Donnerstag, 19. März 2020

Laetare

22. März 2020



Hiermit stellen wir Ihnen unseren ersten Versuch mit einem aufgezeichneten Gottesdienst vor. Wir haben mit einfachsten Mitteln, mit einem Smartphone gedreht. Die Tonqualität lässt sicherlich zu wünschen übrig. Das werden wir beim nächsten Mal in Angriff nehmen. Wir konnten die Texte am besten verstehen, wenn wir entweder mit dem Smartphone oder mit dem Tablet das Video aufgerufen haben. Am PC muss die Lautstärke vielleicht etwas höher gestellt werden als sonst gewohnt.

Mit diesem Link kann das Video direkt bei Youtube aufgerufen werden: https://www.youtube.com/watch?v=OI_H3ULUYcE

Weiter unten können Sie die Texte auch nachlesen.

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Laetare unter der Nummer 954.25. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft
Für den Predigttext gilt: Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Gottesdienst als Podcast

Da wir im Augenblick nicht in unseren Kirchen zum Gottesdienst zusammenkommen können, wollen wir die uns verbleibenden Möglichkeiten nutzen, um miteinander über Gottes Wort nachzudenken. Im Augenblick bereiten wir für den kommenden Gottesdienst ein Video vor, das hier an dieser Stelle und über die Website der Ev.-luth. Gustav-Adolf-Kirche zu sehen sein wird.

Wochenspruch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12, 24)

Wochenlieder:

Korn, das in die Erde (EG 98)
Jesu, meine Freude (EG 396)

Lieder für den Gottesdienst

  • Ein feste Burg ist unser Gott (EG 362,1-3)
  • Befiehl du deine Wege (EG 361,1-4)

Eine kurze Erklärung zur Auswahl der biblischen Texte. 

Die Alttestamentliche Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja ist als Lesungstext für diesen Sonntag Laetare auch nach der gottesdienstlichen Leseordnung in den evangelischen Kirchen vorgesehen. Beim ersten Lesen dachte ich: Diese Worte passen genau in diese Zeit.

In der Predigt beziehe ich mich dann u.a. auf Abschnitte aus dem Buch des Propheten Amos. Ich hatte ja schon in den letzten Gottesdiensten angekündigt, dass ich mir für die Passionszeit vorgenommen hatten, die Botschaft dieses Propheten in unseren Gottesdiensten zu bedenken.

Das ursprünglich unter den Königen David und Salomo im 10. Jahrhundert vor Christus vereinte Reich Israel war nach Salomos Tod in zwei Reiche zerfallen, das Nordreich, das weiterhin den Namen “Israel” führte, und das Südreich mit dem Staatsnamen “Juda”. Amos stammte aus dem Südreich und trat etwa in der Mitte des 8. Jahrhunderts vor Christus auf. Von Beruf war er Viehzüchter. Von Gott wurde er ins Nordreich geschickt, um dort das Gericht Gottes anzukündigen. Amos kritisierte scharf, dass die sozialen Unterschiede immer stärker hervor traten und die ärmeren Bevölkerungsschichten ausgebeutet wurden.

Hier ist der Punkt, weswegen ich auch unter den gegebenen Umständen daran festhalte. Zwar überdeckt die Corona-Krise alles andere, doch die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Gegenwart, die viele Menschen benachteiligen, sind dadurch ja nicht behoben.

Alttestamentliche Lesung - Jesaja, 54,7-10

7 Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. 8 Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.

9 Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. 10 Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Predigt

Ein feste Burg ist unser Gott … er hilft uns frei aus aller Not - das war das Lied, das unser Organist Herr Detlau-Keire gerade auf unserer Marcussenorgel gespielt hat. Nicht, dass mit Gott alles ganz einfach ist, nicht, dass wir mit Gott schon alle Probleme gelöst hätten. Da gibt es noch ganz viel zu tun. Aber dieses alte Lied von Martin Luther spricht erst einmal vom Vertrauen. Es stellt uns in dem ganzen Chaos Gott an die Seite. Wir sind nicht allein!

Wenn man die Textzeilen dann aufmerksam verfolgt, so bekommt das Lied eine ganz eindrückliche Aktualität:
  • Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren … Das merken wir jetzt ganz deutlich!
  • Und wenn die Welt voll Teufel wär … Dieses Virus ist erst einmal nicht zu fassen. Wie aus dem Nichts ist es über die ganze Welt gekommen, hat gleichsam etwas Diabolisches, Teuflisches an sich. Es macht Angst - und Angst lähmt bekanntlich und Angst ist auch ein schlechter Ratgeber.
Aber was sagt Martin Luther:
  • ... so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen … Das soll bei all dem Chaos das Vorzeichen sein, unter das wir uns heute stellen. 
Doch bevor ich diese Linie weiter verfolge, will ich wie angekündigt auf das biblische Buch des Propheten Amos zurückgreifen, über das ich in den letzten Wochen schon mehrfach gepredigt habe und zu dem ich mir durch die ganze Passionszeit hindurch Gedanken machen wollte.

Amos nimmt die ungerechten und unsozialen Verhältnisse seiner Zeit ins Visier und prangert sie schonungslos an. Beispielsweise kann man im 6. Kapitel lesen:
    Ihr meint, das Unheil sei noch fern – dabei habt ihr ein System der Unterdrückung und Ausbeutung eingeführt! Ihr räkelt euch auf euren elfenbeinverzierten Polsterbetten und esst das zarte Fleisch von Lämmern und Mastkälbern. Ihr grölt zur Harfe und bildet euch ein, ihr könntet Lieder machen wie David. Ihr trinkt den Wein kübelweise und verwendet die kostbarsten Parfüme; aber dass euer Land in den Untergang treibt, lässt euch kalt.
Diese Zeilen sind tatsächlich vor mehr als 2500 Jahren und nicht erst jetzt in unserer Gegenwart geschrieben worden. Der Prophet redet seinem Volk ins Gewissen - und man könnte denken, wir selbst seien angesprochen. Die Israeliten jedoch meinten, wie es später so oft in der Geschichte auch bei so genannten christlichen Völkern passierte: Gott ist doch bei uns! Wir sind doch sein auserwähltes Volk! Was soll uns schon passieren. Gott mit uns!

Auch wenn ich eingangs selbst vom Vertrauen gesprochen habe: So war es nicht gemeint! Das wird auch an verschiedenen Stellen bei Amos deutlich. Ich lese einmal den Abschnitt aus dem 5. Kapitel, den ich schon seit längerem für heute als Predigttext vorgesehen hatte:
    21 Der Herr sagt: »Ich hasse eure Feste und kann eure Feiern nicht ausstehen. 22 Eure Brandopfer und Speiseopfer sind mir zuwider; das gemästete Vieh, das ihr für das Opfermahl schlachtet, kann ich nicht mehr sehen. 23 Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder! Euer Harfengeklimper ist mir lästig! 24 Sorgt lieber dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen wie ein Strom, der nie austrocknet.
“Sorgt lieber dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen wie ein Strom, der nie austrocknet.” - Hätte ich vor zwei drei Wochen diese Zeilen gelesen, dann hätte ich zusammen mit Amos die ungerechten und unsozialen Verhältnisse der Gegenwart angesprochen, in der ganzen Welt, aber auch in unserem Land.

Jetzt in den Zeiten von Corona bewegen die Menschen natürlich ganz andere Gedanken. Trotzdem lassen Sie uns noch einen Augenblick bei den beiden Stichworten bleiben: Recht und Gerechtigkeit. Dass hier vieles im Argen liegt, dass eben nicht jeder zu seinem Recht kommt, wie es Amos und mit ihm die anderen Propheten fordern, das bleibt wohl auch in diesen Zeiten vielen Menschen präsent. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass wir uns in dieser Ausnahmesituation auch Gedanken machen, wie wir uns später einmal anders, wie wir uns besser aufstellen können, damit jeder mit dem zufrieden sein kann, was er hat. Auch das wäre ein Gesundungsprozess, den wir in unserer Gesellschaft wahrlich nötig haben.

Gesundungsprozess, das ist das Stichwort, mit dem ich den eingangs skizzierten Weg wieder aufnehmen will. Vom Vertrauen war da die Rede. Da habe ich zunächst die Menschen im Blick, die in vorderster Linie sich für unsere Gesundheit einsetzen: Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, aber auch die vielen anderen Kräfte, die in den Krankenhäusern und Einrichtungen alles in Ordnung und am Laufen halten. Ich denke an die vielen, die sich dafür einsetzen, dass wir in dieser Krise gut mit Essen und Trinken, auch mit materiellen Gütern versorgt sind. Ich will diejenigen nicht vergessen, die sich um andere, um Hilfsbedürftige kümmern. Und schließlich hoffe ich auch darauf, dass unsere Politiker gut beraten werden, um dann kluge Entscheidungen zu fällen.

Mit seinem Lied “Ein feste Burg ist unser Gott” stellte uns Martin Luther Gott an die Seite. Auch wenn die Welt voll Teufel wär, wir müssen uns nicht fürchten, das war seine tiefste Überzeugung. Das wird uns am Ende der Passionszeit, am Karfreitag, auch Amos sagen: Es gibt Hoffnung!

Heute hören wir zum Schluss noch einmal auf die Worte des Propheten Jesaja, die in der alttestamentlichen Lesung schon einmal erklangen: “Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.” Amen.

Samstag, 14. März 2020

Okuli

15. März 2020


Es ist schon eine seltsame Zeit. Die großen Volkskirchen sagen wegen der Corona-Epidemie die Gottesdienste ab. Wir in der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde haben uns entschlossen, an diesem Sonntag wie vorgesehen unseren Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten zu feiern, allerdings mit gewissen Vorsichtsmaßnahmen.

Um die Situation einschätzen zu können, haben wir uns auch an der "Gefährdungsbeurteilung „Corona“ für öffentliche Veranstaltungen" der Stadt Braunschweig orientiert. Wir werden von jedem Gottesdienstbesucher die Kontaktdaten notieren. Die Türen werden geöffnet sein, damit nicht jeder die Türgriffe berühren muss. Wir werden die Besucher bitten, nicht zu dicht zusammen zu sitzen. Wir haben keine "Werbung" gemacht und werden den Gottesdienst mit denen feiern, die kommen, weil es Sonntag ist.

Unter diesen Voraussetzungen denken wir, dass wir das Gottesdienstangebot verantworten können. Wir möchte Menschen in dieser Krisensituation ja auch stärken. Ob wir das am nächsten Sonntag auch so machen können, müssen wir dann entscheiden.

Dazu passt der Text, den das Vorbereitungsteam unabhängig von der dramatischen Entwicklung der letzten Tage ausgesucht hatte: Sturmstillung - da sage mal einer, das Wort Gottes spräche nicht in konkrete Situationen. Wir dürfen gespannt sein, wie Frau Hofmann den Text auslegen wird.

Für alle zitierten Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Mk 4,35-41 - Die Stillung des Sturmes

35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren. 36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. 37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. 38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? 39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille. 40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

41 Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Lieder für den Gottesdienst

Du bist da, wo Menschen leben
Im Rahmen der Fürbitte: 
- Mein Gott, das muss anders werden
- Danke, dass du mich nicht allein lässt
- Guter Gott, ich bitte dich
Tschüss, mach's gut

Predigt - Maike R. Hofmann

Frau Diakonin Hofmann stellte mir freundlicherweise Ihre Predigt zur Verfügung, die ich hier wiedergebe. Besonders eindrücklich war die Erzählung der biblischen Geschichte, weil sie die mit Wind- und Sturmgeräuschen unterlegte. Wenn man beginnt, die biblische Geschichte zu lesen, dann kann man das Bild mit dem Schiff anklicken. Dann hört man nach wenigen Sekunden den Wind pfeifen und später den Sturm brausen. . 

Die letzten Wochen waren sehr stürmisch. Wir haben ein Trampolin im Garten, es ist mehrfach umgeweht worden. Auf dem Weg zur Martin-Luther-King-Hauptprobe in Minden Mitte Februar mussten wir aufgrund der Räumung eines umgestürzten Baumes einen Umweg fahren und auf der Rückfahrt passierte das Gleiche. Es scheint in diesen Breitengraden immer stürmischer zu werden.
Da passt doch die Geschichte aus dem Markus-Evangelium sehr gut:


„Jesus befreit vom Sturm“ (Markus 4, 35-41)

Viele Menschen sind am See Genezareth. Seit Tagen kommen Männer, Frauen und Kinder, Alte und Junge, aus den umliegenden Dörfern hierher. Andere haben sogar einen sehr weiten Weg hinter sich. Sie kommen aus den Bergen.

Alle stehen am Ufer und schauen auf Jesus. Niemand sagt ein Wort. Alle sind sie gekommen, um Jesus zu hören. Es wird immer später und Jesus hat sich den ganzen Tag noch nicht ausgeruht. Nicht einmal Zeit zum Essen hatte er, so viele Leute wollen ihn hören.

Jesus steht in einem Boot nahe am Ufer und redet zu den Menschen: „Schalom! Friede sei mit euch!“ Vom Boot aus erzählt ihnen von Gott. Ganz gebannt hören sie ihm zu, wie er von der Liebe Gottes spricht: „Gott hat uns seine Liebe ins Herz gepflanzt, wie ein Korn in die Erde. Wenn wir dafür sorgen, dass seine Liebe in uns wächst, wird Frieden unter uns sein.“

Den ganzen Tag erzählt Jesus von Gott. Als es Abend wird und die Sonne tief am Himmel steht, wird Jesus müde. Er sagt seinen Freunden: „Steigt in die Boote! Wir wollen hinüberfahren an das andere Ufer, um allein zu sein. Ich bin müde. Ich brauche Ruhe. Morgen ist auch noch ein Tag.“

Ein Freund von Jesus macht die Taue los und schiebt das Boot ins Wasser. Dann springt er selbst ins Boot.

Ein anderer zurrt die Segel fest. Und schon erfasst ein leichter Wind das Segel.

Jesus legt sich gleich im Boot hin. Auf einem Kissen ganz hinten im Boot schläft er sofort ein. Das Boot gleitet sanft über den See. Der See ist glatt und ruhig.

Plötzlich geht alles ganz schnell. Wind kommt auf. Wolken ziehen herbei, dunkle, schwarze, dicke Wolken. Wie eine finstere Wand verdunkeln sie die Sonne. Auf einmal ist es rabenschwarze Nacht. Es fängt an zu regnen. Der Regen wird immer heftiger. Bald gießt es in Strömen. Es blitzt und donnert. Da erhebt sich ein mächtiger Sturm und peitscht den See auf. Die Wellen schlagen gegen das Boot. Der Sturm wird stärker und stärker. Die Wellen türmen sich immer höher und höher auf. Eine riesige Welle rollt über das Boot hinweg. Wie eine kleine Nussschale tanzt es auf dem See. Angstvoll klammern sich die Freunde am Boot fest. Voller Kraft legen sich einige Jünger in die Ruder und andere schöpfen das Wasser raus, doch immer wieder kommt Wasser ins Boot. Die Jünger haben Angst, das ist ein gewaltiger Sturm, wie sie ihn noch nie erlebt hatten. Es wird nicht mehr lange dauern, und sie alle müssen ertrinken. Das Schiff droht, jeden Moment zu sinken! Und Jesus? Er schläft. Die Jünger werden wütend. Sie alle schuften wie wild, um ja nicht unter zu gehen, und Jesus schläft! Die Freunde schreien: „Jesus, hilf uns!“ Jesus aber liegt hinten im Boot und schläft immer noch. Da rufen sie noch lauter: „Jesus! Hilf uns! Wir gehen unter!“ Es nützt nichts. Jesus schläft. Mühsam stolpert einer nach hinten und weckt ihn: „Jesus, hilf uns! Sieh doch. Wir kommen um!“

Da steht Jesus auf und bedroht Sturm und See. Kraftvoll ist seine Stimme und scharf sein Wort: „Schweig und sei still!“ Und siehe da! Der Sturm verstummt. Eine große Stille tritt ein. Ganz ruhig liegt das Boot im See. Keine Wellen. Nichts ist zu hören, nichts regt sich. Es ist ganz still.
Da dreht sich Jesus zu seinen Freunden um und sagt: „Warum habt ihr solche Angst? Vertraut ihr mir nicht? Ihr braucht keine Angst zu haben. Gott ist bei euch!“

Gott ist bei uns - auch in stürmischen Zeiten.

Stürmische Zeiten - Quarantäne für Erkrankte und ihre Kontakte, Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen, Absage der Trainings und Fußballspiele, Schließung aller Schulen und Kindergärten, Absage aller Veranstaltungen und Gruppen.

Die Mitteilungen überschlagen sich. Unser Leben scheint hin und her geworfen zu sein. Große Unsicherheit und Angst sind überall zu spüren. Es beherrscht unser Leben, wir sind in unseren Urfesten erschüttert!

Stürmische Zeiten.

Wir alle wünschen uns ein Leben in Sicherheit. Doch so scheint die Welt nicht gemacht zu sein. Jeden Tag vermitteln die Medien ein Bild von einer Welt, die gefährlich, kompliziert und schwer durchschaubar ist. Es gibt so vieles, was Grund zu Sorge und Angst gibt.

Manche Fachleute sprechen von der heutigen Zeit als einem «Zeitalter der Angst», andere vom «Zeitalter der Unsicherheit». Gemeint ist ein Lebensgefühl, das bestimmt ist von Sorgen und einem pessimistischen Blick in die Zukunft. So sind die Medien täglich voll von Themen, die beunruhigen können: die Terrorgefahr, Katastrophen, eigenartige Machthaber, das weltweite Klima, internationale Krisenherde und Kriege - und nun auch noch Corona.

Corona - dieses unbekannte und schwer einzuschätzende Virus als unbekannte, unklare Gefahr.
Gefahren, die man nicht genau kennt, führen zu Angst, Stress, Druck. Es entsteht das Gefühl, dem Ganzen hilflos ausgeliefert zu sein - so wie das Kaninchen der Schlange.

Selbst wenn wir uns über das Thema informieren und mit anderen darüber sprechen, hilft uns das nicht richtig weiter, denn niemand weiß Genaueres.

Es bleibt bei einer inneren Unruhe und ängstlichen Passivität oder ängstlicher Hyperaktivität, wie wir es an den leeren Supermarkt- Regalen sehen.

Ja, wir erleben gerade stürmische Zeiten. Wir sitzen alle in einem Boot, das zur Zeit heftig von einem Sturm namens Corona hin und hergeworfen wird.

Viele von uns sind unsicher, haben Angst. Angst ist sinnvoll, Angst kann uns schützen. Wichtig ist nur, dass die Angst nicht das Steuer übernimmt, denn das führt zu Abschottung und Hass.

Unsere Aufgabe ist es jetzt, zusammen zu halten, das Ruder so gut es geht in der Hand zu behalten, die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten und Corona über Bord zu schmeißen.

Ja, es ist eine Situation, die wir nicht richtig einschätzen können, die wir bisher noch nicht erlebt haben und so wirkt sie bedrohlich. Gerade dann ist es sinnvoll, zusammen zu halten, sich gegenseitig zu unterstützen, dem Nachbarn, der nicht außer Haus kann oder darf, seine Einkäufe mitzubringen.
Lasst uns diese eigenartige Zeit als Chance nutzen. Als Chance, uns als Gesellschaft neu wahrzunehmen.

In letzter Zeit schien soziales Engagement immer weniger wert zu sein. Es lief ja alles. Doch nun sind soziale Kontakte verboten - Kino, Konzerte, Trainings, Kita, Schule, Gruppen - alles ist nicht mehr. Nur noch wir - mit uns und vielleicht unserer Familie. Mehr nicht. - Komisch.

Ich habe die Hoffnung, dass wir alle merken, wie sehr uns die sozialen Kontakte fehlen - so wie man immer das vermisst, was man nicht mehr hat.

Ich habe die Hoffnung, dass uns allen wieder bewusst wird, was wichtig ist in einer Gesellschaft: das Miteinander, die direkten Kontakte von Mensch zu Mensch, gemeinsame Erlebnisse, wertschätzender, respektvoller Umgang, das Lächeln anderer Menschen.

Bei allem, was passiert, bin ich mir sicher: Gott ist bei uns in dieser stürmischen Zeit. Wir können nie tiefer fallen als in Gottes Hand.

Und ich bin mir noch in einem sicher: Mit Gottes Hilfe wird nicht alles so, wie ich es haben möchte, aber es wird gut!

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Okuli unter der Nummer 954.25. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lk 9, 62)

Wochenlieder:

Jesu, geh voran (EG 391)
Kreuz auf das ich schaue (NB-EG 598)

Epistel Eph 5, 1-2(3-7)8-9 - Das Leben im Licht

51 So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Evangelium Lk 9, 57-62 - Vom Ernst der Nachfolge

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Mittwoch, 11. März 2020

Reminiscere

Nachtrag zum 8. März 2020


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Reminiscere unter der Nummer 954.24. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft
Für den Predigttext gilt: Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Wochenspruch:

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm 5, 8)

Wochenlieder:

Das Kreuz ist aufgerichtet (EG 94)
Du schöner Lebensbaum des Paradieses (EG 96)

Lieder und Psalmgebet für den Gottesdienst
Da die Konfirmandinnen und Konfirmanden im Gottesdienst sind und die Freizeit der beiden Tage  mit dem Gottesdienst in der Gustav-Adolf-Kirche abschließen, habe ich mich bei den Liedern wieder am Jugendliederbuch orientiert:

Morgenlicht leuchtet
Psalmgebet 713 - Psalm 25
Da wohnt ein Sehnen
Wie ein Fest nach langer Trauer
Gott in deinen  Händen

Evangelium - Johannes 3,14-21

14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Predigtnotizen - Amos 3,1-2.7-8 - Amos 4,6-12 - Amos 5,18-20 - Amos 5,1ff

Den ganzen Text des Buches Amos findet man hier:
Ich habe die Übersetzung der Guten Nachricht gewählt.
Man kann den Text in einem Zug lesen. 

Das bevorzugte Volk

3 1 Hört her, ihr Leute von Israel! Ihr seid das Volk, das der Herr aus Ägypten herausgeführt hat. Er lässt euch sagen: 2 »Von allen Völkern der Erde habe ich euch allein ausgewählt. Deshalb wiegt eure Schuld so schwer und ich muss euch dafür zur Rechenschaft ziehen.«

Dieser Gedanke ist in Israel ganz neu. Bis dahin galt: Wir sind Gottes Volk, uns kann nichts passieren. Jetzt auf einmal argumentiert der Prophet in Gottes Namen: Ihr seid Gottes auserwähltes Volk, das ist richtig. Ihr kennt Gottes Willen in seinen Geboten. Deshalb seid ihr in einem weit höheren Maß selbst verantwortlich, wenn ihr diesen Geboten Gottes nicht folgt. Auserwählung heißt nicht, sich in Sicherheit wiegen, sondern es heißt, Verantwortung übernehmen und in Gottes Sinn handeln und regieren.

Der Prophet hat keine Wahl

7-8 Der Löwe brüllt – wer fürchtet sich nicht? Der Herr, der mächtige Gott, redet – wer wird da nicht zum Propheten? Der Herr, der mächtige Gott, tut nichts, ohne dass er es zuvor seine Diener, die Propheten, wissen lässt.

Der Untergang Samarias


Gegen die reichen Frauen von Samaria


Israel ist unbelehrbar

Der Herr sagt: 
  • 4 6 »Ich schickte euch eine Hungersnot, sodass es in euren Städten und Dörfern nichts mehr zu beißen gab. Das kam von mir! Trotzdem seid ihr nicht zu mir umgekehrt. 
  • 7 Ich hielt den Regen zurück, als die Felder ihn am nötigsten gebraucht hätten. Über der einen Stadt ließ ich es regnen, auf die andere fiel nicht ein Tropfen. Das eine Feld stand prächtig, während auf dem andern alles verdorrte. 8 Von überall her schleppten die Leute sich halb verdurstet zu einer Stadt, die noch Wasser hatte; aber es reichte nicht für so viele. Trotzdem seid ihr nicht zu mir umgekehrt«, sagt der Herr. 
  • 9 »Ich schickte euch Mehltau und Kornbrand; die meisten eurer Gärten und Weinberge, eurer Feigenbäume und Ölbäume fraßen die Heuschrecken kahl. Trotzdem seid ihr nicht zu mir umgekehrt«, sagt der Herr. 
  • 10 »Ich schickte euch die Pest wie einst den Ägyptern. 
  • Ich ließ eure jungen Männer im Kampf umkommen und gab eure Pferde den Feinden zur Beute. 
  • In euren Lagern ließ ich euch den Leichengestank in die Nase steigen. Trotzdem seid ihr nicht zu mir umgekehrt«, sagt der Herr. 
  • 11 »Ich ließ ganze Städte untergehen wie einst Sodom und Gomorra, nur ein paar Menschen überlebten die Katastrophe – so wie ein angekohltes Holzscheit gerade noch aus dem Feuer gerissen wird. Trotzdem seid ihr nicht zu mir umgekehrt«, sagt der Herr. 
12 »Jetzt aber komme ich selbst und ziehe euch zur Rechenschaft. Macht euch bereit, mir gegenüberzutreten, ihr Leute von Israel!«

Israel wiegt sich in falscher Sicherheit

5 18 Weh euch, die ihr den Tag herbeisehnt, an dem der Herr eingreift! Was erwartet ihr denn von diesem Tag? Finsternis wird er euch bringen und nicht Licht! 19 Es wird euch ergehen wie dem Mann, der vor einem Löwen davonläuft und auf einen Bären trifft, und wenn er glücklich das Haus erreicht hat und sich an die Wand lehnt, beißt ihn eine Schlange. 20 Der Tag des Herrn bringt Finsternis und nicht Licht, ein schwarzer Tag ist er; auch nicht einen Schimmer von Hoffnung lässt er euch.

5 Gibt es noch Rettung für Israel?

... so lautete die Überschrift dieser Zeilen. Ja, es gibt Rettung, das ist die eindeutige Antwort, nämlich dann, wenn die Menschen sich wieder Gott zuwenden, wenn sie Recht sprechen und die Schwachen nicht unterdrücken. 

Ende des Amosbuches - Karfreitag

Verweis auf den Evangeliumstext

14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. ... 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
  • 18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; 
  • wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 
  • 19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 
  • 20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. 
  • 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Samstag, 7. März 2020

Invokavit

Nachtrag zum 1. März 2020


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Invokavit unter der Nummer 954.23. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Joh 3, 8b)

Wochenlieder:

Ein feste Burg ist unser Gott (EG 362) oder
Ach bleib mit deiner Gnade (EG 347)

Lieder und Psalmgebet für den Gottesdienst

Da der Ev. Posaunenchor Meppen in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag feiert und seit 25 Jahren von Johannes Drenger geleitet wird, gestalteten die Bläserinnen und Bläser zusammen mit Heinz Detlau-Keire an der Orgel den musikalischen Teil. Außerdem war Hajo Bunger (Landesposaunenwart im Sprengel Ostfriesland-Ems) zu Gast in der Gustav-Adolf-Kirche.

EG 334 Danke für diesen guten Morgen (6 Strophen - aufsteigend mit Orgel)
Psalmgebet EG 736 - Psalm 91
Lied: Pilger sind wir Menschen (drei Strophen)
EG 403 Schönster Herr Jesu
EG 251 Herz und Herz vereint zusammen

Evangelium Mt 4,1-11 Jesu Versuchung

41 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Predigt 

Vorbemerkung: Am Sonntag Sexagesimae hatte ich für die Erwachsenen Texte aus dem Buch Amos zusammengestellt. Diese sollen jetzt in der Passionszeit zu Gehör kommen. 

Den ganzen Text des Buches Amos findet man hier:
https://www.bibleserver.com/GNB/Amos1 
Ich habe die Übersetzung der Guten Nachricht gewählt.
Man kann den Text in einem Zug lesen. 

Der Sonntag Invokavit steht am Beginn der Passionssonntage. Das Evangelium nimmt das alte Bild des Teufels auf, das Bild des Versuchers, des Widersachers Gottes. Und so zeigt uns dieser Sonntag in diesem Bild die dunkle Macht, die uns von Gott weglocken will.

Wenn wir einen Moment ehrlich in die Welt sehen, können wir eigentlich nur eingestehen, dass dieses Bild absolut aktuell ist. Wo wird noch nach Gott, nach seinem Wort gefragt? Wo orientieren sich Menschen in ihren Entscheidungen an dem, was Gott uns vorgibt? Wo ist etwas zu spüren von dem, was Jesus einmal so ausgedrückt hat: Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst - ja, die Selbstliebe, der Egoismus, der hat um sich gegriffen, der ist allenthalben präsent - aber Gottesliebe, Nächstenliebe …

Wir müssen nicht denken, dass das nur eine Erscheinung unserer Gegenwart ist. Wer die Worte des Propheten Amos schon einmal angelesen hat, der ahnt, dass es Menschen in dieser Zeit auch nicht besser erging.

1 1 In diesem Buch steht, was Amos, einem Viehzüchter aus dem Dorf Tekoa, vom Herrn offenbart worden ist. Er empfing die hier aufgeschriebenen Worte als Botschaft für das Reich Israel zwei Jahre vor dem großen Erdbeben, als in Juda König Usija regierte und in Israel Jerobeam, der Sohn Joaschs. 2 Amos sagte: Wie Löwengebrüll und Donnergrollen schallt es vom Zionsberg in Jerusalem her. Dort wohnt der Herr, im Zorn erhebt er die Stimme; da vertrocknen die saftigen Weiden, selbst der Wald auf dem Gipfel des Karmels verdorrt.

Mit diesen Zeilen wird die geschichtliche Situation beschrieben. Das ursprünglich unter König David (ca. 1000 v. Chr.) und Salomo (bis 926 v. Chr.) vereinte Reich Israel war in zwei Reiche zerfallen, das Nordreich, das weiterhin den Namen “Israel” führte, und das Südreich mit dem Staatsnamen “Juda”. Die Hauptstadt des Südreichs war Jerusalem. Im Nordreich gab es zwei Zentren, wo auch Kultstätten zu finden waren: Bethel und Samaria.

Über die beiden genannten Könige - Usija, der Juda von 767 bis 740 v. Chr. regierte, und Jerobeam II., der Israel von 781 bis 742 v. Chr. beherrschte - können die Ereignisse und Texte zeitlich eingeordnet werden. Die zusätzliche Angabe eines Erdbebens datiert man auf 763 v. Chr.

Der Prophet Amos stammte aus dem Südreich. Von Beruf ist er Viehzüchter - Schafe oder Rinder, das ist nicht so ganz klar. Von Gott wurde er ins Nordreich geschickt, um dort das Gericht Gottes anzukündigen. Er kritisierte scharf, dass die sozialen Unterschiede immer stärker hervortraten und die ärmeren Bevölkerungsschichten ausgebeutet wurden.

Wie Löwengebrüll und Donnergrollen schallt es vom Zionsberg in Jerusalem her. Dort wohnt der Herr, im Zorn erhebt er die Stimme; da vertrocknen die saftigen Weiden, selbst der Wald auf dem Gipfel des Karmels, des Gebirges im Norden Israels an der Mittelmeerküste verdorrt.

Drohung gegen die Nachbarvölker

  • Damaskus - Gilead mit eisernen Dreschschlitten gedroschen - ich will Feuer schicken in das Haus Hasaëls, das soll die Paläste Ben-Hadads verzehren. 
  • Gaza - weil sie die Gefangenen alle weggeführt und an Edom ausgeliefert haben - ich will Feuer in die Mauern von Gaza schicken
  • Tyrus - weil sie die Gefangenen alle an Edom ausgeliefert und nicht an den Bruderbund gedacht haben;
  • Edom - weil sie ihren Bruder mit dem Schwert verfolgt und alles Erbarmen von sich getan haben 
  • Ammon - weil sie die Schwangeren in Gilead aufgeschlitzt haben, um ihr Gebiet zu erweitern
Diese Karte gibt Einblick in die geografische Situation zur Zeit des Amos:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kingdoms_around_Israel_830_map-de.png
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/79/Kingdoms_around_Israel_830_map-de.png
Partynia [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Israel hat Gottes Strafgericht zu erwarten ...

2 6 Hört, was der Herr sagt: »Auch ihr Leute von Israel habt Verbrechen auf Verbrechen gehäuft! Darum verschone ich euch nicht. Ihr verkauft ehrliche Leute als Sklaven, nur weil sie ihre Schulden nicht bezahlen können, ja ihr verkauft einen Armen schon, wenn er euch eine Kleinigkeit wie ein Paar Sandalen schuldet. 

Gott hat allen Anteil am Land Israel geschenkt - jeder sollte genug für sich haben - es gab einige, die bereicherten sich, und andere verarmten - offensichtlich wurde auf Kredit gekauft und auch verkauft - die Reichen verschafften sich schon Sicherheiten, damit sie nicht leer ausgingen, wenn die anderen nicht bezahlen konnten

7 Ihr giert sogar nach der Asche auf dem Kopf der Verzweifelten und wendet jeden Trick an, um die Schwachen um ihr Recht zu bringen. 

Was passiert, wenn sich Menschen um ihr Recht betrogen fühlen? Die radikalisieren sich.

Vater und Sohn missbrauchen dasselbe Mädchen. 

Mit all dem befleckt ihr meinen heiligen Namen. 

8 Neben jedem Altar streckt ihr euch auf Kleidern aus, die ihr den Armen als Pfand abgenommen habt; in euren Heiligtümern trinkt ihr Wein, den ihr als Ersatz für nicht bezahlte Schulden eingefordert habt. 

9 Dabei habe ich doch euretwegen die Amoriter vernichtet. Sie waren so groß wie Zedern und so stark wie Eichen, aber ich habe sie mit Stumpf und Stiel ausgerottet. 10 Ich habe euch aus Ägypten befreit und euch vierzig Jahre lang durch die Wüste geführt, bis ihr das Land der Amoriter in Besitz nehmen konntet. 

11 Als meine Zeugen habe ich aus eurer Mitte Propheten berufen und Männer, die sich mir geweiht haben. So ist es doch, ihr Leute von Israel!«, sagt der Herr. 12 »Aber meinen Geweihten habt ihr Wein zu trinken gegeben und den Propheten habt ihr verboten, in meinem Namen zu sprechen. 

13 Ich werde euch bestrafen, dass ihr ächzt und stöhnt wie ein überladener Erntewagen. 14-15 Auch der Schnellste kann dann nicht mehr entkommen, dem Stärksten nützt seine Kraft und dem Mutigsten sein Mut nichts. Die Bogenschützen werden überrannt, bevor sie einen Pfeil abschießen können, auch die Besatzung der Streitwagen kann sich nicht mehr retten. 16 Selbst der Tapferste der Tapferen wird an jenem Tag alles wegwerfen und um sein Leben laufen. Das sage ich, der Herr.«

Gewiss, die Bibel spricht hier von der Strafe Gottes. Und Israel hat das, was dann kam, auch tatsächlich als Strafe Gottes gedeutet. Aber ist der Absturz, der Niedergang eines Volkes und einer Gesellschaft nicht automatisch die Folge von dem, was Amos Israel - und den Völkern rundum - vorwirft: Folter, Mord, Kriegsverbrechen, Ausbeutung, Unterdrückung - so kann doch kein Gemeinwesen wachsen, so können Menschen doch nicht miteinander leben.

Zwar würde ich heute nicht mehr sagen, dass Gottes Stimme “wie Löwengebrüll und Donnergrollen ... vom Zionsberg in Jerusalem” schallt, aber dass Gott klagt über das, was wir aus seiner Erde gemacht haben und wie wir Mensche miteinander umgehen, das kann ich mir gut vorstellen. Gott steht an der Seite der Entrechteten und er klagt die Machthaber und Kriegstreiber und Ausbeuter auch heute an!

Im Evangelium haben wir gehört, was der Teufel, der Versucher, der Widersacher, was der dem Sohn Gottes angeboten hat und was er uns immer wieder anbietet:
  • Füll dir den Bauch - du willst es, du kriegst es auch!
  • Hab deinen Spaß, geh bis an deine Grenzen - und ruhig noch einen Schritt darüber hinaus. Gott wird es schon richten. 
  • Du kannst die ganze Welt bekommen - kein Problem, und wenn du willst, kriegst du auch noch mehr. Nur Gott, der passt nicht mehr in dieses Konzept. Den musst du vergessen. Dann klappt's ganz bestimmt.

Jesus zeigt uns, wie wir diesen Versuchungen begegnen können. “Du sollst Gott, dem Herrn, allein dienen und ihn anbeten!” - Das ist genau die Botschaft des Propheten Amos: Kehrt um! Ändert eure Strategie! Fördert die Gemeinschaft, lasst den Eigennutz hinter euch.

Sexagesimae

Nachtrag zum 16. Februar 2020


3. Sonntag im Monat - Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten

Der Sonntag ist geprägt durch das Gleichnis vom Sämann aus Lk 8, 4-8 (Einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.), das als Evangeliumslesung vorgesehen ist. Wie aber vermittelt man das Kindern?

Das Gleichnis erzählte ich zunächst mit den Bildern von Bible Illustrations From Sweet Publishing (z.Zt. aufrufbar über diesen Link: https://www.unfoldingword.org/sweet-publishing) Der Server wechselt ab und zu, aber die Bilder findet man immer wieder. Diese stammen aus der Sammlung zum Matthäusevangelium.

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis:


5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.


6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.


7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.


8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Jetzt wollte ich aber nicht das Gleichnis auslegen - das hat Jesus ja schon getan. Ich wollte die "hundertfache Frucht" sichtbar machen und erzählte mit den anwesenden Kindern anhand ausgewählter Bilder die Geschichte Jesu von der Geburt bis zur Himmelfahrt.














Für die Kinder im Gottesdienst hatte ich die Bilder zu einem Heft zusammengestellt.

Prophet Amos

Für die Erwachsenen stellte ich die Texte des Propheten Amos zusammen. - Amos? Wer ist das?

Antwort findet man, wie so oft, bei Wikipedia: "Amos war ein sozialkritischer Prophet aus dem Südreich Juda, der im 8. Jahrhundert v. Chr. im Nordreich Israel wirkte. Das ihm zugeschriebene Buch gehört zum Zwölfprophetenbuch im Tanach, der hebräischen Bibel. ..." (https://de.wikipedia.org/wiki/Amos)

Mit dieser Notiz hat man schon mal die wichtigsten Informationen bekommen. Aber warum nun ausgerechnet dieser Prophet und seine Botschaft?

Noch einmal Wikipedia a.a.O.: "Amos ist der erste der Propheten, dessen Worte aufgezeichnet und in Buchform überliefert wurden (Schriftprophetie)."

Dann ist das Stichwort "sozialkritisch" wichtig. Das, was Amos den Menschen vor mehr als 2700 Jahren vorhielt - Machtmissbrauch, Rechtsbeugung, Bereicherung auf Kosten der Armen -, das hat - leider - von seiner Gültigkeit bis heute nichts verloren.

Und schließlich lassen sich die Schriften der so genannten "kleinen" Propheten tatsächlich in eins lesen. Wer das tun will, kann beispielsweise die Seite "https://www.bibleserver.com/GNB/Amos1". Ich habe dabei die Übersetzung der Guten Nachricht gewählt.

Dienstag, 25. Februar 2020

Septuagesimae

Nachtrag zum 9. Februar 2020


Am Freitag und Samstag waren wir zur Konfirmandenfreizeit in Papenburg - Thema: Liebe, Freundschaft, Sexualität. Das sollte dann auch den Gottesdienst bestimmen.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Lieder

Die Lieder hatten wir zum Teil schon auf der Freizeit eingeübt:

  • Aufstehn, aufeinander zugehen
  • Kyrie
  • Laudate omnes gentes
  • Ich sing dir mein Lied
  • Vater deine Liebe ist so unbegreiflich
  • In der Stille angekommen


Texte

Beim Thema Liebe, Freundschaft, Sexualität geht es manchmal ja auch ums Prahlen, ums Rühmen. Das war der Hauptgrund, weswegen ich die Alttestamentliche Lesung Jer 9, 22-23 (Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin.) als ersten Lesungstext wählte. Hinzu kommt, dass Prahlen und Angeben leider auch Einzug in Politik und Gesellschaft gehalten hat.

Jeremia 9,22-23

So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. 23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

Als Predigttext wählte ich dann

1. Kor 13,1-8.13*

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.

4 Die Liebe ist langmütig und freundlich,

die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit,

sie freut sich aber an der Wahrheit;

7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

8 Die Liebe hört niemals auf.

13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Predigt

Um den erwachsenen Gottesdienstbesuchern einen kleinen Einblick in die Thematik der Freizeit zu geben, habe ich zunächst ein bisschen vom Ablauf erzählt.

Was ist die Liebe?

Liebe zu unseren Kindern und Enkeln - Junge Liebe - Hochzeit - helfende Nächstenliebe - fürsorgliche Liebe bis ins hohe Alter

Während dieser Einstieg gemeinsam erarbeitet wird, gehen Mädchen und Jungs dann in eigenen Gruppen. Hier werden u.a.

Briefe ans andere Geschlecht

geschrieben:

Liebe Mädchen!

Was uns an Mädchen sehr gefällt: eure Schönheit und dass ihr nicht oberflächlich seid. An euch gefällt uns nicht, dass ihr öfters schnorrt, etwas arrogant seid und manchmal auf ganz cool macht und andere (nicht nur Jungs) verachtet. Besser als wir könnt ihr schreiben, aussehen, und ihr seid allgemein fleißiger.

Liebe Jungs,

wir mögen es, wenn ihr direkt, sensibel, einfühlsam, gefühlvoll, cool, respektvoll und beschützerisch seid. Wir mögen es nicht, wenn ihr auf den Boden spuckt oder im Freundeskreis anders als privat seid.

Hallo Mädchen!

Uns gefallen eure Augen sehr und dass ihr lustig seid, aber vernünftiger und ruhiger als wir Jungen. Deshalb gefällt es uns mit euch befreundet zu sein. Leider stört es uns, dass ihr manchmal etwas zickig und zimperlich seid.

Liebe Jungs!

Wir mögen es an euch, wenn ihr uns Komplimente macht. Außerdem mögen wir es, wenn ihr uns spontan umarmt oder uns beschützt, wenn wir Angst haben. wir lieben es, wenn ihr zu uns steht und man mit euch lachen kann. Was wir aber nicht so toll finden ist, wenn ihr euch so assi anzieht, eure Freundin provoziert bzw. mit unserer Eifersucht spielt.

Am Samstagvormittag spielt das Thema

Verhütung

eine entscheidende Rolle. Auch hier besprechen Mädchen und Jungs das Thema untereinander.

Aber das Thema hat natürlich auch etwas mit Verantwortung zu tun. Da bietet es sich an zu schauen, was die Bibel sagt. Da

Das Hohelied der Liebe

oft bei Trauungen Predigttext ist, bot es sich auch in diesem Gottesdienst an.

Evangelisches Gesangbuch

Zum Schluss noch der übliche Hinweis auf das Evangelische Gesangbuch. Hier findet man die Texte zum Sonntag Septuagesimae unter der Nummer 954.20. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Dan 9, 18)

Wochenlied:

Es ist das Heil uns kommen her (EG 342)oder
Er weckt mich alle Morgen (EG 452)

Epistel - Phil 2, 12-13 - Sorge um das Heil

12 Also, meine Lieben, – wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. 13 Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Evangelium - Mt 20, 1-16a - Von den Arbeitern im Weinberg

Jesus sprach: 1 Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. 2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.

3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen 4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. 5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. 6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? 7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.

8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. 9 Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. 10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. 11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben.

13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? 14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. 15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin?

16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Freitag, 3. Januar 2020

Epiphanias

6. Januar 2020


Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zu Epiphanias unter der Nummer 954.13. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt. (1. Joh 2, 8)

Wochenlieder:

Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70) oder
Stern über Bethlehem (NB-EG 544; HE-EG 542)

Lieder und Psalmgebet

EG 73,1-4 - Auf, Seele, auf und säume nicht
EG 740 - Jauchzet dem Herrn, alle Welt!
EG 293,1-2 - Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all
EG 71,1-3 - O König aller Ehren
EG 66,1.2.4 - Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude
EG 407,1-3 - Stern auf den ich schaue
EG 44,1-3 - O du fröhliche

Epistel Eph 3, 1-7 - Die Heiden sind Miterben

31 Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden – 2 ihr habt ja gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch gegeben hat: 3 Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich eben aufs kürzeste geschrieben habe. 4 Daran könnt ihr, wenn ihr's lest, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen. 5 Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; 6 nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, 7 dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist.

Evangelium Mt 2, 1-12  Die Weisen aus dem Morgenland

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, 4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): 6 Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.

7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.

9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut 11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Predigttext Exodus 18,1-12 - Jitros Besuch bei Mose

181 Und Jitro, der Priester in Midian, Moses Schwiegervater, hörte alles, was Gott an Mose und seinem Volk Israel getan hatte, dass der HERR Israel aus Ägypten geführt hatte. 2 Da nahm er mit sich Zippora, die Frau des Mose, die er zurückgesandt hatte, 3 samt ihren beiden Söhnen; von denen hieß einer Gerschom, denn Mose sprach: Ich bin ein Gast geworden in fremdem Lande, 4 und der andere Eliëser, denn er sprach: Der Gott meines Vaters ist meine Hilfe gewesen und hat mich errettet vor dem Schwert des Pharao.

5 Als nun Jitro, Moses Schwiegervater, und seine Söhne und seine Frau zu ihm in die Wüste kamen, an den Berg Gottes, wo er sich gelagert hatte, 6 ließ er Mose sagen: Ich, Jitro, dein Schwiegervater, bin zu dir gekommen und deine Frau und ihre beiden Söhne mit ihr. 7 Da ging Mose hinaus ihm entgegen und neigte sich vor ihm und küsste ihn. Und als sie sich untereinander gegrüßt hatten, gingen sie in das Zelt. 8 Da erzählte Mose seinem Schwiegervater alles, was der HERR um Israels willen dem Pharao und den Ägyptern angetan hatte, und alle die Mühsal, die ihnen auf dem Wege begegnet war, und wie sie der HERR errettet hatte. 9 Jitro aber freute sich über all das Gute, das der HERR an Israel getan hatte, wie er sie errettet hatte aus der Ägypter Hand. 10 Und Jitro sprach: Gelobt sei der HERR, der euch errettet hat aus der Ägypter und des Pharao Hand. 11 Nun weiß ich, dass der HERR größer ist als alle Götter; denn er hat das Volk aus der Ägypter Hand errettet, weil sie vermessen an Israel gehandelt haben. 12 Und Jitro, Moses Schwiegervater, brachte Gott ein Brandopfer und Schlachtopfer dar. Da kamen Aaron und alle Ältesten von Israel, um mit Moses Schwiegervater das Mahl zu halten vor Gott.

Predigtidee

Paulus: ... dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium ...

So haben sich auch die Weisen aus dem Morgenland aufgemacht, den neu geborenen König der Juden zu finden und anzubeten. 

Auch Moses Schwiegervater Jitro war fasziniert vom Gott Israels: Gelobt sei der HERR, der euch errettet hat aus der Ägypter und des Pharao Hand. Nun weiß ich, dass der HERR größer ist als alle Götter; denn er hat das Volk aus der Ägypter Hand errettet, weil sie vermessen an Israel gehandelt haben.

Auch heute spricht die christliche Botschaft von Gott an - in Südamerika, in Afrika und anderswo finden die christlichen Kirchen Zuspruch und wachsen. Auch zu unserer Gemeinde gehört ein beträchtlicher Teil, der aus einem anderen Kulturkreis zu uns gekommen ist. Warum tun sich so viele Menschen bei uns so schwer mit dem Glauben?

Bei der Predigt am Neujahrstag in der Baptistenkirche war die Jahreslosung als Predigttext aufgegeben: Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Ich nahm zunächst das Stichwort "Unglauben" auf und erzählte von einer Konfirmation. Die Pastorin, die den Gottesdienst leitete, kündigte an, man singe das Lied “Wenn Glaube bei uns einzieht …” - einer der Gottesdienstbesucher für viele deutlich vernehmbar: “Der ist bei mir schon lange ausgezogen …”

Die hier zutage tretende Einstellung ist nicht untypisch für unsere Zeit, aber sie ist auch nicht neu. Schon Karl Johann Philipp Spitta (1801 - 1859) schrieb 1833 in seinem Pfingstlied “O komm, du Geist der Wahrheit” in der 3. Strophe:
    Unglaub und Torheit brüsten
    sich frecher jetzt als je;
    darum musst du uns rüsten
    mit Waffen aus der Höh.
    Du musst uns Kraft verleihen,
    Geduld und Glaubenstreu
    und musst uns ganz befreien
    von aller Menschenscheu.
Natürlich war es gut, dass sich Menschen im Gefolge der Aufklärung von der Bevormundung durch die Kirchen - und anderer Obrigkeiten - lösten. Gott ist nicht der verlängerte Arm von wem auch immer, mit dem man drohen kann, wenn die eigene Autorität nicht mehr langt. Aber bei aller berechtigten Kritik an solch einer Verzerrung des Glaubens, hier wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Ein ernsthafter Dialog zwischen Glauben und Vernunft ist seit damals nicht mehr zustande gekommen. Solch ein Dialog auf Augenhöhe aber würde unsere Gesellschaft, ich behaupte: er würde die Menschheit einen, wenn nicht den entscheidenden Schritt weiterbringen.

Dafür steht Epiphanias. "Der Begriff ... stammt aus dem Griechischen und meint die Erscheinung des Göttlichen in der menschlichen Person Christi. ... Epiphanias ist von Anfang an eng mit dem Symbol des Lichtes verbunden, das als göttliche Führung durch den Morgenstern in die Welt scheint und Jesu Wirken und Verkündigung symbolisiert." (https://kirchenjahr.bayern-evangelisch.de/epiphanias-was-ist-das.php)

Aber offensichtlich hat das Licht Christi im grellen Licht unserer westlichen Konsumwelt für viele seinen Glanz verloren. Sie folgen lieber den Stars und Sternchen einer schönen Scheinwelt, die mit unserer Wirklichkeit nichts zu tun hat, abgesehen davon, dass sie zum Konsum animiert.

Dabei haben so viele Menschen noch vor ein paar Tagen die frohe Botschaft gehört: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids." So viele sind Heiligabend in die Gottesdienste gekommen.

Dass damit Menschen angesprochen werden, dürfen wir nicht allein auf die anderen schauen, wir müssen auch uns selbst in den Blick nehmen. So dichtete es doch auch Philipp Spitta:
    Du musst uns Kraft verleihen,
    Geduld und Glaubenstreu
    und musst uns ganz befreien
    von aller Menschenscheu.
Damit sind wir bei uns selbst angekommen. Wir müssen unseren Glauben nicht immer mit geschwellter Brust vor uns hertragen und damit prahlen. Aber wenn wir gefragt werden, sollten wir Auskunft geben können. Vor vielen Jahren habe ich mir mal in meine Konfirmandenbibel den Satz geschrieben: "Rede nur, wenn du gefragt wirst; aber lebe so, dass du gefragt wirst."

In der alttestamentlichen Geschichte haben wir gehört, dass Moses Schwiegervater Jitro zu seinem Schwiegersohn ins Lager kam und sich die ganze Geschichte vom Auszug Israels auch Ägypten erzählen ließ. Davon war er so begeistert, dass er bekannte: "Der HERR größer ist als alle Götter."

Wir alle kennen die Weihnachtsgeschichte, wir kennen das Leben Jesu in seinen Grundzügen, wir wissen, zu welch einem Leben er uns immer wieder ermutigt: miteinander, gemeinsam, für unsere Kinder und Enkelkinder ... Diese Botschaft gilt es in die Welt zu tragen, damit Menschen vom christlichen Glauben fasziniert sind - und die Welt wieder ein Stück menschlicher wird.

Perfekt müssen wir dabei nicht sein. Der christliche Glaube wird immer wieder an seine Grenzen stoßen. Nicht umsonst lautet die Jahreslosung: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Schauen wir kurz auf den Kontext: Der Vater des epileptischen Jungen bittet Jesus, der Familie zu helfen: “... Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!” (Mk 9,22-24)

Natürlich glaubt der Vater, dass Jesus helfen kann - sonst wäre er ja nicht da -, und gleichzeitig schießen ihm verständlicherweise Zweifel durch den Kopf. Der Glaube sagt: Jesus kann es! Der Verstand hält die Zweifel und die Erfahrung in der Welt dagegen.

Wenn uns der Epiphaniastag auffordert, der Welt von Gott zu erzählen und wir immer wieder unsere Begrenzheit empfinden, die uns manches Mal verzagen lässt, dann ist es entlastend, dass die Bibel erzählt, dass der Glaube nichts ist, was ich ein für alle mal habe. Glauben heißt ringen, immer wieder von neuem. Das beschreibt auch Paulus im Brief an die Philipper, wenn er das Ziel christlichen Lebens benennt: “Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.” (Phil 3,12)

Aber weil Christus uns ergriffen hat, können wir in der Welt bekennen: "Fürchtet euch nicht! Denn uns ist Weihnachten der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."