Freitag, 25. Februar 2022

Friedensgebet am 2. Kriegstag in der Ukraine

 


Die Ereignisse haben uns überrannt. Bis zum 23. Februar hatten wir alle gehofft, dass die Krise in der Ukraine noch auf diplomatischem Wege beigelegt werden könnte. Diese Hoffnung wurde am Morgen des 24. Februar zunichte gemacht, als Wladimir Putin die russischen Truppen in die Ukraine einmarschieren ließ. Seine Rechtfertigungsversuche sind an den Haaren herbeigezogen und eine Verhöhnung der ganzen (westlichen) Weltordnung. 

"Ob Gebete wohl helfen ???" wurde in einer nächtlichen E-Mail gefragt. Spontan hätte ich geantwortet "Nein!", aber dann viel mir Jakobus 5,16 ein: "Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist." Ich wollte diesen Satz im Zusammenhang lesen und schlug die Bibel auf. Es geht im Kapitel um die Heilung von Kranken. Diesen Gedanken kann man aber auch auf die Heilung der geschundenen Weltordnung beziehen: 

Bekennt einander eure Sünden und betet füreinander,
dass ihr gesund werdet. 
Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Bekennt einander eure Sünden ... Die Aggression geht eindeutig von Putin aus. Aber wie wir es auch sonst bei Auseinandersetzungen sagen: Es sind immer mehrere Seiten beteiligt. Das ist im gegenwärtigen Krieg nicht anders. 

"Ob Gebete wohl helfen ???" Christen dürfen und sollen sich in jeder Situation an Gott wenden, sie dürfen Gott mit ihren Gebeten auch in den Ohren liegen. Allerdings sollten Christen jetzt öffentlich bekennen, das der Krieg Russlands gegen die Ukraine jeglichem christlichen Glauben entgegensteht. Gemeinsam müssten der Patriarch von Moskau als Repräsentant der Russisch-Orthodoxe Kirche, der Papst für die Römisch-Katholische Kirche und Vertreter der Evangelischen Kirchen von Präsident Putin fordern, den Krieg sofort zu beenden und die Truppen zurückzurufen. Nichts anderes ist im Namen Jesu Christi möglich!

Im Friedensgebet um 18.00 Uhr werden 3 Lieder aus den "freiTönen" erklingen: 

  • fT 174 Ich bin auf der Flucht
  • fT 175 Peacechild oder auf deutsch: Friedenskind
  • fT 120 Den meine Seele liebt, der ist das Licht ...

Neben dem Vers aus dem Jakobusbrief geht es um Micha 6,8: 

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
und was der HERR von dir fordert:
nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben
und demütig sein vor deinem Gott.

Aus dem Evangelischen Gesangbuch beten wir Psalm 119 "Erhalte mich, Herr, durch dein Wort, dass ich lebe" (EG 748) und das Gebet um den Frieden EG 828 "Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten.

In der Hoffnung, dass das Licht Jesu Christi wieder in der Welt wahrgenommen wird, soll zum Schluss des Gottesdienstes das düstere Bild des anfangs durch ein helles Bild von der Sonne abgelöst werden. 


Donnerstag, 17. Februar 2022

Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten

Sexagesimae - 20. Februar 2022

Am 3. Sonntag im Monat sind kleine und große Leute zu Gottesdienst eingeladen, also Jüngere, Junggebliebene und etwas Ältere, egal, ob sie als Familie, mit Freundinnen und Freunden oder auch alleine kommen. Wir alle wollen fröhlich miteinander auf Gottes Wort hören. 

Dazu passt der Wochenspruch aus dem Hebräerbrief ganz prima: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebr 3, 15).

Zum Sonntag Sexagesimae - 60 Tage bis zum Ende der Osterwoche - gehört auch die Geschichte von Lydia aus Thyatira, die sich in Philippi aufhält und als die erste Europäerin gilt, die zum Christentum fand. Bis dahin hatten die Apostel nur in Asien gewirkt. 

Paulus war der erste, der den Weg nach Europa auf sich nahm. Er war in der antiken Stadt Troas, als er den Auftrag empfing, in Europa Menschen zum Christentum zu führen. Er checkte auf einem Schiff ein und setzte nach Makedonien über. Seine erste Missionsstation war Philippi, eine bedeutende römische Stadt. 

https://www.openstreetmap.de/karte.html
Ortsnamen und andere Eintragungen von mir

In Philippi suchte Paulus die jüdische Gemeinde. Die hatten dort offensichtlich keine Synagoge, sondern man traf sich am Fluss. Dort begegnete Paulus Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, und anderen Frauen. 

https://www.freebibleimages.org/
http://sweetpublishing.com

Lydia hatte sich bisher zur jüdischen Gemeinde gehalten, ohne dass sie dort Mitglied war. Der jüdische Glaube war für Heiden durchaus sehr ansprechend. Bei Luther wurden diese Menschen dann eine "gottesfürchtige Frau" oder ein "gottesfürchtiger Mann" genannt. 

Die gottesfürchtige Frau Lydia war von der Predigt des Paulus so beeindruckt, dass sie sich zusammen mit ihrem ganzen Haus taufen ließ. 

Im Gottesdienst mit kleinen und großen Leuten wollen wir nach Geschichten aus der Bibel fragen, die die Gottesdienstbesucher angesprochen haben. "Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht." Ich bin gespannt, was wir da hören. 

Lieder für den Gottesdienst

  • Der Gottesdienst soll fröhlich sein
  • Ins  Wasser  fällt ein Stein
  • zu den Fürbitten: 
  • Klage - Mein Gott, das muss anders werden
  • Dank - Danke, dass du uns nicht allein lässt
  • Bitte - Guter Gott, ich bitte dich
  • Vaterunser und Segen

Gott halte seine Hände über uns 
und segne uns.
Gott halte seine Hände vor uns
und gehe mit uns.
Gott halte seine Hände um uns herum
und schütze uns
bis wir uns wieder sehen.
Amen.

  • Tschüss, mach's gut

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Sexagesimae - 60 Tage bis Ostern - unter der Nummer 954.21. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenlieder:

  • Herr, für dein Wort sei hoch gepreist (EG 196)
  • Gott hat das erste Wort (EG 199)

Evangelium Lukas 8,4-8 - Vom Sämann

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: 5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. 6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. 8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Freitag, 11. Februar 2022

Septuagesimae

13. Februar 2022

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte zum Sonntag Septuagesimae unter der Nummer 954.20. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Wochenspruch:

Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Dan 9, 18)

Wochenlieder:

  • Es ist das Heil uns kommen her (EG 342)oder
  • Er weckt mich alle Morgen (EG 452)

Lieder für den Gottesdienst

  • EG 452,1-3 - Er weckt mich alle Morgen
  • EG 720 - Psalm 37
  • EG 494,1-3 - In Gottes Namen fang ich an
  • EG 246,1-4 - Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ
  • EG 262,1.2.3.4.5.6 - Sonne der Gerechtigkeit (jeweils eine Strophe an einem Fürbittenabschnitt; Fürbittengebet s. VELKD Wochengebet)

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Epistel - 1. Kor 9, 19-27

19 Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne. 20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin –, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. 21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi –, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. 22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. 23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.

Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. 25 Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. 26 Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, 27 sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

Predigtskizze Jer 9,22-23 Das rechte Rühmen

22 So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. 

23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

Bevor ich auf diese Zeilen eingehe möchte ich noch mal auf Paulus zu sprechen kommen:

Siegespreis

24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis?

Das passt doch zu Olympia. Wer sonst nicht dieses Sportereignis verfolgt, spätestens in den Nachrichten hören wir, wer welchen Wettbewerb gewonnen hat. Gewiss, die Athleten haben sich lange Zeit vorbereitet. Olympisches Edelmetall ist die Krönung eine Sportlerlaufbahn. Auch Paulus weiß, dass solch ein Siegespreis nicht ohne Anstrengung zu erreichen ist: Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge ...

Der Preis heute?

Es darf keine Kritik an chinesischen Verhältnissen geübt werden - die immense Umweltschäden werden verschwiegen - und das Menschen ihre Heimat verloren und umgesiedelt wurden, das zählt wohl zu den Kollateralschäden

Finanzinteressen

Thomas Bach sagt: Es geht nur um den Sport. Man darf nicht erwarten, dass ein politisches System sich des Sports wegen verändert. Und es ist auch nicht die Aufgabe des Sports. 

Sagt Paulus das nicht auch? Ich bin allen alles geworden … 

Nein! Paulus spricht nicht wie Thomas Bach. Wenn Paulus heute reden würde, dann hieße es ganz bestimmt: 

  • den Chinesen ein Chinese, aber auch: den Uiguren ein Uigure
  • den Russen ein Russe, aber auch: den Ukrainer ein Ukrainer
  • den Amerikanern ein Amerikaner - God’s Own Country - aber eben auch: den Russen ein Russe, den Chinesen ein Chinese usw. 

bei Olympia geht es um viel Geld - das wird immer wieder betont - Sponsorengelder, Übertragungsrechte - und es geht um Prestige

Paulus hat eine ganz andere Motivation

… damit ich auf alle Weise einige rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.

Jeremia

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. 

Es gibt Weise, Starke, Reiche - ohne Wertung, ohne dass dies in den Vordergrund gestellt wird. Es gibt Armeen, es gibt Waffen, aber darauf kommt es nicht an. 

Ein Mensch rühme sich, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde

Im ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses bekennen wir: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde ...

Im riesengroßen Weltall - das Gott der Herr geschaffen hat !!! - ist uns diese Erde als Heimat gegeben - wir haben keinen Planeten B - auf dieser unserer Erde müssen und wollen wir alle leben

Artikel 1 der Menschenrechte: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit bzw. Geschwisterlichkeit begegnen.

Solange wir meinen, wir seien die Herren der Welt …

  • in Umweltangelegenheiten
  • in Finanzangelegenheiten
  • in Wirtschaftsangelegenheiten

... solange wir meinen, wir könnten mit anderen Menschen umgehen wie wir wollen, solange dieser Verstoß gegen die Menschenwürde nicht klipp und klar benannt wird und daraus auch Konsequenzen gezogen werden, solange wird es keinen Frieden geben, solange wird die Welt nicht zur Ruhe kommen. 

Hier könnten die großen Kirchen ihre Stimme mahnend erheben; evangelisch und katholisch im Westen, orthodox in Osten in Russland. Biden und Putin bekennen sich doch beide zur Kirche. 

Können wir angesichts der weltweiten Krisen etwas tun? Wir können bekennen, dass Gott der Herr ist, wir können bezeugen, dass unser Glaube uns Kraft gibt, wir können von unserer Überzeugung sprechen, dass allein Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit die Grundlagen eines gemeinsamen friedlichen Miteinanders sind. 

Und wir können Gott bitten, dass er uns nicht verlässt. "Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist ..."

Wenn wir jetzt dieses Lied singen, dann sehen wir bei "Abend" das Sternchen. Das weist darauf hin, dass nicht der Abend eines Tages gemeint ist, sondern der Weltenabend bzw. die letzte Zeit. Philipp Melanchthon hatte diesen Vers 1551 gedichtet. Auch damals mussten sich die Menschen große Sorgen machen. 

  • Die schmalkaldischen Fürsten (lutherisch) schlossen mit Frankreich den Vertrag von Torgau. So sollte Landgraf Philipp von Hessen (lutherisch) aus kaiserlichem Gewahrsam (katholisch) befreit werden.
  • Die lutherische Stadt Magdeburg hatte sich dem Augsburger Interim widersetzt und war deshalb von kaiserlichen Truppen belagert worden. Die Belagerung endete mit einem Friedensvertrag, aber die sog. Alte Neustadt war während der Belagerung zerstört worden.
  • Schließlich führen Spannungen in den religiösen Angelegenheiten 1552 zum Fürstenaufstand.
"Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist ..." Amen. 

EG 246,1-4 - Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ

1 Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist; dein göttlich Wort, das helle Licht, lass ja bei uns auslöschen nicht.

2 In dieser schwern, betrübten Zeit verleih uns, Herr, Beständigkeit, dass wir dein Wort und Sakrament behalten rein bis an das End.

3 Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, wir sind arg, sicher, träg und kalt; gib Glück und Heil zu deinem Wort, schaff, dass es schall an allem Ort.

4 Erhalt uns nur bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord. Gib deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Mut und Geduld.

Sonntag, 6. Februar 2022

4. Sonntag vor der Passionszeit 2022

6. Februar 2022

Wieder einmal zeitigt die Perikopenrevision von 2018 ihre Folgen. Die Epiphaniaszeit endete am 2. Februar und Ostern feiern wir nicht ganz so früh in diesem Jahr. Deshalb muss vor die mit einem Namen gekennzeichneten Sonntage der Vorpassionszeit - Septuagesimae, Sexagesimae und Estomihi - ein weiterer namenloser Sonntag geschoben werden, eben der 4. Sonntag in der Vorpassionszeit. Inhaltlich wurde dieser Sonntag mit einem aus der alten Perikopenordnung gleichgesetzt, nämlich mit dem 4. Sonntag in der Epiphaniaszeit. Was ich von dieser Revision halte, habe ich 2019 zum 5. Sonntag vor der Passionzeit geschrieben und in einem separaten Artikel zum Thema "Epiphanias- und Vorpassionszeit" geschrieben. 

Evangelisches Gesangbuch

Im Evangelischen Gesangbuch findet man die Texte beim 4. Sonntag nach Epiphanias unter der Nummer 954.17. Digital findet man alles auf der Seite "Das Kirchenjahr".

Die Farben des Kirchenjahres lassen sich in dieser Grafik finden. Den liturgischen Kalender bieten die bayrischen Landeskirche und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands an.

Für alle zitierten Bibeltexte gilt: Lutherbibel 1984, © Deutsche Bibelgesellschaft

Wochenspruch:

Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. (Ps 66, 5)

Wochenlieder:

Wach auf, wach auf, 's ist hohe Zeit (EG 244)

Stimme, die Stein zerbricht (fT 45, LPfG 21)

Lieder für den Gottesdienst

fT 15 Und ein neuer Morgen

Psalm 19,2-10a

fT 129 Ich glaube, also bin ich geliebt bei meinem Gott

EG 145,1-3.7 Wach auf, wach auf, du deutsches Land

fT 177 Freunde, dass der Mandelzweig

fT 120 Den meine Seele liebt, der ist das Licht

fT 161 Schenk uns Zeit

Evangelium - Mk 4, 35-41 - Die Stillung des Sturmes

35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren. 36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. 37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. 38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? 39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille. 40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

41 Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Predigttext - Jes 51, 9-16 - Der HERR greift ein mit Macht und Trost

Geschichte der Juden in Babylon - waren wohl schon etliche Jahre bzw. Jahrzehnte im Exil - Feierlichkeiten beim babylonischen Akitu-Fest - Neujahrsfest - Schöpfungserzählung Enūma eliš - der Sieg des Gottes Marduk über die Urgottheit Tiamat (Urozean) ermöglicht die Schaffung von Himmel und Erde.

Vielleicht ist die genau die Situation, in der sich Israel an seinen Gott wendet: 

9 Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat? 

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. (Gen 1)

10 Warst du es nicht, der das Meer austrocknete, die Wasser der großen Tiefe, der den Grund des Meeres zum Wege machte, dass die Erlösten hindurchgingen? 

Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

11 So werden die Erlösten des HERRN heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.

Hast du nicht dies alles gemacht?

12 Ich, ich bin euer Tröster! 

Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen gefürchtet hast, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen, 13 und hast des HERRN vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegründet hat, 

Damit benennt Gott den entscheidenden Punkt: Israel hatte Gott vergessen! Den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und den der Beter gerade zuvor gefragt hat, ob er es nicht war. 

Martin Luther zum 1. Gebot: Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

Da, wo die Gottesfurcht verloren geht, da entsteht Menschenfurcht.

Fortsetzung des biblischen Textes: und hast dich ständig gefürchtet den ganzen Tag vor dem Grimm des Bedrängers, als er sich vornahm, dich zu verderben? 

Wo ist nun der Grimm des Bedrängers? 

Ganz so leicht können wir es heute nicht sagen. 

  • Corona: Eine nicht enden wollende Pandemie hält unser Leben im Griff.
  • Russland / Ukraine 
  • Krieg in Europa ist wieder ein Thema 
  • ratlose Politik im Westens 
  • Menschenrechtsverletzungen in China - und die Welt feiert Olympia
  • Umweltprobleme

14 Der Gefangene wird eilends losgegeben, dass er nicht sterbe und begraben werde und dass er keinen Mangel an Brot habe. 

15 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der das Meer erregt, dass seine Wellen wüten – sein Name heißt HERR Zebaoth –; 16 ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner Hände geborgen, auf dass ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gründe und zu Zion spreche: 

Du bist mein Volk.

Jesaja: ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt - Reichenbach in der Begrüßung: die Sprachlosigkeit der Kirchen zu den Problemen der Welt war kaum je geringer als heute - das aber ist das Eigentliche der Kirche Jesu Christi, das Proprium, unser Markenkern

Das Wort Gottes ist Zuspruch und das Wort Gottes ist auch Gericht!

Hebräer 4,12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

Dieses Wort ist in den Mund gelegt. Wenn Kirchen es nicht mehr wagen, dieses Wort auszusprechen, dann haben sie keine Relevanz. Allerdings muss dieses Wort dann auch in den eigenen Reihen gelebt werden. 

Die evangelische Kirche wird zu einem Religionskonzern umgebaut.

Die römisch-katholische Kirche versinkt zusehends im Missbrauchsskandal und sie droht unsere Kirche mitzureißen

9 Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN! 

Das wünschen wir uns, wenn wir nicht weiterwissen. Gott möge dreinschlagen wie Jesus den Sturm gestillt hat. Für Jesus war das aber keine Machtdemonstration, sondern die Frage nach dem Glauben seiner Jünger. 

Gottes Antwort an sein Volk im Exil: 

16 ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner Hände geborgen, auf dass ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gründe und zu Zion spreche: 

Du bist mein Volk.

Jesaja 51,17 Werde wach, werde wach, steh auf, Jerusalem, die du getrunken hast von der Hand des HERRN den Kelch seines Grimmes! Den Taumelkelch hast du ausgetrunken, den Becher geleert. 

Zu Beginn der Coronapandemie gab es Stimmen, die sagten, dass wir nicht einfach nur dort weitermachen können, wo wir vorher aufgehört haben. Und die Einschränkungen im ersten Jahr haben gezeigt, dass manches auch gut für die Umwelt ist. Das alles scheint vergessen. Jes 22,13 »Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!«

Israel hat die Zeit des Exils genutzt, seinen Lebensstil zu überdenken. Wir haben gesündigt und Gott vergessen, sind unseren eigenen Vorstellungen nachgelaufen. 

Jesaja 52,1 Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, Jerusalem, du heilige Stadt! 

EG 145 Wach auf, wach auf, du deutsches Land! 

aus Wikipedia (abgerufen am 05.02.2022) ... (eigentlich: Ein newes Christlichs Lied / Dadurch Deudschland zur Busse vermanet) ist ein lutherisches geistliches Lied, das das im Schlaf der Sünde liegende Deutschland aufrufen und wecken will. Den Text und die Melodie schuf Johann Walter im Jahr 1561 … Im Original hat das Lied 26 Strophen. 

Der entschieden an Luthers Seite wirkende Walter … nahm die … im Zuge des Leipziger Interims und des Trienter Konzils zutage tretenden Veränderungen in Religion und Politik als kompromisslerisch und rekatholisierend wahr. Damit sah er die Reformation in Gefahr, die Deutschland als eine unverdiente Auszeichnung „durch Luther den Propheten“ zuteilgeworden war (Strophen 2–7). Er (Walter) wollte dem göttlichen Wort seinen Platz im alltäglichen Leben zurückgeben und zugleich gegen den um sich greifenden Werteverfall auftreten. Dieser manifestiere sich in einer korrupten Wirtschaft, dem Niedergang der Familienmoral, in Ausschweifung, in Zügellosigkeit der Jugend, in Kleiderluxus sowie in der Auflösung der Ständegesellschaft, kurzum einem oberflächlichen Christentum (Strophen 8–18). Als Konsequenz kündet Walter das Gericht an: die endzeitliche verdiente Strafe Gottes (durch „Zeichen“ in den Strophen 19–22). Gleich dem Propheten (Jes 51,17 LUT) erhebt er angesichts ihres Herannahens einen warnenden Bußruf (Strophe 23). Da dieser die Menschen überforderte, mündet das Lied in einem dreistrophigen Gebetsruf (Strophen 24–26).

Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN!

Ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt.

Werde wach, werde wach, steh auf, Jerusalem!

Wach auf, wach auf, du Christenheit !

Amen

Fürbitte - EG 136 O komm, du Geist der Wahrheit

O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

O du, den unser größter Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.