Samstag, 24. August 2019

10. Sonntag nach Trinitatis

24. August 2019


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 10. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.53. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Der 10. Sonntag nach Trinitatis ist in der evangelischen Kirche der "Israelsonntag". Wir Christen erinnern uns unserer Wurzeln im auserwählten Volk Gottes, in Israel. Der Apostel Paulus beschreibt diese Verbindung mit einem Vorgang aus der Landwirtschaft. Israel ist der Ölbaum, in den die Christen als wilder Zweig eingepfropft wurden , so dass sie "teilbekommen ... an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums", (Röm 11,17)

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat. (Ps 33, 12)

Gottesdienstordnung

Neben dem Kasus "Israelsonntag" hat der Gottesdienst einen zweiten Schwerpunkt. Ein Ehepaar aus der Gemeinde feiert seine Goldene Hochzeit und erbittet im Gottesdienst Gottes Segen. 

♫ Orgelvorspiel - Kaddisch - Maurice Ravel

Begrüßung

♫ fT 168 - Sonne der Gerechtigkeit

Psalmgebet - 106, (4) 5a. 6. 47a (48a)
    4 HERR, gedenke meiner nach der Gnade,
    die du deinem Volk verheißen hast;
      erweise an uns deine Hilfe,
      5 dass wir sehen das Heil deiner Auserwählten ...
    47 Hilf uns, HERR, unser Gott,
    und bring uns zusammen aus den Völkern,
      dass wir preisen deinen heiligen Namen
      und uns rühmen, dass wir dich loben können!
    48 Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit,
      und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!
Bittruf und Lobpreis
    ♫ fT 25 - Da wohnt ein Sehnen tief in uns
    ♫ fT 172 - Wo Menschen sich vergessen
Eingangsgebet

Evangeliumslesung Mk 12, 28-34 - Die Frage nach dem höchsten Gebot

28 Und es trat zu Jesus einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften« (5.Mose 6,4-5). 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

♫ Eugène Bozza - Melodie Hebraique (französisch)

Goldene Hochzeit 

Lesungen aus der Bibel zum Thema Ehe

  • Aus der Schöpfung - 1. Mose 1,27f
  • Von Jesus - Mt 19,5f
  • Das Leben in der Ehe - Kol 3,12-17

Erinnerung an das Bekenntnis zueinander, Gebet und Segen

♫ fT 137 - Wir glauben, Gott ist in der Welt

Predigt

Das Verhältnis Gottes zu seinem Volk Israel aus christlicher Sicht:

Paulus: Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. (Römer 11,28f)

Gott hält an seinem Bund mit seinem erstgeborenen Volk fest: Sie sind Geliebte um der Väter willen - um Abrahams, Isaaks und Jakobs willen!

Gott steht zu seinem Volk - wie das Ehepaar, dass im Gottesdienst seine Goldene Hochzeit feiert, zueinander steht - in guten wie auch in bösen Tagen. 

Wie kann dieses Miteinander gelingen? Zuerst hören wir, was Jesus im Evangelium gesagt hat: 
  • Gott lieben! (5.Mose 6,4-5).
  • Den Nächsten lieben wie dich selbst! (3.Mose 19,18)
Beide Sätze stammen aus dem Alten - aus dem Ersten Testament. Jesus hat sich diese Sätze nicht ausgedacht. Er steht fest in seiner jüdischen Tradition. Juden und Christen können dies gemeinsam bezeugen in unserer Welt. 

Noch einmal das Goldene Ehepaar - Kol 3
  • Die Anrede: Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen
  • Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern;
  • Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. 
  • Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in "einem" Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 
  • Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen ...
Abgesehen von der Goldenen Hochzeit hätte ich mich stärker 3. Mose 19 zugewandt. Hier wird ausführlich beschrieben, was Leben aus dem Glauben an Gott bedeutet. Auch dieser alte Text ist eine Anleitung zu gelingendem Leben. Ich zitiere die Verse, die sich aus meiner Sicht auf die Gegenwart übertragen lassen. 

Von der Heiligung des täglichen Lebens
1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.
  • 3 Ein jeder fürchte seine Mutter und seinen Vater. 
  • Haltet meine Feiertage; ich bin der HERR, euer Gott. 
  • 4 Ihr sollt euch nicht zu den Götzen wenden und sollt euch keine gegossenen Götter machen; ich bin der HERR, euer Gott.
  • 9 Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht alles bis an die Ecken deines Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten. 10 Auch sollst du in deinem Weinberg nicht Nachlese halten noch die abgefallenen Beeren auflesen, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen; ich bin der HERR, euer Gott.
  • 11 Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andern.
  • 12 Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und den Namen eures Gottes nicht entheiligen; ich bin der HERR.
  • 13 Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken noch berauben. Es soll des Tagelöhners Lohn nicht bei dir bleiben bis zum Morgen.
  • 14 Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten; ich bin der HERR.
  • 15 Du sollst nicht unrecht handeln im Gericht: Du sollst den Geringen nicht vorziehen, aber auch den Großen nicht begünstigen, sondern du sollst deinen Nächsten recht richten.
  • 16 Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk. Du sollst auch nicht auftreten gegen deines Nächsten Leben; ich bin der HERR. 17 Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.
  • 18 Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.
  • Ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben.
  • 29 Du sollst deine Tochter nicht zur Hurerei anhalten, dass nicht das Land Hurerei treibe und werde voll Schandtat.
  • 30 Meine Feiertage haltet und fürchtet mein Heiligtum; ich bin der HERR.
  • 31 Ihr sollt euch nicht wenden zu den Geisterbeschwörern und Zeichendeutern und sollt sie nicht befragen, dass ihr nicht an ihnen unrein werdet; ich bin der HERR, euer Gott.
  • 32 Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR.
  • 33 Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. 34 Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.
  • 35 Ihr sollt nicht unrecht handeln im Gericht, mit der Elle, mit Gewicht, mit Maß. 36 Rechte Waage, rechtes Gewicht, rechter Scheffel und rechtes Maß sollen bei euch sein; ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat, 37 dass ihr alle meine Satzungen und alle meine Rechte haltet und tut; ich bin der HERR.

♫ George Perlman Israelisches Concertino Hora-Hatikva

Abkündigungen

♫ fT 118 - Weil der Himmel bei uns wohnt

Fürbitte und Vaterunser

Entlassung und Segen

♫ Orgelnachspiel - Hava nagila

Freitag, 9. August 2019

8. Sonntag nach Trinitatis

11. August 2019


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 8. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.51. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Eph 5, 8b-9)

Wochenlied:

Sonne der Gerechtigkeit (EG 262/263)
Lass uns in deinem Namen, Herr (HE-EG 614)

Lieder im Gottesdienst

EG 444,1-5 - Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne
EG 727 - Psalm 51 - Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
EG 426,1-4 - Es wird sein in den letzten Tagen
EG 72,1-3 - O Jesu Christe, wahres Licht
EG 262,1.2.5 - Sonne der Gerechtigkeit
EG 389,1-5 - Ein reines Herz, Herr, schaff in mir

Alttestamentliche Lesung Jes 2, 1-5 - In Zion finden alle Völker Heil und Frieden

1 Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:

2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, 3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. 4 Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Epistel Eph 5, 8b-14 - Lebt als Kinder des Lichts

Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Predigt

Die beiden letzten Sonntage handelten von Gottes Gaben an uns Menschen - vor 14 Tagen ging es um die Taufe, vor einer Woche um das Abendmahl. In der Taufe erklärt uns Gott zu seinen Kindern, im Abendmahl stärkt er uns durch das gesegnete Brot und den gesegneten Kelch zum Leben im Glauben - in dieser Welt und für diese Welt. Heute hören wir, dass wir gefordert sind, gemäß unserem christlichen Glauben zu leben: “Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.”

Bei all dem Chaos, das wir im Augenblick in der Welt haben, fällt es schwer sich vorzustellen, dass solch ein Ruf überhaupt gehört wird, dass diese Aufforderung hilft, wieder in die Spur zu kommen, damit wieder ein wenig Ruhe und auch Ordnung einkehrt, damit Menschen wieder aufeinander achten und sich nicht gegenseitig hassen und fertig machen. Mancher fragt, ob es überhaupt noch einen rettenden Ausweg gibt? Oder ist es so, wie es der Prophet Jesaja für seine Zeit beschreibt? Zuerst ist da der Weckruf Gottes: “Zu der Zeit rief ... der HERR Zebaoth, dass man weine und klage und sich das Haar abschere und den Sack anlege.” - Also: Buße tun, sich besinnen und umkehren! “Aber siehe da”, so heißt es bei Jesaja weiter, “lauter Freude und Wonne, Rindertöten und Schafeschlachten, Fleischessen und Weintrinken: »Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!«” (Jes 22,12f)

Was also kann helfen, dass die christliche Botschaft vom Leben im Licht des Glaubens wieder Gehör findet? Auf keinen Fall die Umwandlung von Kirchen in Abenteuerspielplätze, wie es die englische Kirche nach dem Bericht der gestrigen Ausgabe der Meppener Tagespost offensichtlich versucht. Und auch die Versuche der Evangelischen Kirche in Deutschland, unter organisationsstrategischen Gesichtspunkten die Kirche umzugestalten, sind zum Scheitern verurteilt.

“Wachsen gegen den Trend”, das war das Motto, das vor ein paar Jahren von der Kirchenleitung ausgegeben wurde. Mit sogenannten “Leuchttürmen”, mit besonderen Projekten und Events wollte man die Menschen locken. Der einzige Faktor, der in dieser Zeit gewachsen ist, ist die Zahl der Kirchenaustritte. Alles andere ist weiter zusammengeschrumpft. Der Weserkurier aus Bremen schrieb dazu vor ein paar Wochen: “Eigentlich müsste die christliche Kirche im Jahr 2019 ihre Blütezeit haben. Nie waren die Zeiten aufgeregter, nie erschien die Welt unübersichtlicher. Kirche, gebaut auf einem Wertekanon aus Nächstenliebe und Verantwortungsbewusstsein, könnte Orientierung geben und begeistern - doch sie tut es nicht. Die Folge ist fatal: Eine Kirche, die unsichtbar ist und nicht wahrgenommen wird, ist entbehrlich.“ (zitiert nach: Meppener Tagespost, 22.07.2019, Seite 2)

Was also kann helfen, dass die christliche Botschaft vom Leben im Licht des Glaubens wieder Gehör findet? Es fällt uns Menschen offensichtlich schwer, unser Verhalten zu verändern, wenn wir direkt mit unserem Fehlverhalten konfrontiert werden. Der Ruf Gottes, “dass man weine und klage und sich das Haar abschere und den Sack anlege”, wurde zur Zeit Jesajas nicht gehört - und offensichtlich auch nicht bei uns. Was muss denn noch alles gesagt werden und was muss passieren, damit die Menschheit umkehrt vom zerstörerischen Weg?

Vielleicht bewegen Worte, wie wir sie in den ersten Kapiteln des Jesajabuches lesen und wie wir sie vorhin im Gottesdienst schon gehört haben, die Herzen: “Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen!”

Das ist keine Drohung, das ist eine Verheißung: die Menschen werden kommen, sie werden nach dem Gott Israels fragen und uns sie werden auf den Gott, den Jesus seinen Vater nennt, hören! Und dann werden sie "hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen". Diese Geißel der Menschheit, die nur Leben zerstört, wird aus dem Blick geraten und keine Rolle mehr spielen.

Damit Menschen sich Gott zuwenden können, damit sie erkennen können, was Leben im christlichen Glauben bedeutet, deshalb fordert der Wochenspruch uns Christen auf: "Lebt als Kinder des Lichts!" Oder mit vergleichbaren Worten Jesu aus dem Matthäusevangelium gesagt: "Ihr seid das Licht der Welt! ... Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Mt 5)

Das ist nicht einfach in einer Welt, in der es offensichtlich denjenigen sehr gut geht, die sich um nichts anderes kümmern als um sich selbst, die egoistisch ihre Ziele verfolgen und durchsetzen, und die schließlich auch noch Gott verleugnen - den brauchen wir nicht, höchstens als religiöses Mäntelchen, das die eigentlichen Ziele verbirgt. Solche Menschen haben offensichtlich Erfolg und bekommen alles, was sie haben wollen. Warum?

Das ist nicht allein in der Gegenwart so, das kam schon zu biblischen Zeiten vor. An vielen Stellen kann man das nachlesen, in den Psalmen oder beispielsweise auch in einem Abschnitt aus dem Buch der Sprüche, der für den heutigen Sonntag als ein Predigttext vorgesehen ist. Ich lese diesen Text aus dem 4. Kapitel der Sprüche Salomos abschnittsweise vor und füge jeweils ein paar Gedanken ein.

“Väterliche Mahnung” - so sind diese Zeilen erst einmal in der Lutherbibel überschrieben. Offensichtlich erschließt sich ein Leben im Glauben nicht automatisch. Es gehört vielleicht ein Stück Erfahrung dazu, wie sie ältere Menschen in ihren Lebensjahren sammeln können. 

18 Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag. 19 Der Gottlosen Weg aber ist wie das Dunkel; sie wissen nicht, wodurch sie zu Fall kommen werden.

Ehrlich währt am längsten! Lügen haben kurze Beine! - Unser Gesetz hat Lücken - wir sind darauf gepolt, genau diese Lücken zu finden - oder Recht wird gebeugt - oder man nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau - alternative Wahrheiten, Fake News

20 Mein Sohn, merke auf meine Rede und neige dein Ohr zu meinen Worten. 21 Lass sie dir nicht aus den Augen kommen; behalte sie in deinem Herzen, 22 denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und heilsam ihrem ganzen Leibe.

23 Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.

24 Tu von dir die Falschheit des Mundes und sei kein Lästermaul.

Keine körperliche Gewalt, sondern den anderen mit Worten fertig machen - Mobbing, Verleumdung, den anderen schlecht machen - oder manchmal anders herum: gar nichts sagen, der offensichtlichen Lüge nicht widersprechen

25 Lass deine Augen stracks vor sich sehen und deinen Blick geradeaus gerichtet sein.

26 Lass deinen Fuß auf ebener Bahn gehen, und alle deine Wege seien gewiss.

27 Weiche weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen.

Ich kann morgens in den Spiegel schauen. 

Wenn es uns gelingt, diese “väterlichen” Mahnungen zum Maßstab unseres christlichen Handeln zu machen, wenn wir nach Gottes Gebot fragen, danach nach bestem Wissen und Gewissen handeln - und das auch so benennen: Ich handele so, weil ich Christ bin, weil ich glaube, dass mein Verhalten in Gottes Augen richtig und gut ist - wenn wir so leben, dann leben wir als “Kinder des Lichts”. Die Frucht eines solchen Handelns ist tatsächlich “Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit”. Dann lassen wir “unser Licht vor den Menschen leuchten” und die erkennen Gottes Wort und Gebot als Grundlage unseres Lebens. Das, was in unseren Kräften steht, setzen wir in die Tat um, damit Menschen sagen können: “Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen!”

Und ein Letztes: Wenn solch ein Reden und Handeln Grundlage der tatsächlich erforderlichen kirchlichen Neuorientierung wäre, dann könnte eine solche “Kirche, gebaut auf einem Wertekanon aus Nächstenliebe und Verantwortungsbewusstsein”, solch eine Kirche könnte den Menschen “Orientierung geben und begeistern” - und diese Kirche hätte auch wieder etwas zu sagen in unserer Gesellschaft.

Also, eigentlich ist es ganz einfach: “Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.” Denn: "Ihr seid das Licht der Welt! ... Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." Und die Völker werden sagen: “Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen!” … Und wir werden unsere “Schwerter zu Pflugscharen” und unsere “Spieße zu Sicheln” machen. … Und wir wollen hinfort “nicht mehr lernen, Krieg zu führen”.

Donnerstag, 25. Juli 2019

6. Sonntag nach Trinitatis

28. Juli 2019


Es ist der 4. Sonntag im Monat und somit feiern wir einen

musikalischen Gottesdienst. 


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 6. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.49. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr". Auf dieser Internetseite schreibt Manfred Senftleben zum Thema des Sonntags: "Am 6. Sonntag nach Trinitatis hören wir von der Taufe, dass wir durch sie zu Gottes Volk hinzuberufen sind. Die Taufe läßt uns teilhaben an dem Tod und der Auferstehung Jesu, und so haben wir auch Teil an dem wunderbaren Licht, das mit Jesus in diese Welt leuchtet."

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. (Jes 43, 1 (kursiver Text: Rev. 2014))

Lieder im Gottesdienst

Dazu schrieb unser Organist Herr Detlau-Keire: Urlaub - Wetter - Reisen - das war mein Motto bei der Liedauswahl.

Nachdem wir heute - Freitag - noch einmal alles durchgesungen haben, haben wir folgende Lieder festgelegt:

Vorspiel fT* 15 - Und ein neuer Morgen - als Rondo
1. Lied fT 15,1-3 - Und ein neuer Morgen (s. Vorspiel)
Psalm: EG** 574 - Der Herr ist mein Hirte
    Pastor Krüger singt die Stropen 1,3,5; die Gemeinde die Strophen 2,4; gemeinsam wird die 6. Strophe gesungen
Nach der Aufforderung zum Kyrie singt die Gemeinde dreimal fT43 - Meine Hoffnung und meine Freude
2. Lied EG 313,1-3 - Jesus, der zu den Fischern lief
Glaubensbekenntnis gesungen EG 652
nach der Predigt: EG 572, 1+3+5 - Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt
    Das Lied fT 174 - Ich bin auf der Flucht - als Moritat - nehmen wir uns für den 29.09. vor. 
    fT 177, 1-4 - Freunde, dass der Mandelzweig - mal schaun, wann das passt
5. Lied EG 278,1-3 - Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser
Vor dem Segen: EG 561 Herr, wir bitten komm und segne uns - Into-Strophe Zwischenmusik
    fT 190 - Verleih uns Frieden gnädiglich - ist ebenfalls schon für den 29.09. notiert
Nachspiel, von Beethoven Für Elise

* fT = Liederbuch freiTöne
** EG = Evangelisches Gesangbuch

Liederentdecken

Um vorab einige Informationen zu den Liedern und zur Auswahl zu erhalten und um die Lieder überhaupt kennenzulernen, treffen wir uns am
    Freitag, dem 26.08.2019
    ab ca. 18.30 Uhr nach dem Friedensgebet
    in der Gustav-Adolf-Kirche.

Epistel Röm 6, 3-8

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. 6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,

Evangelium - Mt 28, 16-20

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Predigtidee

In der Taufe verspricht Gott uns, dass er mit uns durchs Leben geht. Das kann dann mit dem Wochenspruch verdeutlicht werden, der früher auch des öfteren als Taufspruch Verwendung fand: "So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein." (Jes 43, 1)

Als Predigttext will ich 1. Mose 7-8 - Sintflut, natürlich in Auswahl - nehmen. Gott hatte den Menschen ja auch versprochen, mit ihnen zu gehen. Nur die wichen von Gottes Weg ab, so dass er feststellen musste: "5 Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, 6 da reute es den HERRN, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, 7 und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe." (1. Mose 6)

Den Menschen damals brachte die Sintflut den Tod - heute bringen sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen Tod und Verderben über Menschen. Das ist aber nicht Gottes Strafe, das sind vielmehr auch vom Menschen mitverursachte Katastrophen. Im Mittelmeer ertrinken Flüchtlinge, weil Europa es aktuell nicht schafft, eine funktionierende Seenotrettung aufzubauen. Außerdem sind die Bedingungen in Herkunftsländern so, dass Menschen sich auf den Weg machen, eine bessere Heimat zu finden.

Paulus betrachtet in der Epistel an die Römer das Wasser der Taufe auch als ein todbringendes Element. Daraus erwächst aber neues Leben. "3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. ... 10 was Christus gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott. 11 So auch ihr: Haltet euch für Menschen, die der Sünde gestorben sind und für Gott leben in Christus Jesus." (Röm 6)

Der 6. Sonntag nach Trinitatis erinnert uns also an unsere Taufe und Gottes Zusage. Gleichzeitig malt er uns die todbringende Kraft des Wassers vor Augen. Wir werden ermahnt, im Zeichen unserer Taufe ein neues Leben zu führen, das der Sünde keinen Raum mehr gibt. Das bedeutet aber auch, dass wir Christen uns für das Leben in der Welt, für das Leben aller Menschen einsetzen sollen.

Samstag, 13. Juli 2019

4. Sonntag nach Trinitatis

14. Juli 2019


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 4. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.47. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Gal 6,2)

Wochenlied:

Komm in unsre stolze Welt (EG 428) oder
O Gott, du frommer Gott (EG 495)

Leider ist bei der zurückliegenden Perikopenrevision das Lied "Mir ist Erbarmung widerfahren" (EG 355) als Wochenlied weggefallen - ausgesprochen schade!

Lieder für den Gottesdienst

Da unsere Organisten alle unterwegs sind, werden wir aus dem Liederbuch der Jugend singen.

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren (Nr. 53,1.2.4)
Psalm 108 (in Abwandlung [Nr. 01])
Liebe ist nicht nur ein Wort (Nr. 08,1-3)
Wie ein Fest nach langer Trauer (Nr. 27)
Wo ein Mensch vertrauen gibt (Nr. 51)
Beten - in der Stille angekommen (Nr. 64)

Epistel - Röm 14, 10-13

10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. 11 Denn es steht geschrieben (Jesaja 45,23): »So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.« 12 So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. 13 Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.

Evangelium - Lk 6, 36-42

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.
38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.
39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? 40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.

41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Predigttext 1. Sam 24, 1-20 - David verschont Saul in der Höhle von En-Gedi

241 Und David zog von dort hinauf und blieb in den Bergfesten bei En-Gedi. 2 Als nun Saul zurückkam von der Verfolgung der Philister, wurde ihm gesagt: Siehe, David ist in der Wüste En-Gedi. 3 Und Saul nahm dreitausend auserlesene Männer aus ganz Israel und zog hin, David samt seinen Männern zu suchen, in Richtung auf die Steinbockfelsen. 4 Und als er kam zu den Schafhürden am Wege, war dort eine Höhle und Saul ging hinein, um seine Füße zu decken. David aber und seine Männer saßen hinten in der Höhle.

5 Da sprachen die Männer Davids zu ihm: Siehe, das ist der Tag, von dem der HERR zu dir gesagt hat: Siehe, ich will deinen Feind in deine Hände geben, dass du mit ihm tust, was dir gefällt. Und David stand auf und schnitt leise einen Zipfel vom Rock Sauls. 6 Aber danach schlug ihm sein Herz, dass er den Zipfel vom Rock Sauls abgeschnitten hatte, 7 und er sprach zu seinen Männern: Das lasse der HERR ferne von mir sein, dass ich das tun sollte und meine Hand legen an meinen Herrn, den Gesalbten des HERRN; denn er ist der Gesalbte des HERRN. 8 Und David wies seine Männer von sich mit harten Worten und ließ sie sich nicht an Saul vergreifen.

Als aber Saul sich aufmachte aus der Höhle und seines Weges ging, 9 machte sich auch David auf ihm nach und ging aus der Höhle und rief Saul nach und sprach: Mein Herr und König! Saul sah sich um. Und David neigte sein Antlitz zur Erde und fiel nieder. 10 Und David sprach zu Saul: Warum hörst du auf das Geschwätz der Menschen, die da sagen: David sucht dein Unglück? 11 Siehe, heute haben deine Augen gesehen, dass dich der HERR in meine Hand gegeben hat in der Höhle, und man hat mir gesagt, dass ich dich töten sollte. Aber ich habe dich verschont; denn ich dachte: Ich will meine Hand nicht an meinen Herrn legen; denn er ist der Gesalbte des HERRN. 12 Mein Vater, sieh doch hier den Zipfel deines Rocks in meiner Hand! Dass ich den Zipfel von deinem Rock schnitt und dich nicht tötete, daran erkenne und sieh, dass meine Hände rein sind von Bosheit und Empörung. Ich habe mich nicht an dir versündigt; aber du jagst mir nach, um mir das Leben zu nehmen. 13 Der HERR wird Richter sein zwischen mir und dir und mich an dir rächen, aber meine Hand soll dich nicht anrühren; 14 wie man sagt nach dem alten Sprichwort: Von Bösen kommt Böses; aber meine Hand soll dich nicht anrühren. 15 Wem zieht der König von Israel nach? Wem jagst du nach? Einem toten Hund, einem einzelnen Floh! 16 Der HERR sei Richter und richte zwischen mir und dir und sehe darein und führe meine Sache, dass er mir Recht schaffe wider dich!

17 Als nun David diese Worte zu Saul geredet hatte, sprach Saul: Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul erhob seine Stimme und weinte 18 und sprach zu David: Du bist gerechter als ich, du hast mir Gutes erwiesen; ich aber habe dir Böses erwiesen. 19 Und du hast mir heute gezeigt, wie du Gutes an mir getan hast, als mich der HERR in deine Hände gegeben hatte und du mich doch nicht getötet hast. 20 Wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn mit Frieden seinen Weg gehen? Der HERR vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast!

Predigtidee

Manfred Senftleben beschreibt das Anliegen des 4. Sonntags nach Trinitatis so: "Der 4. Sonntag nach Trinitatis wendet sich der Gemeinde zu. Sie wird als Gemeinde der Sünder gesehen, die der Gnade Gottes bedarf. Ohne die Erkenntnis der eigenen Sünde ist es unmöglich, die Gnade Gottes anzunehmen, weil man sie nicht für nötig hält. Selbstgerechtigkeit entsteht, die dann in Überheblichkeit und Menschenverachtung mündet. ..." (https://daskirchenjahr.de/tag.php?name=4ntrinitatis&zeit=Trinitatis)

Was das bedeutet, möchte ich anhand des Alttestamentlichen Textes und der Epistel bedenken.

Es gab einmal eine Zeit, da hätten Saul und David behauptet, zwischen sie beide passe kein Blatt. David kam an Sauls Hof und konnte mit seinem Harfenspiel Sauls dunkle Gedanken vertreiben. Er war auch ein tüchtiger Soldat. Seine militärischen Erfolge verschafften den Israeliten insgesamt gegenüber ihren Feinden große Vorteile. Und außerdem verstand sich David mit Sauls Sohn Jonathan sehr gut. Insgesamt eine Situation, mit der alle zufrieden sein konnte.

Leider änderte sich dies recht schnell. Saul war auf die Erfolge Davids eifersüchtig. Der König konnte es nicht ertragen, dass sein Untergebener bei anderen angesehener war als er selbst. Zuerst waren es verbale Attacken, dann der Versuch, David auf ein Himmelfahrtskommando zu schicken in der Hoffnung, dass der Draufgänger im Kampf zu Tode käme. Davids Heirat mit Sauls Tochter Michal änderte an der Situation nicht viel. Zwar konnte Jonathans Intervention für einen Moment die Situation entschärfen, aber dann mussten Jonathan und Michal David eröffnen, dass ihr Vater weiterhin konkrete Mordpläne hegte. So floh David schließlich und sammelte eine Schar Abenteurer um sich, mit denen er das Land durchstreifte.

So ist das bis heute geblieben. Wo Eifersucht, Neid und Missgunst, aber auch böser Wille, Arglist, Tücke, Gemeinheit und Niedrigkeit oder die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit - wo das alles das Verhältnis von Menschen bestimmt, da kann kein Miteinander gedeihen.

In der biblischen Geschichte bekam David Saul in seiner Hand. Es hätte ihn keiner hindern können, die Situation auszunutzen und den Widersacher zu beseitigen. Er hätte sich selbst zum König ausrufen lassen können. Schließlich hatte ihn der Prophet Samuel schon im Auftrag Gottes gesalbt und somit zum Nachfolger von Saul bestimmt.

David besinnt sich eines anderen. Er erinnert sich einerseits an des Treuegelöbnis, das er gegenüber seinem König abgelegt hatte. Seine Anrede an Saul ist durchaus von Ehrerbietung gekennzeichnet: "Mein Herr und König! Mein Vater!" Andererseits bringt David Gott ins Spiel. Saul ist und bleibt für ihn der Gesalbte Gottes. Saul seinerseits erkennt den Großmut seines ehemaligen Heerführers an - "Mein Sohn" ist die Anrede - und Saul wünscht David Gottes Segen.

Was den beiden Männern nicht gelingt ist ein gemeinsames Gespräch. "Woran lag es? Wie konnte es soweit kommen? Was könnte das Verhältnis wieder in eine Spur bringen?" Jeder geht seiner Wege. Vielleicht auch eine Möglichkeit, schiedlich friedlich nebeneinander her zu leben.

Es vergeht noch eine Zeit, bis sich die Philister wieder zum Kampf gegen Israel erheben und es zur Schlacht kommt. Die Söhne Sauls werden getötet, Saul selbst wird schwer verwundet und stützt sich in sein Schwert, weil er nicht lebend in die Hände der Feinde fallen will. David wird schließlich König über ganz Israel und geht als DER König - bis heute - in die jüdische Geschichte ein. Alle anderen Könige werden an ihm gemessen - auch von Gottes Seite her betrachtet.

Zugegeben, auf der einen Seite kann ich mit diesem Ausgang leben - nicht unbedingt im Blick auf das Ende Sauls. Aber manchmal ist das im Leben so, dass man sich nichts mehr zu sagen hat und die Geschichte sich schon irgendwie entwickeln wird. Auf der anderen Seite ist mir das für einen Gottesdienst zu wenig.

Deshalb kommt der zweite biblische Text, die Epistel in den Blick. "Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden", schreibt Paulus an seine Gemeinde in Rom. Davon hatte übrigens auch David gesprochen. Gott werde zwischen ihm und Saul richten. Dabei werde deutlich, dass an ihm, David, kein Fehl zu finden sei.

Das würde Paulus so nicht sagen. "Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden", also Saul und David. "Jeder von uns (wird) für sich selbst Gott Rechenschaft geben." Wenn das zutrifft - und es ist ja richtig, was Paulus hier sagt - dann müssen wir angesichts unseres Schöpfers nicht so sehr auf den anderen schauen, sondern bei uns selbst bleiben. "Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten", so sagt es Paulus, "sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder - der Schwester - einen Anstoß oder Ärgernis bereite".

Wenn das auf beiden Seiten Grundlage unseres Denkens und Handelns wird - dem anderen keinen Anstoß oder Ärgernis bereiten - , wenn wir vielmehr den anderen fördern, ihn in seinem Bemühen ernst nehmen, ihm zugestehen, was wir uns für uns selbst auch wünschen, dann ist der Grundstein gelegt für ein fruchtbares Miteinander - im persönlichen Bereich, aber auch im Beruf, in der Politik und in der Wirtschaft. Und vor unserem himmlischen Schöpfer werden wir dann hoffentlich erklären können, dass wir uns bemüht haben, nach bestem Wissen und Gewissen unsere Entscheidungen getroffen zu haben. Also: "Lasst uns nicht mehr einer den andern richten, sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder - der Schwester - einen Anstoß oder Ärgernis bereite".

Mittwoch, 5. Juni 2019

Pfingsten

9. und 10. Juni 2019


Evangelisches Gesangbuch zum  Pfingstsonntag

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Pfingstsonntag unter der Nummer 954.41. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Pfingstmontag

Am Pfingstmontag (10. Juni) treffen wir uns wie in jedem Jahr zum Ökumenischen Festgottesdienst um 11.00 Uhr auf dem Meppener Marktplatz. Das aktuelle Plakat finden sich unter der Überschrift "Gottesdienste im Mai" weiter unten in diesem Blog. Pater Benny, der in diesem Jahr Sprecher der Ökumenischen Pfarrkonferenz Meppen ist, hat den Gottesdienst unter das Wort gestellt:

Ich hauche euch meinen Geist ein, 
dann werdet ihr wieder lebendig. 
(Ez 37,14)

Nun gilt, soweit nichts anderes vermerkt: Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sach 4, 6)

Wochenlied:

Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (EG 126)
Atme in uns, Heiliger Geist (fT 7)

Lieder, die mir gefallen:

Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124)
Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell (EG 127)
O Heilger Geist, kehr bei uns ein (EG 130)
➤ Ihr werdet die Kraft (EG 132)
Zieh ein zu deinen Toren (EG 133)
Komm, o komm, du Geist des Lebens (EG 134)
O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)
Geist des Glaubens, Geist der Stärke (EG 137)
O dass doch bald dein Feuer brennte (EG 255)
Strahlen brechen viele aus einem Licht (EG 268)
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (EG 241)
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen (EG 272)
Erhebet er sich, unser Gott (EG 281)
Die ganze Welt hast du uns überlassen (EG 360)
Wenn wir in höchsten Nöten sein (EG 366)
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)
➤ Wohl denen, die da wandeln (EG 395)

Weitere Liedvorschläge finden sich auf der Seite "Das Kirchenjahr"

Die Lieder, die letztendlich gesungen werden, markiere ich in den nächsten Tagen. Soweit kann ich es aber wohl schon sagen: EG 132 wird im Rahmen der Fürbitte gesungen werden. Es sind wunderbar eingängige Zeilen, die das Pfingstereignis in die Gegenwart holen.

Psalm 119 - EG 748

Da ich über den Marginaltext Psalm 119, 89-105 predigen werde, bietet es sich geradezu an, Psalm 119 als Eingangspsalm zu beten. Deshalb werden wir nach der Predigt sicherlich auch das Lied 395 "Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit" singen. 

Epistel Apg 2, 1-18 Das Pfingstwunder

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen,* wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): "17 Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen."

Evangelium Joh 14, 15-19(20-23a)23b-27
Die Verheißung des Heiligen Geistes

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Predigttext Ps 119, 89-105 (Marginaltext;
Übersetzung: Hoffnung für alle)


Predigtidee

Im wahrsten Sinn begeistert beginnen die Apostel, das in Christus fleischgewordene Wort Gottes zu predigen. Sie erzählen die Geschichten, sie deuten sie und sie gewinnen Menschen für den neuen Glauben. Das Christentum hatte von Anfang an eine faszinierende Wirkung auf die Menschen. Wenn man in die Missionsgebiete schaut, ist das bis heute so. Menschen sind begeistert von Christus.

Dann gilt es aber auch, diesen Glauben zu leben. Man braucht dazu eine Grundlage und ein festes Fundament. Die ersten Christen fanden dieses Fundament in der Heiligen Schrift ihrer jüdischen Geschwister, die allerdings mit dieser Geschwisterschaft für sich selbst nicht viel verbinden konnten und sich deshalb auch nicht dem neuen Glauben in den Scharen zuwandten, wie es die ersten Christen erhofften. Trotzdem blieben sich die Christen ihrer Wurzeln bewusst. Und deshalb können auch wir bis heute viel Kraft aus den Schriften des Ersten Testamentes schöpfen.

Zweifellos gehört der 119. Psalm zu den bemerkenswertesten Texten. 176 Verse umfasst er und ist damit der Längste Psalm in der Bibel. Alles dreht sich um das Gesetz Gottes und die Gebote. Dabei sind diese Gebote keine lästige Fessel, die es abzustreifen gilt, sie sind vielmehr eine hilfreiche Richtschnur, die Leben gelingen lassen, auch in der Krise.

Hören wir abschnittsweise auf die Verse, die als möglicher Predigttext für Pfingsten vorgeschlagen wurden. Ich lese den Text in der Übersetzung der Bibelausgabe "Hoffnung für alle". Mit Luthers Worten hatten wir den Psalm ja eingangs gebetet, allerdings in einer anderen Auswahl.

89 HERR, dein Wort bleibt für immer und ewig – so unverrückbar wie der Himmel hat es Bestand. 90 Deine Treue zu uns gilt ohne Ende – so unerschütterlich wie die Erde, die du erschufst. 91 Himmel und Erde bestehen bis heute, weil du es so willst, denn dir muss alles dienen.

92 Hätte ich nicht Freude an deinem Gesetz gehabt, dann wäre ich in meinem Elend umgekommen. 93 Nie will ich deine Befehle vergessen, denn durch sie hast du mich neu belebt.

94 HERR, ich gehöre zu dir. So hilf mir doch, denn ich habe immer nach deinen Geboten gefragt! 95 Gewissenlose Menschen liegen auf der Lauer, um mich zu beseitigen. Doch ich achte umso mehr auf das, was du mir sagst.

96 Ich sah, dass alles ein Ende findet, auch wenn es noch so vollkommen ist. Nur dein Wort kennt keine Grenzen.

97 HERR, wie sehr liebe ich dein Gesetz; den ganzen Tag denke ich darüber nach! 98 Gerade weil es mir immer gegenwärtig ist, bin ich meinen Feinden an Klugheit überlegen. 99 Ich habe mehr begriffen als alle meine Lehrer, denn ich mache mir ständig Gedanken über deine Ordnungen. 100 Ich besitze mehr Einsicht als alte Menschen mit ihrer Erfahrung, denn ich habe mein Leben nach deinen Geboten ausgerichtet. 101 Von krummen Wegen hielt ich mich stets fern, damit ich nicht gegen dein Wort verstoße.

102 Ich habe deine Belehrungen gerne angenommen, denn einen besseren Lehrer als dich gibt es nicht. 103 Dein Wort ist meine Lieblingsspeise, es ist süßer als der beste Honig. 104 Dein Gesetz macht mich einsichtig und klug, deshalb ist mir jede Art von Falschheit verhasst.

105 Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet.

Luther: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.

Samstag, 1. Juni 2019

Exaudi

2. Juni 2019

Partnerschaftsgottesdienst


Traditionell feiern wir in unserer Kirchengemeinde und im Kirchenkreis Emsland-Bentheim am 1. Juniwochenende den "Partnerschaftsgottesdienst". Dabei beziehen wir uns auf unsere Partnerschaft mit der Ev.-luth. Kirchengemeinde in Chemchem / Tansania / Afrika. Nach 5 Jahren der Vorbereitung begann die Partnerschaft offiziell Ende der 1980er Jahre. Diese Partnerschaft ruht auf 3 Säulen:
  • Glauben teilen
  • Leben teilen
  • Gaben teilen
Getragen wird die Partnerschaft durch persönliche Kontakte und den gegenseitigen Besuch alle zwei Jahre. Im letzten Jahr besuchte eine Delegation unseres Kirchenkreises unsere Partner in Tansania, nächstes Jahr bekommen wir Besuch aus Afrika. Ganz aktuell bereitet sich unsere Beauftragte für die Partnerschaftsarbeit Marga Pradel auf ihre Reise vor. 

Der diesjährige Partnerschaftsgottesdienst wurde von einem Team im Ev.-luth. Missionskreis Kondoa erarbeitet. Zunächst geht es um die Epistel und den Predigttext, dem sich die Predigtgedanken anschließen. Es folgen: Infos zur Kollekte - Lieder - afrikanische Texte. 

Epistel 2. Korinther 5,1-5 - Wir einen Bau, von Gott erbaut

1 Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2 Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, 3 weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. 4 Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. 5 Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Predigttext Lukas 11,5-8 - Der bittende Freund

5 Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

Meine erste Idee - unsere Partner in Afrika stehen vor der Tür. Wenn das die Säulen unserer Partnerschaft sind ...
  • Glauben teilen
  • Leben teilen
  • Gaben teilen
... dann hat die Vorstellung, dass unsere Partner uns um Hilfe bitten, auch ihre Berechtigung. Dabei sollten wir uns von dem Gedanken freimachen, dass unsere Partner nicht in der Lage seien, einem Gast etwas vorzusetzen. Wenn Frau Pradel hinfährt oder Herr Reincke oder wer auch immer, dann gibt es reich gedeckte Tische.

Das, was unsere Partner brauchen, ist Hilfe zur Selbsthilfe, weil Europa und die übrige Welt den Kontinent über Jahrhunderte ausgenutzt und ausgeplündert hat - und das auch heute noch tut. Das Anliegen unserer Partner ist übrigens kein "unverschämtes Drängen", sondern ein berechtigtes Interesse. Unser Reichtum korrespondiert mit der Armut in den afrikanischen Ländern. Korruption, Misswirtschaft, kriminelle Machenschaften u.a.m. tragen dazu bei, dass die Lage sich immer mehr verschlimmert.

Und nun stehen sie vor den Toren Europas, die Menschen aus Afrika und aus den anderen Krisengebieten unserer Welt, sie klopfen an und kommen durchaus auch durch die Türen, die wir so fest verriegeln wollen. Wo soll das denn hinführen, wenn wir jeden aufnehmen? Meine Antwort: Dass es vielleicht ein bisschen gerechter zuginge in unserer Welt.

Ganz aktuell suchen die Menschen aus der Ferne hier bei uns Arbeit, damit sie von dem, was sie verdienen, ihren Familien in der alten Heimat - soweit sie noch Kontakt haben - etwas abgeben können. Auf diese Weise fließt übrigens mehr Geld in diese Länder als durch die Entwicklungshilfe, die oft mit Zinsen zurückgezahlt werden muss, die die Länder damit in noch größere Abhängigkeiten bringt und die oftmals in dunklen Kanälen versickert.

Auf mittlere Sicht könnte es die Verantwortlichen bei uns anregen darüber nachzudenken, wie Wirtschaft und Politik gesteuert werden können, damit sich Afrika entwickeln kann - und die anderen Ländern natürlich auch - und die Menschen so in ihrer Heimat eine Perspektive haben. Hierzulande sollte übrigens auch darüber nachgedacht werden, dass hochqualifizierte deutsche Arbeitskräfte bei uns bleiben und nicht ins Ausland gehen und wir die Fachkräfte dann aus anderen Ländern abziehen, wo sie dringend benötigt werden.

Und auf längere Sicht könnten alle daran arbeiten, dass es eine gerechtere Weltordnung gibt, damit nicht die einen auf Kosten der anderen leben - das gilt nicht allein für Afrika, das gilt für Asien, Südamerika, für den Nahen Osten und wo sonst noch die Krisen gerade hochkochen.

Und dann ist mir noch ein zweiter Gedanke gekommen, als ich den Predigttext las. Es klopfen nicht allein die Menschen aus anderen Ländern und Erdteilen an unsere Türen, auch unsere Kinder und Enkel und die Urenkel klopfen an, ja sie machen sich lautstark bemerkbar: Friday for Future! Die jungen Leute nehmen ernst, was Wissenschaftler schon seit langem darlegen, dass es kritisch werden kann mit unserer Umwelt, dass die Menschheit es so weit getrieben hat, dass der Kollaps der Erde tatsächlich denkbar wird und wir damit rechnen müssen. Die jungen Leute wollen es nicht hinnehmen und deshalb stehen sie auf und gehen auf die Straße.

Und die Erwachsenen? Wir machen genau das, was Jesus in seiner Geschichte eigentlich für unmöglich hält: "Macht mir keine Unruhe! Das wird sich schon finden. Ich habe keine Lust aufzustehen und etwas zu unternehmen. Es hat sich doch alles so schön eingespielt. Wir wollen unsere Ruhe haben. Und ihr habt doch auch alles. Was wollt ihr denn noch mehr?"

Ich sage euch: Wir sollten das Drängen der jungen Menschen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir alle wissen Bescheid und erkennen auch die Zeichen der Veränderungen. Die Generation der 68er hat ihre Eltern gefragt: "Warum habt ihr nichts gegen Hitler unternommen?" - Werden uns unsere Kinder, Enkel und Urenkel mal fragen: "Warum habt ihr nichts gegen die Klimakatastrophe unternommen?"

Liebe Gemeinde, in der Geschichte Jesu steht der Mann auf und gibt seinem Freund die drei Brote. Lassen wir uns auch ansprechen: Zur Selbsthilfe für unsere Partner in Tansania - in den Abkündigungen hören wir gleich mehr dazu - und zur Unterstützung der jungen Leute, die uns mahnen, die Zukunft nicht zu verspielen. Noch scheint es nicht zu spät zu sein!


Info zur Kollekte, die wir sammeln: 

Am dringendsten wird die Kollekte für die EmBeKo-Krankenstation gebraucht. Sie benötigen dringend ein Ultraschallgerät zur Diagnostik. Es gibt kein funktionierendes Gerät in ganz Kondoa District, auch nicht im Krankenhaus. Der Medizinaldirektor vom District Kondoa bittet uns händeringend um ein Ultraschallgerät.  Es kann in Tansania erworben werden, mit Garantie und Wartung für 12.000 - 16.000 €. Ein Arzt zur Bedienung ist vor Ort und arbeitet in der Ev.-luth. Embeko Dispensary, Kondoa.

Lieder im Gottesdienst

Just for fun singt zum Einzug: Tembea na Yesu

EG 449,1-4+8 - Die güldne Sonne (209 TMW)
Njoo Kwetu
Just for fun singt: Halle- Halle- Halle-luja

Nach der Predigt singen wir das Glaubensbekenntnis aus dem Evangelischen Gesangbuch Bayerns Nr 704 [Melodie EG 184])  - die erste Strophe lautet:
    1. Ich glaube: Gott ist Herr der Welt,
    der Leben gibt und Treue hält.
    Er fügt das All und birgt die Zeit,
    mein  Vater  in der Ewigkeit.
Just for fun und Gemeinde singen zum Kollektenumgang: Blessing and honour

zum Abendmahl:
EG 656 Sanctus
EG 461 Aller Augen warten auf dich, Herre
Just for fun singt zur Austeilung: Thuma mina

Just for fun singt zum Auszug: Tembea na Yesu

Die afrikanischen Texte:


Psalm 19,1-14

1 Mbingu zauhubiri utukufu wa Mungu, na anga laitangaza kazi ya mikono yake.
2 Mchana husemezana na mchana, usiku hutolea usiku maarifa
3 Hakuna lugha wala maneno, sauti yao haisikilikani.
4 Sauti yao imeenea duniani mwote, na maneno yao hata miisho ya ulimwengu. Katika hizo ameliwekea jua hema,
5 kama Bwana arusi akitoka chumbani mwake,lafurahi kama mtu aliye hosari kwenda mbio katika njia yake.
6 Kutoka kwake lautoka mwisho wa mbingu,na kuzunguka kwakehata miisho yake, Wala kwa hari yake, Hakuna kitu kilichositirika.
7 Sheria ya Bwana ni kamilifu, huiburudisha nafsi. Ushuhuda wa Bwana ni amini, humtia mjinga hekima.
8 Maagizo ya Bwana ni ya adili, huufurahisha moyo. Amri ya Bwana ni safi,  huyatia macho nuru.
9 Kicho cha Bwana ni kitakatifu, kinadumu milele. Hukumu za Bwana ni kweli, zina haki kabisa.
10 Ni za kutamanika kuliko shahabu, Kuliko wingi wa shahabu safi. Nazo ni tamu kuliko asali, kuliko sega la sali.
11 Tena mtumishi wako huonywa kwazo, katika kuzishika kuna thawabu nyingi.
12 Ni nani awezaye kuyatambua makosa yake? Unitakase na mambo ya siri.
13 Umzuie mtumishi wako sitende mambo ya kiburi, yasinitawale mimi.
14 Maneno ya kinywa changu, na mawazo ya moyo wangu, yapate kibali mbele zako, Ee Bwana, Mwamba wangu, na mwokozi wangu. AMINA

Lukas 11,5-8

Akawaambia, Ni nani kwenu aliye na rafiki, akamwendea usiku wa manane, na kumwambia , Rafiki yangu, nikopeshe mikate mitatu. Kwa sababu rafiki yangu amefika kwangu, atoka safarini, nami sina kitu cha kuweka mbele yake; na yule wa ndani amjibu akisema, Usinitaabishe: mlango umekwisha fuingwa, nasi tumelala kitandani mimi na watoto wangu; siwezi kuondoka nikupe? Nawaambia ya kwamba, ijapokuwa haondoki ampe kwa kuwa ni rafiki yake, lakini kwa vile asivyoacha kumwomba, anaondoka na kumpa kadiri ya haja yake. AMINA

Vaterunser - Sala ya Bwana

Baba yetu uliyembinguni,
Jina lako litukuzwe,
Ufalme wako uje,
Mapenzi yako yatimizwe
hapa duniani kama huko mbinguni;
Utupe leo riziki yetu,
Utusamehe makosa yetu,
kama sisi tunavyo wasamehe waliotukosea.
Usitutie majaribuni,
lakini utuokoe na yule mwovu.
Kwa kuwa ufalme ni wako, nanguvu,
na utukufu hata milele. Amen.

Der aaronitische Segen

Bwana akubariki na kukulinda.
Bwana akuangazie nuru za uso wake na kukufadhili.
Bwana akuinulie uso wake na kukupa amani.

Freitag, 31. Mai 2019

Gottesdienste im Mai

Es ist nicht so, dass ich im Mai keinen Gottesdiensteinsatz hatte, im Gegenteil: drei Konfirmationen, ein Taufgottesdienst mit kleinen und großen Leuten mit Tauferinnerung, und am Himmelfahrtstag feierten Lutheraner (Gustav-Adolf und Bethlehem) und Reformierte (Meppen-Schöninghsdorf) einen gemeinsamen Festgottesdienst in unserer Kirche.

Das waren alles Gelegenheiten, wo die unterschiedlichsten Menschen zusammenkamen. Besonders schön war es, dass sich in diesem Jahr Konfirmanden und Eltern an den Konfirmationsgottesdiensten beteiligten. Das zeigt doch eindeutig, dass Kirche eben doch noch wichtig ist und ihren Stellenwert hat. Das wird sich nicht immer in der Zahl der Gottesdienstbesucher niederschlagen, aber das Gefühl der Verbundenheit ist ganz deutlich zu spüren.

Als nächstes steht der Partnerschaftsgottesdienst am kommenden Wochenende an. Die Notizen dazu folgen demnächst.

Und dann folgt das Pfingstfest.
  • Am 9. Juni findest der Festgottesdienst wie üblich um 10.00 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche statt, 
  • am 10.00 Juni treffen wir uns wie in Jedem Jahr zum Ökumenischen Festgottesdienst um 11.00 Uhr auf dem Meppener Marktplatz.