Freitag, 9. April 2021

Ostern

4. April 2021

Leider fand auch dieses Osterfest wieder unter dem Vorzeichen von Corona statt. Allerdings wurde die Präsenz in den Kirchen nicht in Frage gestellt. So trafen wir uns im kleinen überschaubaren Rahmen in der Kirche, gleichzeitig wurde der Gottesdienst mit dem Konferenztool Zoom übertragen. 

Präsenz und online miteinander zu kombinieren, ist nicht ganz einfach, aber - soweit wir Akteure es erlebt haben und es uns von den Teilnehmenden zurückgemeldet wurde - das Experiment ist wohl nicht schiefgegangen. Allerdings wird das Onlineformat sich weiterentwickeln müssen. Jetzt in der Woche nach Ostern wird der Internetanschluss in die Kirche gelegt. Dann besorgen wir uns die entsprechende Videoausrüstung. 

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Ostermorgen bzw. zur Osternacht unter der Nummer 954.31, zum traditionellen Festgottesdienst unter 954.32. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr". Zunächst findet sich die Einführung zu Ostern. Von dieser Website kann man die einzelnen Anlässe zu Ostern - Osternacht - Ostersonntag - Ostermontag - anklicken.

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1, 18)

Wochenlied:

Christ ist erstanden (EG 99)

Lieder im Gottesdienst:

  • ♫ EG 99 Christ ist erstanden
  • ♫ EG 103 Gelobt sei Gott im höchsten Thron
  • ♫ EG 117 Der schöne Ostertag
  • ♫ EG 200 Ich bin getauft auf deinen Namen

Erinnerung an Karfreitag

Am Freitag nahmen wir den Leichnam Jesu vom Kreuz und banden ihn in Leinentücher, wie die Juden es zu tun pflegen. Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und in dem Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten wir Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war. (vgl. Johannes 19,38ff)

Altar zu Karfreitag

Psalm 126

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
2 Dann wird unser Mund voll Lachens
und unsre Zunge voll Rühmens sein. 
Dann wird man sagen unter den Heiden:
Der HERR hat Großes an ihnen getan!
3 Der HERR hat Großes an uns getan;
des sind wir fröhlich.
4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen,
wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
5 Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
6 Sie gehen hin und weinen
und streuen ihren Samen 
und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Teil 1 der österlichen Lesung - Joh 20

1 Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weg war. 2 Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

3 Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus und sie kamen zum Grab. 4 Es liefen aber die zwei miteinander und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab, 5 schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. 6 Da kam Simon Petrus ihm nach und ging in das Grab hinein und sieht die Leinentücher liegen, 7 aber das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. 8 Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah und glaubte.

9 Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste. 10 Da gingen die Jünger wieder heim.

Der Karfreitagsaltar wird abgeräumt

Osteraltar - aber die Altarkerzen brennen noch nicht

Teil 2 der österlichen Lesung - Joh 20

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. 13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.

16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.

18 Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt!

Altarkerzen, Wandkerzen und die kleinen Kerzen für die Gottesdienstteilneher werden von der Osterkerze entzündet

♫ EG 99 Christ ist erstanden


Predigt Teil 1 - Peter Reichenbach

Frohe Ostern, liebe Gemeinde! Das kann ich jetzt, da wir die Botschaft der Auferstehung gehört und die Osterkerze samt den Altarkerzen angezündet haben, ja sagen: Frohe Ostern!

So begrüße ich Sie ganz herzlich zum Gottesdienst am Ostersonntag 2021 in unserer Gustav-Adolf-Kirche und an den Tablets, Smartphones oder Computern. Der Wochenspruch für diese hohen Festtage steht im 1. Kapitel der Offenbarung des Johannes, es ist der Vers 18:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Welch fulminante Worte, die nicht nur den zentralen Gedanken des Osterfestes, sondern den Kern unseres gesamten Glaubens wie unter einem Brennglas exakt auf den Punkt bringen. Sie faszinieren uns Gläubige und vermitteln uns zugleich eine Idee davon, warum gerade heute große Teile der Gesellschaft mit Religion im Allgemeinen und mit dem christlichen Glauben im Besonderen nichts mehr anfangen können, warum sie Gottesdienste an Ostern primär als überflüssige Infektionstreiber betrachten und als überflüssige Privilegien der Kirchen ansehen.

Jesus sagt etwas ganz Irritierendes, etwas, das mit bloßem Verstand nicht zu greifen ist; er sagt etwas, was vor ihm niemand sagen konnte und auch in Zukunft niemand sagen wird, was wir in unserem Umfeld sicherlich noch nie gehört haben und vermutlich auch nicht niemals hören werden. Jesus sagt: Ich war tot. Es sind drei Wörter, die alle schmerzliche Erfahrungen der Menschen vom Tod als Schlusspunkt auf den Kopf stellen. Ich war tot. 

Ostern ist als Ereignis der Auferstehung mit unserem Verstand nicht fassbar. – Doch bedeutet das zugleich, dass das, was wir in der Offenbarungsgeschichte lesen, nicht stimmt? Für mich kann ich jedenfalls festhalten, dass meine Welt recht klein und kaum lebenswert wäre, wenn es wirklich nur das gäbe, was ich mit meinem Verstand erklären und nachvollziehen kann. Anders als die Auferstehung ist es jedenfalls sehr wohl eine Alltagserfahrung, dass unser Leben aus vielen Ereignissen besteht, die wir uns ebenfalls nicht erklären können.

Es gibt aber sehr wohl eine Erfahrung, die sich wiederholt als richtig erwiesen hat: Wer darauf vertraut, dass Jesus den Tod überwunden hat und wer sich bewusst macht, dass Jesus über „die Schlüssel des Todes und der Hölle verfügt“, der erkennt, dass auch die anderen Ohnmachtserfahrungen, mit denen wir gerade jetzt in vielfältiger Weise konfrontiert werden, nicht das letzte Wort sind. Wer sich bewusst macht, dass Jesus die Schlüsselgewalt hat, hat den Geist von Ostern verstanden. Er wird durch den Glauben an die Auferstehung und die Überwindung des Todes ermächtigt, ein befreites und selbstverantwortliches Leben zu führen.

Weil unser Glaube keine Schönwetterphantasie ist, sondern weil Gott dort ansetzt, wo wir unsere schmerzlichsten Erfahrungen und größten Verzweiflungen erleben, gab dieser Glaube den Menschen auch in den dunkelsten Zeiten die Kraft zum Durchhalten und dazu, auch den größten Gefahren zu widerstehen. Insofern gibt gerade Ostern uns allen Anlass, Gott dafür zu danken, dass wir an ihn glauben!

♫ EG 103 Gelobt sei Gott im höchsten Thron


Predigt Teil 2 - Pastor Ralf Krüger

Apg 10, 34a.36-43 - Die Botschaft von der Auferstehung erreicht die Menschen

Die Botschaft von der Auferstehung verbreitete sich langsam, aber stetig. “Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.” Das, was hinter diesen Worten steckt, packte die Menschen. Die ersten Mitglieder der christlichen Gemeinden kamen aus der jüdischen Gemeinde, aber auch aus den Heiden. Einer der bekanntesten Heiden war der römische Hauptmann Cornelius. Der übte seinen Dienst auch als Vertreter der Besatzungsmacht mit Umsicht aus, so dass er von den Juden geachtet wurde, denen er seinerseits auch mit Respekt und Achtung begegnete. Darüber hinaus sympathisierte Cornelius mit dem jüdischen Glauben und hielt sich schon seit langem zur Synagoge.

Cornelius hatte von Jesus gehört. Deshalb schickte er Boten zu Simon Petrus, der sich in der Nähe aufhielt, um mit diesem Jünger Jesu direkt ins Gespräch zu kommen. Petrus kam zu Cornelius ins Haus, und da beginnt der Predigttext: 

Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; 35 sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. 

Juden und Nichtjuden. … wer ihn fürchtet und recht tut, der ist Gott angenehm.

36 Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle. 37 Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, 38 wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. 39 Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet. 40 Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen, 41 nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. 

Gott hat Jesus “auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen ... uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen”. - Auf dieses Zeugnis baut unser Glaube bis heute, liebe Gemeinde. Die Frauen waren die ersten, die das geöffnete Grab entdeckten. Und sie waren es wohl auch, denen der Auferstandene zuerst begegnete. 

Die Menschen erlebten die Begegnung mit dem Auferstandenen als ein reales Ereignis. An den Wundmalen erkannten sie im Auferstandenen den Christus, den die Römer ans Kreuz geschlagen hatten und der dort gestorben war. Auch wenn Jesus in unserer Geschichte zu Maria Magdalena sagt “Rühre mich nicht an!”, so fordert er nur wenig später seinen Jünger Thomas auf, genau dies zu tun: “Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite …” Ganz real sollte diese Begegnung werden.

Und gleichzeitig spüren die Jünger, dass in der Begegnung mit dem Auferstandenen noch eine ganz andere Dimension mitschwingt. Thomas, der zuvor seine Zweifel an der Auferstehung hatte, der braucht in dem Moment, in dem ihm der Beweis angeboten wird, diesen nicht mehr. Allein die Ansprache durch Jesus weckt in ihm das alte Vertrauen und er bekennt: “Mein Herr und mein Gott.” Auch Maria muss Jesus nicht berühren und glaubt trotzdem fest, dass sie ihm begegnet ist. 

40 Tage, so berichtet es Lukas, erschien der Auferstandene immer wieder seinen Jüngern und “redete mit ihnen vom Reich Gottes”. An anderer Stelle heißt es beim Evangelisten: “Er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.”

Im Moment des endgültigen Abschieds, als Jesus zum Vater ins himmlische Reich aufgenommen wird, da gibt er seinen Jüngern den Auftrag: “Gehet hin in alle Welt, machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.” Genau diesem Auftrag kommt Petrus jetzt bei Cornelius nach. 

42 Der auferstandene Jesus hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. 43 Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.

Das, liebe Gemeinde, ist die Botschaft von der Auferstehung, die es auch heute in der Welt zu bezeugen gilt. Den auferstandenen Jesus hat Gott zum Richter der Lebenden und der Toten bestellt … Wenn wir dann mit Bewusstsein auch den zweiten Teil dieses Satzes uns vor Augen halten, dann wird klar, dass Jesus kein Strafrichter ist, sondern ein Gnadenrichter, einer der schon genau hinschaut, der fragt und auch hinterfragt, der dann aber die Vergebung aller Sünden zuspricht und der uns zutraut, den richtigen Weg zu finden. 

Mancher spricht hier von billiger Gnade. “Ich muss ja nur bekennen, dann ist alles in Ordnung. Also kann ich vorher tun und lassen, was ich will.” So ist das sicherlich nicht gemeint, liebe Gemeinde. Es gilt schon, was wir im ersten Samuelbuch lesen können: “Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. (1 Samuel 16,7) Gott wird sich vom äußeren Schein nicht hinters Licht führen lassen. Wie er dann reagiert, das soll nicht unsere Sorge sein. 

Meine Sorge soll es sein, dass ich dereinst mit ruhigem Gewissen vor meinen Schöpfer treten kann. Es wird nicht alles zu Gottes Wohlgefallen gelaufen sein, aber das ich sagen kann, dass ich mich bemüht habe, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben. Und dass es mir in meinem Dienst gelungen ist, dem einen oder der anderen den Weg zu Gott ein wenig zu ebnen. 

Bevor Petrus wieder seiner Wege zog, taufte er Cornelius und seine ganze Familie. Der wollte zukünftig zu dem gehören, der tot war, aber jetzt lebendig ist, der die "Schlüssel des Todes und der Hölle" hat, der wahres Leben schenkt. 

♫ EG 117 Der schöne Ostertag


Tauferinnerung

Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer im 6. Kapitel - Verse 3-5

Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.

Auch wir, die wir getauft sind, liebe Mitchristinnen und Mitchristen, auch wir haben Anteil am Sterben, aber zugleich auch an der Auferweckung Christi. Auch in uns erwacht heute, an diesem Morgen, neues Leben. Und dieses neue Leben befähigt uns, aus dem Land unserer Gefangenschaften, aus unseren Zwängen, den selbstgemachten und den auferlegten, aufzubrechen in ein neues Land, in ein Land, in dem Gottes Heiliger und Guter Geist uns leitet und führt.

Bekennen wir uns nun zu diesem Gott mit Worten, wie sie Christinnen und Christen in der ganzen Welt sprechen:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

♫ EG 200 Ich bin getauft auf deinen Namen 1.2.4.5


Fürbitten und Vaterunser


Entlassung und Segen


Musikalische Nachspiel EG 117 Der schöne Ostertag




Freitag, 2. April 2021

Karfreitag

2. April 2021

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Karfreitag unter der Nummer 954.30. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3, 16)

Wochenlied:

  • O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85)
  • In einer fernen Zeit (Singt Jubilate 17)

Lieder im Gottesdienst

  • fT 105 Manches Holz
  • Psalm 22 (Herr, sei nicht ferne)
  • fT 27 Ich steh vor dir mit leeren Händen
  • fT 38 Aus der Tiefe rufe ich zu dir
  • EG 93 Nun gehören unsre Herzen

Evangelium: Joh 19, 16-30

Pilatus überantwortete Jesus, dass er gekreuzigt würde. 17 und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

23 Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Laßt uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): "Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen." Das taten die Soldaten.

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

28 Danach, als Jesus wußte, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund. 30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Predigt

750–725 v. Chr - die beiden Bruderstaaten Israel und Juda, das Nordreich und das Südreich, beide bekennen sich formal zum Gott ihrer Väter, zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, aber beide Bruderstaaten haben den Weg Gottes verlassen, sie sind anderen Göttern und Führern hinterhergelaufen - und führen gegeneinander Krieg! Gottes Völker bekriegen sich gegenseitig! 

In dieser Situation lässt Gott durch seinen Propheten Hosea beiden Völker sagen:

15 Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn’s ihnen übel ergeht, so werden sie mich suchen:

1 »Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. 2 Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben werden. 3 Lasst uns darauf achthaben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land feuchtet.«

4 Was soll ich dir tun, Ephraim? Was soll ich dir tun, Juda? Denn eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der frühmorgens vergeht. 5 Darum schlage ich drein durch die Propheten und töte sie durch die Worte meines Mundes, dass mein Recht wie das Licht hervorkomme. 6 Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer. 

Auch wenn ich eingangs auf den historischen Kontext dieser Verse hingewiesen habe, liebe Gemeinde, so steht mir zugegebenermaßen sofort unsere Gegenwart vor Augen. Gott erklärt: “Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn’s ihnen übel ergeht, so werden sie mich suchen …”

Übel geht es uns wahrlich. Aber suchen wir Gott? Fragen wir, welche Orientierung wir aus unserem Glauben gewinnen können? Suchen wir mit Gottes Wort - nicht mit frommen Sprüchen - suchen wir mit seinem Wort Perspektiven, die in die Zukunft weisen?

Gewiss, manch einer fragt nach Gott. Auch die Öffnung bzw. Nicht-Öffnung der Gottesdienste wurde breit diskutiert. Und ich höre durchaus Zustimmung, dass wir unsere Gottesdienste in Präsenz feiern. Aber ist das schon die Hinwendung zu Gott, die der Prophet fordert? 

Den Satz von Dietrich Bonhoeffer, den Herr Reichenbach in seiner Begrüßung zitierte, diesen Satz kann man mit einer einzigen Veränderung direkt auf unsere Zeit beziehen: “Es ist ja deutlich genug, dass Gottes Liebe zur Welt nicht darin besteht, dass er Corona ein Ende macht, dass er Armut, Not, Verfolgungen, Katastrophen aller Art von uns nimmt; gerade darin aber sind wir gewohnt Gottes Liebe zu suchen, und wir finden sie nicht.”

Wie oft höre ich diesen Satz: Wenn Gott doch endlich … Und dann wird aufgezählt, was schon Dietrich Bonhoeffer nannte: Armut, Not, Verfolgung, Hunger, Krieg - und jetzt eben auch Corona. Das alles möge Gott doch beseitigen. Er sei doch allmächtig. Das würden wir doch schließlich auch bekennen. 

Das Kreuz von Golgatha macht deutlich, dass Gott andere Wege geht. Gott schlägt nicht mit der Faust dazwischen, er räumt nicht auf, wie viele sich das wünschen. Wenn Gott seinen Sohn den bitteren Kelch des Todes trinken lässt, dann zeigt er uns Menschen, wohin der Weg führt, wenn wir nur auf uns selbst schauen. 

Was war damals passiert: Ein Wanderprediger war aufgetreten, von dem viel Gutes erzählt wurde. Er hatte Menschen zu Gott gerufen. Gut, dabei waren einige, mit denen die Frommen nicht zu tun haben wollten: Zöllner, Huren, Krüppel, Fischer und Handwerker, die sonst eigentlich nichts zu melden hatten. Aber manchen Menschen hatte dieser Wanderprediger auch von Krankheit heilen können, selbst Tote soll er zum Leben auferweckt haben. Und wenn er sprach, so erlebten es viele, dann war es so, als ob Gott selbst da war, als ob der Himmel die Erde berührte. 

Deshalb hatten die Menschen diesen Wanderprediger auch als ihren König begrüßt, als der auf dem Esel nach Jerusalem kam. “Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.” So hatte es der Prophet Sacharja verheißen. 

Diese Begeisterung stieß nicht bei allen auf Gegenliebe. Die einen witterten Verrat an den alten religiösen Werten, die sich doch über Jahrhunderte bewährt hatten. Die anderen befürchteten einen Aufstand, zumal die Stimmung beim Passafest sehr gereizt war. 

So schlug die militärische bzw. staatliche Gewalt der Römer erbarmungslos zu, und jüdische Fundamentalisten gaben ihren Segen dazu. Es wurde nicht mehr nach Gottes Willen gefragt, die Verhältnismäßigkeit der Mittel war völlig aus dem Blick geraten. Ein Mensch, der bisher anderen nur Gutes getan und den Verzicht auf Gewalt gepredigt und gelebt hatte, dieser Mensch wurde erbarmungslos zu Tode gebracht. Und dabei konnten sich sowohl Römer als auch Juden aufs Gesetz berufen. Alles hatte doch seine Ordnung! Wo kämen wir denn hin, wenn Recht und Gesetz nicht mehr gelten.

Nehmen Sie mir den Vergleich jetzt nicht übel, liebe Gemeinde, aber das kennen wir doch auch: Es wird verordnet, in Gesetzesform gegossen. Die Untertanen haben sich zu fügen, bei Verstößen drohen horrende Strafsummen. Es dient schließlich alles einem höheren Zweck. 

15 Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn’s ihnen übel ergeht, so werden sie mich suchen:

Suchen wir Gott? Was hatten die Israeliten damals gesagt?

»Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. 2 Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben werden. 3 Lasst uns darauf achthaben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land feuchtet.«

Das waren doch schöne, gesetzte Worte. Unabhängig vom Kontext wäre ich begeistert gewesen über diese Einstellung. Hier sind Menschen auf dem Weg zu unserem Gott. Dessen Antwort muss uns dann allerdings aufhorchen lassen. 

“Was soll ich dir tun, Ephraim? Was soll ich dir tun, Juda? Denn eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der frühmorgens vergeht.”

Hier bewahrheitet sich, was wir im 1 Samuel 16,7 lesen können: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. Der äußere Schein trügt oft.

5 Darum schlage ich drein durch die Propheten und töte … durch die Worte meines Mundes, dass mein Recht wie das Licht hervorkomme.

Liebe Gemeinde, dieses Drohwort Gottes würde ich ohne Abstriche auf unsere Gegenwart übertragen. Was soll ich euch tun, ihr Völker Europas, ihr Völker der Welt. Eure Suche, euer Fragen, das alles ist nichts von Bestand - weder in der Politik, auf die wir im Augenblick gerne schimpfen, noch im persönlichen Verhalten, wo etliche über die Stränge schlagen. Aber auch die Situation an vielen Arbeitsplätzen und in Kitas und Schulen ist nicht zukunftsweisend. 

Natürlich habe auch ich aktuell keine praktischen Lösungen für die sich auftürmenden Probleme. Nur so viel sage ich mit Überzeugung. Wo Menschen allein auf sich selbst schauen, wo das Gesetz mit Gewalt durchgesetzt wird - womöglich mit religiösem Segen - , wo nicht mehr die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt werden, da wartet am Ende der Tod, der physische wie auch der gesellschaftliche und zwischenmenschliche.Es gibt keine Orientierung mehr was gut und richtig ist oder falsch und kontraproduktiv. 

Heute begehen wir den Karfreitag, heute haben wir den Tod vor Augen, heute sehen wir, wozu Menschen fähig sind, wenn vermeintliches Recht gewaltsam durchgesetzt wird. Nach zwei Tagen werden wir an dieser Stelle das Leben feiern. Gott weckt seinem Sohn von den Toten auf. Nicht der Tod behält das letzte Wort.

Wenn wir das glauben, dann können wir auch hören, was Gott durch den Mund seines Propheten am Ende sagte: “... ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.” Liebe und Erkenntnis Gottes, das sind zwei Dinge, auf die es ankommen wird, nicht die penible Einhaltung menschengemachter Vorschriften, weder in der Religion noch in einem Staatswesen. 

Durch Liebe und Erkenntnis Gottes haben wir zwar noch keine Lösungen für unsere aktuellen Probleme, aber wir haben eine Richtschnur, an der Entscheidungen ausgerichtet werden können, oder ein Fundament, das uns trägt. Von diesem Fundament aus können wir die anstehenden Probleme einer Lösung zuführen. Das wird Gott uns nicht abnehmen, wie es Dietrich Bonhoeffer so treffend ausdrückte. Den Weg zu einer Lösung müssen wir selbst finden. Dafür allerdings hat Gott uns unseren Verstand und unser Herz gegeben. 

Jesus hat übrigens einmal erklärt, wie er sich die Erfüllung aller Gebote vorstellt: Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. 

Amen. 



Mittwoch, 31. März 2021

Karwoche und Ostern

Auch in diesem Jahr gab es wegen der Corona-Infektionen viele Diskussionen um die Gottesdienste in der Karwoche und zum Osterfest. Letztendlich hat sich unser Kirchenvorstand dafür entschieden, dass die Gottesdienste in Präsenz stattfinden, zusätzlich sollen einige mit dem Konferenztool Zoom übertragen werden. 

An einem Gottesdienst in der Gustav-Adolf-Kirche können unter Corona-Bedingungen ca. 60 Personen teilnehmen. Ist diese Kapazität erreicht, müssen wir die dann eintreffenden Besucher bitten, dem Gottesdienst online zu folgen. Falls dieser Fall eintrifft, hoffen wir auf das Verständnis der Betroffenen. 

  • Gründonnerstag 

    • 19:00 Uhr - Erinnerung an das letzte Passamahl Jesu - Gottesdienst in der Kirche, der mit dem Konferenztool von Zoom übertragen wird

Ausdrücklich weisen wir darauf hin, dass wir kein Abendmahl feiern, sondern uns in diesem Jahr „lediglich“ an das letzte Passamahl Jesu erinnern. Wir orientieren uns dabei am jüdischen Sederabend. Orientieren heißt, dass wir Elemente übernehmen, diese aber selbstständig zusammenstellen. 

Wer mag, kann sich zu Hause für die Onlinefeier ein Glas mit Traubensaft (den verwenden wir im Gottesdienst) oder ein Glas Wein bereitstellen, dazu eine Scheibe trockenes Brot, idealerweise Mazzen (Matzen). 

  • Karfreitag 

    • 10:00 Uhr - Gottesdienst in der Kirche, der mit dem Konferenztool von Zoom übertragen wird
    • 15:00 Uhr - Andacht auf dem Friedhof Hüttenstraße zur Sterbestunde Jesu, keine Übertragung

  • Ostersonntag 

    • Der Frühgottesdienst um 6:00 Uhr entfällt
    • 10:00 Uhr - Gottesdienst wird mit dem Konferenztool von Zoom übertragen; s.u.)

  • Ostermontag 

    • 10:00 Uhr Gottesdienst für kleine und große Leute – Tauferinnerung – in Präsenz ohne Online-Übertragung

Aus organisatorischen Gründen verzichten wir auf die sonst übliche Feier des Abendmahls in den Gottesdiensten. Wer das Heilige Sakrament empfangen möchte, setzt sich bitte mit mir direkt in Verbindung. 

Mittwoch, 17. März 2021

Laetare

14. März 2021 - Nachtrag

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Laetare unter der Nummer 954.26. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12, 24)

Wochenlied:

  • Korn, das in die Erde (EG 98) oder
  • Jesu, meine Freude (EG 396)

Lieder und Psalm

  • ♫ Wir haben Gottes Spuren festgestellt
  • Psalm 119, 89-92.103-105.116
  • ♫ fT 52 - Herr, erbarme dich (umrahmt das Evangelium)
  • ♫ EG 98 Korn das in die Erde
  • ♫ EG 432 Gott gab uns Atem
  • ♫ EG 93 Nun gehören unsre Herzen

Vorbereitung

Vorbereitet hatte ich diesen Gottesdienst mit jugendlichen Teamern für den 7. Februar. Leider kam uns der Wintereinbruch in die Quere. Da die Konfirmanden an den beiden Tagen zuvor zur letzten Konfirmandenfreizeit zusammengekommen waren, griffen wir jetzt noch einmal die Vorbereitungen auf. Dabei ließ sich der Wochenspruch für den Sonntag Laetare leicht mit dem Text des Sonntags Sexagesimae verbinden. 

Psalm 119, 89-92.103-105.116

HERR, dein Wort bleibt ewiglich,
so weit der Himmel reicht;
deine Wahrheit währet für und für.
Du hast die Erde fest gegründet und sie bleibt stehen.
Sie steht noch heute nach deinen Ordnungen;
denn es muss dir alles dienen.
Wenn dein Gesetz nicht mein 
Trost gewesen wäre,
so wäre ich vergangen in meinem Elend.
Dein Wort ist meinem Munde
süßer als Honig.
Dein Wort macht mich klug;
darum hasse ich alle falschen Wege.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte
und ein Licht auf meinem Wege.
Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe,
und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.
 
 

Evangelium (und Predigttext) Lk 8, 4-8

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: 5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Predigt

Heute geht es um Gottes Wort - was machen wir daraus? Frage an die Teamer: Gibt es Bibelstellen, die euch sehr wichtig sind? Was verbindet ihr mit diesen Bibelstellen? Was sagen die euch?

Caroline:

„Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Das ist auch der Lieblingsspruch meiner Oma. Er ist mein Taufspruch und Konfirmationsspruch zugleich. Ich finde, Psalm 91 ist ein wunderschöner Psalm, der einem Schutz zusagen soll. Schutz vor Krankheit, Unfällen, Angriffen und noch anderen schrecklichen Dingen. Und jetzt ist es doch sehr wichtig Schutz zu haben, besonders für seine eigene Familie und denen die man liebt.

Wenn Gott dir diesen Schutz zusagt, solltest du mit Hoffnung und Zuversicht in die Welt gehen, anstatt von Ängsten vor Unsicherheit, Katastrophen oder schlechten Nachrichten erstarrt zu sein.

Das heißt auch, dass du dir nicht immer die Meinung anderer zu Herzen nehmen solltest. Wenn dir aber etwas in deinem Leben nicht gefällt dann versuche daran zu arbeiten, dass es dir gefällt. Denn das ist DEIN Leben und wir haben nur ein Leben bis wir zu Gott gehen. Und denke dabei daran, dass Gott dir deinen Schutz zusagt. Lass dich nicht unterkriegen, denn der Herr ist bei dir.

Johannes:

Mein Konfirmations- und Taufspruch ist Psalm 31, 9

„Gott stellt meine Füße auf weiten Raum“ - Darunter verstehe ich, dass Gott uns Perspektiven eröffnet und wir etwas daraus machen sollen. Gott schenkt uns, das Leben und eröffnet uns damit riesige Möglichkeiten. Er möchte, dass wir uns mit ihm an unserer Seite auf den Weg machen und, dass wir das Leben in guten wie in schlechten Zeiten erleben und erfahren dürfen. Er stellt unsere Füße auf weiten Raum.

Mir persönlich gefällt der Psalm sehr gut, da ich den Gedanken, dass mir Perspektiven eröffnet werden sehr schön finde. Dass man seinen eigenen Weg an der Seite Gottes gehen soll. Man sollte sich der Möglichkeiten die einem zur Verfügung stehen bewusst sein und sie nutzen.

Paul

Ein Samen ist immer ein Anfang. Ein Anfang zum neuen Leben. Wenn ich einen Samen erhalte, entscheide ich selber, ob ich diesen Samen pflege. Ich habe es in der Hand. Sähe ich ihn aus oder schmeiße ich ihn weg. Schmeiße ich ihn weg, muss ich mich nicht kümmern: Ich muss ihn weder gießen noch düngen oder oder... keine Mühe, keine Anstrengung. Doch ich werde mir auch keine Pflanze großziehen können, die mir Früchte bringt, Schatten spendet und für gute Luft sorgt. Sich dafür zu entscheiden, einen Samen zu sähen und zu pflegen, bedeutet also Einsatz und auch Anstrengung. Aber es sind Mühen, die sich auszahlen. 

Ich denke an das Doppelgebot der Liebe: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Die Pflanze, die in anderen Menschen wächst, zu gießen ist genauso wichtig, wie seinen eigenen Samen zu hegen und zu pflegen. Das sagt dieses Gebot ganz kurz und knapp für mich aus. 

Und es gibt so viele Samen, die man säen kann: 

  • Leidenschaft für Sport
  • Freude an verschiedenen Aktivitäten
  • Wissbegierde für verschiedene Themen
  • Lernen von verschiedenen Fähigkeiten
  • Engagement in der Jugendarbeit

Man sieht, man hat es selber in der Hand, was man sät und erntet.

Max:

In der Jugendarbeit wird viel versucht, unternommen und geplant. Nicht alles bewährt sich aber auf Dauer. 

Einiges an Samen fällt also auch auf den „Weg“ oder unter die „Dornen“. Gerade haben sich die Dornen auch noch zusätzlich erweitert. Corona erschwert die Jugendarbeit zusätzlich. Und dennoch versuchen wir die Jugendarbeit in einer gewissen Art und Weise aktiv zu halten. So auch an diesem WE. Nicht wie geplant, eine Freizeit mit Übernachtung in Papenburg, aber wenigstens eine abgewandelte Form. 

Wir hoffen, dass wir mit euch auch noch nach der Konfirmation Kontakt halten und ihr Teil der Jugendarbeit bleibt. Ob aktiv als Teamer oder auch einfach so dabei sein, so wie das Korn auf gutes Land gefallen ist. 

Zumindest hoffen wir, dass jeder wenigstens etwas aus dem Konfirmationsunterricht mitgenommen hat und eben gehört hat und das gehörte im Leben unterbringt. 

Wichtig ist mir der Psalm 23. Diesen habe wir im Konfi ausgiebig kennengelernt. Wir sind nie allein, denn Gott ist stets bei uns und zudem wird es uns an nichts mangeln. Denn mit Ihm können wir einiges erreichen und auch über uns hinauswachsen. Wir können uns bei Ihm und im Glauben ausleben und es wird uns gut gehen. 

Krüger

Konfifreizeit - Was bedeutet es, konfirmiert zu sein? Was sagt uns Gott in bestimmten Situationen zu. 

Erinnerung an Weihnachten - auch hier waren die Teamer im Gottesdienst beteiligt - Weihnachten sagt: Gott wird Mensch. Wie sollen / wollen wir Menschen dann leben? Caroline hatte die Engelsbotschaft gebracht: Fürchtet euch nicht! - Die Probleme sind ja geblieben - Corona (Johannes), Umwelt (Paul), Wirtschaft (Max)

Was wir Weihnachten gesagt haben, gilt auch heute noch:

Johannes

Jetzt müssen wir uns wohl auf den Weg machen und die Geschichte von Gott und von uns Menschen in der ganzen Welt zu erzählen. Die Stichworte sind dabei eigentlich klar: 

  • Kluge Beratung
  • Frieden
  • Recht und Gerechtigkeit
  • Ehrfurcht vor Gott = Erkenntnis Gottes

Paul

Auch wenn sich jetzt so viele Probleme auftürmen: Wir sollten uns davon nicht unterkriegen lassen. Wir sollten ganz einfach anfangen, im ganz normalen Alltag immer mal fragen, was würde Gott uns wohl raten?

Max

Wir müssen nicht darauf warten, dass die da oben etwas beschließen und wir das dann machen. Fangen wir doch einfach schon bei den Dingen an, die vernünftig und möglich sind.

Caroline

Christus hat keine Hände, 
nur unsere Hände, um seine Arbeit zu tun.
Christus hat keine Füße, 
nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, 
nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.
Christus hat keine Hilfe, 
nur unsere Hilfe, um Menschen auf seine Seite zu bringen.

Krüger

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. - Geschichte vom Korn, das nicht ausgesät werden wollte und dann vom Bauern weggeworfen wurde.

Wochenspruch vom Sonntag Septuagesimae: Heute, wenn ihr seine Stimme hört ...


Freitag, 12. Februar 2021

Estomihi

 14. Februar 2021

Wir haben den Gottesdienst aufgenommen. 


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Estomihi unter der Nummer 954.22. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18, 31)

Wochenlieder:

  • Liebe, die du mich zum Bilde (EG 401)
  • Wir gehn hinauf nach Jerusalem (LPfG 3)

Lieder

fT 101 Tenemos esperanza

fT 52 Herr, erbarme dich

fT 105 Manches Holz ist schon vermodert

fT 174 Ich bin auf der Flucht

fT 177 Freunde, dass der Mandelzweig

Evangelium - Mk 8, 31-38

Und Jesus fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. 36 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? 37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Predigttext Jes 58, 1-9a

Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und begehren, meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. « 3 Warum fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib, und du willst's nicht wissen?» - Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 6 Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!a 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Erste Überlegungen

Wir hatten uns am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Pfarrkonferenz mit dem Predigttext beschäftigt und die Auslegung durch Rabbi Arthur Waskow gelesen. Dessen Predigt fand ich absolut inspirierend. Hier zwei Zitate vom Anfang der Predigt: 

"Spiritualität" und "Politik" sind nicht zu trennen.

"Das Gebet ist bedeutungslos, wenn es nicht subversiv ist." (Heschel)

Jesaja stellt fest: "... ihr geht doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter ..., wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein ..." Und in Gottes Namen fragt er: "Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?" Und Gott sagt durch den Mund seines Propheten, was er fordert: 

Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! 

Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! 

Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Wenn ich das lese, habe ich prekäre Arbeitssituationen vor Augen, die weltweiten Migrationsströme und Menschen, die in Coronazeiten noch mehr abgehängt werden.

Mit dem Aschermittwoch in der kommenden Woche beginnt die Fastenzeit. Das Motto heißt "Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden". Mir geht im Blick auf diese Aktion auch die Frage von Jesaja durch den Kopf: "Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. ... Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?"

Predigt

Ich suche mir zwar oft die Predigttexte aus, aber dieses Mal ist der von der Leseordnung vorgesehene Bibeltext aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 58, die Verse 1-9, tatsächlich der für den heutigen Sonntag vorgesehene Predigttext. Doch bevor ich den Text lese ein paar einführende Gedanken. 

Das Buch Jesaja gliedert sich in drei Teile bzw. wird drei Autoren zugeschrieben: 

  • Im ersten Teil, er umfasst die Kapitel 1-39, kommt der Prophet Jesaja zu Wort, der dem Buch den Namen gab - er wirkte zwischen 740 und 701 v. Chr. 
  • Es folgt Deuterojesaja, der zweite Jesaja - seine Texte aus den Kapitel 50-55 datiert man in die Zeit um 539 v. Chr. Die Israeliten hatten die Kriege gegen Assyrien und Babylonien verloren, die Oberschicht war 586 nach Babylon deportiert worden, aber das Babylonische Exil näherte sich dem Ende. 
  • Und dann gibt es noch Tritojesaja, den dritten Jesaja. Er wirkte etwa zwischen 521 und 510 v. Chr. und war vielleicht ein Schüler Deuterojesajas. Die ihm zugeschriebenen Texte findet man in den Kapiteln 56–66. Ein Teil der Israeliten war aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt, man hatte den zerstörten Tempel wieder aufgebaut und die vertrauten Gottesdienste eingeführt; die alten Lieder erklangen, die alten Rituale wurden lebendig, fast war es wie früher. Aber Gott muss sich auch jetzt wieder mit einem Gerichtswort an sein Volk wenden. 

Am vergangenen Mittwoch hatten wir Pastoren uns im Rahmen der Pfarrkonferenz mit dem Thema 1700 Jahre Judentum in Deutschland. Auch bei unseren Jüdischen Geschwistern wird der Text gelesen, und zwar am höchsten Feiertag, ab Jom Kippur. 

Jom Kippur, hebräisch “Tag der Sühne”, deutsch zumeist “Versöhnungstag” oder “Versöhnungsfest”, ist der höchste jüdische Feiertag. Er fällt nach unserem Kalender auf unterschiedliche Daten im September oder Oktober. Er ist ein strenger Ruhe- und Fastentag. Zusammen mit dem zehn Tage davor stattfindenden zweitägigen Neujahrsfest Rosch ha-Schana bildet er die Hohen Feiertage des Judentums und den Höhepunkt und Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr. Jom Kippur wird von einer Mehrheit der Juden, auch nicht religiösen, in mehr oder weniger strikter Form eingehalten. … Geschichtlich gesehen geht der Tag wahrscheinlich auf die Zeit nach dem Babylonischen Exil zurück. (Wikipedia)

Als Vorbereitung auf den heutigen Tag beschäftigten wir uns mit dem Predigttext. Zusammen mit anderen hörte ich die Auslegung durch Rabbi Arthur Waskow. Seine Predigt fand ich absolut inspirierend. Zu Beginn seiner Predigt zitiert er Abraham Joshua Heschel, ein Rabbiner und Religionsphilosoph im letzten Jahrhundert, 1907 geboren in Polen, vor den Nazis geflohen und in Amerika 1972 gestorben. Heschel erklärt: 

"Spiritualität" und "Politik" sind nicht zu trennen.

"Das Gebet ist bedeutungslos, wenn es nicht subversiv ist."

aufrührerisch - aufsässig - aufständisch - aufwieglerisch - rebellisch - revolutionär - widersetzlich - zersetzend - aufbegehrend - rebellierend - revoltierend - aufmüpfig

Wenn ich diese Sätze zitiere, ahnen Sie schon, dass eine Predigt über Jesaja 58 eigentlich auch heute nur subversiv sein kann. Dabei ist mir schon klar, dass Sie, die Sie heute morgen zum Gottesdienst gekommen sind, eigentlich nicht die Adressaten der prophetischen Gerichtsworte sind. Aber vielleicht können wir miteinander die Botschaft in die Welt tragen. Die allerdings sollte die Worte des Propheten ganz bestimmt hören. Hören wir also, was die Heilige Schrift uns sagt. 

Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 

Zunächst redet Gott seinen Propheten an und ermutigt ihn zum Handeln. Der Widerstand seiner Zuhörer ist offensichtlich vorprogrammiert. Rabbi Waskow macht mit seiner Auslegung dieses Eingangsverses deutlich, was gemeint sein kann: 

Am Jom-Kippur-Morgen lesen wir eine prophetische Passage von Jesaja, in der er beschreibt, was geschah, als er die Gebete und das Fasten einer Menge unterbrach, die glaubte, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen.

Jesaja scheint zu sagen, dass er tatsächlich in die Menge einer großen Jom-Kippur-Versammlung hineinging.

Rabbi Waskow hat offensichtlich einen Fastengottesdienst im Tempel vor Augen, auf den Jesaja zukommt. Nach einem strengen Fasten, das sich womöglich über Stunden oder sogar Tage hingezogen hat, sind die Menschen im Tempel, singen, beten, hören den Leviten und Priestern zu. Und dann kommt Jesaja: “Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!” So hatte Gott es ihm aufgetragen. 

Rabbi Waskow fährt dann fort: 

Jesaja stand Leuten gegenüber, die sich gut fühlten, weil sie sich schlecht fühlten (nachdem sie 18 Stunden oder so gefastet hatten). Er schrie sie an, dass das alles nebensächlich sei. ...

Er bemerkt, dass sie am heiligen Tag selbst, als sie seine Worte hörten, ihre Fäuste gegen ihn schüttelten. Wahrscheinlich waren sie wütend, weil er die schönen Lieder unterbrach, die die Leviten sangen. ...

Er erschütterte die traditionelle Liturgie, er erschütterte den Gleichmut dieser spirituellen Leute, er leugnete die Authentizität ihrer Erfahrung. Er führte keine höfliche Debatte mit ihnen.

Nein, Jesaja bzw. Gott, in dessen Namen der Prophet spricht, die führen keine höfliche Debatte. In Gottes Namen hält Jesaja der gottesdienstlichen Gemeinde vor: 

Sie suchen mich täglich und begehren, meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. 

Der Gebrauch des Konjunktivs, der Möglichkeitsform macht deutlich, dass der äußere Anschein mit dem, was tatsächlich sein soll, offensichtlich nicht übereinstimmt. Gott sieht wohl, dass Israel das Ritual des Gottesdienstes wieder aufgenommen hat - aber das Herz ist nicht dabei. Und Gott hört die Frage, die im Raum steht. 

Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. «Warum fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib, und du willst's nicht wissen?» 

Mit anderen Worten: Gott, wir befolgen alle Regeln. Wir beten, fasten, singen, hören - jetzt bist du an der Reihe, jetzt musst du reagieren, jetzt muss es uns gut gehen. Warum reagierst du nicht - wie wir das wollen und erwarten?

Gottes Antwort ist niederschmetternd und entlarvend:

Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. 

Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 

Da werden auf der einen Seite die Regeln des Gottesdienstes eingehalten, auf der anderen Seite stehen Unterdrückung und Geschäftssinn. “Ihr geht euren Geschäften nach”, schleudert Gott den Betenden entgegen, “ihr bedrückt eure Arbeiter, hadert, zankt, schlagt mit gottloser Faust zu”. Ich hatte sofort die prekäre Arbeitssituationen unserer Gegenwart vor Augen, die weltweiten Migrationsströme und Menschen, die in Coronazeiten noch mehr abgehängt werden als das sonst auch schon der Fall ist. Aber offensichtlich bin ich nicht der einzige, dem solche Gedanken durch den Kopf gehen. Rabbi Arthur Waskow schreibt in seiner Predigt: 

Ich habe die Verse aus Jesaja mit Schlagzeilen über Obdachlose unterbrochen, die auf den Straßen von Philadelphia erfrieren. Über 300 Arbeitslose, die sich um Arbeit bewerben, obwohl nur zehn Stellen ausgeschrieben waren. Über Mütter, die zwischen Essen und Medizin für ihre Kinder wählen müssen. Über die Folterung von Gefangenen im Irak, in Israel, in Amerika.

Und noch ein Gedanke: Mit dem Aschermittwoch in der kommenden Woche beginnt die Fastenzeit. Das evangelische Motto heißt "Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden". Dazu schreibt einer der Verantwortlichen: “Gemeinschaften brauchen Regeln. Doch zu den Regeln gehört Spielraum. Und dessen Auslotung ist eine Kunst. … Ich werde meinen persönlichen Umgang mit Regeln im Sinne des Fastenmottos 2021 „Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden“ erkunden. Wie kann ich innerhalb von akzeptierten Grenzen großzügig und vertrauensvoll leben?” Ist das ein Fasten, an dem der Gott Wohlgefallen hat? 

Der sagt durch seinen Propheten sehr deutlich, wie er sich ein Fasten vorstellt:

Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: 
    • Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, 
      • lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! 
    • Gib frei, die du bedrückst, 
      • reiß jedes Joch weg! 
    • Brich dem Hungrigen dein Brot, 
      • und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! 
    • Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, 
      • und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Der Blick verschiebt sich ganz massiv. Es geht Gott nicht um den richtigen Gottesdienst, um das richtige Ritual. Gott lenkt den Blick auf den Mitmenschen, insbesondere auf den Nächsten, der es schwer hat in seinem Leben. Die durch ungerechte Arbeitsverträge Geknechteten sollen frei werden, die Hungernden gesättigt und die Nackten gekleidet. Aktueller kann man die Krisen in unserer Gegenwart nicht beschreiben. Wer sich ein wenig in der Bibel auskennt, weiß, dass Jesus mal etwas ähnliches gesagt hat. Es ging bei ihm ums Endgericht (Mt 25,31ff): 

… Er wird sie voneinander scheiden … und ... die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters ... Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben ... Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Damit sind wir wieder bei den jüdischen Auslegern unseres Predigttextes. Abraham Joshua Heschel erklärte, dass "Spiritualität" und "Politik" nicht zu trennen seien, und "das Gebet … bedeutungslos, wenn es nicht subversiv ist", also auch die bestehenden Verhältnisse und das eigene Handeln hinterfragt. Indem Gott unseren Blick auf den Nächsten lenkt, verschieben sich die Maßstäbe. Wenn alle zu ihrem Recht kommen, eröffnen sich Wege in die Zukunft, weil nicht mehr egoistisch gefragt wird: “Was habe ich davon?” Sondern: “Wie kommen wir miteinander zurecht und sind zufrieden mit dem, was wir haben - nicht allein in unserem Teil der Welt, sondern überall!” 

Dann, so sagt es Gott seinem Volk, ...

... dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Übrigens, diese gemeinschaftliche Sicht eröffnet auch Wege aus der aktuellen Coronakrise, nicht sofort, jetzt und hier, aber mittelfristig. Wie heißt es so schön bei der Aktion Mensch: “Das Wir gewinnt!”

Samstag, 23. Januar 2021

3. Sonntag nach Epiphanias

24. Januar 2021

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 3. Sonntag nach Epiphanias unter der Nummer 954.16. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lk 13, 29)

Wochenlied:

  • Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293) oder
  • In Christus gilt nicht Ost noch West (LPfG 13 / NB-EG 573)

Lieder für den Gottesdienst

Es ist der 4. Sonntag im Monat, und damit feiern wir einen musikalischen Gottesdienst. Organist Heinz Detlau-Keire hat folgende Lieder ausgewählt: 

  • LW 7 Dich rühmt der Morgen
  • Psalm 86 GEBET IN BEDRÄNGNIS (Melodie EG 574)
  • EG 184 Glaubensbekenntnis
  • LW 28 Wenn dein Kind dich morgen fragt
  • LW 95 May the Lord send angels
  • LW 96 Geh unter der Gnade

Evangelium Mt 8, 5-13

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn 6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. 7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. 8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 9 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's. 10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! 11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Predigtidee

Beim Durchschauen der Predigttexte habe ich mich für den Marginaltext 4. Mose 13-14 entschieden. Israel steht nach dem Auszug aus Ägypten unmittelbar vor dem Einzug ins gelobte Land. Die Kundschafter sind durchs Land gezogen und bringen die Nachricht mit: "Wir sind in das Land gekommen, in das ihr uns sandtet; es fließt wirklich Milch und Honig darin und dies sind seine Früchte." Trotzdem folgt ein großes "Aber". Die Israeliten fürchten sich vor den ansässigen Bewohnern. Sie erheben sich gegen Mose und wollen zurück nach Ägypten. 

Damit ist diese Chance verpasst. 40 Jahre müssen sie noch durch die Wüste ziehen, bevor die nachfolgende Generation in Land ziehen kann. Aber auch auf dieser Wüstenwanderung verlässt Gott sein Volk nicht.

Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass wir in der Gegenwart neue Wege suchen und finden, die uns helfen, die vielfältigen Krisen zu überwinden.

Predigt

Dass Menschen sich von Gott ansprechen lasse - das ist das Thema dieses Sonntags. Der römische Hauptmann, ein Heide, hat vom Gott Israels gehört, hat von Jesus und seinem wunderbaren Handeln gehört, er bittet für seinen Knecht. 

Dass Menschen, die Gott kennen, sein Wort ignorieren, das erleben wir tagtäglich und davon erzählt der heutige Predigttext 4. Mose 13 und 14 - Israel stand unmittelbar vor dem Einzug ins gelobte Land. Sie hatten unterwegs Gottes Nähe gespürt. Die wunderbare Rettung aus der Sklaverei, Rettung am Schilfmeer, Gott hatte sie versorgt mit Wasser, mit Wachteln und Manna, Begegnung am Berg Sinai mit der Gabe des Gebote. . 

1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Sende Männer aus, die das Land Kanaan erkunden, das ich den Israeliten geben will, aus jedem Stamm ihrer Väter je einen Mann, lauter Älteste. 3 Da entsandte Mose aus der Wüste Paran nach dem Wort des HERRN lauter Männer, die Häupter waren unter den Israeliten. ...

25 Und nach vierzig Tagen, als sie das Land erkundet hatten, kehrten sie um, 26 gingen hin und kamen zu Mose und Aaron und zu der ganzen Gemeinde der Israeliten ... und brachten ... Kunde, wie es stand, und ließen sie die Früchte des Landes sehen. 27 Und sie erzählten ihnen und sprachen: Wir sind in das Land gekommen, in das ihr uns sandtet; es fließt wirklich Milch und Honig darin und dies sind seine Früchte. 

Es ist, wie Gott es versprochen hatten. Noch ein Schritt, und Gottes Verheißung wird sich erfüllen. 

28 Aber stark ist das Volk, das darin wohnt, und die Städte sind befestigt und sehr groß; und wir sahen dort auch Anaks Söhne. 29 Es wohnen die Amalekiter im Südland, die Hetiter und Jebusiter und Amoriter wohnen auf dem Gebirge, die Kanaaniter aber wohnen am Meer und am Jordan. … Wir vermögen nicht hinaufzuziehen gegen dies Volk, denn sie sind uns zu stark. ...

Alles vergessen, was vorher war, alles vergessen. Vor dem Kampf scheuten sie zurück. Jetzt, wo das eigene Handeln gefragt war. Solch ein “Aber” wirkt ansteckend, insbesondere, wenn es von erfahrenen Menschen kommt, von den Häuptern der Gemeinde, wir es Luther übersetzt.

1 Da fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie, und das Volk weinte die ganze Nacht. 2 Und alle Israeliten murrten gegen Mose und Aaron und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach dass wir in Ägyptenland gestorben wären oder noch in dieser Wüste stürben! 3 Warum führt uns der HERR in dies Land, damit wir durchs Schwert fallen und unsere Frauen und unsere Kinder ein Raub werden? Ist’s nicht besser, wir ziehen wieder nach Ägypten? 4 Und einer sprach zu dem andern: Lasst uns einen Hauptmann über uns setzen und wieder nach Ägypten ziehen!

Das ist offene Rebellion gegen Mose und Josua, das ist aber auch Rebellion gegen Gott, dessen helfendes Handeln die Menschen doch erfahren hatten. An anderer Stelle wollen die Israeliten Mose und seine Mitstreiter sogar steinigen. Vor allem: Sie wollen zurück in die Sklaverei. Der Ruf nach Freiheit gilt nichts mehr. 

... Da erschien die Herrlichkeit des HERRN über der Stiftshütte allen Israeliten. 11 Und der HERR sprach zu Mose: Wie lange lästert mich dies Volk? Und wie lange wollen sie nicht an mich glauben trotz all der Zeichen, die ich unter ihnen getan habe? 12 Ich will sie mit der Pest schlagen und sie vertilgen und dich zu einem größeren und mächtigeren Volk machen als dieses.

13 Mose aber sprach zu dem HERRN: … 15 Würdest du nun dies Volk töten wie einen Mann, so würden die Völker, die solch ein Gerücht über dich hören, sagen: 16 Der HERR vermochte es nicht, dies Volk in das Land zu bringen, das er ihnen zu geben geschworen hatte; darum hat er sie hingeschlachtet in der Wüste. 17 So lass nun deine Kraft, o Herr, groß werden, wie du gesagt hast: 18 »Der HERR ist geduldig und von großer Barmherzigkeit und vergibt Missetat und Übertretung, aber er lässt niemand ungestraft, sondern sucht heim die Missetat der Väter an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied.« 19 So vergib nun die Missetat dieses Volks nach deiner großen Barmherzigkeit, wie du auch diesem Volk vergeben hast von Ägypten an bis hierher.

20 Und der HERR sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast. 

Wir können mit Gott verhandeln, Gott verändert seine Pläne, Gottes große Liebe, Gottes Vergebung - in der ganzen Bibel finden wir dies, im Ersten wie im Zweiten Testament. Aber - Gott lässt sich nicht spotten!

21 Aber so wahr ich lebe und alle Welt der Herrlichkeit des HERRN voll werden soll: 22 Alle die Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich getan habe in Ägypten und in der Wüste, und mich nun zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, 23 von denen soll keiner das Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe; auch keiner soll es sehen, der mich gelästert hat.

… 31 Eure Kinder aber, von denen ihr sagtet: Sie werden ein Raub sein, die will ich hineinbringen, dass sie das Land kennenlernen, das ihr verwerft. 32 Aber eure eigenen Leiber sollen in dieser Wüste verfallen. ... 34 Nach der Zahl der vierzig Tage, in denen ihr das Land erkundet habt – je ein Tag soll ein Jahr gelten –, sollt ihr vierzig Jahre eure Schuld tragen, auf dass ihr innewerdet, was es sei, wenn ich die Hand abziehe. ...

39 Als Mose diese Worte allen Israeliten sagte, da trauerte das Volk sehr. 

Halsstarriges Verhalten hat seine Konsequenzen. Weil Gott es ankündigt, wird es oft als Strafe empfunden. Aber es ist oftmals nur die logische Konsequenz. Es gibt einen Zeitpunkt, einen Kairos, an dem etwas gelingt  - aber wenn man diese Chance verpasst, dann ist sie auch vorbei. 

Das war die Stelle, wo mir der Bibeltext sehr nahe kam. Welche Entscheidungen treffen wir gerade? Wem folgen wir? Welche Rolle spielt Gott in unserem gesellschaftlichen Denken, in Politik und Wirtschaft? Vor Weihnachten gab es ja geradezu einen Hype, immer wieder aufs Christliche Fest zu verweisen. Alle Maßnahmen hinsichtlich Corona zielten darauf, dass Weihnachten gefeiert werden sollte. Die Satiriker legten schon den Finger in die Wunde und verwiesen darauf, dass nur noch etwas mehr als die Hälfte aller Deutschen überhaupt einer christlichen Kirche angehörten. Wo spielt Gott eine Rolle?

Lied
Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
Heute wird getan oder auch vertan,
worauf es ankommt, wenn er kommt

Der Herr wird nicht fragen:
Was hast … Allgemeines, was bei uns so wichtig ist. 
Seine Frage wird lauten:
Was hast du getan um meinetwillen?

Von den verschiedensten Seiten wird gefordert, dass wir neue Wege einschlagen müssen. Dem kann ich mich nur anschließen. Allerdings sage ich auch, dass das Wege sein müssen, wo wir wieder nach Gott, nach seinem Wort, nach seinem Willen fragen. Ob wir das schaffen?

Die Israeliten verpassten damals ihre Chance - mit dem Versuch, das Land dennoch zu erobern, scheitern sie.  

40 Und sie machten sich früh am Morgen auf und zogen auf die Höhe des Gebirges und sprachen: 

Hier sind wir und wollen hinaufziehen in das Land, von dem der HERR geredet hat; denn wir haben gesündigt. 41 Mose aber sprach: Warum wollt ihr das Wort des HERRN übertreten? Es wird euch nicht gelingen. 42 Zieht nicht hinauf – denn der HERR ist nicht unter euch –, dass ihr nicht geschlagen werdet vor euren Feinden. 43 Denn die Amalekiter und Kanaaniter stehen euch dort gegenüber und ihr werdet durchs Schwert fallen, weil ihr euch vom HERRN abgekehrt habt, und der HERR wird nicht mit euch sein. 44 Aber sie waren so vermessen und zogen hinauf auf die Höhe des Gebirges; aber die Lade des Bundes des HERRN und Mose wichen nicht aus dem Lager. 45 Da kamen die Amalekiter und Kanaaniter, die auf dem Gebirge wohnten, herab und schlugen und zersprengten sie bis nach Horma.

Nach 40 Jahren konnte Israel tatsächlich ins Land einziehen. Die Kinder erlebten, dass Gott sein Versprechen hält. Wir haben Weihnachten gefeiert. Krippe und Tannenbaum stehen noch hier in der Kirche. Wir haben von den Sterndeutern gehört, die auch als Fremde zur Krippe kamen um anzubeten. Wir haben gehört, dass Gott bei der Taufe Jesu erklärte: Du bist mein lieber Sohn. Am Freitag habe ich für die Jugendlichen über die Hochzeit zu Kana gepredigt. Wenn Gott kommt, dann ist das ein fröhliches Fest. Und Jesus hat uns auch gesagt, wie wir leben können: Doppelgebot der Liebe.

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lk 13, 29)

Wir können nur hoffen und beten, dass wir dazu gehören, dass wir die Chance zu einem Neuanfang nach Corona nicht verpassen.

Samstag, 9. Januar 2021

1. Sonntag nach Epiphanias

10. Januar 2021

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum 1. Sonntag nach Epiphanias unter der Nummer 954.14. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Röm 8, 14)

Wochenlied:

Christus, das Licht der Welt (EG 410)

Du höchstes Licht, ewiger Schein (EG 441)

Lieder für den Gottesdienst

  • EG 74,1-4 - Du Morgenstern, du Licht vom Licht
  • Psalm 89
  • EG 71,1.2.4 - O König aller Ehren
  • EG 66,4.5.7 - Jesus ist kommen
  • Lebensweisen 95 May the Lord send angels

Psalm 89 - ISRAELS NOT UND DIE VERHEISSUNG AN DAVID

Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich
und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;
denn ich sage: Für ewig steht die Gnade fest;
du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.
»Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten,
ich habe David, meinem Knechte, geschworen:
Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig
und deinen Thron bauen für und für.« 
Er wird mich nennen: Du bist mein Vater,
mein Gott und Hort, der mir hilft.
Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen,
zum Höchsten unter den Königen auf Erden.
Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade,
und mein Bund soll ihm festbleiben.
Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben
und seinen Thron erhalten, solange der Himmel währt. 
 

Evangelium Mt 3, 13-17 - Die Taufe Jesu

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's geschehen. 16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Predigt

Wenn man die Sonntage des Kirchenjahres bewusst in eine Reihe stellt, kann man immer wieder Zusammenhänge entdecken. 

  • Weihnachten feierten wir die Geburt Jesu. 
  • Am 1. Sonntag im neuen Jahr, es war der 2. Sonntag nach Weihnachten, hörten wir die Geschichte vom 12jährigen Jesus im Tempel. Seine Eltern waren entsetzt, dass er sich selbstständig gemacht hatte, die Schriftgelehrten und Pharisäer waren begeistert vom wissbegierigen Knaben, mit dem sie ernsthafte Gespräche über den Glauben führen konnten. 
  • Und heute setzt die Geschichte von Jesu Taufe das Vorzeichen für den Sonntag - Jesus der Sohn Gottes. 

Jesus war offensichtlich auf der Suche nach dem Weg für sein Leben gewesen und hatte sich zunächst dem Täufer Johannes angeschlossen. Wahrscheinlich hatte ihn die direkte und deutliche Ansprache des Täufers an dessen Zuhörer fasziniert. Endlich mal einer, der sagt, worauf es ankommt. Bei Lukas können wir eine Predigt von Johannes nachlesen: “Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.”

Diese Predigtweise nahm Jesus anfangs offensichtlich auf. In diesem Fall lesen wir bei Markus: Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: "Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!"

Doch bevor wir weiter dem Werdegang von Jesu folgen, bleiben wir bei seiner Taufe. Offensichtlich wird Jesus mit diesem für ihn so einschneidenden Ereignis klar, das sein Weg ganz eng mit Gott verbunden ist, dass er der Sohn Gottes ist, von dem die Heilige Schrift immer wieder spricht. 

Dass der Geist Gottes in Gestalt einer Taube auf Jesus kam, davon berichten alle Evangelisten. Bei Matthäus spricht Gott dann offensichtlich für Außenstehenden hörbar und bezeugt: “Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.” Hier stimmt Matthäus mit dem Evangelisten Johannes überein, wo der Täufer Johannes seinen Zuhörern bezeugt: “Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist’s, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.”

Nach dem Bericht von Markus und Lukas hört dagegen offensichtlich allein Jesus Gottes Stimme: “Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.”

Zur Bestätigung ihrer Deutung, dass Jesus der Sohn Gottes ist, zogen die ersten Christen ihre Heilige Schrift heran, das Erste oder Alte Testament, wie wir sagen. Was da über den Messias, den Erlöser gesagt wurde, das entdeckten sie bei Jesus. Der eingangs gebetete 89. Psalm konnte beispielsweise so ein Text gewesen sein. Da spricht Gott:

»Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten, / ich habe David, meinem Knechte, geschworen: / Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig / und deinen Thron bauen für und für.« / Er wird mich nennen: Du bist mein Vater, / mein Gott und Hort, der mir hilft. / Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen, / zum Höchsten unter den Königen auf Erden.

Diese Worte, die ursprünglich dem israelitischen König galten, die bezogen die ersten Christen auf Jesus. Gott ist sein Vater, und Jesus ist der Sohn Gottes. 

Viele Bibelstellen, die zum Leben Jesu passen, fanden die Christen im Buch des Propheten Jesaja. Einer der für heute vorgesehenen Predigttexte aus dem 42. Kapitel dieses Prophetenbuches ist auch so ein Abschnitt. Ich denke, wenn ich gleich die Zeilen lese, dann haben sie sofort das Kontrastprogramm zu dem vor Augen, was wir in den letzten Tagen erleben mussten. Und damit wird klar: Dies wäre ein Weg, wie wir die Welt wieder zum Guten führen können:

Predigttext Jes 42, 1-4 (5-9)

Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn - und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. 2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. 3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. 4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.

Vergegenwärtigen wir uns nur ganz kurz, was Gott hier durch den Mund seines Propheten sagt. Der Text erklärt sich im Grunde genommen selbst: 

Ich habe ihm meinen Geist gegeben - allein der Geist Gottes bringt uns weiter - für alle anderen Geister, auf die wir uns heute verlassen und denen wir folgen, gilt Goethes Satz aus dem Zauberlehrling: “Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.”

Er wird das Recht unter die Heiden bringen - nur mit Recht und Gerechtigkeit werden wir diese Welt wieder ins Gleichgewicht bringen. Es darf nicht sein, dass die einen auf Kosten der anderen leben. 

Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Krawall ist nicht die Sache des Sohnes Gottes und Krawall hat nicht mit Recht und Gerechtigkeit zu tun. Das Geschrei der Straße und der Mob, der sich über Recht und Gesetz hinwegsetzt, auch noch aufgestachelt von höchsten Repräsentanten eines Staates, das birgt keine Zukunft in sich, die wünschenswert, erstrebenswert ist. 

Wenn Menschen sich in ihrer Sorge um die Zukunft vorkommenden wie ein “geknicktes Rohr” oder wie ein gerade noch “glimmender Docht”, dann soll die Situation nicht durch Repressalien verschlimmert werden, dann ist eine helfende und aufrichtende Hand nötig. Dann gilt es, in Treue das Recht zu allen Menschen zu bringen.

Auch wenn wir im Augenblick von Sorgen geplagt sind, wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht - Gott sagt uns über seinen Sohn, über seinen Knecht: Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte. 

Weiter heißt es bei Jesaja: 

5 So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen:

6 Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden,

7 dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.

8 Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen. 9 Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich's euch hören.

 An dieser Stelle erinnere ich an den Wochenspruch, den Frau Werner eingangs in der Begrüßung zitierte: “Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.” (Röm 8, 14) Wenn das gilt, dass auch uns der Geist Gottes treibt - und das wünschen wir uns ja, und darum bitten wir - dann dürfen und müssen wir all das, was Jesaja hier über den Messias, den Knecht Gottes sagt, auch auf uns beziehen. Frau Werner fragte dann: “Wie erkennen wir, dass in uns der Geist Gottes lebt und unser Handeln bestimmt? ...” 

Die drei von Frau Werner genannten Bibelstellen mit den Kernbegriffen Frieden, Liebe und Demut gehören zu den Kernsätzen in der Heiligen Schrift. Diese können jetzt nach der Lektüre von Jesaja noch einmal ergänzt werden: 

  • das Recht unter die Heiden bringen
  • nicht schreien oder rufen bzw. grölen auf den Gassen  
  • das “geknickte Rohr” nicht brechen und den “glimmenden Docht” nicht auslöschen
  • den Blinden die Augen öffnen
  • die Gefangenen - die da sitzen in der Finsternis - aus dem Gefängnis führen 
  • Gott die Ehre geben

Wenn das Motivation für unser Handeln im Glauben ist, wenn wir Gott bitten, uns mit seinem Heiligen Geist zu stärken und zu begleiten, dann gilt letztendlich auch für uns, für unseren Einsatz für eine menschlichere Welt: 

“Ihr selbst werdet nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis ich auf Erden das Recht aufrichte”, spricht Gott der Herr, der Allmächtige, der Ewige.

Amen