Dienstag, 6. Januar 2026

Epiphanie und Taufe im Schein der Auferstehung

Das Licht tritt in die Welt ...

Die Weihnachtszeit ist vorbei, aber das Licht brennt weiter. Vom 6. Januar an beginnt mit Epiphanias, dem Erscheinungsfest, eine neue Phase des Kirchenjahres, die uns auf die Passion und Ostern vorbereitet. Epiphanias, wörtlich die „Erscheinung“ oder „Offenbarung“, feiert, dass Gott sich in der Person Jesu Christi der Welt gezeigt hat.

Doch wer ist dieser Mensch wirklich? Die alten Kirchenväter haben uns gelehrt, dass er wahrer Mensch und wahrer Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit ist. Dieses Geheimnis müssen wir nicht in ein logisches System pressen. Es reicht, es als Glaubenswahrheit anzunehmen. Aber um dieses Geheimnis zu verstehen, müssen wir uns an den hellsten Punkt des Glaubens halten: die Auferstehung. Nur im Licht von Ostern erklären sich die Erscheinungen von Epiphanie und Taufe.

I. Die Erscheinung bei den Heiden: Eine königliche Vorahnung


Epiphanias - 6. Januar

Das bekannteste Bild von Epiphanias ist die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland. Diese Gelehrten, keine Juden, sondern Repräsentanten der gesamten heidnischen Welt, folgen einem Stern und erkennen in einem Kind den neugeborenen König der Welt.

Ihre Gaben sind ein Bekenntnis, dessen Tragweite sie in diesem Moment kaum erfassen können:

  • Gold: Für den König (den Messias).

  • Weihrauch: Für den Gott (göttliche Verehrung).

  • Myrrhe: Ein bitterer Vorgeschmack auf den Tod (einbalsamierendes Mittel).

Die Weisen knien vor einem kleinen Kind nieder und erweisen ihm göttliche Ehre. Ist das nicht töricht? Nur aus menschlicher Sicht. Im Licht der Auferstehung wird diese Anbetung zur Wahrheit. Das Kind, dem sie huldigten, ist der Auferstandene. Die Geschenke erweisen sich als prophetisch: Der König stirbt (Myrrhe), aber er ist auch der Gott, dessen Macht durch den Tod nicht gebrochen wird. Die Epiphanie bezeugt: Die Herrschaft Jesu Christi gilt allen Völkern – die frohe Botschaft ist universell.

II. Die Erscheinung am Jordan: Der Weg der Stellvertretung 


Der 1. Sonntag nach Epiphanias

Die Taufe Jesu markiert den Wendepunkt vom privaten Leben des Zimmermanns zum öffentlichen Wirken des Messias. Hier verdichtet sich das Geheimnis seiner Person:

Die Stimme vom Himmel spricht: "Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen." (Mk 1,11).

Die Taufe ist für Jesus in erster Linie ein Berufungs- und Ermächtigungserlebnis. Hier, am Jordan, wird seine Identität als Sohn Gottes ihm persönlich bestätigt und der Heilige Geist rüstet ihn für seine Sendung aus.

Doch warum unterwirft sich der Sündlose der Bußtaufe des Johannes?

Das menschliche Dilemma: Sterblichkeit und Hybris

Wie so oft müssen wir zurückgehen an den Anfang, beginnen wortwörtlich bei Adam und Eva. Der Mensch ist bereits im Paradies sterblich. Die Existenz des Baumes des Lebens bezeugt, dass ewiges Leben ein Geschenk und keine natürliche Eigenschaft der Schöpfung ist.

Der Sündenfall selbst ist das Begehren, so sein zu wollen wie Gott, selbst Gott sein. Das ist die menschliche Hybris – die Anmaßung, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Die Folge ist die Vertreibung: Der Mensch muss das Paradies verlassen, damit er nicht in seinem selbstgewählten, gefallenen Zustand auch noch vom Baum des Lebens isst und dieses verdorbene Leben ewig fixiert.

Die Menschheit trägt seitdem das Erbe Kains: Sie hat durch die Erkenntnis die Wahl zwischen Gut und Böse, aber sie besitzt nicht die Kraft, dem Bösen zu widerstehen. Das Wissen ist da, der Wille ist schwach. Dieses Unvermögen zieht sich als roter Faden durch die gesamte Geschichte: Es ist der universelle Fluch, der die Menschheit in die Ohnmacht vor der Sünde zwingt.

Jesu Antwort: Solidarität und Stellvertretung

Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, stellt sich aus vollkommener Solidarität in die Reihe der Sünder. Er nimmt das menschliche Schicksal, das durch die Sünde gezeichnet ist, vollends an. Die Taufe ist die bewusste Annahme des Weges, der ihn – stellvertretend für die ganze Menschheit – durch Versuchung, Leid und schließlich an das Kreuz führen wird.

Er geht den Weg, den wir angesichts unseres Kain-Erbes nicht gehen können, um uns vor Gott zu repräsentieren und die Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen.

III. Im Schein des Osterlichts: Die Offenbarung wird zur Gewissheit

Die volle Bedeutung der Erscheinungen von Epiphanie und Taufe wird erst an Ostern enthüllt. Ohne die Auferstehung blieben sie rätselhafte Wunder:

  1. Die göttliche Legitimation: Die Auferstehung ist für den Glaubenden der unwiderlegbare Beleg dafür, dass die Stimme am Jordan wahr gesprochen hat. Jesus ist "kraftvoll als Sohn Gottes erwiesen seit der Auferstehung von den Toten" (Römer 1,4). Die göttliche Herrlichkeit, die am 6. Januar den Weisen aufleuchtete und am Jordan auf Jesus herabkam, siegt über das menschliche Ende.

  2. Die Macht der Versöhnung: Die Auferstehung bezeugt, dass Jesus unseren Tod gestorben und die Macht des Todes gebrochen hat. Wir müssen uns nicht länger vor einem zornigen Gott fürchten, der erst versöhnt werden muss.

  3. Der Ruf zur Umkehr und Kraft: Gott ist bereits versöhnt. Die Erscheinung Jesu Christi mündet deshalb in den Ruf des Apostels Paulus: "So bitten wir denn an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott." (2 Kor 5,20).

Wer diese Versöhnung zulässt, wer Gott an seiner Seite weiß, dem wird die Macht geschenkt, der Versuchung des Bösen zu widerstehen. Die Epiphanie ist die frohe Botschaft: Das Licht ist da, die Befreiung hat begonnen, und sie gilt uns allen.


Der nächste Beitrag wird am 18. Januar veröffentlich: 

"Wenn der Himmel die Erde berührt - Fülle in Kana und Weite in Kapernaum"

Ich mache mir Gedanken zum Weinwunder in Kana und der Geschichte vom Hauptmann in Kapernaum, der Jesus bittet, seinen Knecht zu heilen.