Freitag, 25. Oktober 2019

19. Sonntag nach Trinitatis

27. Oktober 2019


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 19. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.63. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Konfirmationsjubiläum

Am Sonntag vor dem Reformationsfest feiern wir in der Gustav-Adolf-Kirche traditionell ein Konfirmationsjubiläum. In diesem Jahr sind diejenigen eingeladen, deren Konfirmation 50, 60, 65 oder noch mehr Jahre zurückliegt. Also feiern wir das Goldene, das Diamantene und das Eiserne Konfirmationsjubiläum. Im nächsten Jahr 2020 sind dann übrigens am 25. Oktober die Silbernen Konfirmanden eingeladen, also diejenigen, die vor 25 Jahren konfirmiert wurden.

Treffpunkt

Wir treffen uns am Sonntagmorgen ab 9.30 Uhr im Gemeindehaus (Achtung: Die Zeit wird umgestellt! Wir haben eine Stunde mehr Zeit!). Diejenigen, die als erste mit dem Auto zur Kirche kommen, können auf dem Gemeindeparkplatz vor der Superintendentur parken (Auffahrt hinter der Bushaltestelle Herzog-Arenberg-Straße gegenüber dem Hotel Pöker). Wenn dieser Parkplatz belegt ist (12 Plätze), müssen die anderen ausweichen. Dabei kann der Parkplatz des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes nicht mehr genutzt werden. Am Sonntag kann man in der Bahnhofstraße kostenlos parken. Eine weitere Möglichkeit ist der Bereich der Hafenstraße. Von dort aus erreicht man die Gustav-Adolf-Kirche schnell zu Fuß, wenn man beim Blumenhaus Moss die Fußgängerbrücke nutzt.

Zum Gottesdienstbeginn um 10.00 Uhr werden wir unter Orgelspiel gemeinsam in die Kirche einziehen. Die (Ehe-)Partner dürfen die Jubilare beim Einzug gern begleiten und mit vorn in den ersten reservierten Reihen sitzen.

Lieder aus "alter Zeit"

317,1.2.4 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
Psalmgebet 720 Befiehl dem Herrn deine Wege (Ps 37)
324,1-3.6-7 Ich singe dir mit Herz und Mund
362,1-3 Ein feste Burg ist unser Gott
329,1-3 Bis hierher hat mich Gott gebracht
376,1-3 So nimm denn meine Hände

Einsegnung und Abendmahl

Nach der Predigt werden die Jubilare gebeten nach vorn zu kommen - wie bei der Konfirmation damals. Ich verlese die Urkunden und spreche Ihnen unter Handauflegung Gottes Segen zu. Wir feiern in diesem Festgottesdienst auch das Abendmahl, zu dem ausdrücklich alle eingeladen sind - auch über Konfessionsgrenzen hinweg - , denn es ist Jesus Christus, der uns zu seinem Tisch ruft.

Kirchenkaffee, Mittagessen und Zusammenkunft am Nachmittag

Nach dem Gottesdienst gibt es wie üblich im Gemeindehaus Kirchenkaffee. Um das Mittagessen kümmert sich bitte jeder selbst. Wir laden Sie dann wieder fürs Kaffeetrinken um 15.30 Uhr ins Gemeindehaus ein. Da soll es auch um den Austausch von Erinnerungen gehen. Deshalb ist es schön, wenn der eine oder andere seine Konfirmationsurkunde oder andere Unterlagen mitbringt (Kleiner Katechismus, Gesangbuch, Hausaufgabenheft etc.). Wir haben im Gemeindehaus die Möglichkeit, diese Dinge zu fotografieren oder einzuscannen, um sie dann allen mit einem Beamer zeigen zu können. Außerdem möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick geben, wie ich den Konfirmandenunterricht heute gestalte. Spätestens gegen 17.30 Uhr werden wir uns dann wieder voneinander verabschieden.

Wochenspruch:

Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jer 17, 14)

Wochenlied:

Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324)
Da wohnt ein Sehnen tief in uns (Singt Jubilate 128 / fT 25)

Gottesdienstablauf

  • Einzug der Jubilare, dazu musikalisches Vorspiel
  • Begrüßung und Abkündigungen
  • 1. Lied 317,1.2.4 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
  • Psalmgebet 720 Befiehl dem Herrn deine Wege
  • Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
  • Kyrie eleison
  • Gruß und Eingangsgebet
  • Epistellesung und Halleluja
  • 2. Lied 324,1-3.6-7 Ich singe dir mit Herz und Mund
  • Predigt
  • 3. Lied 362,1-3 Ein feste Burg ist unser Gott
  • Einsegnung der Jubilare
  • 4. Lied 329,1-3 Bis hierher hat mich Gott gebracht
  • Abendmahl
  • 5. Lied 376,1-3 So nimm denn meine Hände
  • Fürbitte
  • Segen
  • Musikalisches Nachspiel
  • Auszug aus der Kirche

Evangelium Mk 2, 1-12 - Der gelähmte von Kapernaum

Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. 2 Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. 4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: 7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Predigttext Jes 38, 9-20 - Hiskias Dankgebet

Der Text wird im Zusammenhang mit der Predigt gelesen.

9 Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war:
10 Ich sprach: Nun muss ich zu des Totenreiches Pforten fahren in der Mitte meines Lebens,
da ich doch gedachte, noch länger zu leben.
11 Ich sprach: Nun werde ich den HERRN nicht mehr schauen
im Lande der Lebendigen, nun werde ich die Menschen nicht mehr sehen mit denen, die auf der Welt sind.
12 Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt.
Zu Ende gewebt hab ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden.
Tag und Nacht gibst du mich preis; 13 bis zum Morgen schreie ich um Hilfe;
aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und Nacht gibst du mich preis.
14 Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube.
Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein!
15 Was soll ich reden und was ihm sagen?
Er hat's getan! Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner Seele.
16 Herr, lass mich wieder genesen und leben!
17 Siehe, um Trost war mir sehr bange.
Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe;
denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.
18 Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht,
und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue;
19 sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute.
Der Vater macht den Kindern deine Treue kund.
20 Der HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!

Predigtideen

Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jer 17, 14)

Hiskia gilt als frommer König in Israel, der so versucht zu leben, wie es Gott gefallen könnte.

geboren etwa 750 v. Chr. - gestorben 696 v. Chr. - er wurde also 54 Jahre alt
mit 25 Jahren wurde er König und regierte 29 Jahre bis zu seinem Tode

Berichtet wird in 2 Kön 18,4 über die Kultreform Hiskijas, bei denen Kulthöhen abgeschafft und Mazzeben (Steinmäler) und Ascheren (Kultpfähle) zerstört wurden. Damit wird allein dem Kult JHWHs im Zentralheiligtum zu Jerusalem Platz eingeräumt. (alle Informationen aus https://de.wikipedia.org/wiki/Hiskija)

Auch dieser Fromme wird sterbenskrank - so, wie auch heute Menschen nicht vor Krankheit und auch nicht vor dem - zu frühen - Tod bewahrt werden. Hiskia wird Ende dreißig gewesen sein, denn so heißt es in der Bibel, “Gott gab ihm noch 15 weitere Lebensjahre”.

Hiskia betet in seiner Krankheit zu Gott - auf der einen Seite vergleichbar den vielen Gebeten, die in der Krankenhauskapelle im Gebetsbuch zu lesen sind. Auf der anderen Seite gibt Hiskia aber auch Einblick in sein zerrissenes Seelenleben während der Krankheit.
  • Verse 10 bis 17 werden gelesen 
  • 10-12b beschreibt Hiskia seine Situation 
      Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
      auf dass wir klug werden. (Ps 90,12)
  • 12c-14 direkte Anrede an Gott 
  • 15-17a Hiskia weiß letztendlich nicht mehr weiter, sein Vertrauen schwindet: Siehe, um Trost war mir sehr bange.
Vergleichbare Situationen

Hiob 2,10: Hiob zu seiner Frau (Fluche Gott und stirb …): Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?

Mk 14,36: Jesus im Gebet: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!

Gott erhört Hiskias Gebet - einige Verse vor unserem Predigttext lesen wir:

Da geschah das Wort des HERRN zu Jesaja: Geh hin und sage Hiskia: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will deinen Tagen noch fünfzehn Jahre zulegen ... (Jes 38,4.5)

Hiskia geht nun nicht zur Tagesordnung über - Glück gehabt, noch einmal gut gegangen, dem Tod von der Schippe gesprungen. Hiskia dankt Gott inniglich für seine Genesung.

Verse 17b-19a

Im Leben Gott danken!

Jesus Sirach 1,13 Wer den Herrn fürchtet, dem wird's am Ende wohlergehen,
und am Tage seines Todes wird er den Segen empfangen.

Verse 19b-20

Hiskia will seinen Kindern - seinem Volk - von Gottes Hilfe berichten, so dass andere zum Glauben kommen können.

Zum Schluss noch ein Blick auf Hiob und Jesus:

Am Ende wird auch Hiob wieder gesund. Hiob 42,10 Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat. Und der HERR gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. 11 Und es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle, die ihn früher gekannt hatten, und aßen mit ihm in seinem Hause und sprachen ihm zu und trösteten ihn über alles Unglück, das der HERR über ihn hatte kommen lassen.

Jesus stirbt, aber der Tod behält nicht das letzte Wort. Gott erweckt seinen Sohn zum ewigen Leben - uns zum Trost und uns zum Leben.

Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jer 17, 14)

Amen.

Dienstag, 1. Oktober 2019

18. Sonntag nach Trinitatis

20. Oktober 2019


Hier eben zwei Bilder von heute morgen - Ausführliches später - ich kann nur eins sagen: Super, das hat viel Freude gemacht!

letzte Absprachen

bereit zur Abfahrt

Ausblick :-)


Mehr Bilder auf:

https://bmwr1200gs-rkrueger.blogspot.com/


Motorradgottesdienst - nicht nur für Motorradfahrer ...


Seit etlichen Jahren geistert mir diese Idee durch den Kopf, dass wir zum Ende der Saison Motorradfahrer zu einem Gottesdienst in die Gustav-Adolf-Kirche einladen. Jedem von uns Fahrern dürfte bewusst sein, dass unser Hobby einerseits viel Spaß macht, dass es andererseits aber auch Gefahren mit sich bringt. Da kann man wirklich dankbar sein, wenn man am Ende der Saison behütet angekommen ist.

Foto privat
Aber nicht allein die Motorradfahrer sind zum Gottesdienst eingeladen, natürlich auch alle anderen. An diesem 18. Sonntag nach Trinitatis wird es um das Miteinander gehen - im Straßenverkehr, aber auch im ganz alltäglichen Leben. Der Wochenspruch für die dann beginnende Woche lautet: “Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seine Schwester und seinen Bruder liebe.” (1. Joh 4, 21)

Nach dem Gottesdienst ist wie üblich Kirchenkaffee. Alle, die mit dem Motorrad kommen, können bei schönem Wetter eine kleine Ausfahrt machen. Meppen - Apeldorn - Hüven - Eisten - Sögel - Stavern - Apeldorn - Meppen wäre eine nette kleine Strecke, oder auch Meppen - Helte - Bawinkel - Langen - Gersten - Bawinkel - Osterbrock - Teglingen Meppen - oder wo ihr sonst so fahrt. Für die beiden von mir genannten Strecken braucht man jeweils etwa eine knappe Stunde.

Wieder zurück an der Kirche soll es Bockwürstchen und Brötchen im Gemeindehaus geben.

Da wir überhaupt nicht einschätzen können, wie viele Motorradfahrer zum Gottesdienst kommen könnten, wäre ein Rückmeldung perfekt. Das klappt am besten auf elektronischem Weg. Bei den normalen Gottesdienstbesuchern gehen wir von der üblichen Anzahl aus.

Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und freue mich sehr auf diesen Gottesdienst, Ihr/euer Pastor Krüger

weitere Infos werden folgen ...

Entwurf Christine Kock

Motorradtouren

Wer einmal schauen will, wo ich in den letzten Jahren gefahren bin, kann meinen Motorradblog aufrufen:

https://bmwr1200gs-rkrueger.blogspot.com/

Im Gottesdienst werde ich kurz von diesen Ausflügen erzählen, um die "normalen" Gottesdienstbesucher ins Thema einzustimmen. Ich lasse aber auch nicht die kritischen Punkte aus. Am Meller Berg finden sich mehrfach Schilder mit der Aufschrift:

Motorradlärm nervt
gefährlich!

Und an den Straßen, die in den Harz führen, findet man an verschiedenen Stellen ein großes Plakat mit einem Bild von einem Motorradfahrer, auf dem dann zu lesen ist:

Dein Traum:
Schwerelos
bei 160 km/h

Und wenige hundert Meter weiter steht dann ein schwarzes Plakat, auf dem eine gebrochene Rose zu sehen. Dazu der Text: 

Unser Albtraum:
Wir
vermissen
Dich!

Aber es gibt auch Albträume für Biker: 

gefunden auf: https://publicdomainvectors.org
Ich hab das Bild bearbeitet - ursprünglich bog das Motorrad links ab.
Zum Schluss ein Bild von dem, was alle Biker mögen: Kurven :-)


Lieder für den Gottesdienst

Morgenlicht leuchtet
Der Himmel geht  über allen auf
Vergiss es nie, dass du lebst war keine eigene Idee
Amazing grace
Möge die Straße uns zusammenführen

Predigttext

Ich habe die Texte vom 18. Sonntag nach Trinitatis rauf und runter gelesen und mich dafür entschieden, über Jesus Sirach 1,11-16 zu predigen - Gottesfurcht und menschliche Weisheit

11 Die Furcht des Herrn ist Ehre und Ruhm, Freude und ein Siegeskranz.
12 Die Furcht des Herrn macht das Herz fröhlich und gibt Freude und Wonne und langes Leben.
Die Furcht des Herrn ist vom Herrn gegeben, und durch Liebe befestigt sie die Pfade.
13 Wer den Herrn fürchtet, dem wird's am Ende wohlergehen,
und am Tage seines Todes wird er den Segen empfangen.
14 Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang: Zugleich mit den Gläubigen ist sie im Mutterleib erschaffen.
15 Bei den Menschen baut sie ein Nest – einen Grundstein auf ewig, und auch die Nachkommen werden auf sie trauen.
16 Den Herrn fürchten sättigt mit Weisheit, und sie macht trunken mit ihren Früchten.

Das wird ne echte Herausforderung :-)

Gedankensplitter zur Predigt

Die Furcht des Herrn - Motorradfahrer haben keine Furcht, oder?

Was ist mit den Schrecksekunden, wenn es gerade noch mal gut gegangen ist: Glück gehabt - da war mein Schutzengel - besser aufpassen, nicht so viel riskieren. 

Die Kirchen - evangelisch und katholisch - haben den Menschen oft Angst vor Gott gemacht. Das war ein falscher Weg, der viele aus der Kirche getrieben hat. 

Die Furcht des Herrn ist Ehre und Ruhm, Freude und ein Siegeskranz.

Die Furcht des Herrn kann nichts Negatives sein, wenn Ehre, Ruhm, Freude und ein Siegeskranz die Folge sind. Ich erinnere mich noch gut an meinen Konfirmandenunterricht, als wir Luthers Erklärung zum 1. Gebot lasen: 

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. 
Luther fragt: Was ist das? Und er gibt zur Antwort: Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. 

Gott fürchten ... das war natürlich unsere Frage. Ehrfurcht haben vor Gott, so die Erklärung von Pastor Grundmann. Ein kluger Satz. Leider suchen wir Ehrfurcht heute oft vergebens. 

Die Furcht des Herrn macht das Herz fröhlich und gibt Freude und Wonne und langes Leben. Die Furcht des Herrn ist vom Herrn gegeben, und durch Liebe befestigt sie die Pfade.

Noch einmal, die Furcht des Herrn kann man sich und allen anderen bei solchen Sätzen nur wünschen. Wenn hier von "Liebe" die Rede ist, muss ich an das Miteinander denken, im Straßenverkehr, aber auch im alltäglichen Leben.

Wer den Herrn fürchtet, dem wird's am Ende wohlergehen, und am Tage seines Todes wird er den Segen empfangen.

Wenn wir den Tod nicht mehr fürchten müssen - weil wir dann ja Gottes Segen empfangen -, dann müssen wir hier auf Erden nicht das ganze Leben egoistisch auskosten - weil danach sonst nichts mehr bleibt.

Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang ...

Da sprach doch letztens einer von seiner "großartigen und unvergleichlichen Weisheit". Was ist daraus eigentlich geworden? Krieg, Blutvergießen, Tod, Vertreibung, Elend! Eine Schande, wie der Begriff der Weisheit missbraucht wird.

Wikipedia beschreibt Weisheit so: "Sie befähigt ihren Träger, systematisch Dinge 

  • zu denken („eine weise Erkenntnis“, „ein weiser Entschluss“, „ein weises Urteil“),
  • zu sagen („ein weises Wort“, „ein weiser Rat“) oder
  • zu tun („ein weises Verhalten“),

die sich in der gegebenen Situation als nachhaltig sinnvoll erweisen." (https://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit)

Absolut bemerkenswert finde ich nach wie vor, was Augustinus in seiner Schrift Augustinus "Über das Glück 4,35" zum Thema sagt: „Denn Weisheit ist letztlich nichts anderes als das Maß unseres Geistes, wodurch dieser im Gleichgewicht gehalten wird, damit er weder ins Übermaß ausschweife, noch in die Unzulänglichkeit falle. Verschwendung, Machtgier, Hochmut und ähnliches, womit ungefestigte und hilflose Menschen glauben, sich Lust und Macht verschaffen zu können, lassen ihn maßlos aufblähen. Habgier, Furcht, Trauer, Neid und anderes, was ins Unglück führt – wie die Unglücklichen selbst gestehen – engen ihn ein. Hat der Geist jedoch Weisheit gefunden, hält dann den Blick fest auf sie gerichtet… dann brauchte er weder Unmaß, noch Mangel, noch Unglück zu fürchten. Dann hat er sein Maß, nämlich die Weisheit und ist immer glücklich.“ (Wikipedia a.a.O.)

Nun noch der Schlusssatz, wo die Furcht des Herrn und Weisheit zusammengedacht werden: 

Den Herrn fürchten sättigt mit Weisheit, und sie macht trunken mit ihren Früchten.

Parkmöglichkeiten ...

... sind etwas beschränkt, aber doch vorhanden: 

Erstellt mit OpenStreetMaps
Es gibt zwei reguläre Auffahrten auf unser Grundstück: 
  1. Wenn man von der Hubbrücke her kommt gleich nach der Ampelkreuzung vor der Kastanie rechts einbiegen (natürlich nicht auf die Baustelle des Landkreises fahren). Die ersten Motorräder können die Rampe bis zur Kirche hochfahren. Die anderen stellen sich dem Gemeindehaus gegenüber an der Böschung zum Nachbargrundstück auf.
    Hier kann man aber nicht einbiegen, wenn man von der Unterführung her kommt!
  2. Die zweite Einfahrt auf unser Grundstück liegt gleich hinter der Bushaltestelle. Hier kann man von beiden Seiten kommend reinfahren. Am besten fahren die ersten Fahrer durch bis zur Treppe vor der Terrasse. Und dann werden die Maschinen aufgereiht hingestellt. 
  3. Wenn diese Parkmöglichkeiten erschöpft sind kann man in der Hafenstraße einen Platz suchen. Von dort kommt man über die Fußgängerbrücke schnell zur Kirche. Als weitere Parkplätze werden bei der Internetsuche genannt:
    - beim Bahnhof
    - Alte Post
Achtet beim Einparken bitte darauf, dass wir nach dem Gottesdienst auch vom Grundstück fahren wollen. Da wäre es gut, wenn nicht zu sehr rangiert werden muss. Aber das werden wir auch hinbekommen :-)

17. Sonntag nach Trinitatis

13. Oktober 2019


An diesem Sonntag feiern wir den Gottesdienst zum "Frauensonntag 2019". Das Thema lautet "Du bist schön". Dieser Satz steht gleich zu Beginn des "Hohenliedes der Liebe von Salomo" (1,15-2,17). In diesem Abschnitt der Bibel sind Liebesgedichte aus dem alten Israel zusammengestellt, die in ihrer Sprache zwar zeit- und ortsbedingt sind, die gleichwohl aber auch heute noch Liebende ansprechen können.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

15 Siehe, meine Freundin, du bist schön;
schön bist du, deine Augen sind wie Taubenaugen.
16 Siehe, mein Freund, du bist schön und lieblich.
Unser Lager ist grün.
17 Die Balken unserer Häuser sind Zedern,
unsere Täfelung Zypressen.

21 Ich bin eine Blume in Scharon
und eine Lilie im Tal.

2 Wie eine Lilie unter den Dornen,
so ist meine Freundin unter den Mädchen.

3 Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen,
so ist mein Freund unter den Jünglingen.
Unter seinem Schatten zu sitzen begehre ich,
und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.

4 Er führt mich in den Weinkeller,
und die Liebe ist sein Zeichen über mir.
5 Er erquickt mich mit Traubenkuchen
und labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.

6 Seine Linke liegt unter meinem Haupte,
und seine Rechte herzt mich.

7 Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,
bei den Gazellen oder bei den Hinden auf dem Felde,
dass ihr die Liebe nicht aufweckt und nicht stört, bis es ihr selbst gefällt.

8 Da ist die Stimme meines Freundes!
Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel.
9 Mein Freund gleicht einer Gazelle
oder einem jungen Hirsch.
Siehe, er steht hinter unsrer Wand
und sieht durchs Fenster und blickt durchs Gitter.
10 Mein Freund antwortet und spricht zu mir:

Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her!
11 Denn siehe, der Winter ist vergangen,
der Regen ist vorbei und dahin.
12 Die Blumen sind aufgegangen im Lande,
der Lenz ist herbeigekommen,
und die Turteltaube lässt sich hören in unserm Lande.
13 Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen,
und die Reben duften mit ihren Blüten.
Steh auf, meine Freundin, und komm, meine Schöne, komm her!

14 Meine Taube in den Felsklüften,
im Versteck der Felswand, zeige mir deine Gestalt,
lass mich hören deine Stimme;
denn deine Stimme ist süß, und deine Gestalt ist lieblich.
15 Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse,
die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge haben Blüten bekommen.

16 Mein Freund ist mein und ich bin sein,
der unter den Lilien weidet.
17 Bis der Tag kühl wird
und die Schatten schwinden,
wende dich her gleich einer Gazelle, mein Freund,
oder gleich einem jungen Hirsch auf den Balsambergen.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aharon_April_Song_of_Songs-Last.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/25/Aharon_April_Song_of_Songs-Last.jpg
Aharon April [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Erntedankfest

6. Oktober 2019


In diesem Jahr feierten wir zum Erntedankfest einen Abendmahlsgottesdienst mit kleinen und großen Leuten! Alle waren herzlich eingeladen. Frau Diakonin Hofmann und ihr Team hatten einen schönen Familiengottesdienst vorbereitet.

Nachfolgend gebe ich die Predigt von Frau Hofmann wieder. Sie legt die Geschichte von der Heilung der "Zehn Aussätzigen" aus.

Die zehn Aussätzigen Lk 17,11-19

11 Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog. 12 Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne 13 und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! 14 Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. 15 Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme 16 und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. 17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? 18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? 19 Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

Die nachfolgenden Zeichnungen zum "Familiendialog", mit dem sie die Predigt begann, stammen von Frau Hofmann.

Zeichnung Maike R. Hofmann
Mama: „Hallo Kim, kannst du bitte mal beim Tischdecken helfen?“

Zeichnung Maike R. Hofmann
Kim: „Wieso ich?“
Mama: „Darum … komm, doch bitte.“
Kim (unwillig): „Soll doch Torben helfen …“
Mama: „Der hat schon die Wäsche gemacht … erheb dich.“
Kim: „Und Papa?“
Mama: „Papa hat Spätschicht.“
Kim: „Ich will nichts essen.“
Mama: „Okay … dann nicht.“

Zeichnung Maike R. Hofmann
Torben: „Ah, was gibt’s?“
Mama: „Hallo erstmal … Brote.“ (kampflustig): „Wieso?“
Torben: „Nur so - lass mal. Ich hol mir nachher mit den Jungs ´n Döner.“
Mama: „Ach, und ich ... ich darf jetzt hier allein essen, was?“

Zeichnung Maike R. Hofmann
Mama (spricht vor sich hin): „So ist Familie? Wirklich? Um jedes bisschen Arbeit diskutieren? Kein Dank fürs Brote schmieren? Fürs Waschen? Fürs Mitdenken? Ach, überhaupt - ist es denn gar nicht wichtig, zusammen zu sein? Sich zuzuhören? Ich vermisse das so. Meine Oma hat jeden Abend Stullen geschmiert und Gott voller Freude gedankt, bevor sich alle auf die Brote gestürzt haben. Aber wir zicken nur rum. Was läuft hier falsch?”

<><><><><>

„Nie wieder, nie wieder lasse ich mich auf ein solches Spiel ein. Ich mach mich doch nicht zum Hampelmann. Ich bin doch nicht der Automat der Nation: Eine Bitte oben rein, und schon kommt die Heilung raus. Ich lass mir das einfach nicht mehr gefallen. Was ist das denn für eine Ausbeute: 10% der Geheilten kommen nur zurück, um wenigstens Danke zu sagen. Das ist doch wohl das Mindeste. Aber satt werden kann ich davon auch nicht. Wer erstattet mir meine Auslagen? Die Fahrtkosten? Die Ausbildung und Ausrüstung?“ 

Jesus hat nicht so reagiert nach der Heilung der zehn Aussätzigen.

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der sehr genau gerechnet wird. Da wird nach den Kosten gefragt und wer sie trägt. Da werden Einzelaufstellungen der Aufwendungen erstellt, und jedes Detail wird aufmerksam durchkalkuliert.

„Es wird dir nichts geschenkt, also hast du auch nichts zu verschenken“, nach der Devise wird heutzutage gerechnet, gelebt und oft auch erzogen.

Bei Jesus war es anders. Jesus lebte und handelte nicht nach den Prinzipien von Wert und Gegenwert. Von lohnt sich und lohnt sich nicht. Er handelte nicht nach der Frage: „Was bringt es mir, wenn ich dir etwas gebe?“

Linke Seite der Miniatur Cleansing of the ten lepers aus dem Codex Aureus Epternacensis
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CodexAureus_Cleansing_of_the_ten_lepers.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b6/CodexAureus_Cleansing_of_the_ten_lepers.jpg
Codex Aureus Epternacensis [Public domain]
Als Jesus mal wieder auf dem Weg nach Jerusalem war, sah er vor einem Dorf zehn Männer, die eine tödliche, sehr ansteckende Krankheit hatten. Deswegen waren sie ausgestoßen und durften nicht ins Dorf gehen und keinen Kontakt mehr zu gesunden Menschen haben.

Diese zehn Aussätzigen, so nannte man die Kranken, baten ihn um Hilfe, sie riefen von weitem “Jesus, unser Meister, erbarm dich unser!”

Und - was hat Jesus getan?

Hat er gesagt: “Ach, ich bin grad auch dem Weg nach Jerusalem.” Jesus wusste, was ihn dort erwartete: Der Tod am Kreuz. Er hatte eine geringere Lebenserwartung als die Aussätzigen: Noch ein paar Wochen. Also hätte er sagen können: „Passt jetzt grad nicht. Ich muss selbst sehen, wie ich die kommenden Wochen schaffe. Da kann ich mich nicht noch um euch kümmern.“

Oder hat Jesus überlegt “Was bringt es mir, wenn ich helfe?”

Oder “Warum immer ich? Ich hab doch schon gestern geholfen!”

Nein, Jesus sah ihre Not - und handelt. Er sagte “Geht hin und zeigt euch den Priestern!” Die waren nämlich zuständig festzustellen, ob jemand von einer ansteckenden Krankheit befallen oder wieder geheilt war. Eine Art Gesundheitsbehörde. „Geht hin und zeigt euch den Priestern.“

Die 10 Aussätzigen machen sich auf den Weg und erleben, dass es geschieht: „Es geschah, während sie hingingen, dass sie rein wurden.“

Rechte Seite der Miniatur Cleansing of the ten lepers aus dem Codex Aureus Epternacensis
Fundort s.o.
Hier sehen wir die Männer ohne ihre Krankheit. Sie sind geheilt. Sie sind nur noch knapp zu sehen. Neun von ihnen drängen sich von Jesus weg zum Bild hinaus.

„Einer von ihnen lobte Gott mit lauter Stimme und fiel aufs Angesicht vor Jesu Füße, und dankte ihm.“

Danke.

Wie wichtig ist es, sich zu bedanken, dankbar zu sein. Wer sich bei einem anderen Menschen bedankt, der erkennt immer auch dessen Einsatz an. Danken ist ein Stück Wertschätzung.

Ich bin mir sicher, wir alle haben unendlich viel, für das wir dankbar sein können und es hoffentlich auch sind!

Wir haben hier kleine Klebezettelchen, auf die Sie und Ihr bitte alles aufschreibt oder malt, wofür Ihr dankbar seid. Das können ruhig ein paar mehr Zettel werden, also nicht 10 Sachen auf einen Zettel quetschen sondern bitte 10 Zettel nehmen. Diese Zettelchen kleben wir dann gleich auf unsere DANK-Buchstaben - auf dass sie gleich voll beklebt sind!

Zettel-Aufschreib/mal-Dank-Aktion

Danke - wir haben jede Menge Gründe, dankbar zu sein! Und können es auch sagen. So wie der eine, der zu Jesus kam und aus tiefstem Herzen Danke sagte.

s.o.
Jesus fragte: “Sind nicht 10 rein geworden? Wo sind die übrigen neun?“

Ja, wo sind die anderen? Phantasieren wir: Der erste sitzt zu Hause und trinkt Kaffee mit seiner Familie. „Jetzt bin ich endlich gesund und kann wieder bei der Familie sein. Bedanken kann ich mich dann später.“

Der zweite konnte endlich wieder einmal in ein Konzert. „Endlich wieder einmal etwas Kultur genießen. Bedanken kann ich mich dann später.“

Der dritte war völlig überzeugt von sich selbst und sagte: „Wie hat doch dieser Rabbi aus Nazareth meine Selbstheilungskräfte gestärkt! Was doch so alles in mir steckt. Da brauch ich mich zu bedanken.“

Und so geht es weiter bis zum neunten. Der lag im Bett. Er war fest entschlossen sich am nächsten Morgen bei Jesus zu bedanken. Aber leider hatte er vergessen, den Wecker zu stellen und verschlafen.

Sie nahmen die Gabe entgegen und verachteten den Geber durch ihre Undankbarkeit.

Diese neun Männer sind der traurige Beweis, dass man Gott erleben und erfahren kann und trotzdem ohne ihn durchs Leben geht. „Ich würde ja an Gott glauben, wenn er mir einen Beweis gäbe, dass es ihn gibt.“ Höre ich manchmal.

Miniatur Cleansing of the ten lepers aus dem Codex Aureus Epternacensis
Fundort s.o.
Wirklich? Die neun ehemals Aussätzigen sind für mich der Beweis: Man kann Gottes Kraft erleben, aber dennoch nicht an Gott glauben.

10 Männer wurden geheilt. Neun von ihnen reichte es, dass ihre Haut heil war. Es ging ihnen nicht weiter unter die Haut.

Nur einer von den zehn Männern hat begriffen, dass es bei Jesus um mehr als um die körperliche Heilung geht.

Er ist umgekehrt und hat Jesus gedankt. Er fiel auf sein Angesicht und dankte ihm.

Er ist umgekehrt - „Umkehren“ heißt in der Bibel: Eine neue Richtung einschlagen.

Dieser Mann erlebt eine völlige Veränderung, eine neue Richtung. Er erlebt die Heilung seines Körpers und sieht darin ein großes Geschenk. Dieser Mann fällt nicht vor Jesus auf die Knie, weil es sich so gehört. Dieser Mann hat gespürt, dass Jesus sein Leben komplett verändert und bereichert hat.

Und so kann Jesus zu ihm sagen: “Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.“

„Erst in dem einer dankt, erhebt er den Blick von der Gabe zum Geber.“ (H. Gollwitzer).

Genauso ist das Erntedankfest zu verstehen - nicht nur ein Fest der Dankbarkeit für das Korn, das Brot, das Trinken, das Dach über dem Kopf. Dieses Fest will uns den Blick zu Gott hin weiten - von der Gabe zum Geber.

Ich überdenke mein Leben, mein Handeln. An manchen Stellen merke ich, dass ich vielleicht auch mal umkehren sollte. Den Blick für meine Mitmenschen wiederentdecken, Hilfe geben, wo sie benötigt wird, Lächeln und Freude einfach verschenken, dankbar sein für “Selbstverständlichkeiten” und dies auch äußern.

Wenn wir uns die Situation vom Anfang vorstellen, wie hätte der Abend in der Familie wohl dann verlaufen können?

Eine Möglichkeit! - Zeichnung Maike R. Hofmann
Denken wir einfach öfters mal an: Please make a U-turn if possible. - Wenn möglich, bitte wenden - nicht nur im Auto.

Amen.




Montag, 23. September 2019

15. Sonntag nach Trinitatis

29. September 2019


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 15. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.58. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr". Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden.

Ruft man dieses Mal den liturgischen Kalender auf, den die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands gemeinsam anbieten, wird man für den 29.09.2019 auf den Michaelistag verwiesen.

Gut, dieser Feiertag ist nicht unbekannt, aber in den 30 Jahren meiner Tätigkeit als Pastor hat dieser Tag in meinem Umfeld - Kirchengemeinde, Kirchenkreis, Sprengel - noch keine Rolle gespielt. Selbst die Autoren des "Liturgischen Kalenders" räumen ein, dass "der Tag in der evangelischen Kirche selten" begangen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die "Belebung" der alten Tradition irgend einen Beitrag zum Kirchenaufbau leistet.

Im Gottesdienst feiern wir die Taufe eines kleinen Kindes. Damit wir nicht mit dem Orgelkonzert für Kinder um 12.30 Uhr in zeitlichen Konflikt kommt, erfolgt die Taufe an der Stelle der biblischen Lesungen. Statt der Epistel und des Evangeliums hören wir das Kinderevangelium und den Taufbefehl.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1. Petr 5, 7)

Wochenlied:

Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369)
Solang es Menschen gibt auf Erden (EG 427)

Lieder für den Gottesdienst

EG 293,1-2 - Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all
Psalmgebet EG 754 - Psalm 139 - Herr, du erforschest mich und kennest mich ...
EG 209,1-4 - Ich möcht, dass einer mit mir geht
EG 407,1-3 - Stern auf den ich schaue
EG 503,4-7+10-12+15 - Die Glucke führt ihr Völklein aus

    Epistel 1. Petr 5, 5c-11- Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade

    Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. 7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

    8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. 9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.

    10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. 11 Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
    .

    Evangelium Mt 6, 25-34 - Sorgt nicht um euer Leben

    Jesus spricht: Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? 27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? 28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. 33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. 34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Die Segnung der Kinder

13 Sie brachten Kinder zu Jesus, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. 14 Als das Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. (MK 10,14-16)

Der Missions- und Taufbefehl

18 Jesus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28)

Taufspruch - Psalm 139,5 

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Predigttext Dan 6, 1-29 Daniel in der Löwengrube

61 Und Darius aus Medien übernahm das Reich, als er zweiundsechzig Jahre alt war. 2 Und es gefiel Darius, über das ganze Königreich hundertundzwanzig Statthalter zu setzen. 3 Über sie setzte er drei Fürsten, von denen einer Daniel war. Ihnen sollten die Statthalter Rechenschaft ablegen, damit der König der Mühe enthoben wäre. 4 Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm. Darum dachte der König daran, ihn über das ganze Königreich zu setzen. 5 Da trachteten die Fürsten und Statthalter danach, an Daniel etwas zu finden, das gegen das Königreich gerichtet wäre. Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden; denn er war treu, sodass man keine Schuld und kein Vergehen bei ihm finden konnte.

6 Da sprachen die Männer: Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn wegen seiner Gottesverehrung. 7 Da kamen die Fürsten und Statthalter eilends vor den König gelaufen und sprachen zu ihm: Der König Darius lebe ewig! 8 Es haben die Fürsten des Königreichs, die Würdenträger, die Statthalter, die Räte und Befehlshaber alle gedacht, es solle ein königlicher Befehl gegeben und ein strenges Gebot erlassen werden, dass jeder, der in dreißig Tagen etwas bitten wird von irgendeinem Gott oder Menschen außer von dir, dem König, allein, zu den Löwen in die Grube geworfen werden soll. 9 Darum, o König, wollest du ein solches Gebot ausgehen lassen und ein Schreiben aufsetzen, das nicht wieder geändert werden darf nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unaufhebbar ist. 10 So ließ der König Darius das Schreiben und das Gebot aufsetzen.

11 Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte. 12 Da kamen jene Männer eilends gelaufen und fanden Daniel, wie er betete und flehte vor seinem Gott.
13 Da traten sie vor den König und redeten mit ihm über das königliche Gebot: O König, hast du nicht ein Gebot erlassen, dass jeder, der in dreißig Tagen etwas bitten würde von irgendeinem Gott oder Menschen außer von dir, dem König, allein, zu den Löwen in die Grube geworfen werden solle? Der König antwortete und sprach: Das ist wahr und das Gesetz der Meder und Perser kann niemand aufheben. 14 Sie antworteten und sprachen vor dem König: Daniel, einer der Gefangenen aus Juda, der achtet weder dich noch dein Gebot, das du erlassen hast; denn er betet dreimal am Tage.

15 Als der König das hörte, wurde er sehr betrübt und war darauf bedacht, Daniel die Freiheit zu erhalten, und mühte sich, bis die Sonne unterging, ihn zu erretten. 16 Aber die Männer kamen wieder zum König gelaufen und sprachen zu ihm: Du weißt doch, König, es ist das Gesetz der Meder und Perser, dass alle Gebote und Befehle, die der König beschlossen hat, unverändert bleiben sollen.

17 Da befahl der König, Daniel herzubringen. Und sie warfen ihn zu den Löwen in die Grube. Der König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir! 18 Und sie brachten einen Stein, den legten sie vor die Öffnung der Grube; den versiegelte der König mit seinem eigenen Ring und mit dem Ringe seiner Mächtigen, damit nichts anderes mit Daniel geschähe. 19 Und der König ging weg in seinen Palast und fastete die Nacht über und ließ kein Essen vor sich bringen und konnte auch nicht schlafen.

20 Früh am Morgen, als der Tag anbrach, stand der König auf und ging eilends zur Grube, wo die Löwen waren. 21 Und als er zur Grube kam, rief er Daniel mit angstvoller Stimme. Und der König sprach zu Daniel: Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, auch erretten können von den Löwen? 22 Daniel aber redete mit dem König: Der König lebe ewig! 23 Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Böses getan.

24 Da wurde der König sehr froh und ließ Daniel aus der Grube herausziehen. Und sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut. 25 Da ließ der König die Männer, die Daniel verklagt hatten, holen und zu den Löwen in die Grube werfen samt ihren Kindern und Frauen. Und ehe sie den Boden erreichten, ergriffen die Löwen sie und zermalmten alle ihre Knochen.

26 Da ließ der König Darius allen Völkern und Leuten aus so vielen verschiedenen Sprachen auf der ganzen Erde schreiben: Viel Friede zuvor! 27 Das ist mein Befehl, dass man in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels fürchten und sich vor ihm scheuen soll. Denn er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende. 28 Er ist ein Retter und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. Der hat Daniel von den Löwen errettet.

29 Und Daniel hatte große Macht im Königreich des Darius und auch im Königreich des Kyrus von Persien.

Predigtnotizen

Wochenspruch: “Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1. Petr 5, 7)” Oder Maries Taufspruch: “Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.” (Ps 139,5) Ist die wunderbare Rettung Daniels die Illustration dieser Bibelverse? Ganz bestimmt was mit ein Grund, warum dieser Text als Predigttext ausgewählt wurde. Aber viel wichtiger ist mir der Umgang mit dem Gesetz bzw. dessen Missbrauch durch die Widersacher Daniels.

Diese fordern ihren König Darius auf, "es solle ein königlicher Befehl gegeben und ein strenges Gebot erlassen werden, dass jeder, der in dreißig Tagen etwas bitten wird von irgendeinem Gott oder Menschen außer von dir, dem König, allein, zu den Löwen in die Grube geworfen werden soll". Dieses “Gesetz der Meder und Perser” hat dann Bestand und kann von niemandem, auch nicht vom König selbst geändert werden.

Inhaltlich will ich dieses Gesetz nicht diskutieren. Man muss es aus seiner Zeit heraus betrachten - und da war es so in Ordnung. Aber es wurde von den "Fürsten des Königreichs, den Würdenträger, den Statthalter, den Räte und Befehlshaber" in treuwidriger Absicht eingebracht. Sie wollten dem Juden Daniel schaden. Hier wird ein zunächst "neutrales" Gesetz korrumpiert. Auf einmal dient es dazu, einem Menschen Schaden zuzufügen. Warum: Die anderen sind neidisch und eifersüchtig auf Daniels Erfolg und sein gutes Ansehen beim König und sicherlich auch beim Volk.

Dieser “treuwidrige” Umgang mit dem Gesetz, mit Gesetzen überhaupt, wird im Alten Testament an vielen Stellen thematisiert. Da wurde Recht gebeugt, Witwen und Waisen benachteiligt und die Fremden in Israel nicht geachtet. Großgrundbesitzer häuften Gewinn auf Gewinn und die Mittellosen, die Tagelöhner wurden immer ärmer. Die Propheten kritisierten diesen Missbrauch des Rechtes immer wieder. Sie machten deutlich, dass Leben so nicht gedeihen kann. Und, das war ihre einhellige Meinung, es ging nicht an, dass man auf der einen Seite das Recht in Israel missachtete, auf der anderen Seite aber den Schein wahren wollte, zum Tempel ging und die Gottesdienste besuchte und sich als frommer Jude positionierte.

Ein Gerichtswort des Propheten Amos macht deutlich, dass solch ein Verhalten Gott nicht unberührt lässt: “Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen - es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.” (Amos 5,21-24)

Im Neuen Testament verschiebt sich der Akzent ein wenig. Für das Volk Israel spielte die Erfüllung der Gebote, des Gesetzes im Blick auf den Bund mit Gott eine ganz große Rolle. All die Gebote - die Zahl 613 habe ich gefunden - , die Gott seinem Volk gegeben hatte, die waren einzuhalten, davon durfte man nicht abweichen. Das war - auch nach dem, was die Propheten gesagt hatte - für die Beziehung zu Gott grundlegend: “Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.”

Da sich Jesus nicht in dieses Schema pressen ließ - denken Sie nur an seine Krankenheilungen am Sabbat, die in den Augen der frommen Juden verwerflich, weil Arbeit waren - wird immer wieder ein Gegensatz konstruiert zwischen Altem und Neuem Testament, da das Gesetz, hier der Glaube und die Freiheit.

Eine solche Sichtweise kann sich aber nicht auf Jesus stützen. In der Bergpredigt lesen wir von ihm den Satz: "Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen." (Mt 5,17) Und auch auf Paulus kann man sich nicht berufen: "So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut." (Röm 7,12) Allerdings weiß der Apostel auch: "Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig." (2. Kor 3,6) Das korrespondiert mit der Vorstellung Jesu: “Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.” (Mk 2,27)

Das, was wir heute im Umgang mit dem Gesetz, mit Gesetzen erleben, hat seine Parallelen eher im Alten Testament, im treuwidrigen Umgang mit dem Gesetz. So erleben wir z.Zt. auf der politischen Bühne eine Missachtung des Rechtes, auch des guten Umgangs miteinander, wie ich sie zumindest bisher noch nicht empfunden habe. Dabei denke ich nicht allein an den verbrecherischen Umgang mit Gesetzen in totalitären Staaten, mir steht natürlich auch der Umgang mit der Wahrheit und mit dem Gesetz in unseren westlichen Demokratien vor Augen.

Doch wir müssen uns nicht der Illusion hingeben, dass es im kirchlichen Bereich besser ist. Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus der evangelischen Kirche. Sie können sich vorstellen, dass es Situationen gibt, wo es um das Zusammenwirken einer Kirchengemeinde mit dem Pastor, der Pastorin vor Ort nicht zum Besten bestellt ist. Es gibt Reibereien, Missverständnisse, die Arbeit macht keine Freude mehr, das Gemeindeleben leidet. Für solche Fälle gibt es ein Gesetz, dass der Kirchenvorstand erklären kann, dass die Zusammenarbeit mit dem Pfarrstelleninhaber “nachhaltig gestört” ist. - Das ist zunächst einmal aus meiner Sicht eine ordentliche und gute Regelung.

Dann aber wird es schwierig. Im Gesetzestext heißt es wortwörtlich: “Die Gründe für die nachhaltige Störung müssen nicht im Verhalten oder in der Person der Pfarrerin oder des Pfarrers liegen.” Damit ist der Willkür Tor und Tür geöffnet. Eine “nachhaltige Sörung” kann einfach behauptet werden. Bleibt der Kirchenvorstand auch bei einer Untersuchung bei seiner Behauptung, dass das Verhältnis “nachhaltig gestört” ist, dann wird der Pfarrstelleninhaber versetzt. Ist die Versetzung - aus was für Gründen auch immer - nicht möglich, wird der Pfarrer in den Wartestand versetzt - und wenn sich dann keine “Verwendung” findet, in den Ruhestand.

Startet in solch einer Situation eine Gemeinde, die von ihrem Pfarrer ein anderes Bild hat als der Kirchenvorstand, eine Unterschriftenaktion für den Pfarrer, so kann dies negativ ausgelegt werden, weil der Pfarrer die Gemeinde spaltet.

Der Verein "D.A.V.I.D. - gegen Mobbing in der evangelischen Kirche" betrachtet solch ein Vorgehen tatsächlich als Mobbing. Auf den Internetseiten unseres Vereins kann man nachlesen: "Die Ausbreitung von Mobbing wird durch Defizite in der Rechtskultur der Amtskirche begünstigt. Diese ergeben sich insbesondere aus:
  • mangelnder Anerkennung von Rechtsstaatlichkeit,
  • Missachtung gültiger Verfahrensvorschriften,
  • fehlender Transparenz durch unkontrollierbare Verpflichtung zur Verschwiegenheit,
  • der Mitwirkung Bediensteter der Amtskirche an kirchengerichtlichen Entscheidungen, die eine unzulässige Interessenvermengung ermöglicht."
(vgl. https://www.david-gegen-mobbing.de/die-gegenwaertige-rechtslage/)

In der biblischen Geschichte bleibt Daniel seinem Gott treu, so wie es der Wochenspruch sagt: "Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch." Und Gott rettet Daniel auf wunderbare Weise. Dass seine Gegner - und ihre Familien - ihren Frevel mit dem Leben bezahlen, müssen wir auch aus dem Kontext der damaligen Zeit betrachten.

Mir wäre da ein Satz aus der heutigen Epistel aus dem 1. Petrusbrief viel wichtiger, auch wenn wir den Text nicht gehört haben: "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade."

In totalitären Regimen haben es die Opfer staatlicher und anderer Gewalt ungleich schwerer und bezahlen ihren Mut oftmals mit dem Leben oder mit langem Entzug ihrer Freiheitsrechte.

Bei all dem Chaos, das z.Zt. in unseren westlichen Demokratien herrscht, erleben wir es doch immer wieder mit Genugtuung, dass die Rechtsprechung noch funktioniert. Den Mächtigen, den Demagogen und Hetzern, den Selbstgerechten, den Aufgeblasenen und Überheblichen werden von unseren höchsten Gerichten immer wieder ihre Grenzen aufgezeigt. Sie kommen mit ihrer Willkür und ihren Eigenmächtigkeiten nicht immer durch. Gleiches gilt, wenn im kirchlichen Bereich das Recht missbraucht, missachtet oder gebeugt wird.

Wenn Menschen dann erkennen, dass ein gerechtes, ein richtiges Verhalten auch Gottes Willen entspricht - denken Sie an den Propheten Amos: “Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.” dann können wir wie Darius am Ende auch sagen: “Viel Friede zuvor! Jedermann fürchte und liebe den Gott Daniels, den Vater unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Denn er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende. Er ist ein Retter und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden.” Ihm können wir all unsere Sorgen anvertrauen, denn: "Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir."

Samstag, 7. September 2019

12. Sonntag nach Trinitatis

8. September 2019

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 12. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.55. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr". 

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 2017, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jes 42, 3)

Die vorgesehenen Bibeltexte legen einen starken Schwerpunkt auf die Heilungswunder Jesu. Die will ich nicht in Frage stellen, es wird schließlich auch von anderen Menschen erzählt, dass sie die Gabe hatten, andere gesund zu machen. Und auch heute gibt es Menschen, denen gott die Gabe der Heilung geschenkt hat. Aber in der in der Bibel geschilderten Massivität und Direktheit möchte ich die Geschichten heute nicht mehr predigen. Es würden zu viele Hoffnungen geweckt und dann womöglich enttäuscht.

Als Predigttext wähle ich deshalb Jesaja 29,17-24 - Die große Wandlung. Der Evangeliumstext Lukas 13,10-17 stammt aus der VI. Predigtreihe. Neben dem Heilungsaspekt hat der Text noch die Heiligung des Feiertags im Blick. Darauf werde ich aber nicht eingehen.

Mit dem Alttestamentlichen Text kann man den Wochenspruch m.E. gut interpretieren.

Lieder

neben der Orgel ist unser Posaunenchor im Einsatz

  • Musikalisches Vorspiel
  • Du meine Seele, singe (EG 302,1-3)
  • Psalm 30 (EG 715)
  • Herr, wir stehen Hand in Hand (EG 602,1-4)
  • Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden (EG 66,1-3)
  • Erneure mich, o ewigs Licht (EG 390,1-3)
  • Herz und Herz vereint zusammen (EG 251,1-3)
  • Musikalisches Nachspiel

Alttestamentliche Lesung und Predigttext
Jesaja 29,17-24 - Die große Wandlung

17 Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. 18 Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; 19 und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

20 Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, 21 welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen.

22 Darum spricht der HERR, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen. 23 Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände – seine Kinder – in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten. 24 Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Evangelium
Lukas 13,10-17 - Die Heilung einer verkrümmten Frau am Sabbat

10 Und er lehrte in einer Synagoge am Sabbat. 11 Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten. 12 Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, sei frei von deiner Krankheit! 13 Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.

14 Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, dass Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbattag. 15 Da antwortete ihm der Herr und sprach: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Sollte dann nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden? 17 Und als er das sagte, mussten sich schämen alle, die gegen ihn gewesen waren. Und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch ihn geschahen.

Predigtnotizen - Jesaja 29,17-24

Zu Beginn hören wir eine großartige Verheißung:

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.

In der Bibel prägt die Rede von den "Zedern des Libanon" die Vorstellung von diesem Land. Bei Wikipedia finden wir diesen Hinweis:

Die Zedern Gottes sind einer der letzten Bestände der früher verbreiteten Libanon-Zeder (Cedrus libani) im Wadi Qadischa, die früher im ganzen Libanongebirge verbreitet war. Seit der Antike haben Phönizier, Ägypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Römer, Israeliten und Türken das haltbare Holz gerne für Gebäude, Schiffbau und in osmanischer Zeit auch für den Eisenbahnbau benutzt und die Bestände abgeholzt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Zedern_des_Herrn)

Weiter lautet die Verheißung:
  • Taube hören die Worte des Buches.
  • Die Augen der Blinden sehen aus Dunkel und Finsternis.
  • Die Elenden haben Freude am HERRN. 
  • Die Ärmsten unter den Menschen sind fröhlich in dem Heiligen Israels.
Es gab eine Zeit, wo die Menschen den Eindruck hatten, dass sich diese Verheißungen erfüllten.

Da aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger 3 und ließ ihn fragen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
  • Blinde sehen und 
  • Lahme gehen, 
  • Aussätzige werden rein und 
  • Taube hören, 
  • Tote stehen auf und 
  • Armen wird das Evangelium gepredigt; 
und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. (Mt 11,2-6)

Wenn Gottes Reich kommt, wenn es da ist, wenn Menschen nach Gott fragen, dann wir es ein Ende haben mit
  • Tyrannen und Spötter
  • die darauf aus sind, Unheil anzurichten
  • welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht 
  • und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, 
  • und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen.
Das alles ist die Verheißung dessen was passiert, wenn Gott kommt. 

Darum spricht der HERR, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.

Das spiegelt die Situation der Juden nach dem verlorenen Krieg gegen die Assyrer 722 v.Chr. wieder. Man stand beschämt da, man hatte den Krieg verloren, zumindest in den Augen der Sieger hatte auch Gott den Krieg verloren, denn die Götter waren stärker gewesen. Auch bei den Israeliten hat es lange gedauert, bis sie zu einer anderen Sicht kamen. Die allerdings war ungeheuerlich - und eigentlich nicht zu denken: Es war Gott selbst, der die Feinde gegen sein Volk geführt hatte. Warum? Die Propheten hatten es über all die Jahre, Jahrzehnte und man kann sagen Jahrhunderte angekündigt: Wenn ihr weiterhin von Gottes Wegen abweicht, wenn ihr sein Gebot in den Wind schreibt, wenn Tyrannen und Spötter das Wort haben, welche Menschen unschuldig verurteilt werden und wenn die, die dieses Unrecht benennen, verfolgt werden, wenn mit Lügen, mit Fake News das Recht des Unschuldigen gebeugt wird, dann wird es irgendwann einen Punkt geben, dass Gott einschreitet und seinerseits Gericht hält. Und genau das war passiert! Das zu erkennen bedeutete aber auch ein Eingeständnis des eigenen Versagens. Weiter so - das ging nicht mehr. Eine radikale Umkehr war vonnöten. Wenn das geschieht, dann sagt Gott allerdings tatsächlich den Israeliten zu: Ihr müsst nicht mehr erblassen!

Warum? Wenn die Völker sehen werden die Werke meiner Hände – seine Kinder – in ihrer Mitte, dann werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten.

Die Israeliten haben ihren Glauben bewahrt, sie sind ihrem Gott treu geblieben - erneut treu geworden. Das ist auch für andere das Zeichen, dass Gott nicht besiegt wurde. Wenn Menschen das erkennen ...

dann werden die, welche irren in ihrem Geist, Verstand annehmen,
und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Ich weiß natürlich, dass wir davon meilenweit entfernt sind, aber wenn wir mit unseren schwachen Kräften daran mitarbeiten, dass ein Stück des Reiches Gottes hier auf Erden sichtbar wird, dass Menschen erkennen, dass Verhältnisse sich zum Guten kehren, dass Recht und Gerechtigkeit herrschen, dann wird sich auch im größeren Maßstab etwas verändern.

Montag, 2. September 2019

11. Sonntag nach Trinitatis

1. September 2019

Wir feierten das 25-jährige Jubiläum unseres Fördervereins. Dieser war zunächst gegründet worden, um in der Gustav-Adolf-Kirche den Neubau der Marcussen-Orgel anteilig zu finanzieren. Im Lauf der Zeit kamen andere Aufgaben hinzu.

Der Gottesdienst knüpfte noch einmal an die Anfangszeit an. Unser Organist Raimund Hagemann hatte als roten musikalischen Faden die Sonate D Moll Nr 6 Opus 65 von Felix Mendelssohn Bartholdy (der Link verweist auf eine Aufnahme von Ernst-Erich Stender bei Youtube) gewählt. Diese 1845 komponierte Sonate basiert auf dem Bach-Choral Vater unser im Himmelreich, BWV 416 - Choral und Variationen: Andante sostenuto - Allegro molto - Fuga - Finale: Andante [https://de.wikipedia.org/wiki/Sechs_Orgelsonaten_op._65_(Mendelssohn)]. Bach seinerseits griff auf das Vaterunser-Lied von Martin Luther zurück, das im Gesangbuch von Valentin Schumann, 1539, veröffentlicht war. Im Evangelischen Gesangbuch heute findet man das Lied unter der Nummer 344. Den Text findet man u.a. bei https://de.wikipedia.org/wiki/Vater_unser_im_Himmelreich.

Damit war der theologische Schwerpunkt gesetzt: Sonate, Lied und das gesprochene Herrengebet sollten sich durch den ganzen Gottesdienst ziehen. Für die Auslegung wurden zunächst Martin Luthers Erklärungen zum 3. Hauptstück des Kleiner Katechismus herangezogen. Unsere Prädikantin Petra Heidemann verfasste eine Neutextung zum Vaterunser, die hier mit ihrer freundlichen Genehmigung wiedergegeben werden.

Anders als meine Texte, die ich unter der Lizenz CC BY-SA 3.0 DE veröffentliche, darf die Neutextung von Petra Heidemann nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin weiter verwendet werden. Den Kontakt kann ich gern herstellen.

Gottesdienstordnung und Texte


♫ Orgelvorspiel: Choral „Vater unser im Himmelreich” aus der Sonate Nr. VI von Felix Mendelssohn-Bartholdy


Begrüßung

Wochenspruch: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade (1. Petr. 5,5b).

♫ Gemeinde EG 344,1

Vater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an und willst das Beten von uns han: gib, dass nicht bet allein der Mund, hilf, dass es geh von Herzensgrund.

Eingangsliturgie

  • Aufforderung zum Kyrie - EG 178.12
  • Aufforderung zum Lobgesang - EG 179
  • Eingangsgebet

Das Evangelium stand bei Matthäus im 6. Kapitel:

Es ist ein Teil der Bergpredigt, also ein Teil von Jesu Vermächtnis an uns. Und es ist ein ganz entscheidender Teil, ein Geschenk an uns alle. Jesus spricht zu uns:

Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten:
    Unser Vater im Himmel!
    Dein Name werde geheiligt.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    und vergib uns unsere Schuld,
    wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung,
    sondern erlöse uns von dem Bösen.

Glaubensbekenntnis


♫ Andante sostenuto (Sonate Nr. VI)


Auslegung Vaterunser I

Vater unser im Himmelreich, so haben wir es gerade gesungen, und so beten wir es immer wieder. Was aber ist das?
    Martin Luther sagt im Kleinen Katechismus: Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, damit wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.
      Du sorgst für uns wie ein Vater,
      Du liebst uns wie eine Mutter,
      Jesus hat Dich zärtlich ABBA - Papa - genannt.
      Deshalb wenden auch wir uns an Dich
      als Deine Kinder,
      voller Vertrauen, so wie wir sind,
      mit Stärken und Schwächen,
      ganz gleich, welcher Herkunft,
      ganz gleich, wo auf dieser Deiner Erde.
      Lass Deine Nähe für uns spürbar werden.
      (c) Heidemann

♫ Gemeinde singt EG 344,2-4

2 Geheiligt werd der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein, dass auch wir leben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich. Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, das arm verführet Volk bekehr.

3 Es komm dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Der Heilig Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei; des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

4 Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich. Gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid; wehr und steu'r allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen tut.

Auslegung Vaterunser II

Die Erste Bitte: Geheiligt werde dein Name.
    Was ist das?
    Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig werde.
      Wie geschieht das?
      Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben. Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehrt und lebt, als das Wort Gottes lehrt, der entheiligt unter uns den Namen Gottes. Davor behüte uns, himmlischer Vater!
        Lass in Deinem Namen kein Unrecht mehr geschehen,
        lass nicht zu, dass Dein Name missbraucht
        und Dein Wort verdreht und instrumentalisiert wird
        für psychische und physische Gewalttaten,
        für Krieg und Zwietracht,
        aber auch im eigenen kleinen Umfeld,
        in der Familie, im Freundeskreis,
        am Arbeitsplatz, in Schulen und Vereinen,
        selbst in Kirche und Gemeinde.
        (c) Heidemann
Die Zweite Bitte: Dein Reich komme.
    Was ist das?
    Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.
      Wie geschieht das?
      Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich.
        Lass nicht unser Streben nach Macht,
        Ansehen, Bequemlichkeit und Luxus
        unser Tun und Denken bestimmen,
        sondern die Liebe zu Deiner Schöpfung.
        Lass uns einander stützen und unterstützen,
        statt einander zu übertrumpfen und zu übervorteilen.
        Lass uns Freude und Leid teilen,
        das Gute im anderen suchen,
        denn wenn jeder nicht allein an sich,
        sondern an andere denkt, ist vielfältig an alle gedacht.
        (c) Heidemann
Die Dritte Bitte: Dein Wille geschehe ...
    Was ist das?
    Gottes guter, gnädiger Wille geschieht auch ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns geschehe.
        Lass uns erkennen,
        dass es nie zu etwas Gutem führt,
        wenn wir unbedingt unseren Willen durchsetzen wollen,
        wenn wir meinen, alles besser zu wissen,
        wenn wir unser Gebet mit einem Bestellkatalog
        für unsere Wünsche verwechseln.
        Lass uns lernen,
        Dir alles zuzutrauen, Dir zu vertrauen.
        Lass nicht zu,
        dass die radikal Denkenden das letzte Wort haben,
        lass Dein Wort sie zum Schweigen bringen.
        Und gib uns den Mut,
        ihnen Dein Wort entgegen zu halten.
        (c) Heidemann
... wie im Himmel, so auf Erden.
      Wie geschieht das?
      Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, die uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, wie der Teufel, die Welt und unsres Fleisches Wille; sondern stärkt und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende. Das ist sein gnädiger, guter Wille.
        Lass uns bewusst werden,
        dass Dein Heil
        keine Jenseitsvertröstung ist,
        sondern dass es hier und jetzt beginnt,
        wenn wir bereit sind,
        die tätigen Werkzeuge Deiner Liebe zu sein.
        (c) Heidemann

♫ Gemeinde singt EG 344,5 

Gib uns heut unser täglich Brot und was man b'darf zur Leibesnot; behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, dass wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizens müßig gehn.

Auslegung Vaterunser III

Die Vierte Bitte: Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Was ist das?
    Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er's uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot.
      Was heißt denn tägliches Brot?
      Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.
        Lass uns wiederentdecken,
        was wir wirklich zum Leben brauchen.
        Lass uns bewusst sein, dass Du es bist,
        der uns alles Notwendige reichlich gibt,
        dass wir es deshalb gar nicht nötig haben,
        auf Kosten anderer zu leben,
        wie es in immer erschreckenderem Maße
        auf dieser Deiner Erde geschieht,
        wo unser Streben nach Optimierung,
        und Gewinnmaximierung, nach Luxus und Überfluss
        die Ressourcen verschlingt, die Umwelt zerstört
        und Mensch, Tier und Pflanzen
        Unsägliches erleiden lässt.
        Du gibst uns doch täglich auf's Neue,
        so ist jeden Tag für das Heute gesorgt.
        Und wenn zu unserem unverdienten Glück
        auf unserem Kontinent, in unserem Land
        die Waagschalen voller gefüllt sind
        als bei unseren Geschwistern
        in anderen Teilen dieser einen Erde,
        dann hilf uns dabei,
        Politiker zu überzeugen
        und eigene Wege zu finden,
        das Gleichgewicht durch Teilen anzustreben.
        Täglich und heute.
        (c) Heidemann

♫ Choral im 12/8 tel Takt aus der Sonate Nr. VI


♫ Gemeinde singt EG 344,6-8

6 All unsre Schuld vergib uns, Herr, dass sie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit.

7 Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist anficht; zur linken und zur rechten Hand hilf uns tun starken Widerstand im Glauben fest und wohlgerüst' und durch des Heilgen Geistes Trost.

8 Von allem Übel uns erlös; es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not. Bescher uns auch ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ.

Auslegung Vaterunser IV

Die Fünfte Bitte: Und vergib uns unsere Schuld ...
    Was ist das?
    Wir bitten in diesem Gebet, dass der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünden und um ihretwillen solche Bitten nicht versagen, denn wir sind dessen nicht wert, was wir bitten, haben's auch nicht verdient; sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben, obwohl wir täglich viel sündigen und nichts als Strafe verdienen.
        Lass uns unsere Verantwortung erkennen
        und zu unseren Halbherzigkeiten stehen.
        Wir bringen vor Dich
        unsere Bequemlichkeit, unseren Starrsinn,
        unser Haben-Wollen,
        unser oft liebloses Handeln,
        unsere Gedankenlosigkeit,
        unser Wegschauen, unser Weghören,
        unser Nichtstun, unsere Resignation.
        Nimm all das in Deine Vaterhände,
        verwandle all das und uns zum Guten,
        mache die Welt und uns wieder heil.
        (c) Heidemann
...wie wir vergeben unseren Schuldigern.
      So wollen wir wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohltun denen, die sich an uns versündigen.
        Hilf uns,
        das Geschenk Deiner Gnade und Vergebung
        auch anderen zuteil werden zu lassen.
        Lass uns lernen,
        mit den Augen der anderen zu sehen.
        Wo Du uns die Hand reichst,
        da brauchen wir doch auf niemanden
        mit dem Finger zu zeigen.
        Und nur, wenn wir weiterreichen,
        was wir von Dir empfangen,
        statt krampfhaft festzuhalten,
        sind wir frei, uns von Dir
        wieder neu beschenken zu lassen.
        (c) Heidemann
Die Sechste Bitte: Und führe uns nicht in Versuchung.
    Was ist das?
    Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.
        Mache unseren Glauben stark,
        dass wir nicht aufhören,
        unser Tun und Lassen,
        unser Reden und Hören
        allein an Deinem Wort
        und an Deiner Liebe zu orientieren,
        dass wir durch alle Verlockungen,
        durch alle Fragen und Zweifel hindurch
        zu Dir finden.
        (c) Heidemann
Die Siebente Bitte: Sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Wir bitten in diesem Gebet, dass uns der Vater im Himmel vom Bösen und allem Übel an Leib und Seele, Gut und Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem Jammertal zu sich nehme in den Himmel.
        Befreie uns
        von unseren Verstrickungen und falschen Zielen,
        von Hass, Gewalt, Intoleranz und Ungeduld,
        von Gedankenlosigkeit und Eigennutz,
        von Neid und Eifersucht,
        von Gewinnstreben und Egoismus,
        von Eitelkeit, Überheblichkeit und Selbstüberschätzung.
        Gib uns klaren Verstand und Empathie
        und lass uns das rechte, vernünftige Maß finden,
        Eigenliebe und Nächstenliebe
        miteinander ins Gleichgewicht zu bringen.
        Wir wissen, dass wir
        unter Deinem Schutz und Schirm
        fröhliche und zuversichtliche Menschen sein können,
        dass wir mit Dir
        der Zukunft mutig entgegentreten können,
        denn Du gibst uns
        Zuflucht und Geborgenheit,
        Lebensmut, Sinn und Ziel.

        Deshalb können wir es alle miteinander laut bekennen
        und dankbar herausrufen:
        (c) Heidemann
Dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

AMEN - so sei es.

Abendmahl

Jesus hat versprochen: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. 

Und in der Offenbarung verspricht er uns: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. 

Darauf vertrauen wir - Jesus ist auch hier mitten unter uns. Er schenkt sich im gesegneten Brot und im gesegneten Kelch. Hören wir, was er uns als Vermächtnis gestiftet hat: 
    Unser Herr Jesus Christus,
    in der Nacht, da er verraten ward,
    nahm er das Brot, dankte und brach's
    und gab's seinen Jüngern und sprach:
    Nehmet hin und esset,
    das ist mein Leib, der für euch gegeben wird:
    solches tut zu meinem Gedächtnis.

    Desselbengleichen nahm er auch den Kelch
    nach dem Abendmahl,
    dankte und gab ihnen den und sprach:
    Nehmet hin und trinket alle daraus.
    Dieser Kelch ist das Neue Testament,
    in meinem Blut,
    das für euch vergossen wird, zur Vergebung der Sünden.
    Solches tut, sooft ihr's trinket
    zu meinem Gedächtnis.

♫ Christe du Lamm Gottes

Kommt, es ist alles bereit. Seht und schmeckt, wie gnädig der Herr ist.

♫ dabei: Eingangschoral „Vater unser im Himmelreich” – Choral im Tenor (Sonate Nr. VI)

Dankesvotum nach dem Abendmahl

♫ Allegro molto – Fuga. Sostenuto e legato (Sonate Nr. VI)


Fürbittengebet


♫ Gemeinde singt EG 344,9

Amen, das ist: es werde wahr. Stärk unsern Glauben immerdar, auf dass wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiermit gebeten han auf dein Wort, in dem Namen dein. So sprechen wir das Amen fein.

Segen


♫ Orgelnachspiel: Finale. Andante (Sonate Nr. VI)


Evangelisches Gesangbuch

Zum Schluss noch die allgemeinen Hinweise zum 11. Sonntag nach Trinitatis. Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte unter der Nummer 954.54. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Epistel - Epheser 2,4-10 - Das neue Leben als Geschenk der Gnade

4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Evangelium - Lukas 18, 9-14 25, 14-30 - Von den anvertrauten Zentnern

Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.