Samstag, 13. August 2016

12. Sonntag nach Trinitatis

14. August 2016

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 12. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.55. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jes 42, 3)

Wochenlied:

Nun lob mein Seel den Herren (EG 289 - auch in Rev. 2014)
Rev. 2014: Ohren gabst du mir (EG 236)
Rev. 2014: Wir haben Gottes Spuren festgestellt (W-EG 648)

Lieder:

451,1-3 - Mein erst Gefühl sei Preis und Dank
745 - Psalm 113 - Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn
289,1.2.5 - Nun lob mein Seel den Herren
72,1.4-6 - O Jesu Christe, wahres Licht
354,1-3 - Ich habe nun den Grund gefunden
302,1-4 - Du meine Seele singe

Alle nachfolgenden Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Alttestamentliche Lesung Jes 29, 17-24

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. 18 Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; 19 und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels. 20 Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, 21 welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen. 22 Darum spricht der HERR, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen. 23 Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände - seine Kinder - in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten. 24 Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Evangelium Mk 7, 31-37

Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. 33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und 34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! 35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. 36 Und er gebot ihnen, sie sollten's niemandem sagen. Je mehr er's aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. 37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.

Epitel und Predigttext Apg 9, 1-9

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester 2 und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe. 3 Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; 4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? 5 Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. 7 Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. 8 Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; 9 und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.

Erste Predigtideen

Ausgangspunkt wird Jesajas Verheißung im alttestamentlichen Text sein.

  • Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden.
  • Die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden sehen aus Dunkel und Finsternis.
  • Es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten.
  • Wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände - meine (!) Kinder - in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten. 
  • Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Auch wenn man es nicht direkt übertragen kann, die Ortsangabe "Libanon" - Naher Osten - lässt Assoziationen aufkommen (fett gedruckt im Text).

Trotz düstere Gegenwart sieht Jesaja eine helle Zukunft! "Die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden sehen aus Dunkel und Finsternis." Deswegen werden die Wundergeschichten erzählt: Gottes Herrschaft hat begonnen. In der Gegenwart Jesu sehen die Menschen diese Verheißung erfüllt. Gott steht zu seinem Wort. "

Der Apostel Paulus hat für sich erlebt, dass sich in der Begegnung mit Christus sich sein Leben radikal verändert hat und eine neue Richtung annimmt. Der Christenverfolger wird zum Christusbekenner.

Gottes Werk ist es, damals wie heute. Wenn wir uns aber packen lassen - die Werke meiner Hände, meine (!) Kinder - werden andere sich zu Christus bekennen.

Donnerstag, 4. August 2016

11. Sonntag nach Trinitatis

7. August 2016

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 11. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.54. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petr 5, 5)

Wochenlied:

Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299)

Lieder:

452,1-3 - Er weckt mich alle Morgen
727 - Psalm 51 - Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
606 - Kehret um - und ihr werdet leben (?) oder
       - 382, 1-3 - Ich steh vor dir mit leeren Händen - oder
       - 299 - Aus tiefer Not schrei ich zu dir
353, 1-3 - Jesus nimmt die Sünder an oder - oder
       - 355 - Mir ist Erbarmung wiederfahren
199, 1-5 - Gott, hat das erste Wort

Alle nachfolgenden Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Alttestamentliche Lesung

Am vergangenen 10. Sonntag nach Trinitatis feierten wir in der evangelischen Kirche den so genannten "Israelsonntag". Der lehrt uns etwa in der Mitte der Trinitatiszeit über unser Verhältnis zum Volk Israel nachzudenken. Zwar hat Jesus darunter gelitten, dass sein Volk sich nicht zu Gott bekehren wollte, aber um der Väter Abraham, Isaak und Jakob willen bleiben unsere jüdischen Geschwister Gottes auserwähltes Volk, wie es Paulus im Römerbrief nach langem Ringen erklärt: „Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.” (Röm 11,29) Diesen Satz dürfen wir auch auf uns beziehen, wenn wir uns fragen, ob Gott noch zu uns steht - er hält fest an dem, was er versprochen hat: "Fürchte dich nicht! Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein." (Jes 43,1)

Ich möchte ab diesem 11. Sonntag nach Trinitatis in den Gottesdiensten verstärkt die alttestamentlichen Texte zu Gehör bringen, damit wir uns immer wieder unserer Wurzeln erinnern und der Glaubenssatz nicht in Vergessenheit gerät, dass Gott zu uns spricht durch sein Wort im Alten wie im Neuen Testament.

2. Sam 12, 1-10.13-15a

Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. 2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; 3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt's wie eine Tochter. 4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. 5 Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat! 6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.

7 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls 8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazu tun. 9 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter. 10 Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei. 11 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne. 12 Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz Israel und im Licht der Sonne.

13 Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben. 14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben. 15 Und Nathan ging heim.

Evangelium: Lk 18, 9-14 - wird wahrscheinlich nicht gelesen

Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Epistel und Predigttext: Eph 2, 4-10

Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht - aus Gnade seid ihr selig geworden -; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Predigtideen

Die Texte des Sonntags wecken viele Assoziationen bei mir. 

Zunächst der Wochenspruch: "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade." (1. Petr 5, 5) 
  • Die Demut spielt im jüdischen und christlichen Denken eine besondere Rolle. Im Alten wie im Neuen Testament ist Demut eine wesentliche Eigenschaft des wahren Gläubigen, desjenigen, der mit Gott im Reinen ist. (Wikipedia)
  • Entgegen manchen Formen des religiösen Lebens, in denen eher Demütigung als Demut im Vordergrund stand, wird in der heutigen christlichen Spiritualität Demut nicht als ein Sich-klein-Machen oder als Leugnen des eigenen Wertes gesehen, sondern als realistische Selbsteinschätzung des Menschen in seiner Position in der Welt: seiner eigenen Geringheit im Vergleich mit der Größe Gottes, aber zugleich seine Würde und seinen Wert als Geschöpf und Kind Gottes. (ebd.)
Die alttestamentliche Geschichte spricht von Davids Hochmut. Er hatte die schöne Batseba beim Baden beobachtet und mit ihr ein Verhältnis angefangen, obwohl sie mit dem Offizier Usia verheiratet war. David meinte wohl, dass er das als König dürfe. Als das Verhältnis wegen der Schwangerschaft Batsebas aufzufliegen droht, will David das Kind seinem Offizier unterschieben und lässt ihn aus dem Krieg zurückholen, damit er bei seiner Frau übernachten kann. Doch der will sich nicht dem Vergnügen hingeben während seine Männer im Feld stehen. David fällt nichts besseres ein als Usia auf ein Himmelfahrtskommando zu schicken, von dem er nicht mehr zurückkehrt. Der Weg zu seiner Geliebten ist frei. 

David hatte in dieser ganzen Situation weder auf Gottes Wort geachtet noch mit Gott gerechnet. Er hatte allein sein Vergnügen im Blick. In dieser Situation hält der Mann Gottes, der Prophet Samuel dem König den Spiegel vor. Hatte er noch voller Entrüstung das Urteil über den Mann gefällt, der dem Nachbarn das Schaft gestohlen hatte, so schleudert ihm der Prophet entgegen: "Du bist der Mann!"

Eine Frage bleibt: Warum soll das Kind sterben? Und es stirbt tatsächlich.

Hochmut der westlichen Welt, 
"Europa den Angehörigen der weißen Rasse ..." - solche Sätze aus einer längst vergangenen und überwunden geglaubten Zeit werden heute wieder auf der Straße gesagt.

Warum kommen die Menschen denn zu uns?

  • weil Europa und Amerika über Jahrzehnte so aufgetreten sind, als könnten Sie alles für sich in Anspruch nehmen
  • die Welt und Menschen auszubeuten
  • es sind übrigens auch heute noch die Kinder, die sterben

Und was passiert in den Ursprungsländern?

  • Korrupte Machthaber, mit denen Vertreter der westlichen Welt kooperieren, füllen sich zuerst die eigenen Taschen
  • religiöse Gruppen lehnen unseren Lebensstil radikal ab
Die Geschichte vom Pharisäer und Zöllner steht in einer Linie mit der von David. Voller Hochmut schaut der Pharisäer auf die anderen: "Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner." Warum betet er nicht: "Ich danke dir, Gott, dass ich zweimal in der Woche fasten und den Zehnten geben kann von allem, was ich einnehme. So reich hast du mich beschenkt." Wird der Zöllner seiner Demut Taten folgen lassen? "Gott, sei mir Sünder gnädig!" Zachäus hatte dann gesagt: "Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. (Lk 19,8) 

Der Episteltext macht es uns nicht leicht. 
  • Wir waren tot in unseren Sünden
Damit kommt ein Begriff vor, den wir zwar immer wieder benutzen - kleine Sünden des Alltags, Verkehrssünden - der Klofrau kein Geld geben - Lästern, klatschen, tratschen - Essen wegschmeißen - Zug den freien Platz neben sich blockieren - Bademantel aus dem Hotel mitgehen lassen - an der gelben Ampel noch mal richtig Gas geben!
    Warum machen wir das? Henriette Frädrich: Es ist befreiend, mal Normen zu brechen. Wie beim Spruch “Gute Mädchen kommen in den Himmel - böse Mädchen überall hin”, reizt es, nicht immer brav zu sein. (http://www.bild.de/ratgeber/2013/knigge/alltags-tabus-brechen-30390578.bild.html)
      Aber in die Tiefe geht diese Erklärung noch nicht. Wenn es um Hochmut und Demut geht, müssen wir wieder von unserer Ursünde zu reden - von der Sünde, dass wir in unserer westlichen Gesellschaft ohne Gott leben
        im Gefolge der Aufklärung -
          Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! (lateinisches Sprichwort: Wage es, weise zu sein!) Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. (Immanuel Kant nach https://de.wikipedia.org/wiki/Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufkl%C3%A4rung%3F)
          die ich nicht missen möchte, haben wir das Kind mit dem Bade ausgeschüttet
            Es gab Zeiten, da hat auch unsere Kirche, wenn sie von Demut sprach, eher Demütigung gemeint:

            • als ein Sich-klein-Machen oder als Leugnen des eigenen Wertes gesehen

            Das haben wir gottlob abgeschüttelt; dabei aber haben wir die Demut vor unserem Schöpfer verloren
              Demut eine wesentliche Eigenschaft des wahren Gläubigen, desjenigen, der mit Gott im Reinen ist. (Wikipedia)
              • mit Christus sind wir lebendig gemacht 
              • aus Gnade seid ihr selig geworden, ... Gottes Gabe ist es
              • nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme 
              Das wäre die “realistische Selbsteinschätzung des Menschen in seiner Position in der Welt: seiner eigenen Geringheit im Vergleich mit der Größe Gottes, aber zugleich seine Würde und seinen Wert als Geschöpf und Kind Gottes”.

              Paulus: Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

              Fürbitten

              Wie in der letzten Zeit so werde ich auch am 11. Sonntag nach Trinitatis das Wochengebet vortragen, das die VELKD auf ihrer Internetseite anbietet (ruft man die Seite nach dem 07.08.2016 auf, müsste das Gebet dort im Archiv zu finden finden sein). Die aktuell formulierten Gebete treffen aus meiner Sicht fast immer die gegenwärtige Situation.

              Am heutigen Sonntag sollen die einzelnen Fürbitten mit dem Lied "Kehret um" (EG NB 606) unterbrochen werden.
              Kehret um, kehret um,
              und ihr werdet leben.
              Kehret um, kehret um,
              und ihr werdet leben.

              dazu die Oberstimme:
              Zeige du, Herr, uns den
              Weg, den wir gehen sollen.

              Dienstag, 19. Juli 2016

              9. Sonntag nach Trinitatis

              24. Juli 2016

              Evangelisches Gesangbuch

              Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 9. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.52. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

              Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

              Am 9. Sonntag nach Trinitatis sagt Gott uns zu, dass jeder seine Gaben, sein Talent hat, das Christsein zu leben.

              Wochenspruch:

              Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern. (Lk 12, 48b)

              Wochenlied:

              Rev. 2014: Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (EG 397)
              Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (EG 497 - auch in Rev. 2014)
              Rev. 2014: Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern (Westf-EG 677 / NB-EG 623 / KHW-/HN-EG 634)

              Musikalischer Gottesdienst

              Es ist der 4. Sonntag im Monat und damit soll ein Schwerpunkt des Gottesdienstes die Kirchenmusik sein. Von unserem Organisten Heinz Detlau-Keire kam der Vorschlag:
              Was halten Sie von dem Motto "Mein Vorbild, seine Lieder: Fritz Baltruweit"?

              Dann würde ich als Vor- und Nachspiel jeweils ein schönes Lied samt eigener Intonation spielen, und im Gottesdienst seine Lieder singen lassen:
              • Vorspiel "Solang die Rose blüht"
              • Eingangslied: 432,1-3 - Gott gab uns Atem damit wir leben
              • nach der Epistel: 604,1-3 - Wo ein Mensch Vertrauen gibt
              • vor der Predigt: 595,1-3 - Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst
              • nach der Predigt: 620,1-3 - Freunde, dass der Mandelzweig
              • nach den Abkündigungen zum Kollektieren: 607,1-5 - Vertrauen wagen dürfen wir getrost
              • Nachspiel: Into und Choral: "Gib mir deine Hand"

              Es wäre dann auch sehr schön, wenn in der Begrüßung kurz etwas zu Fritz Baltruweit gesagt werden könnte. 
              Die Antwort war schnell geschrieben: "So machen wir es." Ich bin gespannt. Die meisten Lieder sind der Gemeinde nicht unbekannt.

              Epistel Phil 3, 7-11 (12-14) - gleichzeitig Predigttext

              Wenn ein anderer meint, er könne sich auf Fleisch verlassen,
              so könnte ich es viel mehr,
              5 der ich am achten Tag beschnitten bin,
              aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin,
              ein Hebräer von Hebräern,
              nach dem Gesetz ein Pharisäer,
              6 nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde,
              nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen.

              7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.

              10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

              12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

              Evangelium Mt 25, 14-30

              Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; 15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.

              16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. 17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.

              18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

              19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. 20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. 21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!

              22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. 23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!

              24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; 25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.

              26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.

              28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. 29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. 30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

              Predigtideen

              Ich habe ein bisschen umgestellt und beginne mit den Liedern von Fritz Baltruweit, die wir bisher gesungen haben. Worum ging es?
              1. Gott gab uns Atem, damit wir leben. / ... Gott hat uns diese Erde gegeben, / dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
              2. Gott will nicht diese Erde zerstören. / Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
              3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. / Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. / Gott will mit uns die Erde verwandeln. / Wir können neu ins Leben gehn.
              Dann ging es darum, dass aus unseren Wüsten wieder Gärten entstehen
              1. Wo ein Mensch Vertrauen gibt, / nicht nur an sich selber denkt
              2. Wo ein Mensch den andern sieht, / nicht nur sich und seine Welt
              3. Wo ein Mensch sich selbst verschenkt, / und den alten Weg verlässt,
              fällt ein Tropfen von dem Regen, / der aus Wüsten Gärten macht.

              Das dritte Lied mach deutlich, dass wir auch angesichts der schrecklichen Geschehnisse der letzten Tage - Amoklauf in Münschen, Terroranschlag in Kabul - nicht der Furcht raum geben sollen in unserem Leben. Gottes Wort trägt uns. So können wir unseren Weg weitergehen:
                1. Fürchte dich nicht, / gefangen in deiner Angst ... 
                2. Fürchte dich nicht, / getragen von seinem Wort ... 
                3. Fürchte dich nicht, / gesandt in den neuen Tag ...

                Diese Texte helfen, “das Gefühl dafür zu bekommen, dass wir bei allem was geschieht und was wir tun oder auch nicht tun, gehalten sind in der Liebe Gottes und nichts kann ihn davon trennen im Leben und Tod …” (Fritz Baltruweit) - Der Apostel Paulus drückt diesen Gedanken so aus: “… dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird”.

                Aber wir Menschen gehen oft anders an unser Leben, wir meinen, uns über unsere Leistungen definieren zu können, selbst vor Gott. Wir denken, unsere Leistung müsste uns besser machen als andere; oder: wir hätten auf Grund unserer Leistung Vorteile und Vorzüge gegenüber anderen. Der Leistungsgedanke beherrscht das ganze Leben.

                Paulus nimmt im Brief an die Philipper diesen Gedanken auf und führt ihn ad absurdum. Offensichtlich waren Juden oder Judenchristen zu den Philippern gekommen, die die junge Christengemeinde mit ihrer Verkündigung, die insbesondere auf die Einhaltung jüdischer Vorschriften zielte, verunsicherte. Dem hält Paulus seinerseits seine "Vorzüge" entgegen, die jeden Juden oder Judenchristen erblassen lassen:
                • am achten Tag beschnitten,
                • aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin,
                • ein Hebräer von Hebräern,
                • nach dem Gesetz ein Pharisäer,
                • nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde,
                • nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig

                Aber Paulus will nicht prahlen. In der Begegnung mit Christus hat er erkannt, dass es auf diese äußerlichen "Vorzüge" bei Gott überhaupt nicht ankommt. "... was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet, ... ich erachte es für Dreck". Schlimmer kann er seine eifernden Gegner in Philippi nicht treffen. Das, worauf sie so großen Wert legen, das, was in Gottes Augen so wertvoll sein soll, das nennt Paulus einen "Dreck".

                Auch wenn die beiden Männer in ihrer Glaubenserfahrung durchaus unterschiedlich sind, hier treffen sich der Apostel Paulus und der Reformator Martin Luther. Genau wie Paulus hat Luther zunächst in seinem religiösen Leben Wert darauf gelegt, in Gottes Gesetz, so wie es seine Kirche damals lehrte, alles richtig zu machen, nur keinen Fehler, nur keine Schwäche zulassen. Paulus kann noch sagen "nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig"; Luther wäre an seinem Anspruch fast zerbrochen.

                Menschen zerbrechen heute nicht unbedingt an ihren religiösen Höchstleistungen, aber nicht wenige wissen irgendwann nicht mehr, wie sie den immer weiter steigenden Anforderungen im Beruf und in der Gesellschaft noch gerecht werden sollen.

                Hängen mit diesem Leistungsdenken auch die Krisen zusammen, die wir im Augenblick weltweit erleben? Die einen haben etwas - die anderen nichts. Ruft dieses Leistungsdenken auch den Hass hervor, von dem in letzter Zeit so oft die Rede ist?

                In diese Situation hinein spricht Paulus: "... nicht meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt" - nicht meine Leistung, meine Überstunden, mein privates Geld oder was ich sonst noch einsetze - "... sondern die Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird".

                In der letzten Konsequenz werden wir erleben, dass unsere Leistungen uns nichts einbringen. Wenn wir ausfallen geht das Leben auch weiter. Ein anderer macht die Arbeit. Wenn wir uns zu viel vornehmen, leidet die Qualität unserer Arbeit - und wir werden kritisiert. Und im Extremfall kostet uns diese Lebens- und Arbeitseinstellung das Leben. Bei der Beerdigung gibt es noch ein paar Dankesworte - aber ob das vor Gott zählt?

                Paulus geht es um die “Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird".

                Paulus und Luther haben aus dieser Erfahrung zu ihrer großen inneren Freiheit gefunden. Sie waren nicht mehr den Zwängen der Eiferer ausgesetzt. Sie ließen sich irgendwann keine Vorschriften mehr wachen, was zu glauben und zu tun sei. - Davon träumt heute auch so mancher. Frei sein und allen Zwängen entfliehen. Endliche machen, was man will! Endlich das Leben genießen und nicht mehr allein knechten und schuften!

                Es ist allerdings die Frage, ob Paulus und Luther diese Freiheit gemeint haben. Um es gleich vorweg zu sagen: Nein! Paulus beschreibt seine Freiheit so: "Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne." (1. Kor 9,19) Und Luther schreibt in seiner Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen": "Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan."

                Damit ist die Freiheit, die der Christ aus seinem Glauben gewinnt, aufs deutlichste beschreiben: Keinen Zwängen mehr unterworfen, aber nicht völlig losgelöst nur noch egoistisch auf sich selbst, auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche fixiert! Ein Christenmensch sieht seine Aufgaben in der Welt. Und er nimmt sie in Angriff, nicht weil er es muss, sondern weil er es aus eigenem inneren Glaubensantrieb für richtig hält und deshalb den Vorsatz in Freiheit in die Tat umsetzen will.

                vgl. dazu: Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. (https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheit)

                Menschen, die so fest im Glauben stehen, können anderen neben Respekt auch Angst und Sorge einflößen: "Das schaffe ich nie, so meinen Glauben zu leben. So kann ich nicht glauben. Glaube ich dann überhaupt richtig?" Paulus kennt offensichtlich solche Gedanke, solche Einsprüche. Deshalb schreibt er den Philippern: "Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin." Wie ihr auch bin ich auf dem Weg! Ich bin nicht perfekt - und ihr müsst es auch nicht sein! Aber versuchen sollten wir es! Nach bestem Wissen und Gewissen. Nicht dass wir den Glauben ein für alle Mal haben, sondern ganz allmählich, aber stetig.

                Das können wir auch mit den beiden letzten Liedern von Fritz Baltruweit nachbuchstabieren, die wir noch singen werden:
                1. Da zeigt der blühende Mandelzweig, "dass die Liebe bleibt ..."
                2. auch wenn das Blut schreit
                3. und Tausende vom Krieg zerstampft werden
                4. doch letztentlich gilt, dass der Mandelzweig der Fingerzeig Gottes bleibt, der uns zeigt, "wie das Leben siegt".
                Das letzte Lied werden wir zwischen den Fürbitten singen, die ich von der Seite der Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) übernehme (wer später das Gebet aufrufen will, muss es im Archiv der VELKD suchen; der Link verweist jeweils auf das aktuelle Gebet (unten auf dieser Seite ist die Suchfunktion eingebaut).

                1. Vertrauen wagen dürfen wir getrost ...
                2. Unrecht erkennen sollen wir getrost ...
                3. Schritte erwägen können wir getrost ...
                4. Glauben bekennen wollen wir getrost ...
                5. Vertrauen wagen dürfen wir getrost ...

                Dienstag, 5. Juli 2016

                7. Sonntag nach Trinitatis

                10. Juli 2016

                Evangelisches Gesangbuch

                Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 7. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.50. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

                Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

                Der 7. Sonntag nach Trinitatis hat Essen und Trinken im Blick - Grundbedürfnisse des Menschen. Im Abendmahl stärkt Gott seine Christen für das Leben in der Welt.

                Wochenspruch:

                So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Eph 2, 19)

                Wochenlied:

                Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen (EG 221 - nicht in Rev. 2014) oder
                Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326 - nicht in Rev. 2014)
                Rev. 2014: Seht das Brot, das wir hier teilen (EG 226)
                Rev. 2014: Nun lasst uns Gott, dem Herren (EG 320)

                Lieder im Gottesdienst


                502,1.2.4.5 - Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit
                753 - Psalm 136
                221,1-3 - Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen
                213,1-3 - Kommt her, ihr seid geladen
                225,1-3 - Komm, sag es allen weiter
                227,1-6 - Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben

                Epistel Apg 2, 41a.42-47 - gleichzeitig Predigttext

                Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.

                42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

                Evangelium Joh 6, 1-15

                Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt. 2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden. 5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. 8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele? 10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. 11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten. 12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. 13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrigblieben, die gespeist worden waren.

                14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

                Predigtideen 

                Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. - Wow! Bei 30.000 bis 50.000 Einwohnern in Jerusalem. Bis zu 10%! (http://www.cosmiq.de/qa/show/1729831/Wie-viele-Einwohner-hatte-Jerusalem-zur-Zeit-von-Jesus-Christus/)


                Ein bisschen gerechnet:

                Wenn die Taufe eines Menschen 30 Sekunden dauert, kann einer in einer Stunde 120 andere Menschen taufen. Alle 11 Jünger zusammen hätten in einer Stunde dann 1.320 Menschen getauft. Also hätten alle Jünger zusammen in gut zwei Stunden die Menschen taufen können.

                Es wird natürlich deutlich, dass die Taufen nicht so verlaufen sind. Es werden nicht 3.000 Menschen getauft worden sein. Logistisch hätte man das gar nicht bewältigen können. Schon 300 neue Mitglieder der christlichen Gemeinde wären viel gewesen.

                Letztendlich geht es nicht um die Zahl der neuen Christen, vielmehr um das, das sie fasziniert haben muss.

                Gütergemeinschaft!?

                44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte.

                Ob die so genannte frühchristliche Gütergemeinschaft tatsächlich so praktiziert wurde, muss hinterfragt werden. Schon die Apostelgeschichte berichtet von Unregelmäßigkeiten: 1 Ein Mann aber mit Namen Hananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker, 2 doch er hielt mit Wissen seiner Frau etwas von dem Geld zurück und brachte nur einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen. (Apg 5)

                Und auch Paulus berichtet in Korinth von nicht lobenswerten Zuständen. 20 Wenn ihr nun zusammenkommt, so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn. 21 Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken. 22 Habt ihr denn nicht Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, die nichts haben? (1. Kor 11)

                Gerechtigkeit!

                Aber wir können davon ausgehen, dass die Christen füreinander einstanden, dass es einen gerechteren Ausgleich gab als den, der gesellschaftlich üblich war. Im Brief an die Epheser und an anderen Stellen des neuen Testaments finden wir solche Äußerungen: "5 Ihr Sklaven, seid gehorsam euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens als dem Herrn Christus; 6 nicht mit Dienst allein vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern als Knechte Christi, die den Willen Gottes tun von Herzen. 7 Tut euren Dienst mit gutem Willen als dem Herrn und nicht den Menschen; 8 denn ihr wisst: Was ein jeder Gutes tut, das wird er vom Herrn empfangen, er sei Sklave oder Freier. 9 Und ihr Herren, tut ihnen gegenüber das Gleiche und lasst das Drohen; denn ihr wisst, dass euer und ihr Herr im Himmel ist, und bei ihm gilt kein Ansehen der Person." (Eph 6,5ff)

                Versorgung der Armen

                46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.

                Die Apostelgeschichte berichtet im 6. Kapitel: 1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.

                Noch einmal Paulus an die Korinther: 33 Darum, meine lieben Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander. 34 Hat jemand Hunger, so esse er daheim ... (1. Kor 11)

                Wunder und Zeichen

                43 Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 

                Fasziniert von den Wundergeschichten, auf der anderen Seite total nüchtern in der Gegenwart. Die Augen neu öffnen für die kleinen Wunder im Alltag.

                Eine starke Gemeinschaft

                42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.

                • in der Lehre der Apostel bleiben - sich mit dem Glauben auseinandersetzen
                • Gemeinschaft und Brotbrechen - Essen hält Leib und Seele zusammen
                • Beten - miteinander und füreinander

                Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

                Freitag, 1. Juli 2016

                6. Sonntag nach Trinitatis

                3. Juli 2016
                Evangelisches Gesangbuch

                Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 6. Sonntag nach Trinitatis unter der Nummer 954.49. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

                Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

                Am 6. Sonntag nach Trinitatis hören wir, dass uns die Taufe teilhaben lässt am Tod und der Auferstehung Jesu. Wir müssen der Sünde keine Macht mehr einräumen über uns

                Wochenspruch:

                So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. (Jes 43, 1)

                Nach der angestrebten Revision der Perikopenordnung aus dem Jahr 2014 lautet der Wochenspruch:
                Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Joh 4,16b)

                Wochenlied:

                Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200 - auch in Rev. 2014)
                Rev. 2014: Du hast mich, Herr, zu dir gerufen (EG 210)
                Rev. 2014: Ich sage ja (NTL 2 - Neue Tauflieder, Ev. Kirche im Rheinland (Hg.))

                Lieder im Gottesdienst

                455,1-3 - Morgenlicht leuchtet
                705 - Psalm 8 - Was ist der Mensch, Herr, dass du dich seiner annimmst
                210,1-5 - Du hast mich, Herr, zu dir gerufen
                269,1-5 (Melodie 103) - Christus ist König, jubelt laut
                255,1-5 - O dass doch bald dein Feuer brennte
                570,1-4 - Wir sind zum Mahl geladen

                Epistel Röm 6, 3-8 (9-11) - gleichzeitig Predigttext

                Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. 6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, 9 und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. 10 Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott. 11 So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.

                Evangelium Mt 28, 16-20

                Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

                Predigtideen

                Das war nicht unbedingt eine gute Woche - mal abgesehen vom Sieg der deutschen Fußballmannschaft.

                • Diskussion um den Brexit
                • Streit über Handelsabkommen Ceta
                • Terroranschlag in der Türkei
                • Im Westjordanland ersticht ein Palästinenser eine 13-jährige Israelin im Schlaf
                • In Ravensburg tötet ein 53-Jähriger seine Frau und zwei Stieftöchter
                • Die Präsidentenwahl in Österreich muss wiederholt werden
                • Terroranschlag in Bangladesh

                Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod. - Was Christus gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal.

                Was hat es mit dieser Sünde auf sich?

                • Adam und Eva wollen so sein wie Gott - und verlieren das Paradies
                • Kain erschlägt aus Neid seinen Bruder Abel - und verliert die Heimat
                • die Menschen in Babel wollen hoch hinaus, die wollen einen Turm bauen, der bis in den Himmel reicht und sie berühmt macht - und am Ende versteht keiner den anderen
                • die Könige in Israel meinen, sie kämen in der Politik auch ohne Gott aus - immer wieder ermahnen die Propheten sie - am Ende gibt es keinen selbstständigen Staat Israel mehr
                • Die Römer meinen, sich allein auf die Macht ihrer Soldaten stützen zu können, sie dulden keinen anderen König neben dem Kaiser in Rom - deshalb schlagen sie Christus ans Kreuz
                • Der Hoherat, die jüdischen Schriftgelehrten meinen, kein anderer hätte das Recht, das Wort Gottes auszulegen - deshalb sind sie froh, dass mit diesem Wanderprediger aus Nazareth kurzer Prozess gemacht wird

                Diese Sünde bringt den Tod - sie bringt Zwietracht und Hass - Neid und Ausbeutung - Egoismus und Überheblichkeit - diese Sünde schafft Raum für Ausschweifung und Begierden - Maßlosigkeit und Selbstsucht - all das, wovon die Medien tagtäglich berichten

                Was Christus gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal. - Wir wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen.

                Mit der Auferweckung Jesu von den Toten hat Gott dem Tod die Macht genommen. Der Tod bleibt zwar schrecklich, weil er Menschen trennt, weil er Pläne durchkreuzt, weil er schmerzt und wir uns vielleicht auch fürchten, aber der Tod hat seit der Auferweckung Jesu von den Toten nicht mehr das letzte Wort. Dieses letzte Wort spricht jetzt Gott, unser allmächtige Vater im Himmel!.

                In diese Dynamik Gottes vom Tod zur Auferstehung nimmt der Apostel uns Christen mit hinein. Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod. - Was meint der Apostel? Er erinnert an die alte Taufpraxis, wo die Täuflinge ins Wasser stiegen und ganz untertauchten. - Das weiß jeder: Wer zu lange unter Wasser bleibt, der stirbt. Doch bei diesem Gedanken bleibt Paulus nicht stehen: Wenn wir mit Christus verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein - und wenn wir mit Christus auferstanden sind, so kann der Tod hinfort über uns nicht herrschen.

                Was ist denn die Herrschaft des Todes? Andreas Götz - Denn morgen sind wir tot - Seit sie mit Adrian zusammen ist, ist das Leben der 16-jährigen Siri ein einziger Rausch. Am meisten fasziniert sie, dass Adrian sich nicht um Grenzen und Verbote schert. Lebe jetzt, ist sein Motto, denn morgen sind wir tot. - Übrigens: Nach dem Zeugnis der Bibel kannten sowohl die Jerusalemer als auch die Korinther offensichtlich dieses Motto. - Wenn also mit dem Tod alles vorbei ist, muss ich nehmen, was ich kriegen kann, weil ich sonst zu kurz kommen könnte.

                Nein, sagt Paulus, genau diesen Zusammenhang durchbricht die Taufe. Ja, wir sterben mit Christus - aber wir sterben auch der Sünde. “Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde”, sagt Paulus. Wir sind mit Jesus begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.

                Wäre das nicht schön: in einem neuen Leben wandeln, neue Wege miteinander gehen, füreinander verantwortlich einstehen, ohne Schuldzuweisungen. Wie so ein Leben aussehen könnte, hat Jesus uns vorgelebt. Wenn wir seinem Beispiel folgen, können wir Zwietracht und Hass überwinden - Neid und Ausbeutung - Egoismus und Überheblichkeit - Ausschweifung und Begierden - Maßlosigkeit und Selbstsucht. Dann wäre es am Ende einer Woche nicht allein ein gewonnenes Fußballspiel, das Freude bereitet, dann fänden wir diese Freude auch im Miteinander der Menschen - in Europa, im Orient, ja in der ganzen Welt.

                Samstag, 4. Juni 2016

                Gottesdienst mit Schützengilde St. Hubertus e.V. Meppen

                5. Juni 2016

                Anlässlich Ihres Schützenfestes kommen die Mitglieder der Schützengilde St. Hubertus e.V. Meppen alle zwei Jahre zum Gottesdienst in die Gustav-Adolf-Kirche. In den anderen Jahren wird der Gottesdienst in der St. Paulus-Kirche zu Meppen besucht.

                Orgelvorspiel


                Begrüßung


                EG 455 Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang


                Psalm 118 – Dies ist der Tag, den der HERR macht ...

                Den Pslam beten wir im Wechsel.

                Dies ist der Tag, den der HERR macht;
                darum lasst uns freuen und fröhlich sein an ihm.
                O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!
                Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
                Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid.
                Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
                Schmückt das Fest mit Maien!
                Du bist mein Gott und ich danke dir;
                mein Gott, ich will dich preisen.
                Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
                und seine Güte währet ewiglich.
                Alle singen: Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

                Aufforderung zum Kyrie

                Gott suchen, ihm nahe sein, auf sein Wort hören: wir möchten es gern und bringen es oft nicht fertig. In unserer Halbherzigkeit bitten wir Gott um Erbarmen:

                Kyrie (Taizé)

                Aufforderung zum Gloria

                "Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet", sagt Gott, "so will ich mich von euch finden lassen." Er ist uns nahe, auch wenn wir es nicht wahrnehmen; er spricht zu uns, obwohl wir es oft überhören. Wir danken ihm und singen sein Lob:

                Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, / meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. / Kommet zuhauf, / Psalter und Harfe, wacht auf, / lasset den Lobgesang hören!

                Gebet


                Evangelium: Lukas 14,16-24


                16 Jesus sagt: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.

                Glaubensbekenntnis


                EG 503 Geh aus, mein Herz, und suche Freud

                Dieses Lied von Paul Gerhardt wird immer wieder gern gesungen. Es ist sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche bekannt und passt sehr schön in die Jahreszeit. Wir singen die ersten 3 Strophen.

                Predigt


                Bildnachweis am Ende dieses Posts
                via Wikimedia Commons
                In der Predigt soll es um den Heiligen St. Hubertus gehen. Auf der Website http://www.katholisch.de findet man zur Person von Hubertus folgende Informationen:

                "Hubertus wurde um das Jahr 655 als ältester Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse geboren. Er diente am Hof des Fürsten von Burgund. Dieser war mit Hubertus sehr zufrieden. Und so übertrug er dem jungen Mann mit der Zeit immer mehr Ämter. Doch das Schicksal spielte Hubertus übel mit. Seine junge Frau starb bei der Geburt ihres ersten Kindes.

                Voller Verzweiflung stürzte Hubertus sich daraufhin in allerlei Vergnügungen, um seinen Kummer zu betäuben. Vor allem in der Jagd suchte er Ablenkung und Zerstreuung. Eines Tages - so die Legende - habe Hubertus in den einsamen Wäldern der Ardennen gejagt, als er plötzlich einen großen Hirsch erblickte."

                In einer anderen Quelle findet man den Hinweis, dass diese Jagd an einem Karfreitag geschah, wo die Christen des Todes Jesu gedenken. Solch ein Verhalten stellte natürlich einen besonderen Frevel dar.

                “Als einst Hubert an einem Karfreitag mit seinem lauten Tross zur Jagd zog, warnte ihn seine Gattin und flehte ihn dringend an, den ernsten Todestag des Herrn nicht zu entweihen. Er schien von der liebevollen Warnung seiner frommen Gattin gerührt, dennoch siegte die Jagdlust.” aus: http://www.sankt-hubertus.de/leghub.htm; vgl. https://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hubertus_von_Luettich.html)

                Auf der Seite katholisch.de liest man dann weiter: "Der Jäger schlich sich an, um das Tier zu töten. Doch kurz bevor er den tödlichen Pfeil abschießen wollte, sah Hubertus ein hell leuchtendes Kreuz zwischen den Geweihstangen des Hirsches. Vom Licht geblendet ließ er Pfeil und Bogen fallen und sank auf die Knie. Und plötzlich hörte er eine Stimme, die ihn ermahnte, sein ausschweifendes Leben aufzugeben und sich Gott zuzuwenden."

                Auf sankt-hubertus.de wird gesagt: "Eine klagende Stimme ertönt: 'Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich!'"

                Noch einmal katholisch.de: "Als Hubertus aufschaute, war der Hirsch mit dem Kruzifix im Geweih verschwunden.

                Der junge Mann veränderte von nun an radikal sein Leben. Er gab seine Ämter auf und verschenkte sein Vermögen an die Armen. Alsdann zog er sich in die Einsamkeit zurück und verbrachte seine Tage im Gebet. Bald erhielt Hubertus die Priesterweihe und zog als Missionar durch Brabant. Um das Jahr 705 wurde er Bischof von Tongern-Maastricht. 717 verlegte er seinen Bischofssitz nach Lüttich. Von dort aus verbreitete er den christlichen Glauben in den Ardennen. Nicht umsonst hat er den Beinamen "Apostel der Ardennen" erhalten.

                Hubertus starb im Jahr 727 mit 72 Jahren. Er gilt als Schutzpatron der Jäger, Förster und Waldarbeiter - aber auch der Schützenvereine."

                http://www.katholisch.de/glaube/unsere-vorbilder/der-heilige-aus-dem-wald

                EG 503 Ich selber kann und mag nicht ruhn

                Mit den Strophen 8, 13 und 14 aus dem Lied EG 503 (Geh aus mein Herz und suche Freud) setzen wir dann den Gottesdienst fort. Im Zusammenhang der Abkündigungen erfolgt der Hinweis auf die Kollekte, die für die Partnerschaftsarbeit zwischen der Amani-Kirche (Frieden) / Chemchem /Tansania und der Upendo-Kindergottesdienstkirche (Liebe) / Kibongoto /Tansnia und der Gustav-Adolf-Kirche Meppen / Deutschland bestimmt ist. Die Kollekte wird während desn nachfolgenden Liedes eingesammelt.

                EG 331 Großer Gott, wir loben dich


                Fürbitte und Vaterunser


                Entlassung und Segen


                Orgelnachspiel


                Bildnachweis
                https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMeister_des_Marienlebens_von_Werden_001.jpg
                https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a0/Meister_des_Marienlebens_von_Werden_001.jpg
                Master of the Life of the Virgin [Public domain], via Wikimedia Commons

                Sonntag, 22. Mai 2016

                1. Sonntag nach Trinitatis

                29. Mai 2016

                Evangelisches Gesangbuch

                Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Himmelfahrtstag unter der Nummer 954.44. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

                Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

                Wochenspruch:

                Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lk 10, 16)

                Nach der angestrebten Revision der Perikopenordnung aus dem Jahr 2014 lautet der Wochenspruch: 
                Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Joh 4,16b)

                Wochenlied:

                Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124 - nicht in Rev. 2014)
                Rev. 2014: Von Gott will ich nicht lassen (Eg 365)
                Rev. 2014: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (EG 382)

                Lieder im Gottesdienst

                EG 450 - Morgenglanz der Ewigkeit
                EG 718 - Ps 34 Schmecket und sehe wie freundlich der Herr ist
                EG 318 - O gläubig Herz, gebenedei
                EG 407 - Stern auf den ich schaue
                LW 54 - Stimme, die Sterin zerbricht
                LW 60 - Meine Hoffnung und meine Freude

                Epistel 1. Joh 4, 16b-21

                Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, 18 sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

                Evangelium Lk 16, 19-31

                Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. 20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren 21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre. 22 Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. 23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. 25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt. 26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber. 27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; 28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. 29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. 30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. 31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

                Predigttext(e)

                Die Kommission zur Perikopenrevision schlägt vor, über 1. Mose 18, 16-33 - Abraham versucht, den Untergang von Sodom und Gomorra zu verhindern - zu predigen. Ich muss mal sehen, ob ich diesen Vorschlag folge oder über den traditionell vorgesehenen Episteltext predige. Zunächst einmal kann man hier das Gespräch - man kann auch schon sagen: die Verhandlung, die Abraham mit Gott führt, nachlesen: 

                Da brachen die Männer auf und wandten sich nach Sodom, und Abraham ging mit ihnen, um sie zu geleiten. 17 Da sprach der HERR: Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tun will, 18 da er doch ein großes und mächtiges Volk werden soll und alle Völker auf Erden in ihm gesegnet werden sollen? 19 Denn dazu habe ich ihn auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat. 20 Und der HERR sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, dass ihre Sünden sehr schwer sind. 21 Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist, oder ob's nicht so sei, damit ich's wisse. 22 Und die Männer wandten ihr Angesicht und gingen nach Sodom.

                Aber Abraham blieb stehen vor dem HERRN 23 und trat zu ihm und sprach: Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? 24 Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären? 25 Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?

                26 Der HERR sprach: Finde ich fünfzig Gerechte zu Sodom in der Stadt, so will ich um ihretwillen dem ganzen Ort vergeben. 27 Abraham antwortete und sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden, zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Erde und Asche bin. 28 Es könnten vielleicht fünf weniger als fünfzig Gerechte darin sein; wolltest du denn die ganze Stadt verderben um der fünf willen? Er sprach: Finde ich darin fünfundvierzig, so will ich sie nicht verderben. 29 Und er fuhr fort mit ihm zu reden und sprach: Man könnte vielleicht vierzig darin finden. Er aber sprach: Ich will ihnen nichts tun um der vierzig willen. 30 Abraham sprach: Zürne nicht, Herr, dass ich noch mehr rede. Man könnte vielleicht dreißig darin finden. Er aber sprach: Finde ich dreißig darin, so will ich ihnen nichts tun. 31 Und er sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden, mit dem Herrn zu reden. Man könnte vielleicht zwanzig darin finden. Er antwortete: Ich will sie nicht verderben um der zwanzig willen. 32 Und er sprach: Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen.
                33 Und der HERR ging weg, nachdem er aufgehört hatte, mit Abraham zu reden; und Abraham kehrte wieder um an seinen Ort.

                Predigtideen

                Zu jedem der drei vorgestellten Texte habe ich eine Assoziation: 

                Das ist nun schon über 30 Jahre her, dass ich während meiner Studienzeit in Göttingen eine Pastorin in der reformierten Kirche über den Episteltext predigen hörte. Die politischen und wirtschaftlichen Zeiten damals waren auch nicht rosig. Wir Studenten waren friedensbewegt und verlangten eine Verständigung der beiden Blöcke, die von Amerika und der UdSSR damals angeführt wurden. Es war die Zeit der Aufrüstung. Und so mancher Student fragte sich, ob er später eine Arbeitsstelle bekommen würde. 

                Die reformierte Kollegin nahm 1. Joh 4,16b auf "Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." und fügte dann hinzu: "Die Liebe ist unsere einzige Überlebenschance." Ich habe mir diesen Satz damals in meine Studienbibel geschrieben. 

                Im Evangeliumstext versucht der Reiche nach seinem Tod angesichts der höllischen Qualen mit "Vater Abraham" zu verhandeln. Als der erklärt, dass dies nicht möglich sei, erinnerte sich der Reiche an seiner Brüder und bat: "So bitte ich dich, Vater (Abraham), dass du (Lazarus) sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual." Die Antwort, die Abraham gibt, ist bemerkenswert: "Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören." Der Reiche weiß aus eigener Erfahrung, dass der Hinweis auf Gottes Gebote und auf seine Boten nichts nützen wird. Die Gier und die Aussicht auf möglichen Gewinn wird jede soziale Regung zerstören. Deshalb wendet er ein: "Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun." Abraham antwortet: "Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde."

                Dieser letzte Satz geht mir jedes Mal, wenn ich ihn lese, durch und durch. Wir Christen glauben, dass einer von den Toten auferstanden ist: Jesus Christus, Gottes Sohn! Und wie sieht die Welt aus? Was tut das so genannte "christliche Abendland" angesichts der vielen Krisen? "Wir haben Mose und die Propheten - und wir haben den auferstandenen Christus; die sollen sie hören." - Hören wir?

                Der von der Kommission vorgeschlagenen Text aus dem Alten Testament 1. Mose 18, 16-33 ist auch spannend. Gott will die Menschen in Sodom und Gomorra wegen ihres verderbten Handelns zur Rechenschaft ziehen. Abraham versucht, Gott von seinem Vorhaben abzubringen. Vielleicht denkt er an seinen Neffen Lot, der in der Gegend wohnt. Und so fängt Abraham an zu verhandeln: 

                - Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?

                - Es könnten vielleicht fünf weniger als fünfzig Gerechte darin sein ...

                - Man könnte vielleicht vierzig darin finden. ...

                - Man könnte vielleicht dreißig darin finden. ...

                - Man könnte vielleicht zwanzig darin finden. ...

                - Man könnte vielleicht zehn darin finden. ...

                Gott aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen. Und der HERR ging weg, nachdem er aufgehört hatte, mit Abraham zu reden; und Abraham kehrte wieder um an seinen Ort.

                Gott geht dann nach Sodom und Gomorra und schaut selbst, was er dort vorfindet. Am Ende heißt es: "Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war." (1. Mose 19,24f) - Also, keine zehn Gerechten!

                Wir wissen es, wir hören es am 1. Sonntag Trinitatis wieder einmal: 
                • Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
                • Wir haben Mose und die Propheten - und wir haben den auferstandenen Christus; die sollen sie hören.
                • Gott aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen.
                Hoffen wir, dass Gott die zehn Gerechten findet!