Mittwoch, 18. Januar 2017

Kirchenkreiskonferenz

18. Januar 2017


Einmal im Monat treffen sich Pastor/innen, Diakon/innen und andere Mitarbeitende aus dem Kirchenkreis zur so genannten "Kirchenkreiskonferenz". Diese beginnt immer mit einer Andacht. Ich habe heute über die Jahreslosung aus dem Buch Hesekiel 36,26 gepredigt:

Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. 


Auch dieses scheinbar so eingängige und ansprechende Prophetenwort steht in einer langen Reihe von Worten, die einerseits das auserwählte Volk an seinen Gott und an seine Wurzeln verwiesen, die andererseits diesem auserwählten Volk Gottes Gericht ansagten. Nach den militärischen Katastrophen von 722 vor Christus im Nordreich, 597 und 586 vor Christus in Jerusalem müsste man meinen, dass die Menschen bereit wären für einen Neuanfang, dass Gottes- und Prophetenwort auf fruchtbaren Boden fallen.
Du Menschenkind, ich sende dich zu den abtrünnigen Israeliten und zu den Völkern, die von mir abtrünnig geworden sind. Sie und ihre Väter haben sich bis auf diesen heutigen Tag gegen mich aufgelehnt. 4 Und die Kinder, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu denen sollst du sagen: »So spricht Gott der HERR!« 5 Sie gehorchen oder lassen es – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs –, dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist … (Hesekiel 2)
In diesem gerichtsbezogenen Kontext steht dann auch die Jahreslosung.
16 Des HERRN Wort geschah zu mir:
17 Du Menschenkind, als das Haus Israel in seinem Lande wohnte und es unrein machte mit seinem Wandel und Tun, … 18 da schüttete ich meinen Grimm über sie aus um des Blutes willen, das sie im Lande vergossen, und weil sie es unrein gemacht hatten durch ihre Götzen. 19 Und ich zerstreute sie unter die Völker und versprengte sie in die Länder und richtete sie nach ihrem Wandel und Tun.
20 So kamen sie zu den Völkern; aber wohin sie kamen, entheiligten sie meinen heiligen Namen, weil man von ihnen sagte: »Sie sind des HERRN Volk und mussten doch aus ihrem Lande fortziehen!« (Hes 36)
Einen Moment halte ich hier inne. Bei Hesekiel heißt es "Sie sind des Herren Volk ..." Mir ist dazu der Satz eingefallen: "Sie sind Christen, aber wo merken wir dies?" Was macht die christlich geprägte westliche Welt aus?
  • In Amerika will der zukünftige Präsident Zäune und Mauern errichten. America first! Dabei scheut sich Trump nicht, Gott ins Spiel zu bringen. Er, Trump, sei der "größte Arbeitsplatzbeschaffer, den Gott je erschaffen hat".
  • Europa, das christlich-jüdisch geprägte Abendland, denkt in erster Linie darüber nach, wie es die Außengrenzen sichern kann. Der Innenminister erklärt: 2017 steht nicht die Integration im Vordergrund, jetzt geht es darum, dass Menschen vermehrt in ihre Herkunftsländern zurückgeführt werden.
  • Im letzten Pfarrerblatt veröffentlichte Andreas Dreyer seinen Artikel mit der Überschrift: “Wie sich die Hannoversche Landeskirche von ihren Gemeinden distanzierte”. In der Rezension zum Buch von  Eberhard Mechels und Gisela Kittel „Kirche der Reformation?” heißt es im Pfarrerblatt: „Im gegenwärtig betriebenen „Reformprozess” wird eine andere Kirche Zug um Zug und leider auch unter Druck und Zwang durchgesetzt: Eine zentralistisch organisierte Behördenkirche, in der die Gemeinden und ihre Vorstände entmündigt, haupt- und ehrenamtlich arbeitende Gemeindeglieder verdrängt, Pfarrpersonen zu Dienstleistenden degradiert werden und die Arbeit mit den Menschen an der Basis durch rigorose Sparmaßnahmen spürbaren Schaden leidet. Umkehr ist angesagt.”
  • Jeder mag für sich selbst die Situation in unserem Kirchenkreis bedenken, wo wir auf einmal angefangen haben, den anderen zu beobachten, zu vergleichen. Die Frage lautet nicht (mehr): Was brauchen wir im Kirchenkreis, wie können wir gemeinsam einen Weg suchen und finden; sondern: Was hat der andere und was habe ich nicht? Jede Kirchengemeinde muss für sich selbst alles entscheiden.
Wir starren auf düstere Prognosen, die sich dann auch erfüllen werden. Dabei spielt nicht allein die Realität eine Rolle, sondern auch das Muster der Self Fulfilling Prophecy oder um ein Bild aus der Unfallforschung zu nehmen: Da steht auf einer schnurgeraden Straße ein Baum. Auf der einen Seite ist der gefährlich, weil man dagegen fahren kann, auf der anderen Seite stellt der Baum aber auch kein Problem dar, weil man ja drum herum fahren kann. Und was passiert: Immer wieder landen Menschen genau vor diesem Baum, weil sie einzig und allein dieses Hindernis vor Augen haben.

Zurück zum Prophetenwort des Hesekiel, zurück zu Gottes Wort:
21 Da tat es mir leid um meinen heiligen Namen, sagt Gott, den das Haus Israel entheiligte unter den Völkern, wohin sie auch kamen.

22 Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht Gott der HERR: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Hause Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entheiligt habt unter den Völkern, wohin ihr auch gekommen seid. 23 Denn ich will meinen großen Namen, der vor den Völkern entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, wieder heilig machen. Und die Völker sollen erfahren, dass ich der HERR bin, spricht Gott der HERR, wenn ich vor ihren Augen an euch zeige, dass ich heilig bin.

26 Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. (Hes 36)
Wenn ich diesen Zuspruch im Jahr 2017 lese, 500 Jahre, nachdem die 95 Thesen Luthers ihre Wirkung entfalten konnte, dann bin ich genau bei dem, was in meinen Augen Luthers Entdeckung ausmachte: Gerechtfertigt, zurechtgebracht, auf die richtige Spur gesetzt wird der Christ allein aus Glauben, alles liegt an Gottes Wirken, nichts an des Menschen Vorarbeit: sola fide - sola gratia - solus christus - sola scriptura.

Diese Gedanken in der gegenwärtigen Zeit wieder fruchtbar machen, in einer Zeit, die geprägt ist durch Produktivitätssteigerung und Fortschritt auf der einen Seite, durch Einsparungen und Freisetzung von menschlichen Arbeitskapazitäten auf der anderen Seite, hier wieder die Gedanken der Reformation fruchtbar werden zu lassen, hier wieder auf Gottes Wort zu hören - das ist eine Aufgabe und eine Herausforderung unsere Kirche, nicht durch Aktionismus und Hektik, sondern durch Stillewerden, durch Ruhe, durch Gebet, durch die ganz einfache Frage: Was ist in Gottes Augen richtig? Denn so spricht der Herr:
“Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.” (Hes 36)

Martin Luthers Erklärung zur Lutherrose:
WA, Luthers Briefwechsel, 5. Band, S. 444f, (Nr. 1628); zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherrose
Bildnachweis für die Lutherrose:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ALutherrose.svg 
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ab/Lutherrose.svg
I, Daniel Csörföly (from Budapest, Hungary) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons 

Montag, 9. Januar 2017

Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten

15. Januar 2017


Immer am 3. Sonntag im Monat feiern wir einen "Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten". Ein solcher Gottesdienst "ist gedacht für Menschen von 0 bis 110 Jahren. In diesem Gottesdienst bewegt man sich bei den Liedern, darf manchmal auch was sagen oder malen oder schreiben - je nach dem, was wir uns ausgedacht haben ..." (Diakonin Hofmann).

Jetzt so kurz nach dem Weihnachtsfest wollen wir sehen wie es mit Jesus weitergegangen ist. Auch er ist ja größer und älter geworden, wie alle anderen Kinder auch. Zuerst erinnern wir uns, was wir von Weihnachten noch wissen: Gott, Engel, Bethlehem, Krippe, Stall, Maria und Josef und Jesus, Hirten, Könige, Stern usw. usw. Und dann hören wir, was die Familie erlebte, als Jesus 12 Jahre alt war. Dazu gibt es dann einen Comic, von dem ich hier aber nur das Deckblatt zeige.

Wer mag, kann den Comic jetzt als pdf-Datei abrufen kann.

alle Bilder von
http://distantshores.org/resources/illustrations/sweet-publishing

Lieder

Was werden wir singen? Ich denke, wir werden anfangen mit "Wisst ihr noch, wie es geschehen ..." (EG 52). Das Lied erinnert uns daran, was Weihnachten passiert ist und was Christen von diesem Fest wissen sollten. Dazu können wir uns Bilder vom Krippenspiel ansehen. 

Foto Christine Kock - alle Akteure des Krippenspiels

Und dann kommt wohl auch das Lied "Stern über Bethlehem" ((EG 544). 

Für einen Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten sind diese Lieder natürlich obligatorisch: 
  • Mein Gott, das muss anders werden ...
  • Danke, dass du uns nicht allein lässt ...
  • Guter Gott, ich bitte dich ...
  • Tschüss, machs gut ...
Mal sehen, was noch dazu kommt. 

Evangelisches Gesangbuch

Im Lauf des Kirchenjahres ist der 15. Januar 2017 der 2. Sonntag nach Epiphanias. Für die Erwachsenen, die diesen Abschnitt lesen, schreibe ich die wesentlichen Punkte zu diesem Sonntag hier auf.

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zu diesem Sonntag unter der Nummer 954.15. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Im Mittelpunkt dieses Sonntags steht das "Weinwunder" zu Kana (s. Evangelium). Dieses Wunder nennt der Evangelist Johannes das "erste Zeichen", das Jesus nach seiner Taufe in der Öffentlichkeit gewirkt hat. Es ist ein Zeichen seiner göttlichen Vollmacht, die Gott ihm in der Taufe zugesprochen hatte: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Joh 1, 17)

Wochenlieder:

Gottes Sohn ist kommen (EG 5) (nicht in Rev. 2014)oder
In dir ist Freude (EG 398) (auch in Rev. 2104)
Rev. 2014: Du Morgenstern, du Licht vom Licht (EG 74)
Rev. 2014: Du verwandelst meine Trauer in Freude (DHuT 113)

Alttestamentliche Lesung 2. Mose 33, 17b-23

Der HERR sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen. 18 Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen! 19 Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des HERRN: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. 20 Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. 21 Und der HERR sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. 22 Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. 23 Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Epistel Röm 12, (4-8) 9-16

Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5 so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, 6 und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7 Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. 8 Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern.

9 Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. 10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11 Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. 12 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. 14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. 16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug.

Evangelium Joh 2, 1-11

Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wußte, woher er kam - die Diener aber wußten's, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. 11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Montag, 2. Januar 2017

Epiphanias

6. Januar 2017


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zu Epiphanias unter der Nummer 954.13. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt. (1. Joh 2, 8)

Wochenlieder:

Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70) oder
O König aller Ehren (EG 71)

Lieder

EG 71,1-3 - O König aller Ehren
EG 740 - Psalm 100 - Jauchzt dem Herrn alle Welt
EG 544,1-4 - Stern über Bethlehem
Kanon: Mache dich auf und werde Licht
EG 407,1-3 - Stern auf den ich schaue
EG 44,1-3 - O du fröhliche

Evangelium Mt 2, 1-12

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, 4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): 6 Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.

7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.

9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut 11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Alttestamentliche Lesung und Predigttext Jes 60, 1-6

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! 2 Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir. 3 Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

4 Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden. 5 Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. 6 Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen.

Predigtideen

"Mache dich auf und werde Licht" - diese Ansprache ergeht an die Leser des Bibeltextes bzw. an die Hörer der Predigt. Damit werden die in das Geschehen aktiv mit hineingenommen. Sie selbst sollen leuchten. Dies nun nicht aus sich selbst, sondern als Abglanz des Lichtes Gottes, der in seinem Sohn Jesus Christus Weihnachten zum "Licht der Welt" wurde.

"Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker." Treffender könnte man das politische, wirtschaftliche und militärische Chaos der Gegenwart nicht beschreiben. Aber dieses Chaos ist nur der dunkle Hintergrund, vor dem das Licht Gottes dann umso heller erscheint. Es scheint so hell, dass die Heiden fasziniert dazu treten.

Die Hörer des Prophetenwortes müssen erst aufgefordert werden, den göttlichen Glanz zu entdecken. Zu sehr sind sie gefangen im Chaos. "Hebe deine Augen auf und sieh umher ..." Doch dann können sie entdecken, was Gott für sie alles tut.

Die Israeliten damals sahen, wie die 586 v. Chr. durch die babylonischen Soldaten zerstörte Stadt Jerusalem und der Tempel nach ca. 70 Jahren wieder neu aufgebaut wurden. Auch Wohlstand zog wieder ein. Dabei erinnert die Beschreibung des Reichtums an die Erzählungen vom Besuch der Königin von Saba bei König Salomo (vgl. 1. Kön 10,1-13).

Auch heute dürfen wir durchaus mit Stolz auf das sehen, was wir in unserem Land erreicht haben - und dass es uns wirtschaftlich gesehen doch recht gut geht. Weihnachten und die ganzen Geschenke sind durchaus auch unter diesem Gesichtspunkt einmal zu sehen. Nun kommt es darauf an, wie wir diesen materiellen Reichtum betrachtet. Allein erreicht durch menschlichen Einsatz, durch Innovation und kaufmännisches Geschickt, durch gute politische und finanzpolitische Führung? Oder sagen wir auch, dass wir es Gott zu verdanken haben, dass es uns relativ gut geht?

Wenn es uns gelänge, unsere wirtschaftlichen Erfolge mit Gott zusammenzudenken, dann sähen wir nicht allein auf den Reichtum, der immer weiter vermehrt werden muss, dann sehen wir vielmehr die Möglichkeiten, mit diesem Reichtum nach dem Willen Gottes unsere Gesellschaft - und darüber hinaus auch die Welt - wieder menschlicher zu gestalten. Als diejenigen, die genug zum Leben haben, könnten wir uns dafür einsetzen, dass die Schätze dieser Erde allen Menschen zugute kommen. Und wenn das aus Dankbarkeit gegenüber Gott geschieht, dann strahlt unser christliches Licht tatsächlich in die Gesellschaft und die Welt hinaus. Dann wird es hell und wir können unsere Furcht ablegen.

Jesus hat übrigens auch einmal vom Licht gesprochen: "Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Mt 5,14-16)

Samstag, 31. Dezember 2016

Neujahr 2017

1. Januar 2017


Jahreslosung:

Gott spricht: Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. Hesekiel 36,26 (L)

Gottesdienst zum Neujahrstag

Alle evangelischen Kirchengemeinden Meppens - lutherisch, reformiert und freikirchlich - laden zu einem Gottesdienst zum Jahresbeginn ein. Die Gottesdienste finden abwechselnd in einer der beteiligten Kirchen statt. Im vergangenen Jahr traf man sich bei den Baptisten, dieses Jahr treffen sich alle bei uns Lutheranern in der Gustav-Adolf-Kirche. Die Predigt hält Pastorin Annelen Tandara von der reformierten Kirchengemeinde Meppen-Schöninghsdorf.

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Neujahrstag unter der Nummer 954.11. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. (Kol 3, 17)

Gottesdienstordnung

Orgelvorspiel
Begrüßung
EG 62,1-5 - Jesus soll die Losung sein
EG 705 - Psalm 8: Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name

Ehr sei dem Vater und dem Sohn ...

Bittruf, Lobpreis und Gebet mit dem Zwischengesang: 

LW 60 - Meine Hoffnung und meine Freude ...

Epistel: Jak 4, 13-15

13 Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen -, 14 und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. 15 Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Glaubensbekenntnis
Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen
Predigt
LW 19 - Da wohnt ein Sehnen tief in uns
Abkündigungen
EG 395,1-3 Vertraut den neuen Wegen
Fürbitte, Vaterunser
EG 175 - Ausgang und Eingang
Segen
Orgelnachspiel

Altjahresabend

31. Dezember 2016


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Altjahresabend unter der Nummer 954.10. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Barmherzig und gnädig ist der Herrn, geduldig und von großer Güte. (Ps 103, 8)

Wochenlied:

Das alte Jahr vergangen ist (EG 59) oder
Der du die Zeit in Händen hast (EG 64)

Lieder

EG 65,1-4 - Von guten Mächten
EG 749 - Psalm 121 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen
EG 351,1-3 - Ist Gott für mich so trete
EG 61,1.2.4 - Hilf, Herr Jesu, lass gelingen (Melodie 166)
EG 213,1.6 - Kommt her, ihr seid geladen
EG 65,5-7 - Lass warm und hell die Kerzen

Epistel - Röm 8, 31b-39

Die Epistel soll wegen ihres Schlussverses, aus dem großes Gottvertrauen spricht, die biblische Lesung für den Gottesdienst sein, nach der wir dann das Glaubensbekenntnis sprechen. 

31b Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 wie geschrieben steht (Psalm 44,23): "Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe."

37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Evangelium - Lk 12, 35-40

Auch wenn das Evangelium im Gottesdienst nicht gelesen wird, lasse ich es an dieser Stelle stehen. Es mahnt uns, dass wir jederzeit bereit sein sollen, Gottes Wort zu hören und mit seinem Kommen zu rechnen. Wer darauf vertraut, dass Gott zum Segen kommt, wird jeden Tag seines Lebens als ein gnädiges Geschenk aus Gottes Hand empfangen uns sich bemühen, dieses Geschenk nach Gottes Willen zu gestalten, so dass unser Leben unserem Schöpfer gefallen könnte. 

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen 36 und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun. 37 Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen. 38 Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und findet's so: selig sind sie. 39 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. 40 Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.

Jes 30, (8-14) 15-17

Den Predigttext wähle ich nach der alten Perikopenordnung. Dabei beziehe ich die Verse in Klammern mit ein und erweitere den Abschnitt um die Verse 18-21. Denn genau in diesem Abschnitt stellt der Prophet seinen Zuhörern nach den harten Worten des Gerichtes Gottes Güte vor Augen, so, wie es auch der Wochenspruch verheißt: Barmherzig und gnädig ist der Herrn, geduldig und von großer Güte. (Ps 103, 8) 

Wer neben den Ideen an dieser Stelle die ganze Predigt lesen möchte, ruft diesen Link auf. 

So geh nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für immer und ewig. 9 Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, 10 sondern sagen zu den Sehern: «Ihr sollt nicht sehen!» und zu den Schauern:«Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schauet, was das Herz begehrt! 11 Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!» 

Mit diesen Versen wird den Israeliten zur Zeit des Propheten Jesaja ins Stammbuch, d.h. in die Heilige Schrift, in den Tanach geschrieben, wer sie in Gottes Augen sind: «... ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN!» Dass diese harte Anklage nicht auf offene Ohren stößt, ist fast schon klar. Die Menschen wenden sich scharf gegen die Boten Gottes: «Ihr sollt nicht sehen!» - «Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! ...» Unbequeme Wahrheiten will man so schnell wie möglich unterbinden. Es ist doch viel einfacher, wenn die Propheten reden, «was angenehm ist» und schauen, «was das Herz begehrt».

Hier sehe ich eine Parallele zu unserer Gegenwart. In einer kompliziert gewordenen Welt, die dem einzelnen durchaus Angst macht, wird nach einfachen "Wahrheiten" gesucht. An einem Diskurs, der der Wahrheitsfindung dient, ist man nicht mehr interessiert. Wir leben in einer "postfaktischen" Zeit. 

Es sprengt natürlich den Rahmen einer Predigt, aber ich finde diese drei Artikel zum Thema sehr erhellend: 
- https://www.welt.de/kultur/article160136912/Was-Sie-ueber-das-Wort-des-Jahres-wissen-muessen.html
- http://www.zeit.de/kultur/2016-12/postfaktisch-wort-des-jahres-post-truth-demokratie-jill-lepore
- http://www.huffingtonpost.de/2016/12/29/postfaktisch-rechte-linke_n_13877654.html

Im biblischen Kontext steigern sich die Menschen von der Opposition gegen die Propheten zur Opposition, ja zur Rebellion gegen Gott selbst. «Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!» Solch einen Satz hätte man im biblischen Kontakt im Munde von "gläubigen" Menschen nicht erwartet. 

Aber Gott lässt sich keineswegs spotten:

12 Darum spricht der Heilige Israels: Weil ihr dies Wort verwerft und verlasst euch auf Frevel und Mutwillen und trotzet darauf, 13 so soll euch diese Sünde sein wie ein Riss, wenn es beginnt zu rieseln an einer hohen Mauer, die plötzlich, unversehens einstürzt; 14 wie wenn ein Topf zerschmettert wird, den man zerstößt ohne Erbarmen, so dass man von seinen Stücken nicht eine Scherbe findet, darin man Feuer hole vom Herde oder Wasser schöpfe aus dem Brunnen.

Wenn es keine Werte mehr gibt, worauf wir uns verständigen können, nichts, was noch die Grundlage eines Dialoges ist, wenn jeder nur noch auf seiner Meinung beharrt, wenn Fakten nicht mehr zählen, dann hat eine Gesellschaft den Halt verloren, dann ist es wie ein Riss in einer Mauer, aus dem zuerst ein wenig Sand rieselt, dann aber immer mehr, einzelne Steine brechen heraus, bis die ganze Mauer nachgibt und einstürzt. 

Der in erster Linie als Predigttext ausgewählte Bibelabschnitt macht deutlich, dass dieser Zusammenbruch seines Volkes - oder der heutigen Gesellschaft - nicht im Sinne Gottes ist. 

15 Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.

Gott fordert zum Innehalten, zum Besinnen auf. Das heißt nicht, dass die Hände in den Schoß gelegt werden sollen, das bedeutet auch nicht Rückzug der Gläubigen aus der "bösen" Welt, vielmehr bedeutet die Aufforderung Gottes, dass die Menschen sich wieder des Fundamentes ihres Lebens, des Fundamentes jeglichen menschlichen Zusammenlebens besinnen sollen. 

Die nachfolgenden Verse werde ich in der Predigt auslassen, weil sie den angestrebten Duktus - Barmherzig und gnädig ist der Herrn, geduldig und von großer Güte - konterkarieren. Gleichwohl beschreiben diese Sätze nicht nur die Situation vor 2500 Jahren, sondern auch unsere Gegenwart. 

Aber ihr wollt nicht 16 und sprecht: »Nein, sondern auf Rossen wollen wir dahinfliegen«, - darum werdet ihr dahinfliehen, »und auf Rennern wollen wir reiten«, - darum werden euch eure Verfolger überrennen. 17 Denn euer tausend werden fliehen vor eines Einzigen Drohen; ja vor fünfen werdet ihr alle fliehen, bis ihr übrig bleibt wie ein Mast oben auf einem Berge und wie ein Banner auf einem Hügel.

Das Wortspiel des Propheten zielt auf die militärische Situation. Israel will sich auf Augenhöhe mit anderen kriegsführenden Völkern sehen; man will auf "Rossen dahinfliegen" und auf "Rennern reiten". Der Prophet sieht die Realität ganz nüchtern. Wenn Israel sich auf kriegerische Auseinandersetzungen einlassen will, dann wird man nicht "fliegen", sondern "fliehen", und anstatt mit den eigenen Rennpferden zu protzen, werden die Feinde alles überrennen.

Wenn der Prophet dann noch von dem "Drohen eines Einzigen" spricht, dann steht mir die Angst der westlichen Welt vor Augen, die die islamistischen Terroristen mit ihren Anschlägen gesät haben. Und Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber, wenn neue zukunftsweisende Wege gesucht werden müssen. Diesen zukunftsweisenden Ausblick sehe ich in den Versen, mit denen ich den Predigttext erweitere. Der Prophet - nein, Gott selbst will nicht, dass sein Volk untergeht. Deshalb malt er vor Augen, was passiert, wenn Israel umkehrt und sich besinnt: 

18 Darum harrt der HERR darauf, dass er euch gnädig sei, und er macht sich auf, dass er sich euer erbarme; denn der HERR ist ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf ihn harren! 19 Du Volk Zions, das in Jerusalem wohnt, du wirst nicht weinen! Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er's hört. 20 Und der Herr wird euch in Trübsal Brot und in Ängsten Wasser geben. Und dein Lehrer wird sich nicht mehr verbergen müssen, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen. 21 Deine Ohren werden hinter dir das Wort hören: »Dies ist der Weg; den geht! Sonst weder zur Rechten noch zur Linken!«

Wenn Menschen sich dem Heiligen Israels neu zuwenden, dann dürfen sie darauf vertrauen, dass Gott nicht wegschaut, dann dürfen sie hoffen, dass Gott ihnen hilft. 

Hoffen wir und beten wir und arbeiten wir gemeinsam daran, dass es uns gelingt, umzukehren auf einem Weg, auf dem niemand mehr den anderen achtet, sondern nur noch an sich selber denkt und sich selbst der Nächste ist, hoffen wir und beten wir und arbeiten wir gemeinsam daran, dass wir für uns uns unsere Kinder tragfähige Wege in eine gute Zukunft finden. 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern 
ein gesegnetes, gnadenreiches Jahr des Herrn 2017!

Martin Luthers Erklärung zur Lutherrose:
WA, Luthers Briefwechsel, 5. Band, S. 444f, (Nr. 1628); zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherrose
Bildnachweis für die Lutherrose:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ALutherrose.svg 
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ab/Lutherrose.svg
I, Daniel Csörföly (from Budapest, Hungary) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons


Freitag, 23. Dezember 2016

2. Weihnachtstag

26. Dezember 2015


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 2. Weihnachtstag unter der Nummer 954.08. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. (Joh 1, 14a)

Wochenlied:

Wunderbarer Gnadenthron (EG 38) oder
Gelobet seist du, Jesu Christ (EG 23)

Lieder für den Gottesdienst:

32,1-4 - Zu Bethlehem geboren
738 - Ps 96 (Singet dem Herrn ein neues Lied)
23,1-4 - Gelobet seist du, Jesu Christ (Kyrie)
53,1-3 - Als die Welt verloren (Lobgesang)
30,1-3 - Es ist ein Ros entsprungen
27,1.2.5.6 - Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
56,1-5 - Weil Gott in tiefster Nacht erschienen
45,1-4 - Herbei, o ihr Gläubgen
44,1-3 - O du fröhliche

Alttestamentliche Lesung Jes 11, 1-9*

Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. 2 Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. 3 Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, 4 sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. 5 Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften. 6 Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. 7 Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. 8 Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. 9 Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt.

Evangelium Joh 1, 1-5 (6-8) 9-14

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.

6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.

9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.

14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Predigtidee

Durch sein Wort ruft Gott die Welt ins Leben: Gott sprach ... und es wurde ... (Gen 1). Johannes drückt das so aus: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. ... Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist."

Durch dieses wirkmächtige Wort rief Gott auch uns Menschen ins Leben. "Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan ..." (Gen 1,27f)

Leider entspricht unser menschliches Verhalten nicht dem göttlichen Auftrag. Was in Gottes Augen zum Segen gedeihen sollte - "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan ..." - wird von uns, dem Ebenbild Gottes, ins Gegenteil verkehrt. So muss Gott relativ schnell feststellen, "dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar" (Gen 6,5). Gottes Reaktion war ganz menschlich: "Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde" (Gen 6,7) Doch nach der Sintflut hält Gott fest: "Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. ... ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (Gen 8,21f)

Aber Leben auf der Erde kann nur gedeihen, wenn es aus dem Segen Gottes gestaltet wird. Gottes Wort aus dem Mund seiner Propheten zeigt, wer in Gottes Augen sein "Ebenbild" ist:

  • Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, 
  • der Geist der Weisheit und des Verstandes, 
  • der Geist des Rates und der Stärke, 
  • der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. 

Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN.

  • Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, 
  • noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, 
  • sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen 
  • und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande ... 

Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften.

Wie weit wir von diesem Bild entfernt sind, macht ein Blick auf die Gegenwart deutlich - allerdings war die Vergangenheit auch nicht besser. Eine Frage auf der Internetplattform "gutefrage.net" lautet: "Man hört oft, dass "Recht haben" und "Recht bekommen" zwei verschiedene Schuhe sind! Aber WARUM ist das eigentlich so? Wieso kann nicht jeder, der Recht HAT auch solches BEKOMMEN?" - Eine der Antworten ist entlarvend für uns Zeit: "Es ist eigentlich ganz einfach, es geht nicht immer darum wer Recht oder Unrecht hat, sondern darum ob man sich das leisten kann dein Recht zu erstreiten. Im Klartext ohne Geld kein Recht!" (http://www.gutefrage.net/frage/wieso-sind-recht-haben-und-recht-bekommen-zwei-verschiedene-schuhe) - Gerechtigkeit der Gurt der Lenden, Treue der Gurt der Hüften? Weit gefehlt!

Jesus Christus, das Kind in der Krippe, dessen Geburt wir feiern, Jesus von Nazareth, den die Menschen als den Sohn Gottes bekennen, als den Heiland der Welt, als den Messias, als den König der Juden, dieser Jesus Christus ist das "fleischgewordene Wort Gottes", dieser Jesus Christus zeigt mit seinem Leben und Sterben, was es für uns Menschen heißt, Ebenbild Gottes zu sein. Und wie er seinen Sohn von den Toten auferweckt hat, so schenkt Gott allen, die an diesen Christus glauben, das ewige Leben, den Zugang zum verlorenen Paradies. Im Glauben an Jesus Christus erfüllt sich, was Gott in der Schöpfung wollte: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei ..."

Wenn damit das Vorzeichen unseres christlichen Lebens beschrieben wird, dann muss es auch von uns heißen:

  • Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, 
  • der Geist der Weisheit und des Verstandes, 
  • der Geist des Rates und der Stärke, 
  • der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.

Die entscheidenden Fragen können dann nicht mehr lauten:

  • Was kostet es?
  • Kann ich es mir leisten?
  • Was bringt es mir ein?
  • Fördert es den Umsatz?

Die entscheidende Frage muss dann vielmehr heißen:

  • Was ist in Gottes Augen richtig? Was dient meinem Nächsten, was der Schöpfung Gottes und allen seinen Geschöpfen, und schließlich auch: Was dient mir selbst?

Das Kind aus dem Stall von Bethlehem hat als erwachsener Mann dies einmal so ausgedrückt:

  • »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Mk 12,29ff)

Wenn wir tatsächlich diesem Wort Gottes handeln, dann wird sich erfüllen, was Jesaja geschaut hat:

6 Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. 7 Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. 8 Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. 9 Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt.

Fangen wir doch im Kleinen an, diesem Ziel nachzuleben!

Amen.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Heiligabend

24. Dezember 2016


Die Gottesdienste Heiligabend sind wie folgt aufgeteilt:

15:30 Uhr Krippenspiel in der Christvesper - Krüger / Hofmann / Team
Gottesdienst insbesondere für Familien mit kleineren Kindern

17:00 Uhr Christvesper mit „Just for Fun“ - Krüger / Hofmann / Team
Gottesdienst insbesondere für Familien mit größeren Kindern

18:30 Uhr Christvesper mit dem Posaunenchor - Krüger

22:30 Uhr Christgottesdienst in der Heiligen Nacht - Brauer

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte für die Christvespern unter der Nummer 954.05; die Texte der Christnacht (22.30 Uhr) unter der Nummer 954.6. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr by Dr. Martinus". Wie zu sehen ist, habe ich die Links schon gelegt.

Alle nachfolgenden Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Die Weihnachtsgeschichte

Lukas 2,1-20
https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AStatue-Augustus.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/eb/Statue-Augustus.jpg
By UnknownTill Niermann (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5],
via Wikimedia Commons - Kombination durch mich 
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.


4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,


5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.


7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.


8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.


16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

(die Fotos zeigen die Krippenfiguren aus unserer Kirchengemeinde)

15:30 Uhr Christvesper mit Krippenspiel

Die Kindergottesdienstkinder sind fleißig beim Üben des Krippenspiels. Wir dürfen gespannt sein!

17:00 Uhr Christvesper für Familien mit größeren Kindern,
Jugendliche und junge Erwachsene

Just for Fun wird wieder singen. 
  • Kling, Glöckchen, klingelingeling
  • Soon and very soon
  • The First Nowell
Als Gemeindelieder haben wir ausgesucht:
  • EG 30 - Es ist ein Ros entsprungen
  • EG 54 - Hört, der Engel helle Lieder
  • EG 46 - Stille Nacht, heilige Nacht
  • EG 44 - O du fröhliche

Neben der Weihnachtsgeschichte hören wir die Verheißung aus dem Buch des Propheten 

Jesaja 9,1-6

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. 

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

Predigtidee

Die Idee zur Predigt ist mir bei der Vorbereitung des Gottesdienstes mit der Jakob-Muth-Schule in Meppen gekommen. Das Vorbereitungsteam hatte die Geschichte von einem Traum ausgesucht, in dem das Jesuskind die Krippe verlässt. "Ich denke, ich bin hier total überflüssig. Mich beachtet sowieso keiner ..." Und mit dem Kind aus der Krippe verschwindet der Glaube und verschwindet Gott selbst. "Wie sieht eigentlich die Welt ohne Gott aus?", diesen Gedanken werde ich dann etwas ausziehen. 

Nachdem wir die Weihnachtsgeschichte gehört haben, will ich erzählen, wie ich die Welt nach Weihnachten träume. Die Engel auf dem Feld bei Bethlehem brachten diese Botschaft: 
  • Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 
Aus dieser Idee sind dann die beiden nachfolgenden Predigtteile entstanden (zum 1. Teil vgl. http://www.k-l-j.de/Weihnacht4.htm)

Traum I - „Weihnachten ohne Gott“

In diesen Tagen vor Weihnachten hatte ich einen Traum, fast muss ich sagen: Ich hatte einen Alptraum. Ich sah ein weihnachtliches Wohnzimmer, festlich geschmückt für das Weihnachtsfest. Es hätte auch unsere Gustav-Adolf-Kirche oder jedes andere Haus sein können. Es ging um die Krippe, die in diesen Tagen an so vielen Orten aufgebaut ist. Maria und Josef waren da, dazu das Jesuskind, der Ochse und der Esel - alles, wie es sein muss.

Ich sah in dieser Weihnachtsstube eine Familie, die gemeinsam zu Abend aß; gerade waren sie vom Weihnachtsgottesdienst zurückgekommen. Und dann begannen Menschen, Geschenke zu verteilen und entgegenzunehmen; auszupacken und sich darüber zu freuen.

Ohne dass es irgendjemand bemerkte, erhob sich das Jesuskind plötzlich aus der Krippe und schaute sich um; es sah die Geschenke, die Essensreste, den Fernseher, der im Hintergrund lief, und vieles andere mehr. Schließlich sagte es kopfschüttelnd: „Ich denke, ich bin hier total überflüssig. Mich beachtet sowieso keiner …” Und es verschwand. Einfach so. Und mit ihm verließ Gott diese Welt, ebenso der Glaube und die Kirche.

In die Präsentation für den Gottesdienst hatte ich dann diese vier Bilder von unserer Krippe eingefügt:


Krippe ohne das Jesuskind
Auch Maria und Josef fehlen
Hirten und Könige kehren um
Zunächst hat es keiner bemerkt. Auch in den nächsten Tagen, als kein Gottesdienst mehr stattfand und niemand mehr betete, fiel die Abwesenheit Gottes nicht sonderlich auf. Die Menschen machten einfach weiter; die einen haben gelesen (allerdings gab es keine Gebetsbücher oder Bibeln mehr) und Fernsehen geguckt, die anderen saßen stundenlang beim Friseur oder vor dem Computer.

Die Kinder gingen zum Kindergarten und in die Schule, wie auch bisher. Aber die Jugendlichen trafen sich nicht mehr abends zur Jugendgruppe im Gemeindehaus, die immer so viel Spaß gemacht hatte. Die Erwachsenen kamen von der Arbeit; manchmal trafen sie sich zum Kegeln oder zum Abendessen. Keiner merkte, dass ihnen etwas abhandengekommen war: Der Glaube an Gott - und Gott selbst.

Im Frühjahr merkte es der eine oder andere, dass sich etwas verändert hatte. Früher hatte man öfters frei gehabt. Die Älteren wussten, da gab es einen Freitag, wo man nicht arbeiten musste, und gleich darauf war doch auch der Montag frei gewesen. Der Freitag war sehr traurig gewesen, der Montag umso fröhlicher. Weswegen eigentlich? Und ein paar Wochen später war da noch ein freier Donnerstag gewesen und kurz darauf noch ein freier Montag. Warum nur?

Und dann merkte man es in den Familien, dass sich etwas geändert hatte. Früher hatte man sich zu einem Fest getroffen, nachdem ein kleines Kinder geboren war. Man hatte die Verwandten eingeladen. Und die waren viele hundert Kilometer gereist, um dabei zu sein. Jetzt hatte keiner mehr Lust, so weite Fahrten zu unternehmen. Und auch den Kindern und Jugendlichen fehlte etwas. Als sie in der 3. und 8. Klasse waren, hatten die Familien doch auch gefeiert. Und es hatte tolle Geschenke gegeben. Das alles fand nicht mehr statt.

In meinem Traum gab es natürlich immer noch Leute, die Hilfe und Trost brauchten. Aber wenn es keinen Gott gibt? Was sollte man ihnen sagen, wenn sie im Krankenhaus waren oder wenn ein Mensch gestorben war. Es machte keinen Sinn mehr, zu Gott zu beten. Denn der war ja nicht mehr da.

Je länger in meinem Traum Gott fehlte, umso seltsamer wurde alles. Die Menschen hörten auf, miteinander zu reden. Sie hatten genug mit ihren eigenen Problemen zu tun. Man half sich nicht mehr gegenseitig. Und weil keiner mehr betete und kein Gottesdienst mehr stattfand, fühlten sich die Menschen allein und im Stich gelassen. Und sie hatten keine Lust mehr, etwas für die Armen in der Welt zu tun. Sie waren selbst arm geworden. Sie hatten große Angst vor der Zukunft. Sie hatten die Kriege und die Terroranschläge vor Augen, sie dachten an die Toten und Verletzten, und sie hatten keine Ideen mehr, wie es weitergehen sollte.

Am Ende meines Traumes war die ganze Welt grau und blass geworden, kalt und ohne Hoffnung. Es gab keinen Grund mehr zu feiern - und schließlich auch keinen Grund mehr, irgendjemanden auch nur irgendetwas zu schenken.

Ich wollte schon laut losschreien, als ich plötzlich einen Engel sah, der rief:

„Ich verkünde Dir eine große Freude: Heute ist dieser Welt der Retter geboren. Christus der Herr! Und das soll Dir ein Zeichen sein: Du wirst ein Kind finden, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegend.

Und plötzlich war bei dem Engel ein ganzes Heer von Engeln, das sang: Ehre sei Gott in der Höhe! Dann wird auch Frieden sein den Menschen auf der Erde!

Es folgte das Lied "Hört, der Engel helle Lieder" (EG 54) und die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. 

Traum II - Ich verkünde Dir eine große Freude: Heute ist dieser Welt der Retter geboren. Christus der Herr! 

Für den zweiten Teil der Predigt war wieder das Bild von der vollständigen Krippe eingeblendet. Dieses Bild war ja auch schon während der Lesung des Weihnachtsevengeliums entstanden (s.o.).


Ich hatte noch einen Traum. Ich habe von den vielen Menschen geträumt, die Weihnachten in die Kirchen kommen, hier bei uns in Meppen, aber auch in den vielen anderen Kirchengemeinden in Deutschland und in der ganzen Welt. Überall in diesen Tagen hören die Menschen:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Wie ein Lauffeuer geht dieser Satz in diesen Weihnachtstagen immer wieder rund um die Erde, wenn Menschen in den Ländern rund um den Globus Gottesdienst feiern, wenn sie zusammen singen und beten, wenn sie zu Hause vor dem Tannenbaum sitzen, wenn sie die Krippen betrachten. Die Menschen in meinem Traum nahmen den Ruf der Engel ganz wörtlich. Die Furcht verschwand aus ihren Gesichtern,
  • die Furcht vor Terroranschlägen
  • die Furcht vor den vielen Fremden, die auf eine gewaltfreie Zukunft in unserem Land hoffen
  • die Furcht, zu kurz zu kommen
  • bei den einen, weil sie tatsächlich nicht genug zum Leben haben
  • bei den anderen, die viel zu viel haben und immer noch mehr haben wollen
  • Es verschwanden auch die Furcht und die Sorgen vor einer ungewissen Zukunft. Die Menschen vertrauten wieder darauf, dass Gott sich uns zuwendet und dass er uns schenkt, was wir zum Leben brauchen.
Statt der Furcht stand den vielen Menschen jetzt die Freude ins Gesicht geschrieben. Sie wurde gefragt: Warum siehst du so glücklich aus? Und sie konnten antworten:
  • Uns ist Weihnachten der Heiland geboren, Gottes Sohn.
  • Er will unsere Welt heilen,
  • er will unser Leben,
  • er will, dass alle ihr Auskommen haben,
  • er will, dass Menschen im Frieden miteinander die Welt gestalten.
Und dann hatten die Menschen in den vielen Weihnachtsgottesdiensten noch ein Wort aus der Bibel gehört, das sie nicht mehr los ließ:
13 Alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
“Ehre sei Gott in der Höhe …” Diese Worte gingen den Menschen nicht mehr aus dem Sinn.
  • Müssten wir nicht wieder Gott die Ehre geben,
  • müssten wir nicht wieder unseren Glauben bekennen,
  • müssten wir nicht sagen, dass es uns gut getan hat, die Gemeinschaft von so vielen anderen Christen zu erleben,
  • müssten wir nicht sagen, wie es gut getan hat, miteinander zu singen, zu beten, die alten vertrauten Worte aus der Bibel zu hören.
  • Würden andere dann nicht spüren, dass uns unser christlicher Glauben und unsere christlichen Werte etwas bedeuten, dass uns genau dies wichtig ist?
Weihnachten ist ein schönes Fest, auf das ich mich schon lange Zeit vorher freue, liebe Gemeinde. Weihnachten verändert auf jeden Fall für ein paar Stunden unsere Welt, macht alles ein wenig erträglicher, Weihnachten hat aber auch das Potential, der ganzen Welt den Frieden zu bringen, den die Engel auf dem Feld von Bethlehem versprochen haben, den die Menschen ins Jesu Nähe gespürt haben, den auch wir heute spüren können, wenn wir für uns gelten lassen:
Denn uns ist heute tatsächlich der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

18:30 Uhr Christvesper für Erwachsene

Musikalisch wird dieser Gottesdienst durch den Posaunenchor begleitet. Wir singen: 
  • EG 39 Kommt und lasst uns Christum ehren
  • EG 27 Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
  • EG 45 Herbei, o ihr Gläub'gen
  • EG 37 Ich steh an deiner Krippen hier
  • EG 46 Stille Nacht, heilige Nacht
  • EG 44 O du fröhliche, o du selige
Bei den biblischen Lesungen orientiere ich mich an den Texten für die Christnacht. Wir beginnen mit der Lesung vom Sündenfall aus dem 1. Buch Mose. Die Schlange flüstert den Menschen ein: "Wenn ihr vom Baum der Erkenntnis esst, werdet ihr sein wie Gott."

Am Ende der Geschichte stellt Gott fest: "Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und nehme auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war."

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AForbidden_fruit.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/12/Forbidden_fruit.jpg
Michelangelo [Public domain], via Wikimedia Commons
Wohin ein Leben ohne Gott führt, das sehen wir, wenn wir uns in der Gegenwart umschauen. Eine Schreckensnachricht jagt die andere.

Das ist nicht das Leben, das Gott sich für seine Menschen wünscht. Schon im Alten Testament versuchen die Propheten immer wieder, Israel auf den Weg mit seinem Gott zurückzuführen. Dabei weisen viele Worte über diesen Kreis hinaus. Sie zielen auf den Retter der ganzen Welt. So hören wir drei Prophetenworte, die nach dem Verständnis der ersten Christen auf Jesus Christus zielen:
  • Micha 5,1-4a - Und du Bethlehem, Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda...
  • Jesaja 9,1-6 - Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht ...
  • Jesaja 11,1-9 - Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais ...
Schließlich hören wir die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Wenn wir dabei das Verkündigungsbild von Fra Angelico betrachten, dann wird uns deutlich, dass Weihnachten, dass die Geburt Jesu Gottes Antwort auf die Sünde der Menschen ist.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAngelico%2C_prado.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fe/Angelico%2C_prado.jpg
Fra Angelico (etwa 1395–1455) [Public domain], via Wikimedia Commons
Links im Hintergrund sehen wir, wie die Menschen, wie Adam und Eva das Paradies verlassen müssen. In dem schönen Weihnachtslied "Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich" heißt es dann in der 6. Strophe:
Heut schließt er wieder auf die Tür / zum schönen Paradeis; / der Cherub steht nicht mehr dafür. / Gott sei Lob, Ehr und Preis, / Gott sei Lob, Ehr und Preis!
Wir ahnen, dass uns durch Jesus Christus wieder der Weg zu Gott geebnet wird. 

In einem Blogbeitrag "Jesus Christus - Gottes Antwort auf die Erbsünde" habe ich dargelegt, wie ich diesen Zusammenhang sehe. Heiligabend werde ich diese Gedanken - natürlich abgewandelt - aufnehmen.

Predigt

Es ist Weihnachten, liebe Gemeinde, wir feiern die Geburt Jesu. Mancher wird sich deshalb schon gefragt haben: Warum um alles in der Welt fangen wir dann in diesem Gottesdienst mit Adam und Eva an? Weil das, was über Adam und Eva erzählt wird, sich in jedem Menschen wiederfindet und weil dieses Verhalten unsere Gegenwart bestimmt - und weil Weihnachten Gottes Antwort darauf ist.

Schauen wir auf den Anfang. Gott gibt dem Menschen seinen Lebensraum, wo er alles vorfindet, was er zum Leben braucht. Alles darf der Mensch nutzen. Nur vom Baum mitten im Garten, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, sagt Gott, davon darf der Mensch nicht essen. Die Frage nach dem “Warum” wird zugegebenermaßen unbefriedigend beantwortet: “An dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.” Der Fortgang der Geschichte zeigt, dass die Drohung so nicht in die Tat umgesetzt wird.

Mich erinnert dieses Handeln Gottes an das Verhalten von Eltern, die ihren kleinen Kindern etwas verbieten, weil sie wissen, dass es den Kindern schadet bzw. weil die Kinder damit noch nicht umgehen können. “Fass nicht auf die heiße Herdplatte!” Aber genau das probieren die Kleinen aus. Und mancher Rat an unsere pubertierenden Jugendlichen zielt in genau die gleiche Richtung: “Lern die Vokabeln, du lernst für dich und nicht für die Erwachsenen!” Wir sehen die Kinder vor uns, wie sie die Augen verdrehen: Mama! Papa!

Bei Adam und Eva kommt noch die Schlange hinzu. Sie sät Misstrauen gegenüber Gott, der sich bisher liebevoll sorgend um seine Menschen gekümmert hat. Auf einmal bekommen die Menschen Zweifel an der Güte und Menschenliebe des Schöpfers. “Ihr werdet keineswegs des Todes sterben”, zischelt die Schlange den Menschen zu, “sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.” - Ihr werdet sein wie Gott! Das ist der Schlüsselsatz in dieser Szene. “Wozu brauchen wir dann noch Gott? Wir können unser Leben doch selbst in die Hand nehmen.”

Dieser Verlockung können die Menschen nicht widerstehen und greifen zu der verbotenen Frucht. Doch was haben sie jetzt davon? Sie sterben nicht; das war von diesem Moment aus betrachtet keine gute Begründung, die Gott für sein Verbot angeführt hatte. Aber die Erkenntnis, die die Menschen im nächsten Augenblick gewinnen, ist auch nicht gerade weltbewegend. “Sie wurden gewahr, dass sie nackt waren und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.” Zum angeknacksten Gottesverhältnis kommt noch die Scham voreinander, die das Miteinander erfahrungsgemäß nicht einfacher machen wird.

Die nächsten Schritte Gottes sind sehr konsequent. Er muss feststellen: “Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.” Damit der Mensch nicht auch vom Baum des Lebens isst und ewig lebt, verweist ihn Gott des Garten Edens. Fast ist man geneigt zu sagen: Als Strafe! Doch mit dieser Feststellung sollten wir vorsichtig sein.

Ich hatte vorhin gesagt, dass mich Gottes Verhalten an das von Eltern erinnert, die ihren Kindern etwas verbieten, um sie vor Schlimmeren zu bewahren, oder die den Kindern etwas raten, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Können wir das im blick auf die biblische Geschichte auch sagen? Wusste Gott, dass die Menschen dem, was kommt, nicht gewachsen waren? Schauen wir auf die Folgen des verbotenen Tuns. Dass den Menschen die Augen aufgingen und sie entdeckten, dass sie nackt waren, hat sie nicht wirklich weitergebracht. Und auch die göttliche Erkenntnis des Guten und Bösen fördert im weiteren Verlauf das Zusammenleben keineswegs. Kaum sind Kain und Abel, die Kinder des ersten Menschenpaares, groß geworden, schlägt ein Bruder den anderen aus Eifersucht tot. Und schließlich muss Gott feststellen, “dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar”.

Wenn wir an dieser Stelle einen Blick auf die Gegenwart werfen, dann bemerken wir mit Schrecken fest, dass sich an dieser Feststellung bis heute offensichtlich nicht viel geändert hat. Die Nachrichten von Tod und Verderben bestimmen den Alltag und flößen Angst ein. So viel Mord und Totschlag wie im Augenblick haben wir über Jahrzehnte nicht erlebt. Und was würden wir Menschen damit anfangen, wenn wir ewiges Leben hätten in dieser Welt? Es gäbe nur noch mehr Neid und Missgunst. Die einen könnten sich die Medikamente oder medizinischen Eingriffe leisten, die anderen müssen verrecken.

In diese Situation hinein spricht die Weihnachtsgeschichte. Sie erzählt uns Jahr um Jahr, dass Gott seine Menschen nicht vergessen hat, dass Gott selbst Mensch wird, dass er als ein hilfloses Kind in der Krippe zur Welt kommt. Und in einer genauso friedlosen Welt wie unsere es ist, ruft der Engel auf dem Feld von Bethlehem den Hirten zu: “Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.”

Dieser Jesus hat als erwachsener Mann gezeigt, wie Leben vor Gott und miteinander gelingen kann. Diese Lebensweise hat er so beschrieben: “Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Markus 12,29-31)

Dreimal spricht Jesus von der Liebe:

  • die Liebe zu Gott
  • die Liebe zum Nächsten
  • die Liebe zu sich selbst

Wenn das in einem ausgewogenen Verhältnis steht, wird persönliches und gesellschaftliches Leben gelingen. Übrigens, die Stichworte, die wir in der Verkündigung der Propheten aus dem Alten Testament heute gehört haben, weisen eben genau diesen Weg. Es geht um Frieden, um Treue und Recht und Gerechtigkeit, um den Geist Gottes, der unser Leben bestimmt, und um die Ehrfurcht vor dem Schöpfer.

Am Ende des irdischen Weges des Kindes in der Krippe von Bethlehem steht das Kreuz von Golgatha. Menschen wollten es nicht wahrhaben, dass Gott uns in diesem Jesus von Nazareth ganz nahe gekommen war. Sie wollten lieber bei ihren eigenen Vorstellungen bleiben. Doch mit der Auferweckung seines Sohnes von den Toten hat Gott der Vater gezeigt, dass eben ein Weg in der Nachfolge Jesu zu einem Leben führt, wie Gott es sich für uns Menschen wünscht.

Kommen wir noch einmal zurück zur Geschichte von Adam und Eva und zu dem Vergleich, dass wir Eltern unsere Kinder durch manches Gebot oder Verbot auf den rechten Weg bringen wollen. Auf der einen Seite sagt uns unsere Erfahrung, dass es nicht gut ist, wenn unsere Kinder dieses oder jenes tun - oder sie sollten so handeln, wie wir es uns wünschen. Und auf der anderen Seite wissen wir gleichzeitig, dass unsere Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen müssen, dass sie sich von uns lösen müssen, um sich zu entwickeln.

Kann diese Vorstellung vielleicht auch unser Verhältnis mit Gott beschreiben? Dass Menschen gegen Gott rebellieren müssen, damit sie ihre eigenen Erfahrungen machen? Die decken sich zwar nicht immer mit Gottes Willen, aber die lassen uns zu uns selber finden. Wenn die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen nach turbulenten Jahren wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommt, können Eltern und Kinder ein gutes Verhältnis zueinander gefunden haben. Nicht umsonst kommen Weihnachten so viele Kinder in die Elternhäuser - und übrigens ja auch in die Gotteshäuser - zurück.

Wenn diese Vorstellungen zutreffen, dann ist die Vertreibung aus dem Paradies keine Strafe, dann eröffnet vielmehr das Leben außerhalb des Paradieses die Möglichkeit, dass wir Menschen zu uns selbst und zu Gott finden. Nach einer Zeit der Abnabelung können wir vielleicht eher hören, was Gott uns mit seinem Wort sagt. Dann können wir unser tatsächlich vorhandenes göttliches Wissen um Gut und Böse zum Nutzen der Schöpfung einsetzen. Weihnachten kann der Anfang eines solchen Weges sein. “Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis”, so haben wir es vorhin gesungen. Und am Ende dieses Weges wartet dann sogar das ewige Leben auf uns; nicht in dieser Welt, aber in Gottes Reich.

Amen.