Wochenspruch:

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Kor 3, 11)

Wochenlied:

Nun freut euch, lieben Christen g'mein (EG 341 - auch in Rev. 2014) oder
Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich (EG 351 - nicht in Rev. 2014)
Rev. 2014: Die ganze Welt hast du uns überlassen (EG 360)

Liedvorschläge für den Gottesdienst (geändert am 30.10.)

572,1-2 -  Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt
725 - Psalm 46 Gott ist unser Schutz
351,1-4 - Ist Gott für mich, so trete
362,1-3 - Ein feste Burg ist unser Gott
652 - Ich glaube an Gott, den Vater
572,3-5-  Im Schiff, das sich Gemeinde nennt

Epistel: Röm 3, 21-28

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. 25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26 begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.
27 Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28 So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Evangelium: Mt 5, 2-10 (11-12)

Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Predigtidee

Eigentlich wäre das Evangelium auch der Predigttext für den Reformationstag. Zugegebenermaßen habe ich es immer wieder schwer, die Seligpreisungen mit dem Anliegen dieses Tages zusammenzubringen. Bei Wikipedia kann man zum Stichwort "Reformation" lesen: "Anfänglich war die Bewegung ein Versuch, die römisch-katholische Kirche zu reformieren. Viele Katholiken in West- und Mitteleuropa waren beunruhigt durch das, was sie als falsche Lehren und Missbrauch innerhalb der Kirche ansahen, besonders in Bezug auf die Ablassbriefe. Ein weiterer Kritikpunkt war die Käuflichkeit kirchlicher Ämter (Simonie), die den gesamten Klerus in den Verdacht der Korruption brachte." (https://de.wikipedia.org/wiki/Reformation) Allerdings frage ich mich auch, wie ich diesen historischen Hintergrund auf die Gegenwart beziehen soll. Die damaligen Kritikpunkte "Ablass" und "Simonie" spielen heute doch kaum noch eine Rolle. 

Wiederherstellung, Erneuerung, Umgestaltung, Verbesserung

Wenn Reformation "Wiederherstellung, Erneuerung" (Wikipedia a.a.O.) oder auch "Umgestaltung, Verbesserung" (Langenscheidts Handwörterbuch 1975) bedeutet, dann ist zu fragen, was heute "dran" ist.

Ich glaube ...

In den letzten Tagen ist mir der Gedanke gekommen, dass es nicht einzelne Aspekte unserer Kirche sind, die "reformiert" werden müssen - natürlich gäbe es hier viel anzupacken. Aber ich denke, dass wir viel grundsätzlicher fragen müssen, dass es der christliche Glaube an sich ist, der in unserer Gegenwart dringend der Erneuerung und Stärkung bedarf. Wenn ich das Stichwort des "Traditionsabbruchs" vor Augen habe, dann muss ich fragen, was Menschen überhaupt noch glauben, was sie vom christlichen Glauben noch wissen. Darüber hinaus ist zu fragen, wo ich in unserem z.Zt. so sehr beschworenen "christlich-jüdisch Abendland" spüre, dass sich politische und gesellschaftliche Entscheidungen am Wort Gottes, an seinen Geboten ausrichten? Heißt nicht vielmehr die erste Frage immer: "Was kostet es?"

Gott, der Schöpfer

In der Predigt will ich auf das Glaubensbekenntnis eingehen. Der erste Artikel spricht von Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erden. In seiner Erklärung führt Martin Luther dazu im Kleinen Katechismus aus: "Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält ..." (https://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/kleiner_katechismus_2.html) Wenn wir Menschen zur Schöpfung gehören, dann sind wir ein Teil ihrer und dürfen sie nicht mit Füßen treten und ausbeuten.

Gott, der Sohn

Der zweite Artikel spricht von Gott, dem Sohn. Der zeichnet mit seinem Leben, seinem Leiden und Sterben meinen irdischen Weg in dieser Welt vor. Aber am Ende steht nicht der Tod - aus, vorbei, nach mir die Sintflut - sondern die Auferstehung und das ewige Leben. Damit ich dies erkennen kann, dafür ist der Sohn gestorben und auferstanden. Noch einmal Martin Luther: "... damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit". (a.a.O.)

Gott, der Heilige Geist

Damit wir Menschen auf diesen Weg mit Gott kommen, hat der seinen Heiligen Geist in die Welt gesandt. Jetzt sind wir beim dritten Artikel des Glaubensbekenntnisses, zu dem Martin Luther schrieb: "Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten ..." (a.a.O.)

Reformation heute

Diesen Glauben heute wieder neu für mich zu entdecken, das bleibt in meinen Augen das wichtigste Ziel einer gegenwärtigen Reformation der (evangelischen) Kirche. 

Sonntag, 18. Oktober 2015

21. Sonntag nach Trinitatis

25. Oktober 2015


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 21. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.65. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Nett animiert ist der liturgische Kalender auf der Seite der bayrischen Landeskirche.

Konfirmationsjubiläum

Am Sonntag vor dem Reformationsfest feiern wir in der Gustav-Adolf-Kirche traditionell ein Konfirmationsjubiläum. In diesem Jahr sind diejenigen eingeladen, deren Konfirmation 50, 60, 65 oder noch mehr Jahre zurückliegt. Also feiern wir das Goldene, das Diamantene und das Eiserne Konfirmationsjubiläum. Im nächsten Jahr 2016 sind dann übrigens am 30. Oktober die Silbernen Konfirmanden eingeladen, also diejenigen, die vor 25 Jahren konfirmiert wurden.

Treffpunkt

Wir treffen uns am Sonntagmorgen ab 9.30 Uhr im Gemeindehaus. Diejenigen, die als erste mit dem Auto zur Kirche kommen, können auf dem Gemeindeparkplatz vor der Superintendentur parken (Auffahrt hinter der Bushaltestelle Herzog-Arenberg-Straße gegenüber dem Hotel Pöker). Wenn dieser Parkplatz belegt ist (12 Plätze), müssen die anderen ausweichen. Dabei kann der Parkplatz des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes nicht mehr genutzt werden. Am Sonntag kann man in der Bahnhofstraße kostenlos parken. Eine weitere Möglichkeit ist der Bereich der Hafenstraße. Von dort aus erreicht man die Gustav-Adolf-Kirche schnell zu Fuß, wenn man beim Blumenhaus Moss die Fußgängerbrücke nutzt.

Zum Gottesdienstbeginn um 10.00 Uhr werden wir unter Orgelspiel gemeinsam in die Kirche einziehen. Die (Ehe-)Partner dürfen die Jubilare beim Einzug gern begleiten und mit vorn in den ersten reservierten Reihen sitzen.

Musikalischer Gottesdienst

Da das Konfirmationsjubiläum auf den vierten Sonntag im Monat fällt, soll die Kirchenmusik eine Rolle spielen. Gibt es vielleicht ein Lied, das die Jubilare von ihrer Konfirmationszeit in Erinnerung haben und das sie gern im Gottesdienst singen würden? Auch wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden können, werden wir doch den einen oder anderen Vorschlag aufnehmen können.

Einsegnung und Abendmahl

Nach der Predigt werden die Jubilare gebeten nach vorn zu kommen wie bei der Konfirmation damals. Ich verlese die Urkunden und spreche Ihnen unter Handauflegung Gottes Segen zu. Knien müssen Sie nicht, weil ich denke, dass den Älteren unter den Jubilaren das Aufstehen schwer fallen würde. Wir feiern in diesem Festgottesdienst auch das Abendmahl, zu dem ausdrücklich alle eingeladen sind - auch über Konfessionsgrenzen hinweg - , denn es ist Jesus Christus, der uns zu seinem Tisch ruft.

Kirchenkaffee, Mittagessen und Zusammenkunft am Nachmittag

Nach dem Gottesdienst gibt es wie üblich im Gemeindehaus Kirchenkaffee. Um das Mittagessen kümmert sich bitte jeder selbst. Wir laden Sie dann wieder fürs Kaffeetrinken um 15.00 Uhr ins Gemeindehaus ein. Da soll es auch um den Austausch von Erinnerungen gehen. Deshalb ist es schön, wenn der eine oder andere seine Konfirmationsurkunde oder andere Unterlagen mitbringt (Kleiner Katechismus, Gesangbuch, Hausaufgabenheft etc.). Wir haben im Gemeindehaus die Möglichkeit, diese Dinge zu fotografieren oder einzuscannen, um sie dann allen mit einem Beamer zeigen zu können. Außerdem möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick geben, wie ich den Konfirmandenunterricht heute gestalte. Spätestens gegen 17.30 Uhr werden wir uns dann wieder voneinander verabschieden.

Wochenspruch:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12, 21)

Wochenlied:

Ach Gott, vom Himmel sieh darein (EG 273 - nicht in Rev. 2014) oder
Zieh an die Macht, du Arm des Herrn (EG 377 - nicht in Rev. 2014)
Rev. 2014: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326)
Rev. 2014: Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)

Liedvorschläge für den Gottesdienst

Es ist musikalischer Gottesdienst. Wir wollen die alten Kirchenlieder singen, die die Jubilare von früher kennen. Wir hoffen, dass sich der eine oder die andere im Lauf dieser Woche noch meldet und Liederwünsche äußert.

Gottesdienstablauf


  • Einzug der Jubilare, dazu musikalisches Vorspiel
  • Begrüßung und Abkündigungen
  • 1. Lied 445, 1.2.4 Gott des Himmels und der Erden
  • Psalmgebet 720 Befiehl dem Herrn deine Wege
  • Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
  • Kyrie eleison
  • Gruß und Eingangsgebet
  • Epistellesung und Halleluja
  • 2. Lied 329,1-3 Bis hierher hat mich Gott gebracht
  • Predigt
  • 3. Lied 346,1.2.4 Such, wer da will, ein ander Ziel
  • Einsegnung der Jubilare
  • 4. Lied 320,1-5 Nun lasst uns Gott, dem Herren
  • Abendmahl
  • 5. Lied 398,1-2 In dir ist Freude
  • Fürbitte
  • Segen
  • Musikalisches Nachspiel
  • Auszug aus der Kirche


Epistel Eph 6, 10-17

Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. 11 Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. 12 Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. 13 Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. 14 So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, 15 und an den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens. 16 Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, 17 und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

Evangelium und Predigttext: Mt 5, 38-48

Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): "Auge um Auge, Zahn um Zahn." 39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. 40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. 41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. 42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (3. Mose 19,18): "Du sollst deinen Nächsten lieben" und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? 48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Erste Predigtidee

Auf Gottes Wort hören und danach leben (vgl. den vergangenen 20. Sonntag nach Trinitatis), das schließt auch das Zusammenleben mit denen ein, die ich gar nicht mag. Der Wochenspruch vom 21. Sonntag nach Trinitatis macht uns klar, dass Agression nur zur Eskalation beiträgt. Der Apostel Paulus hält dagegen: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12,21)

Was Jesus uns dann zu diesem Gedanken in der Bergpredigt sagt, ist im ersten Augenblick schon eine Zumutung: Wenn ich geschlagen werde auch die andere Wange hinhalten, wenn mich jemand über den Tisch ziehen will, ihm nachgeben, dem geben, der von mir etwas haben will. Und dann die Aufforderung: Liebt eure Feinde!

Allerdings das ist auch klar: Mit dem Einsatz von Stärke und Gewalt kommen wir auch nicht weiter. Ein einziges Mal ein kriegerischer Sieg zum Friedens geführt. Das war der Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland. Mit Hilfe der Siegermächte ist es den Menschen in Deutschland über die Jahre gelungen, die Zukunft wieder aufzubauen. Alle anderen Kriege, die ich vor Augen habe, haben nur neue Gewalt hervorgerufen und zu keinem Ziel geführt: Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Ägypten, Lybien, Jemen, Saudi Arabien, Israel und Palästina - und es gibt noch viele Länder.

Die Folgen dieser gewalttätigen Auseinandersetzungen spüren wir im Augenblick hautnah. Und hinzu kommen die Folgen einer ausbeuterischen Wirtschaftspolitik, die allein auf das Kapital und den Gewinn zielt. Auge um Auge, Zahn um Zahn; den Nächsten lieben, den Feind hassen - damit kommen wir nicht weiter.

Sonntag, 11. Oktober 2015

20. Sonntag nach Trinitatis

18. Oktober 2015


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 20. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.64. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Nett animiert ist der liturgische Kalender auf der Seite der bayrischen Landeskirche.

Am 20. Sonntag nach Trinitatis hören wir, dass Gottes Gebot auch den alltäglichen Lebensbereich durchdringt. Konkret geht es diesmal um das 6. Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen." Oft meinen wir, Gottes Gebote einzuhalten gehe heute gar nicht mehr. Aber der Prophet Micha macht deutlich, dass wir uns nicht herausreden können. Wir lesen:

Wochenspruch:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6, 8)

Wochenlied:

Wohl denen, die da wandeln (EG 295 (nicht in Rev. 2014)
Rev. 2014: Es kennt der Herr die Seinen (EG 358)
Rev. 2014: Meinem Gott gehört die Welt (EG 408)

Liedvorschläge für den Gottesdienst

EG 398 - In dir ist Freude (1-2)
EG 748 - Psalm 119
EG 295 - Wohl denen, die da wandeln (1-4)
EG 238 - Herr, vor dein Antlitz treten zwei (1-3)
EG 376 - So nimm denn meine Hände (1-3)
EG 391 - Jesu, geh voran (1-4)

Im Predigttext geht es um die Ehe und um die Frage, ob es eine Scheidung geben kann. Alle Lieder werden und wurden im Zusammenhang mit einer kirchlichen Trauung gesungen. Sie sprechen von der Freude, aber auch von der ernsten Seite des Lebens, sie beschreiben das Vorhaben eines Paares, gemeinsam durchs Leben zu gehen und sie beziehen Gottes Segen auch in schwierigen Zeiten mit ein.

Epistel 1. Thess 4, 1-8

Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut -, dass ihr darin immer vollkommener werdet. 2 Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. 3 Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht 4 und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, 5 nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. 6 Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. 7 Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. 8 Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist in euch gibt.

Evangelium und Predigttext: Mk 10,2-12(13-16)


Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. 3 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? 4 Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. 5 Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; 6 aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. 7 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, 8 und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

10 Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach. 11 Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; 12 und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.

13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. 14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Erste Predigtidee


Auf meiner Konfirmandenseite habe ich versucht, die Evangeliumslesung nachzuerzählen. Ich denke, dass ich mich daran in der Predigt auch orientieren werden. Da ist auf der einen Seite die menschliche Praxis, dass Ehen geschieden werden - schon im alten Israel. Auf der anderen Seite steht Jesu klare Aussage: Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.


Nacherzählende Erklärung des Predigttextes


Der heutige Text aus dem Markusevangelium Kapitel 10 die Verse 2-12 macht es uns nicht leicht. Er nimmt zu einem Thema Stellung, das bis heute oder gerade heute viele Familien betrifft. Es geht um die Ehescheidung und damit auch um das 6. Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen". Offensichtlich war das schon zu Zeiten Jesu ein Problem. Und nimmt man dann bei Markus die nächsten Verse noch dazu (Mk,10,13-16), dann sieht man, wen eine Scheidung am härtesten trifft, die Kinder. Das steht zwar nicht wörtlich in diesem Text. Aber wenn Markus die Kindersegnung unmittelbar zu dem Text stellt, wo es um die Ehescheidung geht, dann will er damit zeigen, dass Kinder ganz viel Zuwendung brauchen, damit sie sich entwickeln und selbstständig und selbstbewusst ihren eigenen Weg suchen und gehen können.

Aber beginnen wir von vorn. Am Anfang einer Ehe steht die Hochzeit. Das Brautpaar empfängt Gottes Segen. Und zusammen mit Verwandten und Gästen wird ein rauschendes Fest gefeiert. Alles ist wunderbar. So ist das auch heute, wenn zwei Menschen einander versprechen, gemeinsam durchs Leben zu gehen.

Leider vergessen viele, dass das gemeinsame Leben nicht allein aus ausgelassener Freude und Tanzen besteht. Im Alltag müssen Aufgaben bewältigt werden, die manches Mal auch keinen Spaß machen. An diesen Aufgaben kann eine Beziehung zwar wachsen, manches Mal aber auch zerbrechen, wenn sich alle überfordert fühlen. Das wurde schon zu Zeiten des Alten Testaments erlebt. Im schlimmsten Fall ist es dann vielleicht auch ein gangbarer Weg, wenn eine Ehepaar sich trennt. Wahrscheinlich war deshalb dieser Vers ins 5. Buch Mose aufgenommen worden: "Wenn jemand eine Frau zur Ehe nimmt und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen, weil er etwas Schändliches an ihr gefunden hat, und er einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause entlässt ..." (5. Mose 24,1)

Über diesen Vers wollten Pharisäer mit Jesus diskutieren. Luther schreibt dazu: "... sie versuchten ihn damit" (Mk 10,2), d.h. sie wollten ihn aufs Glatteis führen. Offensichtlich hatten sie gehört, dass Jesus sich bei anderer Gelegenheit gegen die Ehescheidung ausgesprochen hatte. Wenn sie ihn noch einmal zu dieser Aussage verleiten konnten, dann konnten sie ihm belegen, dass er gegen die Heiligen Schriften aus den Büchern Mose verstieß. Und das durfte der Messias, der Gesandte Gottes nicht tun!

Es war nicht das erste Mal, dass fromme Juden Jesus so auf die Probe stellen wollten. Er konnte dem auch gut begegnen, indem er sich seinerseits auf die Heilige Schrift bezog und die Pharisäer gleich bei der Bibelstelle packte, die sie selbst gegen Jesus wenden wollten. "Was hat euch Mose geboten?", das war Jesu Frage. Die Frommen müssen überrascht gewesen sein. Genau das hatten sie doch gegen Jesu Position anführen wollen, um zu verdeutlichen, dass eine Scheidung erlaubt sei. "Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden", war also die Antwort der Pharisäer. Welche Bibelstelle hier gemeint war, habe ich oben schon zitiert - 5. Mose 24,1.

Jesus nimmt diesen Faden auf: "Richtig", sagt er, "Mose hat die Ehescheidung erlaubt. Das hat er aber nur gemacht, weil er eure harten Herzen kannte, weil er wusste, dass Eheleute es sich manchmal so schwer machen, als ob sie miteinander einen Krieg führen. Da ist es dann vielleicht besser, wenn man sich trennt, als dass jeder Tag zur Hölle wird." Aber das ist nicht die Position Jesu und spiegelt auch nicht Gottes Willen wieder. Jesus greift deshalb seinerseits eine Bibelstelle auf, und zwar einen Satz aus dem 1. Schöpfungsbericht. "... von Beginn der Schöpfung an hat Gott den Menschen geschaffen als Mann und Frau". Und er fügt dann einen Satz aus dem 2. Schöpfungsbericht hinzu: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen und die zwei werden ein Fleisch sein ..." (Mk 10,8f; vgl. 1. Mose 1,27 [Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.] und 1. Mose 2,24 [Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein "ein" Fleisch.])

Der Bibelstelle der Pharisäer setzt Jesus mit dem Verweis auf die Schöpfung Bibelstellen entgegen, die nach seiner Interpretation die Absicht Gottes mit Frau und Mann viel besser beschreiben als das Zitat von Mose, der aus menschlichen Erwägungen die Ehescheidung erlaubt - sie ist manches Mal das kleinere Übel. Aber Gottes Wille ist das für ein Ehepaar nicht. Wenn Jesus davon spricht, dass Mann und Frau ein Fleisch werden, so hat er das biblische Bild vor Augen, dass Gott Eva aus der Rippe Adams schuf. Und das ausdrücklich, weil Adam im Gegensatz zu den Tieren sonst kein Gegenüber hatte und sich ausdrücklich dieses Gegenüber wünschte. Als er seine Frau erkennt, stellt er fest: "... Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch ..." (1. Mose 2,23) "Und wenn das so ist", sagt Jesus, "dass Gott Frau und Mann zusammengeführt hat, dann soll der Mensch die Ehe nicht scheiden."

Damit wird das Gespräch mit den Pharisäern beendet gewesen sein, aber das Thema war noch nicht durch. Die Jünger von Jesus hatten genau zugehört und die hatten ihre Frage. "Was ist eigentlich, wenn Geschiedene wieder heiraten?" Das kam doch vor. Und wer weiß, vielleicht war auch einer Jünger geschieden und hatte wieder geheiratet. Jesus bleibt bei seiner eindeutigen Position, dass die Scheidung nicht in Gottes Sinn ist, dass die Ehe nach einer rechtsgültigen Scheidung tatsächlich ein Ehebruch ist und gegen das 6. Gebot verstößt. "Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; 12 und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe."

Dass dies tatsächlich die Position von Jesus gewesen sein muss, macht ein Satz des Apostel Paulus deutlich, den er etwa 30 Jahre später in der 2. Hälfte der 50er Jahre nach Christus seiner Gemeinde in Korinth schreibt: "Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass die Frau sich nicht von ihrem Manne scheiden soll - hat sie sich aber geschieden, soll sie ohne Ehe bleiben oder sich mit ihrem Mann versöhnen - und dass der Mann seine Frau nicht verstoßen soll." (1. Korinther 7,10f)


Wie gehen wir heute mit der Ehescheidung um? Sie ist vielleicht um des "Herzens Härte willen" ein Weg, den manches Ehepaar beschreiten muss. Aber dem Willen Gottes und der Vorstellung Jesu entspricht das nicht. Vielleicht ist es in Krisensituationen hilfreich, wenn sich das Ehepaar an den Anfang des gemeinsamen Weges erinnert, wie man sich verliebt traf, wie man beschloss, gemeinsam durchs Leben zu gehen und zu heiraten, und wie man dann in der Trauung Gottes Segen empfing. Vielleicht kann diese Erinnerung Kraft gegen für einen neuen Anfang.